Kindersichere Alternativen zu WhatsApp?

Kindersichere Messenger-Alternativen zu WhatsApp

Teil 1

Kein WhatsApp ist doch schonmal eine Lösung

Eltern-WhatsApp-Gruppen sind irgendwie praktisch, aber auch irgendwie … speziell. Vor allem sind sie aber so weit verbreitet, dass man kaum mehr darüber nachdenkt, dass es ja auch anders gehen könnte. Für die organisatorischen Dinge mögen sie vielleicht gerade noch akzeptabel sein, vor allem können Eltern selbst entscheiden, ob sie es nutzen wollen. Wenn die Kids aber sehr persönlich mit ihren Leuten chatten wollen, wird es komplizierter.

Virtuelle Kontakte sind Kontakte, in welcher Form auch immer. Unsere Kids können über Messenger mit ihren Freunden oder den Großeltern prima in Kontakt sein.

Wenn Kinderbilder hin und her geschickt, Videogrüße gesendet oder Sprachnachrichten aus dem Kinderzimmer aufgenommen werden, wünschen wir uns doch die bestmögliche Sicherheit, damit die Daten auch möglichst nur dort ankommen, wo wir sie hinhaben wollen.[1]Was natürlich nicht ausschließt, dass die Nachrichten von der Empfänger*in auch gespeichert und weitergeleitet werden können. Überhaupt ist das Versenden von Kinderbildern etc. nochmal ein ganz … Continue reading

Nur: Bisher läuft fast alles über WhatsApp. Wie sicher sind denn da eigentlich eure Daten und wie geschützt eure Privatsphäre? Gibt es datenfreundliche und vor allem kindersichere Alternativen zu WhatsApp?

Definitiv keine Alternative: Telegram

WhatsApp hat zwar eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung als Standard, ist aber trotzdem nicht sicher. Die Inhalte werden beim Anbieter gespeichert, das Adressbuch wird ausgelesen und auch Daten der Kontakte gespeichert, die WhatsApp gar nicht nutzen. Die sogenannten „Metadaten“ werden für kommerzielle Zwecke genutzt.
Funktionieren tut WhatsApp natürlich prima und hat viele Funktionen, weshalb es auch so sehr verbreitet ist.

Telegram hat standardmäßig keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eingestellt (man muss dies für jeden Kontakt einzeln vornehmen) und in Gruppenchats gibt es diese gar nicht. Die Inhalte werden gespeichert, und schon während man tippt, werden diese Daten an den Telegram Server übertragen. Also noch bevor man überhaupt auf Absenden drückt. Das Telefonbuch wird ausgelesen, so können auch Rückschlüsse auf z.B. verwandte Personen („Mama“) oder gesundheitliche Daten („Psychotherapie“) gezogen werden.

Telegram wieselt sich generell aus unangenehmen Anfragen durch Journalist*innen heraus. Und dass sich dort rechtsgerichtete Gruppen ungehindert ausbreiten können, ist für mich Grund genug, Telegram nicht zu nutzen.

Threema: Ganz groß im Datenschutz

Threema ist eine App aus der Schweiz und bietet richtig viel Schutz. Man kann sich anonym über eine ID anmelden, braucht also keine Telefonnummer dafür. Inhalte werden beim Anbieter nicht gespeichert, und auf das Telefonbuch greift Threema nur zu, wenn man explizit zustimmt.

Leider gibt es keine Videochat-Funktion und die Synchronisation zwischen den Geräten ist auch etwas knifflig, weil eben viel lokal und nicht in der Cloud gespeichert wird. Dadurch dass es kostenpflichtig ist, ist seine Verbreitung auch eher gering. Daher ist Threema für mich noch keine vollständige Alternative zu WhatsApp. Mit dem neuesten Update gibt es aber schon weitere Pluspunkte Richtung Nutzungsfreundlichkeit und Sicherheit. Da kommt sicher bald noch mehr.

Threema kostet aktuell einmalig 3,99€ für Android und iOS. Man kann recht sicher sein, dass das eingenommene Geld in die Weiterentwicklung der App gesteckt wird. Warum?

Sind gratis Messenger wirklich gratis?

Anonymität und Sicherheit haben ihren Preis, würde man vielleicht meinen. Ich sage, dass anders herum ein Schuh daraus wird: Gerade kostenlos erhältliche Messenger fordern einen Preis: Deine Daten. Du bezahlst zwar kein Geld, dafür aber mit persönlichen Informationen, die zu Marketingzwecken und wer weiß wofür genutzt werden können (in Vertragstexten durchaus als „etc.“ deklariert. Während ich als Online-Unternehmerin weiß, wie wertvoll bestimmte Daten sind, um wirtschaftlich arbeiten zu können, so sehr bin ich für Transparenz in der Datenverarbeitung und die Möglichkeit zur Selbstbestimmung. Und das ist bei WhatsApp & Co. eben kaum gegeben.

Gibt es gar keine echten kostenlosen Alternativen?

OK, aber ich verstehe irgendwie auch, wenn man den Betrag nicht investieren und auch noch auf Funktionen verzichten möchte.

Signal scheint mir ein guter Kompromiss zu sein

Der Messenger speichert keine Inhalte beim Anbieter, und die Kontakte aus dem Telefonbuch werden automatisch anonym abgeglichen und dann wieder gelöscht. Von den Funktionen überzeugt Signal mit vielen Möglichkeiten, sogar automatisch löschenden Nachrichten mit einstellbarem Zeitfenster, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und sehr sparsamer bis keiner Metadaten-Speicherung.

Signal ist für Android und iOS kostenlos. Für WhatsApp-Umsteigende (z.B. aus dem familiären oder Freundes-Umfeld) ist Signal besonders geeignet, weil die Funktionen denen von WhatsApp sehr ähneln und den Umstieg sehr intuitiv machen. Für mich ist Signal also eine ziemlich gute WhatsApp-Alternative.

Wire sieht auch gut aus

Auch die App Wire schlägt sich ähnlich gut als kostenloser Kompromiss mit 30 Tagen verschlüsselter Inhaltsspeicherung, Adressbuch-Abgleich nur mit Zustimmung und ausreichenden Features.

Ich selbst habe es noch nicht ausprobiert, aber es sieht auf den ersten Blick wirklich sehr schick aus – reduziert und intuitiv.

Von Ginlo noch nie gehört

Tatsächlich bin ich erst bei der Recherche für diesen Artikel auf Ginlo gestoßen. Es handelt sich um einen Messenger aus Deutschland, den es vor Zeiten schonmal gab, als GMX noch Brabbler hieß – wer hätte das gewusst – (2017). Von den GMXlern wurde der Messenger nämlich auch kreiert. Seit Januar 2020 ist er wieder am Start und verspricht viel Gutes, was Funktion und Sicherheit angeht.

Ich werde Ginlo auf jeden Fall auch testen und berichten.

ABER: Ist sicher denn auch kindersicher?

Nee, nicht wirklich. Also zumindest nicht im Sinne von Jugendschutz. Darauf sind diese Messenger einfach nicht ausgerichtet. Das zugelassene Nutzungsalter ohne Zustimmung von Erwachsenen bei WhatsApp ist in der EU (mittlerweile) 16 Jahre, bei Signal 13.

Im Klartext heißt das, dass Kinder bei der Nutzung immer auch mit Inhalten in Berührung kommen können, die für Kinder nicht geeignet sind.

Echte Kinder-Messenger gibt es zwar, aber vorab kann ich schon sagen, dass sie ebenfalls Mängel aufweisen, mit WhatsApp Reichweite einfach nicht konkurrieren können und insgesamt wohl ziemlich unattraktiv sind.

Was macht WhatsApp so kinder-unsicher?

Wie bei den anderen Messengern können Kinder Fotos, Nachrichten, Videos oder Links weitergeleitet bekommen, die gewalttätiges oder pornographisches Material enthalten. Außerdem kennt jede Person, die mit dem Kind chattet, dessen Telefonnummer, weil diese die WhatsApp ID bildet. So kann jeder auch außerhalb der App Kontakt zum Kind aufnehmen.

Ein Sicherheitskonzept, um „Cybermobbing“ und anderen Formen der Belästigung vorzubeugen, fehlt. Melden kann man nur Spam, eine Aufklärung über Risiken der Nutzung, zum Beispiel auch an Eltern oder pädagogisches Personal, findet nicht statt. Unter die oben schon beschriebenen gesammelten Metadaten fällt unter anderem auch der Standort, was für Kinder natürlich sehr problematisch ist.

Kinder-Messenger – los geht’s zum Testlauf

Tatsächlich habe ich bisher auch keine reinen Kinder-Messenger auf meinen Geräten installiert. Das will ich eigentlich ändern und nehme dich mit zu einem Selbstversuch, eine gute und kindersichere WhatsApp-Alternative zu finden, die sicher ist, gut funktioniert und unseren Ansprüchen an eine funktionale Kommunikation gerecht wird.

Bist du dabei?

Das Experiment werde ich im zweiten Teil dieses Blogartikels dokumentieren. Wenn du dich am Test beteiligen möchtest, komm doch in meine kostenlose Facebook-Gruppe und hilf mir, Eltern- und Kinder-Meinungen sowie verschiedene Testsituationen zu sammeln.

Welche Messenger …
… hast du bereits installiert, nutzt du regelmäßig oder hast du schon ausprobiert?

References

References
1 Was natürlich nicht ausschließt, dass die Nachrichten von der Empfänger*in auch gespeichert und weitergeleitet werden können. Überhaupt ist das Versenden von Kinderbildern etc. nochmal ein ganz eigenes Thema.

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