Auf knuffige Nachbarschaft

Stuttgart-Special: ‚Meine Schmusedecke’

Und noch mehr Tiere.



Außerdem Werbung – unbezahlt und aller-freiwilligst, ohne Auftrag und von Herzen.

Inhalt & Konzept

Eine kunterbunte Patchworkdecke setzt sich aus vielen einzelnen Quadraten zusammen, auf denen jeweils ein Tier wohnt. Pro Episode hat eins der Tiere ein Problem und seine Patchwork-Freunde helfen ihm, es zu lösen.

Alle Arten von Tieren leben in friedlicher Nachbarschaft zueinander und helfen sich gegenseitig. Nur der Fuchs möchte immer eins von ihnen fressen, aber das geht ja mal gar nicht. Und natürlich gerät auch er eines Tages in Schwierigkeiten.

Für die kleinen oder größeren Problemchen finden die Freunde lustige und kreative Lösungswege. Nicht alle Ideen funktionieren auf Anhieb, doch eine Lösung gibt es immer.

Umsetzung

Look

Einer echten Flickendecke nachempfunden, kombiniert ‚Meine Schmusedecke‘ Material-Collage aus textilen Strukturen und Zeichentrick (Collage-Trick) in einer 2D-Computeranimation.

Ästhetisch spricht mich das sehr an. Jedes Teil eines Tieres und die verschiedenen Elemente der Hintergründe bestehen aus unterschiedlichsten Stoffen. Die unterschiedlichen und fein kombinierten Strukturen und Farben ergeben ein harmonisches und lebendiges Gesamtbild. Es ist gar nicht einfach, etwas professionell unperfekt, wie eine handgearbeitete Flickendecke, wirken zu lassen.

Schrift, die wie Stickerei oder ausgeschnittene Buchstaben oder einer Kombination eingesetzt wird, ist ein weiteres cleveres Detail des Corporate Designs, das besonders auf der Webseite der Serie fortgeführt wird.

Das Design der Figuren selbst ist lustig, perfekt komponiert – auch im Zusammenspiel mit allen anderen Figuren – und sehr charakteristisch. Es hebt sich deutlich von anderen Trickfilm-Tieren ab und bringt etwas ganz Besonderes mit. Die riesigen Augen und die Ornamentik der Körperteile mag ich sehr.

Ornamente, nicht übertrieben, spielen auch im Hintergrund eine Rolle.
Oft wird noch ein simulierter Passepartoutrahmen als räumliche Begrenzung auf die vordere Ebene gesetzt. Im Ausschnitt agieren dann die Figuren. Durch Schatten wirkt die Bühne schön räumlich. 

Musik

Passend zur Zielgruppe der ganz jungen Kinder, wirken das Titellied und die Musik lustig, niedlich und verspielt. Sänger:in ist ein etwa drei- oder vierjähriges Kind, wie ich von der Stimme und unperfekten Aussprache her vermuten würde. Glockenspielklänge erinnern an eine Spieluhr. Ein Ohrwurm – wir singen ihn zwischendurch immer wieder.

Sprache

Das Kind, das das Titellied singt, erzählt auch die Geschichten aus dem Off. Das wirkt sehr authentisch und angenehm. Die Sätze sind ganz, ganz einfach strukturiert, so dass schon kleine Kinder gut folgen und verstehen können. Das Kind spricht kommentierend in direkter Rede zu den Tieren, diese antworten oft in Gestik oder Mimik. Stellenweise erinnert mich dieses Prozedere an das ‚Spiegeln’, bei dem gezeigte Gefühle in Worte gefasst und wiederholt werden. „Ah, du bist traurig?“

Erziehungsfaktor

Die Patchwork-Nachbarn leben gleichberechtigt und gleichwertig neben- und übereinander. Eine solche Gemeinschaft wünsche ich mir oft im echten Leben. Man hilft und wertschätzt sich gegenseitig, egal wer man ist und welchen Background man hat. Selbst die natürlichen Feinde gehören mit zur friedlichen Gemeinschaft.

Der:die Sprecher:in ist sehr liebevoll zu ihren tierischen Freunden. Sie sorgt sich und fragt nach, was denn wohl helfen könne, benennt die Emotionen, aber weist den Fuchs auch deutlich darauf hin, dass er nicht einfach jemanden fressen darf.

Es geht – ganz ohne „Lernziel“ – um kreative Lösungsfindung, ums Mit-Überlegen und Mitfühlen. „Das Dorf“, das in unserer Elternschaft so wichtig ist bzw. wäre, verstehen so schon die Kleinsten.

Am Ende geht es darum, Verbindung zu schaffen, auch wenn zu Beginn ein Problem trennend wirkt.

Produktion

Erfrischend originell und original. In der deutschen Produktionslandschaft, in der grundlegend der Mut fehlt, sich von bereits als Buch etablierten Marken zu lösen und statt Adaptionen einen originären Stoff (haha – Wortspiel) zu kreieren, ist ein feiner Zug.

Die komplett in Deutschland und vor Ort produzierte Serie kommt aus dem Studio FILM BILDER, kreiert von der sympathischen und talentierten Angela Steffen. Um das Studio  komme ich wohl nicht herum in einem Stuttgart-Special. Will ich aber auch gar nicht. Werdet ihr in den nächsten Tagen noch sehen.

Die Schlüsselpositionen wie Regie, Produktionsleitung, Design, Animatic und Drehbuch sind weiblich besetzt. Keine Selbstverständlichkeit, leider, in der Filmbranche. Deshalb stelle ich es hier auch nochmal heraus.

Einen Blick hinter die Kulissen und in den Entstehungsprozess gibt es übrigens auf der Webseite. Hier sieht man auch die Mamas (und Papas?) im Team – liebste Grüße an meine ehemalige Mentorin Urte .

Neue Staffel

Die Produktion einer zweiten Staffel wurde bestätigt und das EICHHÖRNCHEN als neuer Protagonist angekündigt! Kreisch!

Auf dem Trickfilmfestival am kommenden Wochenende werden zwei neue Folgen zu sehen sein. Bin ich gespannt! Doppelkreisch!

Lieblings-Patchwork-Pal

Maus

Immer, wenn die Maus selbstsicher und ur-zufrieden die Bühne betritt oder sie verlässt, singt sie eine beschwingte Melodie und – entschuldigt diesen neumodischen Jugend-Slang – dancet dazu ab. Ditditditdit-didit-dit. Ich weiß selbst nicht genau, warum, aber ich finde das sooo niedlich und ur-lustig, dass ich mir das im Alltag stellenweise selbst angewöhnt habe. Besonders, wenn die Situation tendenziell eher zum Verzweifeln ist. Hilft. Manchmal. Und so richtig grumpy kann die Maus auch sein.

Fazit

Ganz nach Patchwork-Art passt bei ‚Meine Schmusedecke‘ alles bestens zusammen. Nicht in der willkürlich gestückelten Art und Weise, sondern überlegt, professionell, durchgestaltet, perfektionistisch bis ins Detail und dabei immer authentisch, lustig und sympathisch. Die Kinder (und ich) lieben die kleinen Geschichten und die lustigen Tiere.

Facts & Credits

Jahr

2013 – 2015

Produktion

Studio Film Bilder

Co-Produktion 

SWR u.a.

Buch & Regie 

Angela Steffen, Andrea Deppert

künstlerische Leitung

Andreas Hykade

Episoden

26 Episoden in 1 Staffel
2. Staffel in Produktion

Länge der Episoden

ca. 4 Minuten

Preise

u.a. Prädikat „besonders wertvoll“ der deutschen Film- und Medienbewertung

alle Preise

Website

www.meineschmusedecke.de

Altersempfehlung

Als portionierte Häppchen für die Jüngsten sind die vierminütigen Folgen bestens geeignet. Die Serie ist für Fernsehanfänger:innen konzipiert und funktioniert in dieser Form auch prima. Auch die älteren Kinder in Kindergarten und (Vor-)Schule (und vielleicht darüber hinaus?) haben große Freude an den Clips. Für mich als Elter sind sie ebenso unterhaltend und kein Stück nervig.

Wie cool ist das denn?

Im Shop gibt es unter anderem (Trommelwirbel!) eine Nähanleitung und Schnittmuster für die Original-Schmusedecke. Waaah. Außerdem eine mobile App und die DVDs.

Wo zu sehen?

Alle 26 Folgen sind aktuell in a***p*** enthalten. 

Drei Folgen zum Schnuppern gibt es auf der Website.

Sie sind fester Bestandteil des Tiermagazins für Kinder ‚Ich kenne ein Tier‘. Siehe auch hier.

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