Stuttgart-Special: ‚Ich kenne ein Tier’

… aber welches?

Apropos ‚Tier’.

„Ich kenne ein Tier mit ’nem Rüssel dran.
Und ich kenn’ ein Tier, das fliegen kann.
Und ich kenn’ ein Tier, das wirklich spinnt.
Mein Tier hat im Beutel ein Kind.“

Titelsong von ‚Ich kenne ein Tier‘

Inhalt & Konzept

Die Magazinsendung für Kinder ab dem Kindergartenalter stellt in jeder Folge ein bestimmtes Tier vor. 

Tiere raten

Ein Ratespiel läutet jede Folge ein und schließt an das im Titellied vorgestellte Prinzip an. Dort beschreiben Kinder Eigenschaften eines Tieres und in einer Bildschirm-Maske erscheint ein illustriertes und animiertes Tier, das auf die genannte Eigenschaft passt. Anfangs zeigen sich Tiere, die zwar eine der Eigenschaften besitzen, aber nicht das gesuchte Tier sind. Die Kinder versuchen, weitere Eigenschaften zu nennen, um den:die („unsichtbare:n“) Animator:in auf die richtige Fährte zu bringen.

Tiere entdecken

Es folgt ein dokumentarischer Bericht über das jeweilige Tier. Eine Gruppe von Kindern entdeckt den Lebensraum des Tieres und lernt spielerisch seine Gewohnheiten und Eigenheiten kennen.

Trickfilm

Mit einem Trickfilm schließt die Sendung ab. Es handelt sich entweder um eine Einzelproduktion, die das entsprechende Tier zur Hauptfigur hat, oder um eine Folge aus einer der beiden als Serienformat konzipierten Animationsfilmreihen ‚Meine Schmusedecke‘ oder ‚Animanimals‘. Letztere wurde frisch mit dem Grimme-Preis 2019 ausgezeichnet.

Tiere malen 

Alternativ gibt es kurze Clips, die Kinder beim großformatigen Malen des Tiers auf präparierten Wänden zeigen.

Von Kindern für Kinder

Als Protagonist:innen und Sprecher:innen der Beiträge sind Kinder die Akteure in ‚Ich kenne ein Tier‘. Erwachsene tauchen höchstens auf, wenn sie die Kinder auf den Entdeckungsreisen in die Welt der Tiere begleiten und anleiten. Filmisch bleiben sie sehr im Hintergrund. So wirken das Wissen und die Infos natürlich sehr erwachsen, aber die Vermittlung erfolgt durch die Peer Group in kindgerechter Vereinfachung.

Umsetzung

Look

Die simple Filmtechnik der Realfilmteile (TV-Look) bringt das Erzählte ganz nah an die Realität, als wären wir dabei. Das ist effizient, denn die Animationen brauchen zeitliche Ressourcen, die man dadurch gewinnt. Clever.

Die Animationen des Rätselspiels sind klein, aber fein. Transformation von Knetfiguren (wie aus dem Rüsseltier ‚Elefant‘ das Tier mit Rüssel ‚Schwein‘ wird – man beachte den feinen Wortwitz der Macher:innen) oder Zeichentrick – die Tiere sind professionell, charakteristisch, ein bisschen überzeichnet sowie im Verhalten minimal vermenschlicht und super sympathisch.

Musik

Auch wenn aus „Summ, flatter, brumm …“ ein „Rumsfidelbumm“ bei uns wird, Käpt’n Elsa kann den Titelsong schon fast auswendig. Das Prinzip des Magazins wird im Text vorgestellt und die Musik ist lustig und catchy. Wenn wir vor dem Schlafengehen noch die ein oder andere Folge schauen, haben wir mit selbst Singen die Phase zum Abschalten des Tablets oft gut überbrücken können. Und die Melodie hat uns in den Schlaf begleitet. „Ich kenne ein Tier, das will einfach nicht aus dem Kopf.“ (ɯɹnʍɹɥo)

Es ist uns ein Rätsel …

Auch wenn durch die Titelbilder der Präsentation auf der Website der Mitrate-Faktor etwas verloren geht, zumindest wenn die Kinder mit auswählen, ist das Tiere-Raten für uns immer ein besonderer Spaß. Ich sage ‚für uns’, weil auch ich mich regelmäßig über die niedlichen Details freue, die mit den Hinweisen der Kinder assoziiert dargestellt und ad absurdum geführt werden. Die Kinder kringeln sich vor Lachen, wenn der:die unsichtbare Animator:in ein falsches Tier oder ähnliches ins Bild schickt. „Das Tier ist rot und sehr schlau.“ – eine Tomate auf Beinen betritt die Bühne. Die Kinder im Clip wie auch meine Kinder rufen laut „NEIIIN“ und korrigieren Details. Die Anregung zur Interaktion scheint zu funktionieren.

Die Kombination aus real gefilmten Kindern und Animation finde ich geschickt ins Konzept eingebunden. Und ich rätsele selbst immer ein bisschen mit, wie es wohl logistisch funktioniert, dass die Kinder prompt auf ein animiertes Tier reagieren und umgekehrt.

Bedürfnisse

Die Tiere scheinen mir fachgerecht und bestmöglich artgerecht vorgestellt zu werden. Die Kinder begleiten Tierpfleger im Tierpark oder Zoo, wo sie nah an die Tiere herankommen. Haustiere werden auch in ihrem domestizierten Umfeld gefilmt, also auf einem Bauernhof oder im tiergerecht ausgestatteten Käfig. Tierarten wie z.B. der Delphin werden mit Archivmaterial von frei lebenden Tieren illustriert.

Das Wissen, was Kindern durch die Sendung vermittelt wird, unterstützt den verantwortungsbewussten Umgang mit Tieren. Ihnen wird ein vielfältiger Einblick ermöglicht. Ich verstehe die Sendung als Anregung in einem Alltag, in dem eine Nähe zu Tieren nur eingeschränkt möglich ist.

auf Entdeckungstour

Die Idee, die Eigenschaften der Tiere von den Kindern nachempfinden zu lassen, finde ich sehr charmant. Neben dem Lerneffekt ist es Anregung für Spielideen zugleich. Erwachsene Zuschauer:innen können sich Inspiration holen und ab und an mitstaunen, wenn die Kinder zum Beispiel visuell eindrucksvoll die Gänge des Maulwurfs mit Kreide an der Oberfläche nachzeichnen.

Lieblingsepisode

Maulwurf

Zugegeben, ich habe wohl noch nicht ganz alle Folgen gesehen, aber aktuell würde ich sagen, dass mir der ‚Maulwurf‘ bisher am besten gefallen hat.

Warum?

Weil der Cover-Maulwurf bezaubernd ist, das Rätselspiel wirklich lustig und ich es unserem Maulwurf daheim nun weniger übel nehme, dass er so fleißig unseren gesamten Garten umbuddelt.

Fazit

‚Ich kenne ein Tier‘ ist eine gelungene Wissenssendung, die Lernen und Unterhaltung sowie Realfilm und Animation geschickt verbindet. Allein, wer generell die Domestizierung von Tieren ablehnt, sollte vielleicht etwas anderes einschalten.

Warum ‚Meine Schmusedecke‘ und ‚Animanimals‘ unabhängig davon längst zu unseren Favoriten zählen, erfahrt ihr in den nächsten beiden Teilen dieses Stuttgart-Specials. Stay tuned.

Facts & Credits

Jahr

2012 – 2019

Produktion

SWR in Zusammenarbeit mit Studio Filmbilder, Andreas Hykade und dem Animationsinstitut der Filmakademie Ludwigsburg

Episoden

52 in 4 Staffeln

Länge der Episoden

je 11 Minuten 

Preise

unter anderem:

  • Prix Jeunesse, Gewinner „Up to 6 non-fiction“, München, 2014
  • Sonderpreis für das beste Vorschulprogramm beim „goldenen Spatz“, Gera, 2013
  • Emil für gutes Kinderfernsehen, TV Spielfilm, 2013

alle Preise

Altersempfehlung

Die Kinder in der Sendung sind etwa fünf Jahre alt, also im Vorschulalter. Auch für jüngere Kinder finde ich das Format geeignet, auch wenn diese die gesprochenen sachlichen Informationen sicher nur bedingt aufnehmen. Fräulein Nilsson (2) jedenfalls hat ihre Freude daran und kommentiert aufmerksam das Geschehen auf dem Screen.

Wo zu sehen?

Auf der Website der Sendung gibt es alle Folgen in voller Länge sowie die einzelnen Clips nach Kategorie sortiert.

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