Ich sehe was, was du nicht siehst | Teil 2 – #Elternschule

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III. Ich sehe …

⎨ Content ⎬

… die Story

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Der Film erzählt eine Geschichte darüber, wie Ordnung ins Chaos kommt. Wie aus Krieg so etwas wie Frieden wird. Fast wie in diesen postapokalyptischen (Zombie-)Filmen. Mit Hilfe des Helden Langer schafft es ein Großteil der unter dem Chaos Leidenden in geordnete, friedliche Zustände. Man bedankt sich ausdrücklich für die Rettung, immer wieder, im Film wie in den Kinosälen, für die wertvolle Arbeit, die das eigene Leben verändert habe. Dazwischen wird ein harter Weg beschrieben, der immer wieder zu scheitern droht, an dessen Erfolg man glaubt, wenn man mit eigenen Augen sieht, dass es „funktioniert“.

Sender & Empfänger

Was letztlich bei den Rezipient:innen ankommt bzw. hängen bleibt, nachdem sie die einzelnen Elemente des Plots erfasst und verarbeitet haben, hängt davon ab, mit welchen eigenen Informationen und Erfahrungen sie diese ergänzen. 

Die Filmemacher sollten sich dessen bewusst sein oder eben Fettnäpfchen in Kauf nehmen. Im Nachhinein auf Fehlinterpretation o.ä. zu plädieren, wenn sich Menschen in ihrer Haltung oder ihrem Sein diskriminiert fühlen oder stellvertretend für diskriminierte Parteien Wort ergreifen, ist unprofessionell. Vielleicht fehlte ihnen selbst im Vorhinein die gewisse Kenntnis bestimmter Fakten? 

Interpretationsspielraum?

Herr Langer (und so der Film) liefert seine Interpretation bestimmter Thesen. Dass der Film polarisiert, zeigt deutlich, dass da eine Menge Spielraum vorhanden ist. Zwischen „Das Kind ist grundlegend manipulativ, um zu überleben“ und „Das Kind ist grundlegend kooperativ, um zu überleben“ liegen Welten. 

Die fragmentäre Darstellung bestimmter Szenen (eingeworfene Sätze, Andeutungen, deren Bedeutung nicht ganz klar wird) macht es nicht unbedingt eindeutiger. Was, zum Beispiel, kann „Das Kind muss Führung körperlich spüren“ nicht alles bedeuten.

Eine variable Auslegung von filmischen Inhalten ist in gewissem Rahmen akzeptabel. Wenn dies auf Kosten einer wehrlosen und von diesen Interpretationen abhängigen Menschengruppe geschieht, ist es jedoch fatal.

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… Perspektiven

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Die Filmemacher nehmen bewusst die Perspektive der Klinik ein. Wir als Zuschauer:innen sind mehr oder weniger auf dem Kenntnisstand der gezeigten Eltern und bekommen von Herrn Langer erklärt, wie ein guter Umgang mit Kindern funktioniert. Als Eingeweihte sind wir dann aber dabei, wo die Eltern aus psychologischen und strategischen Gründen nicht zugelassen sind. Wir hospitieren sozusagen und bekommen auch zusätzliche Informationen und Gespräche über die Eltern mit. Wir bewegen uns ausschließlich im Inneren (figurativ wie wörtlich) der Klinik. Das Sichtfeld unserer Perspektive beschränkt sich auf die Informationen, welche die Klinik bzw. der Film uns zur Verfügung stellt. Hinterfragen wir diese nicht, sind wir ein Teil des Systems.

Eine Innenperspektive von Menschen (emotionale Ebene) ist nicht vorgesehen. Wir erfahren zwar über Erzählungen von den elterlichen Vorgeschichten, sehen, wie sie weinen und ihre Mimik, aber wir werden nicht weiter in ihre Gefühlswelt und das, was sie zu erzählen hätten, geleitet.

P-p-p-poker face

Auch das Klinikpersonal bleibt weitestgehend eine homogene Menge, die nur bedingt individuell unterschieden werden kann (nach hierarchischem Rang). Mit Pokerface begegnet es den Kindern. Wir können kein Stück in sie hineinschauen, sehen nur einmal kurz Emotionen aufleuchten (als die Schwestern genervt über Felix’ Vater sprechen), blicken ansonsten strikt von außen auf sie. Ob dies nun als professionelle Distanz oder Empathielosigkeit gewertet wird, liegt wohl (nicht ganz) im Auge des Betrachters. Denn: dass ein „Still Face“((https://www.youtube.com/watch?v=apzXGEbZht0 via https://www.kinder-verstehen.de/aktuelles/elternschule-ein-rueckblick/)) als massiver Stressauslöser bei Kindern wirkt, beweisen deutliche Experimente. Filmische Hinweise auf Weichherzigkeit den Kindern gegenüber gibt es jedenfalls keine.

Neutralität?

In sofern haben die Filmemacher tatsächlich eine beobachtende Perspektive eingenommen. Jedoch keine neutrale. Die inhaltliche Perspektive des Herrn Langer wird über das Beobachtete gespannt, womit wir als Publikum weitestgehend seine Perspektive einnehmen (sollen).

erwachsene Sicht & Augenhöhe

Den Kindern kommt die zentrale Rolle zu. Wir beobachten ihr Verhalten im Sinne des Herrn Langer. Es ist ein Film über Kinder, von Erwachsenen für Erwachsene aus einer erwachsenen Perspektive.

Es wird nicht aus der Perspektive der Kinder erzählt. Warum viele, die den Film sehen, trotzdem die Perspektive der Kinder einnehmen, und zwar eine, welche die Filmemacher (und die Klinik) in der Form nicht intendiert haben, liegt mitunter an der generell eingenommenen Ebene gegenüber Kindern im Alltag. Überlegungen wie „Was fühlt das Kind (wirklich)? Wie geht es dem Kind (tatsächlich)? Was möchte das Kind (über das Sichtbare hinaus) ausdrücken?“ laufen auf gedanklicher Ebene automatisch mit, wenn man sich intensiv mit Kinderrechten und dem Leben mit Kindern auf Augenhöhe beschäftigt. Hier spielen Erfahrungen aus der eigenen Kindheit ebenso eine Rolle wie Elternschaft und fachspezifische Ausrichtungen zu Menschenrechten und Bindungstheorie.

Eine verschlossene Tür, durch die keine vertraute Person kommt und die ich als Kind durch mein Gitterbett nicht erreichen kann, bedeutet eingesperrt zu sein. Mich als Kind von fremden Menschen anfassen, festhalten und mir Holzspatel in den Mund schieben lassen zu müssen, täglich, auch ohne Notwendigkeit, ist qualvoll. Von meinen Eltern getrennt zu sein, ebenso. Von „Freiwilligkeit“ kann aus Kindersicht keine Rede sein.((Mehr dazu: https://www.kinder-verstehen.de/aktuelles/elternschule-ein-rueckblick/))

Dass die vermeintlich neutrale Beobachtung keine Begegnung der Kinder auf Augenhöhe ist, auch wenn die ab und an niedrig installierte Kamera diesen Eindruck erweckt, sondern der Blick auf das „System Kind“ von oben herab erfolgt, erläutere ich in den folgenden Abschnitten. Grob zusammengefasst, steht hier ein negatives einem positiven Menschen- bzw. Weltbild gegenüber.

Gewalt – eine Frage der Perspektive?
Gedankenmodell Gewalt-Relation: zwischen Vernachlässigung und Misshandlung
Mein gedanklicher Versuch einer Annäherung an die Gewalt-Frage (linear)
Gedankenmodell Gewalt
Mein gedanklicher Versuch einer Annäherung an die Gewalt-Frage (Parabel)

Auch im Streit um das Thema „Gewalt oder nicht“ spielen die unterschiedlichen Perspektiven eine entscheidende Rolle.

Aus Sicht des Kindes erfährt es fraglos Gewalt. Es wird gequält, denn es erleidet Qualen, muss sich Prozeduren unterwerfen, die es weder versteht noch über sich und seinen Körper ergehen lassen will. Und das täglich, mehrfach, ständig, um den Stress bewusst zu erhöhen.

Abgesehen davon, dass es prinzipiell kein „bisschen Gewalt“ gibt, findet die Bewertung, ob der Film Gewalt an Kindern zeigt und verharmlost, die Klinik gewaltvolle Methoden anwendet, von verschobenen Nullpunkten aus statt. Wer von verprügelten und schwer misshandelten Kindern ausgeht, sieht im Beschneiden des Willens vielleicht keine Gewalt, im Minus-Bereich (z.B. geringes Begrenzen) hingegen vielleicht durchaus wieder. Wessen Kind weitestgehend selbstbestimmt in vielen Bereichen lebt, erkennt Gewalt schon in viel harmloser erscheinenden manipulativen Details. Der Minus-Bereich umfasst dann psychische und physische Verwahrlosung. Jeder Mensch entscheidet bewusst oder unbewusst darüber, in welchem Bereich er sich bewegt, geprägt durch die eigene Vergangenheit, um es in seinen Relationen ein Stück besser zu machen. 

Dennoch, aus meiner Perspektive heraus ist Gewalt keine Geschmacksfrage. Sie ist auch nicht linear, sondern mehrdimensional.

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… Eltern

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Die gezeigten Eltern im Film sind sehr unterschiedlich, haben unterschiedliche Leben und Vorgeschichten, erziehen unterschiedlich. Manche leben in enger Bindung, manche eher grundlegend autoritär. Man kann auf den ersten Blick nicht sagen, dass die „Störungen“ vom einen oder vom anderen kommen. Auch erkennt man im Film nicht eindeutig, in wie weit Trauma oder Vorgeschichte ursächlich sind, ob das Problem bei den Eltern oder bei den Kindern startete. Dem Film ist das egal. Letztlich befinden sich alle Eltern an einem Punkt, an dem sich die Problematik so weit aufgeschaukelt hat, dass eine eigenständige Lösung nicht mehr möglich ist. In ihrer Symptomatik sind alle auf einem ähnlichen Stand, und von hier aus wird behandelt.

Negativ-Bild

Das Bild, das dieser Film von Eltern zeichnet, ist ein unsicheres, schwaches. In ihrer Unwissenheit und Überforderung machen die Eltern Fehler. Diese werden filmisch präsentiert und ihre Konsequenzen erläutert. Die Fehler werden durch das Therapieprogramm korrigiert und es wird dafür gesorgt, dass sie möglichst nicht wieder passieren.

Ihren Kindern gegenüber scheinen die vorgestellten Eltern grundlegend „alles“ falsch gemacht zu haben. Sie hätten nach ihren Instinkten gehandelt, verständlich und natürlich sei das, aber ganz gefährlich. Ihnen wird gelehrt, es besser zu tun. Das Prinzip der Schuld kommt zur Anwendung.

Auch im Rahmen der Therapie, dem System gegenüber, lassen sich Ausfälle der Eltern beklagen. Sie sind emotional, überfürsorglich, anhänglich, panisch und impulsiv. Wie die Kinder. Sie tun Dinge, die im Programm so nicht vorgesehen und verboten sind. „Unglaublich“ und „Soll’n se halt gehen“, heißt es, bevor man ihnen einen „schönen Abend“ hinterher flötet. Das Bild der „hysterischen Mütter“, das als Vorwurf gegen die bindungsorientierten Kritiker des Films angebracht wurde, kommt sicher nicht von ungefähr. Eltern werden in diesem Film wie die Kinder behandelt und manipuliert.

Wie viel des Verständnisses, das den gezeigten Eltern an wenigen Stellen ausgedrückt wird, ist ehrlich, wie viel rhetorische Methodik, um das eigene Anliegen besser transportieren zu können? In abschätziger Weise und Tonfall wird z.B. während der Nachtschicht über sie geredet. Sie müssten in ihrer Denkweise korrigiert und auf einen anderen Weg gebracht werden, um das System nicht zu gefährden: Die Eltern als Bedrohung.

Unterstützung

Während die einen noch in den „alten“ Sichtweisen hängen bleiben, haben andere bereits den „Reifungsprozess“ begonnen, so zeigt es die Frühstücksszene im Dialog zwischen den beiden Schreibaby-Müttern.

Sie bräuchten viel „Unterstützung“, manche Eltern. Sie seien zu sehr in alten Mustern gefangen, hätten Ängste und Gedanken, die den Stress so erhöhten, dass ein rationales Handeln nicht möglich sei. Das sehe ich so weit auch. Die daraus geschlussfolgerten Handlungsanweisungen jedoch halte ich für absurd. Für die Eltern vielleicht noch annähernd funktional, für das Kind jedoch fatal. Unter Unterstützung verstehe ich etwas anderes als das, was im Film gezeigt wird. Ja, es gebe noch andere Angebote wie Ergotherapie etc., doch bringen diese das ehrliche Verständnis, nehmen diese die Last der Schuld von ihren Schultern, geben diese die Liebe und Fürsorge, die die Eltern so sehr brauchen? Der Film erzählt eher das Gegenteil.

Wandlung

Die Eltern sind die Bittsteller in diesem Film. Sie sind hilflos und greifen nach dem letzten für sie erreichbaren Strohhalm. Welch Glück, dass dieser so nahe liegt. Sie werden emotional gezeigt oder beschrieben: in Sorge, verunsichert, verwirrt, stets weinend oder mit „Ausraster“. Sie werden subtil in ihrer Liebe bloßgestellt. Am Ende zeigen sich dankbare und beruhigte Eltern. Manche lachen wieder, manchen steht die Sorge noch immer ins Gesicht geschrieben, doch sie sind wohl erleichtert und nicken stumm. Die Bedrohung und damit der Stress ist geschrumpft. Ziel erreicht.

Prägung eines (Selbst-)Bildes

Mit dem Bild der Eltern im Film formt sich letztlich auch das Bild gegenüber allen Eltern. Ah, sie verhalten sich genau wie die hysterischen Eltern im Film, so kann das nichts werden. Ah, das sind gute Eltern, denn sie greifen durch und lassen sich nichts gefallen. Ah, eine fürsorgliche Mutter, na der wird das Kind in ein paar Jahren sicher auf der Nase herumtanzen, da wird sie sich wundern. Ah, ein unsicherer Vater, der bräuchte auch mal ein bisschen Anleitung. Der Abwertung und dem (von den Filmemachern selbst kritisierte) Eltern-Bashing wird durch einen solchen Film Futter gegeben.

Vor allem aber formt sich subtil ein Bild von sich selbst als Mutter oder Vater, als Mensch. Ich leide mit den Kindern mit, mache ich es jetzt falsch? Ich habe meinem Kind ein Eis vor dem Essen erlaubt, nun ist es kein Wunder, dass ich verurteilt werde. Ich schaffe es nicht, die Wut meines Kindes zu ignorieren – es hat mich noch komplett im Griff. Ich bin ein schlechter Vater, mein Kind hat sich gerade in aller Öffentlichkeit auf den Boden geworfen und geschrien. Ich bin eine gute Mutter, mein Kind hat heute zu spüren bekommen, was Autorität bedeutet. Da war ich ja selber Schuld, dass das vorher nicht geklappt hat. Ich sollte nicht so weichherzig sein. Mein Kind hat sein Besteck an die Wand geworfen, ich sollte mich schämen. Vielleicht sollte ich eine Therapie oder den „Elternführerschein“((https://elternfuehrerschein.com)) in Erwägung ziehen?

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… Kinder

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„Das Kind“ wird mit der einleitenden Slow-Motion-Sequenz und seinen verzerrten, weinenden Gesichtern bereits zu Beginn des Films stigmatisiert. In ihnen lauert die versteckte Gefährdung eines funktionalen Systems. Ihre Darstellung im Film erinnert an Zombies: die monströs verzerrten Gesichter, der tote Ausdruck in den Augen, Brüllen, Beißen, Schlagen … seelenlose Kreaturen.

Kommunikation mit über Kindern

Es wird viel über Kinder gesprochen, auch wenn (z.B. während der Untersuchung) betont wird, dass man den Kindern erkläre, was man dort tue. Dies dient aber wohl eher der Beruhigung der Zuschauer:innen Eltern. Die Kinder werden nicht gefragt und schon gar nicht einer gültigen Antwort würdig gesehen. Das gehört zum Konzept. Es wird im ganzen Film fast gar nicht und wenn, nicht uneigennützig mit Kindern gesprochen. Sie werden nicht in den Dialog einbezogen, denn sie hätten ja schon viel zu viel zu sagen.

Dass hier bereits zuvor Kommunikation deutlich schief läuft und auch ganz anders funktionieren kann, sieht niemand. Die meisten Kinder kommen im gesamten Film nicht zu Wort. Schreien und weinen, negativ agieren, das dürfen sie zur Genüge. Sprechen passt nicht ins filmische Konzept. Was hätten sie auch beizutragen außer „Ich will!“ und „Du musst!“? Viele Kinder können nicht einmal sprechen. Dennoch sehe ich Kinder, die sich kompetent ausdrücken (wollen), durch nonverbale Kommunikation.

Der Dolmetscher Langer spricht dabei eine andere Sprache als ich, als die Kinder selbst, sage ich. Als hätte man einen Film neu vertont mit verdrehten Inhalten. Es wird keine Bemühung deutlich, die wahre Sprache der Kinder zu verstehen((siehe u.a. „Kinder verstehen: Born to be wild – Wie die Evolution unsere Kinder prägt“ von Herbert Renz-Polster, 2015 und https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de)). Mit Langers Theorie vom berechnenden Strategen etc. wird jegliche Bemühung obsolet. Fatal, meiner Ansicht nach.

Warum denn so negativ?

Die Darstellung der Kinder im Film unterliegt dem klassisch negativen Menschenbild/Weltbild. Sie werden in unterschiedliche Rollen gesteckt: Größte Egoisten, berechnende Strategen, bequeme Prinzessinnen.

Tendenziell wird alles aufkeimend Niedliche über Herrn Langers Referendum zunichte gemacht. Es wird keine fröhliche oder positive Situation zwischen Eltern und Kindern gezeigt. Selbst die ruhigen Momente sind geprägt von Erschöpfung und Reglosigkeit. Auch als das Essen bei einigen Kindern wieder funktioniert, bleibt die aktive positive Interaktion aus. Selbst die symbolträchtige Labyrinth-Szene am Ende verliert durch ihre Inszenierung jegliche Authentizität.

Not

Ich sehe Kinder, die Not leiden. Chronische Not, die sich in ungesunden Verhaltensmustern ausdrückt, und akute Not durch Situationen, die für jeden einzelnen Menschen neu, ungewohnt und unangenehm wären. Die akute Not wird ihnen abgesprochen, Hilfe damit verwehrt.

(Keine) Individualität

Den Kindern wird jede Individualität und Persönlichkeit aberkannt. Alter und Entwicklungsstand spielen keine Rolle. Wir erfahren als Publikum nichts über die wahren Interessen des Kindes, das natürliche Temperament, Talente, positive Eigenschaften. Zwar wird dem Kind eine schlaue und strategische Durchtriebenheit unterstellt, was mit Klugheit begründet wird, doch eine ernsthafte Kompetenz kommt ihm nicht zu. Diese Dinge werden von den Filmemachern bewusst weggelassen, um das Publikum emotional von den Kindern zu distanzieren. Man kennt das aus Spielfilmen, in denen die Kollateralschäden weniger charakterisiert werden als die Helden oder emotionalen Verluste. Perfide in diesem Fall, da sie eigentlich die Hauptpersonen sind, oder besser: der Gegenstand der Betrachtung. Es findet eine Objektivierung des Kindes statt. Es wird durch sein negatives Handeln definiert, nicht durch seine Persönlichkeit, es sei denn durch seine systemschädigende. Im Gegensatz zum charismatischen, gewitzten, weisen Herrn Langer bleiben die Kinder ein System, das sich durch seine vereinheitlicht negativen Verhaltensmustern definiert. Nur so funktioniert das Modell, auf dem die Therapie basiert.

Gefahr

Das dargestellte Kind ist ein Anhängsel, das außer Kontrolle geraten eine Gefahr impliziert. Wie ein bissiger Hund oder ein den Reiter gefährdendes Pferd. In der Methodik stets an Tiertrainer-Sendungen auf den privaten Sendern erinnernd (obwohl es mir dort menschlicher zuzugehen scheint), bleibt das Bild des Kindes weit hinter dem des Erwachsenen zurück. Es reicht nicht über das eines Hundes hinaus, der als treuer Begleiter dem Menschen zu folgen hat.

Mitleid

Nur selten wird dem Publikum zugestanden, echtes Mitleid für eines der Kinder zu fühlen. Der kleine Felix mit der Sonde, der kraftlos weinend den Tisch umrundet und dabei von der Mitarbeiterin auf Video aufgenommen wird, lässt wohl auch die abgeklärtesten Zuschauer:innen mit einem mulmigen Gefühl zurück.

Klischee

Generell haben wir es mit einem Klischee-Abziehbild vom Kind zu tun – Horror-Edition. Sein Verhalten ist „unmöglich“, neben mir raunen Kinobesucher mit Sekt zum Spektakel bei kindlichen Provokationen im Sinne von „Boah, das geht ja GAR nicht.“ Kinder werden an erwachsenen Maßstäben gemessen: wozu sie in der Lage sein sollen, was sie antreibt, was sie können und wie sie funktionieren müssen.

Im Gegensatz zu Kindern als Filmhelden sehe ich diese Kinder als verkannte Helden dem gegenüber, was sie ertragen müssen, und meine damit nicht nur ihren „Gesundheitszustand“.

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… Menschen

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Kinder sind Menschen. Sie handeln menschlich. Sie müssen als Menschen behandelt werden. Für sie gilt das Menschenrecht.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

(Art. 1 Abs. 1 Grundgesetz)

Das Bild, das von den Kindern gezeichnet wird, ist ein negatives Menschenbild. Die Protagonist:innen neigen zur Objektivierung von Kindern (siehe auch Adultismus).

Die Eltern haben mein absolutes Mitgefühl. Sie zeigen viel Menschlichkeit in ihren verletzlichen Momenten: Wut, Trauer, Angst, Sorge, Liebe, …

Ich habe hingegen Schwierigkeiten, das menschliche Verhalten beim Pflegepersonal zu erkennen. Einmal, als man über Felix’ Vater motzt, kommt ein bisschen Leben in die Schwestern. Aber ‚menschlich‘ im liebevoll-empathischen Sinn lässt zu wünschen übrig. Das menschliche Verhalten der Eltern und der Kinder wird im therapeutischen Kontext quasi eliminiert.

Die Inszenierung des Protagonisten Langer erinnert an die eines Übermenschen.

Dennoch (Disclaimer): ALLE im Film gezeigten Protagonisten sind Menschen. Jegliche persönliche Bedrohung oder Beschimpfung der Privatpersonen (Herr Langer, Klinikpersonal, Filmteam und Eltern) ist unmoralisch und falsch.

Mein Anliegen ist es, kritisch über die Wirkung der Persönlichkeiten und ihrer Handlungen im Film bzw. durch den Film, in ihrer Außendarstellung und im fachlich/inhaltlichen Kontext Stellung zu beziehen.

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… Not

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‚Gejagt!‘ heißt das Buch, das Mohammeds Mutter in einer Ecke sitzend liest, um bei der Fütterung ihres Sohnes möglichst unbeteiligt zu wirken.

Dass die im Film vorgestellten Familien Hilfe benötigen, ist eindeutig. Sie befinden sich unter einem Leidensdruck, der eine zeitige und effektive Lösung braucht. Um welchen Preis, ist die Frage. 

Ich sehe Eltern in Not, die weder ein noch aus wissen, die den Point of no Return längst überschritten haben. Sie hätten vorzeitig Hilfe benötigt, aber es ist nun einmal, wie es ist. Wodurch sind sie in Not geraten? Durch ihre Kinder? Durch ihre Geschichte? 

„Bevor ein Kind Schwierigkeiten macht, hat es welche“

Alfred Adler

Die Kinder sind längst in Not. Ein Kind, das sich so verhält, ist in größter Not. Lag es an den Eltern? An der Persönlichkeit? An bestimmten Handlungen? Den Umständen?

Schuld vs. Beziehung

Das Konstrukt ‚Schuld‘ bringt uns hier meines Erachtens nicht weiter, auch wenn durch den Film impliziert wird, dass die Eltern die Schuld an der Misere((https://www.epd-film.de/filmkritiken/elternschule)) tragen. Aber Verantwortung, die Not zu erkennen. Die Klinik verspricht Abhilfe. Diese wird dankend angenommen. Den Eltern verüble ich es nicht. Ich kann ihre Not nachvollziehen, sie wollen das Beste für ihre Kinder. Ihnen, die in größter Not Hilfe suchen, sollte kein Vorwurf gemacht werden, dass sie sich von der professionellen Erscheinung und dem Versprechen auf Erfolg überzeugen lassen. Sie sind froh, wenn es endlich vorbei ist. Den Verantwortlichen für das Programm und für den Film nehme ich es hingegen übel, die akute Not der Kinder und ihre Ursachen zu negieren.

Ich sehe keine „Problemkinder“, sondern verzweifelte Kommunikation und Hilferufe. Die Eltern haben ihre eigenen Bedürfnisse ignoriert und sich selbst aufgegeben. Die Familie, das Zusammenleben, die Beziehung zueinander in beide Richtungen ist aus den Fugen geraten.

Stressreduktion

Die Situation der Familien ist so verfahren, dass Kinder wie Eltern im chronischen Stress auf stetig steigendem Level sind. Es gibt keine Entspannung. Für die Kinder kann das lebensgefährlich sein, denn Menschen sind durchaus in der Lage, ihren eigenen Kindern unter extremen Umständen etwas anzutun. Bevor es also eskaliert, ist es gut, beide Parteien aus dieser Stress-Spirale zu befreien. Das ist auch der Ansatz der Klinik, und bis dahin bin ich auch ganz dabei. Wie genau das geschehen sollte, steht auf einem anderen Blatt.

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… Liebe

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„Zarah ist mein Leben.“

(Zarahs Mutter im Film. Darauf D. Langer: „Ja, aber es gibt auch eine Welt außerhalb des Kindes.“)

Die Eltern, die sich für ihre Kinder zu dieser Therapie entscheiden, tragen eine Menge Liebe ihrem Kind gegenüber in sich. Sie sorgen sich und suchen nach Lösungen, nach Auswegen aus der Krise.

„Connecting is loving“

Naomi Aldort((im Interview vom Online-Kongress „Mut zur Wut“ 2019, https://www.wutkongress.com))

Sie weinen um sie, sie leiden mit ihnen bei den Untersuchungen, bei den Therapien. Sie stillen und herzen ihre Kinder, sie kuscheln und tragen sie, zumindest am Anfang des Films noch und zwischendurch im Kuschel-Raum. Auch wenn sie bereits so genervt sind, dass sie nur harsch zu reagieren scheinen: Sie werden von ihren – wenn auch unerwünschten – Handlungen berührt, sie sind ihnen nicht egal, fühlen sich verletzt durch offenbaren Widerstand, zweifeln vielleicht an sich selbst. Die Eltern kommen mit bedingungsloser Liebe in sich, sie wanken im Mittelteil, sie gehen mit vermeintlicher Kontrolle durch an Bedingungen geknüpfte, dosierte Liebe.

Die Kinder lieben bedingungslos. Zu Beginn und über das Ende hinaus. Was bleibt ihnen übrig? Sie sind in absoluter Abhängigkeit. Was ihnen widerfährt im Rahmen der Therapie, wird mit „aus Liebe“ begründet. Natürlich, die Eltern suchen sich Hilfe, aus Liebe. Sie lieben ihre Kinder. Das steht außer Zweifel. Was sollten sie auch anderes tun, um ihre Kinder zu retten, wenn sie von anderen Wegen keine Kenntnis besitzen? 

Die Gründer des Programms und die ausführenden Personen empfinden als Außenstehende natürlich keine Liebe. Warum auch? Ihr Job ist es, ein aus den Fugen geratenes System wieder zum Funktionieren zu bringen. Das tun sie. 

„Liebevoll-konsequent“

„Liebevoll-konsequent“ heißt die Methode. Wenn das, was dort gelehrt wird, liebevoll ist, möchte ich nicht das Gegenteil kennenlernen. Ich empfinde diesen Begriff als Euphemismus, als Marketing-Gag. Empathie und Emotionalität wird zugunsten von Rationalität, Berechnung und Vorhersehbarkeit eliminiert. Liebe hat in der Praxis kaum Platz. Natürlich verkauft sich der Begriff gut, denn so gut wie alle Eltern lieben ihre Kinder ganz selbstverständlich.

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… Angst

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D. Langer im Gespräch mit Felix‘ Mutter. Es gelte, das Kontrollverlust-Erleben zu vermeiden. Ziel: Felix solle angemessen essen. Man müsse zunächst „durch das Tal der Tränen durchlaufen“, bevor man „auf neuer Schiene“ sei. „Halten SIE das durch?“ – Mutter: „Ich gebe mein Bestes“, aber weiß nicht, ob sie das alles schafft. Sie weint noch immer. „Felix ist noch jung, die Muster lassen sich noch gut durchbrechen.“

Da Angst ein schlechter Ratgeber ist, sind Entscheidungen aus Angst meist nicht die besten. Sich der eigenen Angst bewusst zu sein, ist der erste wichtige Schritt im Prozess. Angst ist ein Indikator.

Die konkreten Eltern im Film haben (teils massive) Angst um ihre Kinder, die zum Teil in einem sehr bedenklichen gesundheitlichen Zustand sind. Selbst die Mutter, die ihr Kind auch ins Heim schicken würde, agiert aus Verzweiflung und Angst. Zarahs Mutter schaut generell nachts nach dem Kind – aus Angst. Einige der Eltern („die nicht nein sagen können“) sind im Alltag handlungsunfähig geworden, wie gelähmt, aus Angst, das Falsche zu tun. Sie alle sind verzweifelt und greifen nach jedem Strohhalm, an den sie sich klammern können. Es ist völlig nachvollziehbar, warum sie das Erfolg versprechende Angebot der Klinik annehmen.

Angst vor der Nudel

Angst kann viele Ausprägungen annehmen. Die „Angst vor der Nudel“ ist zwar zunächst nur eine Unterstellung und bedeutet für das Kind wahrscheinlich etwas ganz anderes (für ein unbekanntes ablehnendes Gefühl, für das es noch kein Wort kennt, ‚Aua‘ zu benutzen, wenn von den Erwachsenen kein ‚Nein’ akzeptiert wird, finde ich übrigens sehr kompetent), dennoch: auch irrationale Ängste haben zunächst Ursachen, Auslöser und gute Gründe. Angst einfach abzuwatschen und zu negieren bringt uns wohl in den wenigsten Fällen auf gesundem Wege weiter.

Angst vor Fehlern

Eltern generell haben in der Regel immer irgendwie Angst, etwas „falsch“ zu machen oder „falsch“ gemacht zu haben, dass ihre Kinder „falsch“ sind oder „falsch“ werden. Sie haben Angst, das Ansehen, die Anerkennung, die Zugehörigkeit in der Gesellschaft zu verlieren („Was sollen die anderen denken“). Dies ist nämlich ein wichtiges Bedürfnis. Das ist, denke ich, auch ganz natürlich. Wird die Angst zur Belastung, sollte man sich Unterstützung suchen.

Eltern in Wut fürchten sich vor sich selbst.

Versteckte Angst?

Verfechter der im Film gezeigten Methodik lassen eine Angst erkennen, sich mit den eigenen Gefühlen und Ängsten, der eigenen Prägung, auseinanderzusetzen, ohne sich darüber bewusst zu sein.

In der Verteidigung ihrer Grundsätze sehe ich Angst bei der Institutsleitung, das Ansehen und die Existenzgrundlage zu verlieren. Die Angst vor der persönlichen Bedrohung durch übergriffige Kritiker nehme ich ebenfalls wahr.

Ich habe Angst

Dann ist da die Angst bei den Menschen, die Kindern gegenüber eine andere Haltung leben als die in Film und Klinik propagierte. Die Befürchtungen sind groß, auf einem langen und schwierigen Weg intensiver Bemühungen um Akzeptanz und Anerkennung, diese schlagartig wieder zu verlieren.

Ängste schüren

Ich sehe die Bemühungen des Films und des Programms, betroffenen Eltern die Angst nehmen zu wollen, indem sie Wege aus dem Schlamassel aufzeigen und Emotion in Logik verwandeln. Das mag auf gewisse Weise auch funktionieren. Dafür werden an anderen Stellen jedoch Gefahren hervorgehoben, die vielleicht weniger gefährlich sind als dargestellt, die auch nur kontextbedingte Relevanz haben, die pauschal angenommen und dramatisiert werden.

Der Aufbau des Films ist so konzipiert: Das extreme Chaos am Anfang weckt bei den Zuschauenden Ängste (siehe Wiedererkennung). Die braucht es, um eine Methode zu verkaufen. Die Angst vor dem Kontrollverlust zum Beispiel. Vor nicht funktionierenden Strukturen (Kindern). Vor dem Scheitern der kindlichen Entwicklung. Vor dem eigenen Scheitern.

Echtes Vertrauen (ins Kind und sich selbst) ist so nicht möglich. Dabei ist Vertrauen die Basis für eine gesunde Beziehung zueinander.

Im gesamten Kontext erkenne ich, wie tief verankert die Angst ist, sich aus alten Strukturen und fest sitzenden Ansichten herauszuwinden, um über den Tellerrand zu blicken.

Ängste werden auf das Kind projiziert, wenn die Angst vor der Zukunft entsteht, wenn der Moment schwierig ist.

Der Film unterstützt Ängste. Das ist nicht hilfreich.

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… Erlösung

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Die im Film gezeigten Eltern und ihre Kinder stecken in einer echten Zwangslage. Die Konflikte und Probleme haben sich bereits so verhärtet, dass eine kurzfristige und effektive Lösung wie das Gelsenkirchener Therapieprogramm als der letzte Ausweg gesehen wird.

Erfolg

Das Programm garantiert laut eigenen Aussagen keinen Erfolg, aber man verspricht „sich den Arsch aufzureißen“, damit das Kind nicht ins Heim gegeben werden muss oder verhungert. Unter konsequenter Einhaltung der Regeln habe dieses Verfahren nach eigenen Angaben hohe Erfolgschancen und -raten (85 – 87%)((„Wie hoch sind denn die Heilungsquoten?“ – „85 bis 87 Prozent. Wir haben mit verschiedenen Unis Evaluations-Studien gemacht. Vor der Aufnahme der Familien, nach der Entlassung und ein Jahr später.“ D. Langer im Interview mit A. Rühle in der SZ am 20.10.2018 (siehe https://www.kjkge.de/Inhalt/Aktuelles_Presse/_Presse_Meldungen/Interview_Langer.pdf) )). Die Eltern und Kinder gehen also getrennt voneinander gemeinsam durch die Hölle, um am Ende ein normales Leben zurückzubekommen.

Stilistische Mittel

Der Wunsch nach Erlösung ist für mich als Zuschauerin und sogar als Kritikerin in jeder Form verständlich und spürbar. Die Filmemacher haben Mittel eingesetzt – die Geräuschebene, durchzogen von anhaltendem Kindergeschrei, Nahaufnahmen wutverzerrter Gesichter, unangenehme Konfliktsituationen zwischen Eltern und Kindern in langen Einstellungen –, die mich in einen so angespannten Zustand versetzen, verstärkt durch möglicherweise die Erinnerung an die eigenen Kinder, dass ich voll dabei bin, endlich Erlösung zu finden. Wie abgestumpft professionell, allein akustisch, muss das Klinikpersonal erst sein, um dies täglich über Jahre auszuhalten. Nebenbei: Wie belastend ist dieser Lautstärkepegel erst für andere auf Station anwesende Patienten, große wie kleine? Die kleinen können noch nicht einmal einordnen, was da um sie herum geschieht. Gerade Kinder mit z.B. einer Reizfilterschwäche können problematisches Verhalten wie im Film gezeigt entwickeln. Eine solche Umgebung ist für sie (aber nicht nur für sie) extrem belastend((siehe auch Kommentar von Jasmin Wa. https://dierabenmutti.de/2018/10/23/gibt-es-keine-alternative-zur-elternschule/#comment-8378)).

Erholung

Die Mütter genießen das gemeinsame Frühstück in Ruhe, dass sie darüber ihre Sorgen und das Abholen ihrer Kinder vergessen. Es sei ihnen ehrlich und von Herzen gegönnt. Alle Eltern kennen diese Sehnsucht. Am Ende drücken einige der Mütter ihre Dankbarkeit aus, dass die Therapie ihr Leben verändert habe. Auch das kann ich sehen und nachvollziehen. Schlafen, Essen, normal Sprechen, Arbeiten, Entspannen, all das haben sie so sehr gebraucht. Mit „funktionierenden“ Kindern ist die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse endlich wieder möglich. Auch das gönne ich ihnen sehr, wünschte mir jedoch, dass dies nicht über die Verantwortung der Kinder gelöst würde.

Echte Erlösung?

Die Erlösung der Kinder hingegen kann ich nur bedingt nachvollziehen. Ich bin erleichtert, dass sie am Ende körperlich gesünder aussehen, dass sie nicht mehr ums Essen kämpfen müssen, dass sie die Zuneigung ihrer entspannteren Eltern bekommen. Ob sie wahrhaft glücklich sind, wird jedoch nicht nachvollziehbar gezeigt. Lachende, rennende, spielende, essende Kinder, ja, aber mir persönlich reicht das nicht. Da bleibt die endgültige Erlösung für mich auf der Strecke.

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⎨ Wahrheit ⎬

… Modelle

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„Das Kind“ bleibt ein schematisches Modell, anhand dessen bestimmte Vorgänge und vermeintliche Naturgegebenheiten erläutert werden (Paradigma). Durch die fehlende tiefgreifende Darstellung der Individuen und Persönlichkeiten im Film ist „das Kind“ abstrakt und verallgemeinert dargestellt. Es wird auf sein Verhalten reduziert.

Abstraktion

Ein Modell ist eine abstrakte, vereinfachte Abbildung eines komplexeren Systems, um anschaulich bestimmte Aspekte zu verdeutlichen. Ein Modell fokussiert meist einen wesentlichen Faktor innerhalb eines Kontexts und vernachlässigt andere. Oft besitzt ein Modell auch ausschließliche Gültigkeit für einen gewissen Erklärungsstrang. Erweiterte Erkenntnisse oder unberücksichtigte Eigenschaften müssen über andere Modelle erklärt werden. Modelle widerlegen teilweise einander bzw. gewisse Teilaspekte. Unterschiedliche Modelle beleuchten einen Komplex aus unterschiedlichen Perspektiven. Ein Modell ist niemals die Realität/Wirklichkeit.

Role Models

Das Modell ‚Eltern‘ und das Modell ‚Kind‘ bewegen sich innerhalb des selben Paradigmas: negatives Menschenbild/Weltbild.

Herr Langer hingegen verkörpert das Modell (Vorbild) des korrekt agierenden Erwachsenen. Er steht beispielhaft für die Eltern als Gegenüber des Kindes. Sein Bild von sich und seinem System ist unumstößlich.

Standardisierung

Ein standardisiertes System macht Erfolg messbar. Die vereinfachte Darstellung wird meines Erachtens den Kindern auf keiner Ebene gerecht.

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… Vereinfachung

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Strukturell

Ein Film bedient sich immanent einer Vereinfachung und fokussiert auf bestimmte Aspekte; erzählt nach einer festgelegten, dem Publikum möglichst verständlichen Struktur; kürzt 200 Stunden Material auf 120 Minuten; nimmt alles heraus, was der Erzählung nicht dient und sie nicht voranbringt. 

Inhaltlich

Das Institut steuert die inhaltliche Vereinfachung bei: Das Kind als Modell, als Schema, das mit mathematischer Strategie berechenbar gemacht werden kann. Andere komplexe Aspekte werden vernachlässigt. Die einzelnen Kinder werden über einen Kamm geschert. Sie durchlaufen ungeachtet ihrer individuellen Geschichten, Diagnosen und Persönlichkeiten mehr oder weniger das gleiche Programm, die gleiche Behandlung (Autorität in allen Lebenslagen).

Patentrezept

Die Eltern bekommen ein Patentrezept versprochen, um endlich zu verstehen, woher das Chaos kommt, unter dem sie leiden. Das ist ein Hit. Jeder Mensch braucht Struktur, Sicherheit und Halt, jeder Mensch kennt das Gefühl der Angst, die Kontrolle zu verlieren. Alles rational und mathematisch erklärbar aufbereitet zu bekommen, bedeutet: es gibt keinen Grund mehr, sich zu fürchten. Eltern haben in der Regel generell Angst, etwas falsch zu machen und in der Gesellschaft verurteilt zu werden.

Pragmatismus

Probleme werden vereinfacht dargestellt und glaubwürdige, in sich logische Lösungen geboten. Pragmatismus statt Analyse. Nicht quatschen, machen. Logik vs. Intuition. Feste Regeln sind der Schlüssel: der Komplex ‚Kind’ folgt festen Regeln (wie ‚das Kind‘ tickt), Kinder und Eltern müssen festen Regeln folgen, das Personal folgt festen Regeln.

ChaosZucht Strategie ➛ Ordnung

So einfach ist das! Hart, aber eigentlich ganz simpel.

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… Mathematik / Wissenschaft

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Tafel

Die Tafel durchzieht den Film als zentrales Element (und bildet im Übrigen auch den Aufmacher für die aktuelle Website des „Elternführerscheins“). Herr Langer zeichnet Graphen, Pfeile, Linien, Kreisläufe, Zusammenhänge, Stichworte, Begrenzungslinien und streicht wieder durch. Die „mathematische Formel kürzen“ nennt er es im Zusammenhang von ‚Spannung‘ und ‚Forderung‘.

Berechenbarkeit

Kinder seien berechnend, Kinder seien berechenbar (pauschale Zuordnung von Eigenschaften bzw. Handlungsmustern). Sie wünschen sich angeblich Vorhersehbarkeit im Verhalten der Eltern, doch sind es nicht vielmehr die Erwachsenen, die sich diese im Rahmen der kindlich immanenten Sprunghaftigkeit herbeisehnen? Siehe auch: Struktur

Lösungen

Die Hoffnung auf Lösung dieser Gleichung (die Chancen stehen nach eigenen Angaben sehr gut) machen das Therapieprogramm attraktiv. Mathematik ist etwas Starres, Festgelegtes, sie verändert sich nicht. Sie folgt festen Regeln. Dadurch wird das Problem greifbar. Individuelle Lösungen mit vielen Variablen und komplexen Elementen können da kaum mithalten. Emotionen werden auf Logik umgelenkt, eine wohltuender Effekt für die Eltern, die ja völlig fertig sind und im emotionalen Chaos stecken. Die Wissenschaft als glaubwürdige Ressource versiegelt das Paket.

Und ja, auch ich wünsche mir oft, die Trotzphase Autonomiephase einfach wegrationalisieren zu können.

Das Ergebnis: Die Funktion – des Kindes.

Siehe auch: Vereinfachung

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… Ordnung & Chaos

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Chaos ➛ Zucht Strategie ➛ Ordnung

Die Wiederherstellung der Ordnung innerhalb des familiären Alltags ist das große Ziel der Therapie. Der Film baut seine Erzählung darauf auf. 

Das Chaos – also die nicht schlafenden, nicht essenden, schreienden, wütenden, Stinkefinger zeigenden Kinder samt ihrer verzweifelten Eltern – wird eindrücklich vorgestellt, strategisch bekämpft – Rückschläge und die Gefährdung des Sieges inbegriffen – und schließlich im Knuspern eines Brötchens aufgelöst.

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… Wahrheit & nichts als die Wahrheit

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Wie oben beschrieben, erzählt ein Dokumentarfilm seine eigene Realität. Er hat einen Anspruch auf Authentizität, stellt aber nicht unbedingt die volle Wahrheit dar, sondern folgt einem dramaturgischen Konzept. Innerhalb des Systems ist diese Wahrheit stimmig und plausibel. Doch welchen Bestand hat sie nach außen?

Über die wissenschaftlichen und ethischen Aspekte im medizinischen Kontext bzw. über den (verlorenen) Kern der Debatte schreibt Kinderarzt Dr. Herbert Renz-Polster u. a. in seinem Artikel „Elternschule“ jetzt im Fernsehen – Roter Teppich für eine umstrittene Therapie? deutlich und ausführlich.

Kausalität

Im Film wird nicht deutlich, wo Chronologie aufhört und Kausalität beginnt. Über den Schnitt werden immer auch kausale Verknüpfungen erstellt. Im Idealfall orientieren sich diese im Dokumentarfilm an der Realität.

Director’s Cut

Aus 200 Stunden Filmmaterial wurden vermutlich zu harte Szenen herausgeschnitten, zu langweilige, diejenigen, die dem erzählerischen Konzept nicht dienlich sind, Wiederholungen, Szenen ohne Inhalt oder Aussage, zu schlechte, zu gute, Herr Langer beim Kaffeetrinken … wer weiß das schon so genau. Jedenfalls haben wir nun 120 Minuten geballte „Wahrheit“.

Ob diese Wahrheit nun wahr ist, darüber streiten die Experten und das Publikum.

„Was die »Wissenschaftlichkeit« des Programms angeht, so kann ich nach bestem Wissen die Behauptung bestimmter psychologischer Fachgesellschaften nicht nachvollziehen, die gezeigten Therapien seien »evidenzbasiert« oder »leitliniengerecht«“

Dr. Herbert Renz-Polster((https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/elternschule-kinderaerzte/))
Fragen über Fragen

Ob wohl die Realität besser oder schlimmer ist als gezeigt? Inwieweit wird der Film dem Therapieprogramm gerecht: sowohl in die eine als auch in die andere Richtung? Wie schlimm ist es wirklich? Gibt es größere Übergriffe als die gezeigten? Wo geht es auch mal fröhlich und menschlich zu? Gibt es auch schöne Momente innerhalb der Familie?

Sind die gezeigten Methoden näher an Ammenmärchen oder an moderner Wissenschaft?

Sind Kinder Tyrannen und manipulative Wesen((siehe auch ‚Die Tyrannenlüge‘ von Julia Dibbern))? Können Kinder aufgrund ihrer kognitiven Entwicklung in so frühen Jahren überhaupt schon strategisch handeln, bewusst oder unbewusst?

Ist das negative oder das positive Menschenbild das jeweils gültige? Ist es wirklich eine Frage des Geschmacks?

Ist die Bindungstheorie((https://de.wikipedia.org/wiki/Bindungstheorie)) nach John Bowlby, James Robertson und Mary Ainsworth unwahr oder fehlinterpretiert? Lag William Sears((https://www.nora-imlau.de/die-schwierigen-wurzeln-des-attachment-parenting/)) total daneben? Verbreiten Fachleute und Persönlichkeiten wie Naomi Aldort((https://www.arbor-verlag.de/naomi-aldort)), Alfie Kohn((https://www.arbor-verlag.de/alfie-kohn)) oder Dr. Herbert-Renz-Polster((https://www.kinder-verstehen.de)), Prof. Remo Largo((https://www.gmx.ch/magazine/ratgeber/kind-familie/kindererziehung-grund-kinder-33268080)), Prof. Karl Heinz Brisch((https://www.deutschlandfunkkultur.de/umstrittener-film-elternschule-die-kinder-sind-in-maximaler.1008.de.html?dram:article_id=432431)), Prof. Michael Schulte-Markwort((Prof. Schulte-Markwort erstattete Anzeige gegen die Klinik wegen möglicher Verletzung des Patientenwohls)), der Psychologie-Professor Prof. Wolfgang Klosterhalfen((langjähriger ehemaliger Mitarbeiter von Prof. Stemmann, der das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren kritisiert hat, siehe https://www.laborjournal.de/editorials/207.php)) oder der KJP Dr. med. Oliver Dierssen((@KJPGehrden https://twitter.com/KJPGehrden)) Lügen? Stellen sich Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ)((https://www.dgspj.de/wp-content/uploads/servive-stellungnahmen-film-elternschule-dezember-2018.pdf)), die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP)((www.dgkjp.de/aktuelles1/482-stellungnahme-der-dgkjp-zum-film-elternschule)), die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie e. V. (DGSF)((https://www.dgsf.org/themen/stellungnahmen-1/stellungnahme-zum-dokumentarfilm-elternschule/view)) und die Vereinigung Analytischer Kinder und Jugendlichenpsychotherapeuten (VAKJP)((https://www.vakjp.de/pdf/meldungen/2018-11-22_VAKJP-Stellungnahme_zum_Kinofilm_Elternschule.pdf)) sowie der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) Bundesverband e. V.((https://www.dksb.de/de/artikel/detail/stellungnahme-des-deutschen-kinderschutzbundes-dksb-bundesverband-e-v-zu-dem-kino-dokumentarfil/)) nur an? Haben wir Jesper Juul((https://familylab.de/om_jesper_juul.asp)) einfach nur missverstanden? Sind erfolgreiche Autorinnen und Bloggerinnen wie Nora Imlau((Journalistin, Autorin, Referentin für Familienthemen https://www.eltern.de/elternschule)), Nicola Schmidt((https://www.artgerecht-projekt.de)), Julia Dibbern((https://kindheitinbewegung.net/die-tyrannenluege/, siehe auch https://www.juliadibbern.de/buecher/die-tyrannenluege)), Susanne Mierau((Diplom-Pädagogin, Schwerpunkt Kleinkindpädagogik, https://geborgen-wachsen.de/2018/10/20/herzensschule-wie-eine-elternschule-sein-sollte/?fbclid=IwAR1PJgctjyc-2SYH7GcbOANfUtfH4X4vQ-V-1eSN7vyCBxvEGP36rTfs7sM)), Aida S. de Rodriguez((Gründerin der Apego-Schule Berlin, http://elternmorphose.de/blog/)), Ruth Groß((https://derkompass.org/blog/)), Katja Seide & Danielle Graf((https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2018/10/der-film-elternschule-eine-betrachtung.html)), Katia Saalfrank((https://www.facebook.com/katiasaalfrank.de/photos/a.371048539614211/2005882156130833/?type=3&theater)), Einfach Eltern((https://www.youtube.com/user/DianaSchwarzHH)) und all die anderen Menschen, die sich öffentlich und privat für Kinderrechte stark machen, um Aufklärungsarbeit gegen alte Denkmuster zu leisten, nur „hysterische Mütter“ aus diesem Internet? 

Welches ist die „wahrere“ Theorie? 

Wie wahr, wie gültig, sind die von der Klinik bzw. Stemmann((https://de.wikipedia.org/wiki/Gelsenkirchener_Behandlungsverfahren)) und Langer entwickelten verhaltenstherapeutischen Methoden((http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-39613469.html)), die Lehre nach Hamer((https://de.wikipedia.org/wiki/Ryke_Geerd_Hamer)), die (Germanische) Neue Medizin((https://www.psiram.com/de/index.php/Germanische_Neue_Medizin)), auf deren höchst umstrittenen und fragwürdigen pseudo-wissenschaftlichen Theorien diese Methoden und Annahmen zum Teil basieren?((Sehr gut recherchierte Hinweise auf die Antwort finden sich u. a. in folgenden beiden Artikeln: https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/elternschule-kinderaerzte/ und https://www.rubikon.news/artikel/die-kinder-dressur))

Entsteht Neurodermitis durch einen „Trennungskonflikt“ und ist entsprechend behandelbar?
Darf man Kinder sich blutig kratzen lassen, ihnen unterstützende Cremes und den Einsatz von Kratzschutz verweigern, damit sie die Konsequenzen selbst erfahren, auch wenn die Gefahr schwerer Entzündungen besteht((https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/elternschule-kinderaerzte/))?

Nimmt ein Fünkchen Wahrheit Anspruch auf die ganze Wahrheit?

Ist es Gewalt oder nicht?

Sind die Kausalitäten nicht nur plausibel, sondern wahr?

Sind die Rückschlüsse von bestimmten Thesen auf die Methodik (Behandlungsmaßnahmen) nicht nur stimmig, sondern gerechtfertigt?

Ist das bloße Funktionieren ein hinreichendes Kriterium für die Qualität einer Behandlungsmethode?

Wie viel des Gezeigten gilt denn nun für Rückschlüsse auf die allgemeine Erziehungsfrage?

Tragen die Kinder langfristige Schäden davon oder nicht? Wie hoch ist das Risiko?

Kann die Theorie bewiesen werden, dass eine echte Bindung nach der Therapie wieder aufgebaut werden kann? Stellen diese Familien eine sichere Bindung zueinander her, wenn sie in dieser Art zu Hause weiter erziehen, wie Herr Langer es ihnen empfiehlt?

Bare Münze

Weder wissenschaftlich noch juristisch bin ich in der Position, die Wahrheit aufzudecken oder Recht zu sprechen. Meine Einstellung zur Wahrheit schildere ich in diesem Schriftstück. Ich halte die im Film verkaufte Wahrheit für bare Münze, deren Wert vor Jahrzehnten verfallen ist und die heute keine Gültigkeit mehr besitzt.

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… (gähnende) Lehre

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Klassenzimmer

Der Klassenraum mit Tafel, an der Herr Langer seine Lehre visualisiert, steht symbolisch für die Hierarchie Lehrender – Lernende. Die Eltern müssen lernen, die Kontrolle zurück zu gewinnen. Die Kleinsten sollen in der Therapie Schlafen lernen, Essen, Trennung, Gehorsam ein „normales“ Verhalten … Sie sind der „Lehrling“, die Erwachsenen „der Boss“

Da sich in den Klassenraum-Situationen die „Schüler“ oft außerhalb des Bildausschnitts befinden, sitzt das Publikum quasi mit im Klassenzimmer und lernt mit. Der Titel „Elternschule“ ist bewusst in diese Richtung gewählt, auch wenn der (u. a.) ZDF-Erziehungsexperte Langer diese Entscheidung nicht mitgetragen haben mag. Für seinen „Elternführerschein“((https://www.elternfuehrerschein.com)) verwendet er zumindest ebenfalls die Tafel als Aufmacher.

Lehrfilm für gute Erziehung?

Der Film jedenfalls wirbt breitenwirksam als Vorlage für „gute Erziehung“(( „[…] ein Muss für alle, die sich fragen, was gute Erziehung ausmacht“ (DOKfest München), „[…] kraftvoller Blick auf die Suche nach einer guten Erziehung“ (BR), „Für jeden, der selbst Kinder hat, ist der Film ein Muss.“ (Süddeutsche Zeitung), „Das Geheimnis guter Erziehung“ (WDR), „Wie gehen wir richtig mit unseren Kindern um – und mit uns selbst?“ (BR), „Welche Erziehungskompetenzen brauchen Eltern, was ist und wie geht „gute Erziehung“? Diesen Fragen geht der Film nach.“ (Badische Zeitung) )) und wird zwangsläufig unter anderem so auch rezipiert. Nicht als 1:1 Anleitung, selbstverständlich, aber durchaus zur Vermittlung und Anregung einer bestimmten Haltung und entsprechender Tipps. Der Regisseur Ralf Bücheler erklärt im Interview mit dem WDR((https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westart/video-regisseur-ralf-buecheler-zu-gast-bei-westart-100.html)), dass er die Seminar-Teile des Herrn Langer und die Handlungsanweisungen für zu Hause als geeignet ansehe, allen Eltern etwas mit nach Hause zu geben. Das ist die Intention des Films und so ist er entstanden – aus einer Episode („Wo kann man lernen, Eltern zu sein?“((siehe https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westart/video-regisseur-ralf-buecheler-zu-gast-bei-westart-100.html))) eines vorangegangenen Filmprojekts ‚Leben. Gebrauchsanleitung.’.

Der Film sei kein „Ratgeberfilm“((http://www.elternschulefilm.de/faqs/))? Als Vorbild halte ich ihn tatsächlich für ungeeignet.

Gemeingültige Lehre?

Dass die Thesen, die Herr Langer in dynamischen Kreidezeichnungen und flottem Wortgewand aufstellt, absolute Gültigkeit haben, wage ich zu bezweifeln. Hier geht es beispielsweise um die „Stress-Steuerung“, das „Opfer-Verfolger-Retter-Prinzip“ oder die „mathematische Formel“ um die „Spannung und Forderung“-Spirale. 

Die grundlegenden wissenschaftlichen Annahmen zu zerpflücken, ist nicht meine Aufgabe, mit dem mir zur Verfügung stehenden Wissen leite ich jedoch her, dass wahre Aspekte sich mit falschen Annahmen und absurden Rückschlüssen vermischen. Ja, nach Stunden hört ein Kind irgendwann auf zu schreien, aber doch nicht, weil es sich dann entspannt und merkt, dass die vermeintliche Gefahr gar nicht gefährlich ist (tada), sondern weil es resigniert((https://geborgen-wachsen.de/2012/09/07/wenn-babys-schreien-gelassen-werden-was-passiert-in-babys-korper/)) und im Fowlgenden die Todesangst meidet. Natürlich sollte ein Kind keine Todesangst bei einer Trennung oder anderen Stresssituationen empfinden, daran muss man etwas ändern. Dies aber systematisch über die Herstellung von Todesangst bei der Trennung überwinden zu wollen (Konfrontationstherapie/„Stress-Impfung“), erscheint mir nicht plausibel, vor allem aber moralisch nicht vertretbar. 

Der Film stellt die Lehre als Wahrheit vor. Auf Risiken und Nebenwirkungen wird jedenfalls nicht hingewiesen.

Alternativen

„Ein starkes Selbst entsteht, wenn man Kinder nicht mit ihren Emotionen alleine lässt.“

Naomi Aldort ((im Interview vom Online-Kongress „Mut zur Wut“ 2019, https://www.wutkongress.com))

Dabei geht es auch anders: Eltern können lernen, nicht-manipulative, recht simpel umzusetzende praktische Strategien für den regulären Alltag zu entwickeln, um sich selbst emotional abzugrenzen, ohne unempathisch zu werden. Es geht darum, die Gefühle des Kindes (und die eigenen) anzuerkennen und zu bestätigen, sie mit dem Kind gemeinsam zu erkunden, Wutanfälle nicht persönlich zu nehmen, sich aus dem Stress herauszunehmen((siehe z. B. Naomi Aldort im Interview vom Online-Kongress „Mut zur Wut“ 2019, https://www.wutkongress.com)).

Und auch im klassisch verhaltenstherapeutischen Bereich gibt es meines Wissens sanftere Methoden und die Empfehlung, Methoden zu kombinieren, um den behavioristischen Ansatz zu entschärfen((siehe https://www.dgspj.de/wp-content/uploads/servive-stellungnahmen-film-elternschule-dezember-2018.pdf)).

„Work on yourselves.“

Naomi Aldort((in ihrem Buch „Raising Our Children, Raising Ourselves“, 2006))

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… ein Fünkchen Wahrheit & Lichtblicke

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Es steht mir nicht zu, jede These des Herrn Langer wissenschaftlich zu beweisen oder zu widerlegen. Bei vielen Aussagen erkenne oder vermute ich einen wahren Kern. Was daraus gezogen wird, ist dann eine andere Frage. Genau das macht es aber so schwer, den pseudowissenschaftlichen Quark als solchen zu enttarnen.

Urinstinkte

„Sie haben diese Verhaltensweisen im Laufe der Evolution entwickelt, um besser mit ihrer Umwelt zurechtzukommen, in der sie über Hunderttausende von Jahren gelebt haben! Die von Charles Darwin begründete Evolutionstheorie geht ja davon aus, dass alle heutigen Lebewesen deshalb so aussehen, wie sie aussehen, und sich so verhalten, wie sie sich verhalten, weil sie mit diesen Eigenschaften in der Vergangenheit Erfolg hatten.“

Dr. Herbert Renz-Polster((in „Kinder verstehen: Born to be wild – Wie die Evolution unsere Kinder prägt.“ von Herbert Renz-Polster, siehe auch https://www.kinder-verstehen.de/wp-content/uploads/KV_Einleitung_fuer_Webseite.pdf))

Dass das Schreien eines Babys Stress bei der Mutter auslöst, damit es überleben kann und nicht vergessen wird, da gehe ich mit. Es ist darauf angewiesen, dass die Mutter sich um es kümmert. Das Schreien ist sein Ausdruck zur Kommunikation seiner Bedürfnisse. So ist es auch logisch nachvollziehbar, wie es zur stressbedingten Überladung der Eltern von z. B. „Schreikindern“ kommt. Bei der Behandlung des Phänomens durch radikale Trennung (kontrolliertes Schreierlassen ohne elterlichen Trost) bin ich dann wiederum raus.

Der gemeinsame Nenner scheint zu sein: Es ist ein ganz normaler Entwicklungsschritt des Kindes (z. B. Autonomie). Danach trennen sich die Wege: Herr Langer will es abstellen (dicke Linie), ich plädiere für Annehmen (Ausleben im geschützten Raum).

Führung

Sprachlich finden richtig klingende Formulierungen einen absurden Kontext (z. B. „das Kind muss Führung körperlich spüren“). Dass Eltern eine Art Leuchtturm sein sollten, ist wohl Konsens. Sie agieren als Wegweiser oder Fels in der Brandung, auch als Blitzableiter((https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2015/10/mein-kind-will-immer-getragen-werden-tipps-und-tricks-fuer-kinder-die-nicht-die-treppe-allein-hoch-laufen-wollen.html)). Das geht aber auch anders als dem (sich unerwünscht verhaltenden) Kind gar keine Beachtung mehr zu schenken.

Stress

Nach dem Stress entspannt sich das Kind. Wie es jedoch zu diesem Zustand der Entspannung (oder zur Resignation) kommt, ist fragwürdig. 

Körpersprache

Dass 95% der vermittelten Information ans Kind über Körpersprache funktioniert, ist glaubhaft und scheint zu stimmen. „Wenn es mir gut geht, geht es meinem Kind gut“, heißt es. Im Prinzip, jein. Es ist wahrscheinlich, dass das Kind die eigene Gefühlslage spiegelt und natürlich geht es einem Kind in der Regel besser, wenn es den Eltern gut geht. Aber Vorsicht: No pressure. Solch hehre Ziele können Eltern auch leicht unter Druck setzen, wenn diese ihre eigenen und eigentlichen Probleme nicht bearbeiten. Diese werden in diesem Therapieprogramm ignoriert.

Struktur

Struktur und Regelmäßigkeit sind hilfreich und wichtig. Kinder wünschen sich Verlässlichkeit von ihren Eltern, erwartbare Reaktionen. Das gibt ihnen Sicherheit. Radikale „Konsequenz“, unumstößliche Regeln, „einmal Nein – immer Nein“, „keine zweite Chance“ etc. halte ich jedoch für wenig beziehungsfördernd.

Den Eltern einen möglichen Weg aus dem wütenden Umgang mit ihren Kindern aufzuzeigen, ist grundlegend löblich. Ein Anfang, möchte ich sagen, aber im konkreten Fall kein unbedingt guter.

„Die Qualität von Eltern bemisst sich nicht an den Regeln, die sie ihren Kindern vorgeben, sondern nach der Art ihrer Reaktion, wenn sie gebrochen werden.“

Jesper Juul

Ich kann grundlegend nachvollziehen, wie Frau Teichmann vom ‚Filmdienst’ auf die Idee kommen kann, die „liebevoll-konsequente“ Methodik der Klinik mit Jesper Juul in Verbindung zu bringen. Man legt Juuls Haltung zu Regeln, Grenzen, Aufmerksamkeit und Widerstand((https://www.netpapa.de/personen/jesper-juul-zitate.html)) so aus, dass es die im Film gezeigten Handlungsmethoden rechtfertigt.

Jesper Juul

„Für Freunde des dänischen Familientherapeuten Jesper Juul, für solche, die es werden wollen und sowieso für alle, die es besser machen wollen, ist Elternschule ein absolutes Muss.“

Filmdienst((Julia Teichmann via https://www.filmdienst.de/film/details/562010/elternschule#kritik))

Der Hinweis, dass Freunde der Ansichten von Jesper Juul auch den Film mögen würden, scheint auf den ersten Blick schlüssig, wenn man sich die reinen Buchtitel wie „Nein aus Liebe“, „Leitwölfe sein“ oder „Grenzen. Nähe. Respekt“ anschaut. Auch einzelne Statements können je nach Standpunkt individuell ausgelegt werden. Im gesamten Kontext und einer tieferen Beschäftigung mit Juuls Haltung wird es jedoch hanebüchen. Juul möchte seine Ansichten ausdrücklich nicht als Methodik verstanden haben, sondern plädiert immer für die Individualität jeder Familie. Da der Film und das Programm reine Methodik zeigen, sollte spätestens hier klar werden, wie unangemessen diese Aussage ist. Zwar wirbt die Klinik selbst meines Wissens nicht direkt mit Juul, Herr Langer betonte in der Debatte jedoch, dass die Gegenstimmen nur eine Möglichkeit sähen, Juuls Thesen auszulegen.

„Kinder werden mit allen sozialen und menschlichen Eigenschaften geboren. Um diese weiterzuentwickeln, brauchen sie nichts als die Gegenwart von Erwachsenen, die sich menschlich und sozial verhalten. Jede Methode ist nicht nur überflüssig, sondern kontraproduktiv.“ 

Jesper Juul((https://www.fritzundfraenzi.ch/erziehung/elternbildung/exklusiv-interview-mit-jesper-juul-teil-2?page=all))

Juuls Organisation FamilyLab distanziert sich deutlich von der vom Filmdienst genannten Aussage. Jesper Juul selbst zeige sich erschrocken über den Film, heißt es in der Presse((siehe Ausgaben vom 20.10.2018, u.a. Leipziger Volkszeitung (28), Aller-Zeitung (12), Hannoversche Allgemeine (32), Dresdner Neueste Nachrichten (26), Neue Presse (8) (via https://www.pressreader.com) )). Er sei „wie betäubt von den Bildern“ und glaube, so würden „Eltern-Kind-Beziehungen eher beschädigt als geheilt“.

Selbstregulation

Kinder besitzen eine eingeschränkte Fähigkeit, sich selbst zu regulieren. Das scheint wohl so zu sein. Wo die einen Eltern über-regulieren bzw. über-reagieren und die anderen aus Angst dem Kind diese Verantwortung komplett überlassen, gibt es noch den die Selbstregulation unterstützenden Weg der Co-Regulation. Was im Film gezeigt wird, ist Regulation von außen. Generell habe ich für unsere Gesellschaft den Eindruck, dass der durchstrukturierte Alltag eher eine Über-Regulation hervorbringt und die Angst vor den Folgen der Selbstregulation unsachgemäß zu groß ist.

Power Games

Die Szene, in denen ein größerer Junge mit Boxhandschuhen in sportlichen Kampf mit einem Pfleger geht, ihm Anweisungen gibt, ihn auf die Matte zu werfen etc., empfand ich als sehr angenehm. Er durfte entscheiden, er konnte seine Energie auspowern, das Spiel ging nach seinen Regeln. Naomi Aldort beschreibt diese Technik in ihrem Buch „Von der Erziehung zur Einfühlung“((siehe https://herzensglueckskind.com/2016/03/26/powerspiele/)).

Vorbilder

„Für die Atmosphäre in der Familie sind allein die Erwachsenen verantwortlich. […] Gefühle und Emotionen gehören ebenso dazu wie Körpersprache und Tonfall […].“

Jesper Juul((in „5 Grundsteine für die Familie: Wie Erziehung funktioniert“ von Jesper Juul))

Dass Eltern Vorbild sind und das, was sie vorleben, auf die Kinder abfärbt, wird im Film am Ende kurz eingeflochten, denn Zarahs Vater isst kein Gemüse, und so sieht auch sie nach einer Weile keinen Grund mehr, anderes außer Fleisch zu essen. Logisch. Es vom Kind zu erwarten und es selbst nicht zu tun, ist Quatsch. Es selbst zu essen und vielleicht demonstrativ noch zu betonen, wie lecker es doch sei (siehe Zarahs Mutter mit dem Apfel), um das Kind dazu zu bewegen, es einem gleich zu tun, ist aber ebenso zum Scheitern verurteilt. Kinder haben feine Antennen.

Was die Erwachsenen den Kindern sonst so vorleben im Rahmen der Therapie (z. B. empathie- und emotionslose Kommunikation), um dann das Gegenteil bei den Kindern zu erreichen (z. B. emphatisches Verhalten), erschließt sich mir wiederum nicht.

Kleine Schritte

Ich erkenne an, dass Zarah zugestanden wird, wenigstens ein bisschen probiert zu haben und dies als Fortschritt gewertet wird, ohne sie weiter zu drängen. Ihr individueller Stand wird in dem Moment berücksichtigt („erschwerte Bedingungen“).

Oh, ein Dialog

Herr Langer führt mit dem Mädchen am See einen Dialog, wenn auch leider recht manipulativ, aber immerhin spricht er es direkt an. Er begibt sich physisch auf ihre Augenhöhe, um ihr z. B. die Schuhe anzuziehen.

Anerkennung

Kinder werden als schlau und gewitzt dargestellt, leider aber negativ konnotiert.

Zuwendung

Die Pflegeperson im Überwachungsraum bietet dem nach seiner Mama wimmernden Mohammed an, auf ihren Schoß zu kommen. Ich denke, sie streckt die Arme zum Angebot aus. Das wirkt freundlich und zugewandt. Mohammed nimmt das Angebot nicht an. Es erfüllt nicht sein Bedürfnis (Nähe zur Mutter). Dies gehört zum in meinen Augen perfiden Konzept nach Stemmann((https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/elternschule-kinderaerzte/)), Neurodermitis durch Stresserhöhung abzutrainieren, indem der Wunsch nach Bindung absichtlich frustriert wird.

Abgrenzung

Dass sich Eltern emotional abkoppeln und aus dem Stress herausnehmen müssen, halte auch ich für absolut notwendig in den verfahrenen Situationen. Die Art und Weise, wie das im Film geschieht, unterstütze ich hingegen nicht.

Verbindung

Einzelne Szenen wie der Kuschelraum zur gemeinsamen Entspannung bemühen sich um positive Momente im Eltern-Kind-Verhältnis. Angeblich gibt es in der realen Therapie weitere Verbindung schaffende und einzeln entspannende Angebote.

Es werden keine offensiv brutalen Maßnahmen im klassischen Verständnis angewendet. Immerhin. Von ‚gewaltfrei‘ würde ich dennoch nicht sprechen.

Authentizität

Die sich über Felix’ Vater aufregenden Pflegerinnen versprühen eine gewisse Authentizität im sonst emotions-kühlen Klinik-Umfeld.

Erfolg

Das Programm erlangt einen fragwürdigen Erfolg, aber immerhin Erfolg. Kunden sind zufrieden. Ob das die Hauptsache ist …?

Egoisten & Strategen

Kinder handeln in ihrem eigenen Interesse. In wessen auch sonst, sie können anfangs noch keine Standpunkte anderer Personen in ihre Entscheidungsprozesse einbeziehen. Die kognitive Entwicklung der Empathiefähigkeit zum strategischen Denken (Teamwork z. B.) beginnt überhaupt erst mit ca. fünf Jahren und muss reifen. „Ab sieben Jahren denken Kinder strategisch“((siehe https://www.spektrum.de/news/ab-sieben-jahren-denken-kinder-strategisch/1306854)).

Kinder nutzen wie alle Menschen Strategien, noch unbewusst (bewusst ist wegen der mangelnden Fähigkeit, sich in andere hinein zu versetzen, nicht möglich), um sich ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Eine erwachsene Person würden wir deshalb jedoch nicht per se als Strategen bezeichnen, der dahingehend reguliert werden müsste.

Wut

Es heißt, die Eltern sollen die Wutanfälle, die starken Gefühlsausbrüche ihrer Kinder auszuhalten lernen. Sie sollen begreifen, dass es OK ist, dass ihre Kinder „trotzen“. Da bin ich ganz dabei. Ein Kind muss nicht immer glücklich sein und das Zusammenleben nicht nur eitel Sonnenschein. Es muss nicht abgelenkt und die Wut nicht abgeschaltet werden. Das Kind darf etwas richtig blöd finden, z. B. dass wir ‚Nein‘ sagen. Es darf und wird an (natürliche) Grenzen stoßen, immer wieder, und wir helfen ihm dabei, die damit verknüpften Gefühle auszuhalten. Der Umgang mit negativen Gefühlen ist für die kindliche Entwicklung essenziell((siehe auch https://geborgen-wachsen.de/2018/04/18/grenzen-lernen-wie-eltern-ihre-kinder-beim-aushalten-von-grenzen-begleiten-koennen/#more-23578 und https://geborgen-wachsen.de/2018/03/29/gefuehle-aushalten/)). Wir als Erwachsene gehen in die Verantwortung, wenn wir nicht auf die Palme klettern, die ein kindlicher Wutanfall uns oft vor die Nase pflanzt.

Der Unterschied zwischen meiner Haltung und dem im Film gezeigten Prozedere liegt im Wie. Der Film veranschaulicht, wie Eltern pauschal dazu angehalten werden, das unerwünschte Verhalten zu ignorieren oder unkommentiert zu lassen, sich vom Kind abzuwenden oder das Vorhaben auch körperlich bestimmend durchzusetzen. Sprich: das Kind sich ausschreien zu lassen und konsequent auf dem eigenen Standpunkt zu beharren. „In meiner Welt“ hingegen wird ein Kind während eines Wutanfalls anders begleitet. Auch hier müssen es nicht viele Worte sein, aber es wird individuell geschaut, was ein Kind im jeweiligen Moment braucht – Nähe, Trost, Berührung, Ruhe, sanfte Stimme oder Schweigen … Durch aktives Zuhören, sanftes Zureden oder auch Schweigen mit der Botschaft „Ich bin da, wenn du mich brauchst“ wird das Kind durch den Wutanfall begleitet, um im Ausklang dem Kind zu spiegeln((siehe auch http://www.terrorpueppi.de/2018/01/kinder-spiegeln-spiegelung-gefuehle-aushalten-umgang-mit-gefuehlen.html)), welche Gefühle es durchlebt. So lernt es seine eigene Gefühlswelt kennen und zu benennen. Das Gelsenkirchener Verfahren bedeutet aus meiner Sicht, das Kind mit seinen Gefühlen allein zu lassen, selbst wenn eine „Bezugs“person anwesend ist.

Lob

Lob für etwas Normales wie Essen ist nicht erwünscht. Das finde ich angemessen. Sich mit dem Kind über Fortschritte zu freuen, gehört für mich hingegen zum emphatischen Miteinander dazu. „Keine Kritik“ ist in Gelsenkirchen Lob genug.

Selbstaufgabe

Die symbiotische Verschmelzung der Eltern mit dem Kind, den Verlust der Individualität, die Selbstaufgabe, sehe ich ähnlich problematisch. Den Lösungsansatz aber ebenfalls. Die lähmende Angst vor dem Nein-Sagen, vor Konflikten und die Angst vor der Beachtung der eigenen Bedürfnisse gilt es meines Erachtens zu bearbeiten. Eltern dürfen und müssen gut für sich selber sorgen, sich abgrenzen. „Grenzen setzen“ ist hier meines Erachtens das falsche Denkmuster.

„Diese Eltern mussten lernen, dass sich das Kind abgelehnt fühlt und wütend oder traurig wird, wenn sie Nein sagen. Dass diese Gefühle in Ordnung sind und ihre Berechtigung haben. So ist das Leben eben, manchmal fühlt man sich abgelehnt.“

Jesper Juul((https://www.fritzundfraenzi.ch/erziehung/elternbildung/exklusiv-interview-mit-jesper-juul-teil-2?page=all))

„Hören“

Herr Langer erwähnt in einem Nachgespräch, dass Kinder nicht „Hören lernen“. Dem stimme ich zu. Ob wir das gleiche meinen, bezweifle ich zwar, aber grundlegend stimme ich dem erstmal zu. Zu erwarten, dass das Kind „hört“, setzt alle unter Druck – mich und das Kind.

„Ein Kind hört nicht, das ist Quatsch. … Ein Kind, was nix anstellt, wäre besorgniserregend.“

D. Langer im Film Elternschule

Ach, ließe er es doch einfach dabei.

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… „falsch“ & „richtig“, „gut“ & „schlecht“

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„Wie geht gute Erziehung?“ oder „…, was gute Erziehung ausmacht“, heißt es in den Synopsen zum Film. 

Wenn schlechte Erziehung all das ist, das im Film so unerwünscht daher kommt, verbreitet dies eine sehr einseitige Meinung. Aber abgesehen davon ist die Unterteilung in gut und schlecht einfach nicht hilfreich. Wer also das, was im Film als schlecht abgestempelt wird, als gut empfindet, erzieht schlecht, ist schlecht? Wem helfen diese Wertungen? Was bewirken sie, außer Trennung und miese Stimmung?

Der Film positioniert sich deutlich dazu, was falsches und richtiges Verhalten ist, der Kinder wie der Eltern. Er positioniert sich demnach auch dazu, was gutes und schlechtes Verhalten generell ist. Teufel, die zu Engeln werden: schlechte Kinder mit schlechtem Verhalten werden zu guten Kindern mit gutem Verhalten. Das Verhalten der Kinder als „gut“ oder „schlecht“ zu bewerten, ist für den Selbstwert des Kindes fatal. Niemand spricht die Worte „Du bist falsch“ aus, aber das Kind bekommt diese Information auf vielen Ebenen vermittelt.

Wo wir uns schon auf diese Ebene begeben: Ich finde die Botschaft des Films gefährlich, und damit schlecht und falsch obendrein. So.

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… Unterstellungen

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Besonders Kindern werden Dinge unterstellt oder abgesprochen, die ich so nicht einfach hinnehmen möchte. Herr Langer spricht für „das Kind“ und legt ihm als „Bauchredner“ Worte in den Mund. Da die Kleinen noch nicht für sich selbst sprechen können, ist mir ein genaues Hinschauen an dieser Stelle besonders wichtig.

Außerdem: siehe Wahrheit

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… Wiedererkennungswerte

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Das DOKfest München, auf dem im Mai 2018 der Film uraufgeführt wurde, schreibt: „ELTERNSCHULE ist ein Muss für alle, die sich fragen, was gute Erziehung ausmacht.“ Wer fragt sich das? Menschen, die Kinder in ihrem Umfeld zumindest schon einmal beobachtet haben, wahrscheinlich. Außenstehende, die sich über „ungezogene“ Kinder „wundern“. Verwandte, die mit den „neumodischen Erziehungsmethoden“ der frisch gebackenen Eltern nichts anfangen können. Pädagog:innen, die auf klassische Theorien bauen und sich an „Weichspülpädagogik“ und immer ungehorsamer werdenden Kindern stören, vielleicht noch etwas lernen möchten. Erwachsene, die selbst Kind waren. Eltern, die von ihren aufmüpfigen Kindern zunehmend genervt sind. Eltern, die am Ende ihrer Kräfte angekommen sind, weil sie sich in einem schädlichen Kreislauf mit ihren Kindern befinden.

Gute und schlechte Erziehung

Glaubt man dem, was im Film und durch Herrn Langer kommuniziert wird, bekommt die:der Zuschauer:in tatsächlich die Grundlagen der „guten Erziehung“ geliefert. Theoretische Zusammenhänge, filmische Belege für die aufgestellten Theorien und die therapeutische Methodik zur Behandlung der Problemfälle sowie Tipps für Zuhause, damit es nicht (mehr) so weit kommt.

Das Zielpublikum ist recht groß, denn quasi „alle“ haben ein gewisses Bild vom ‚Kind‘. „Alle“ wissen, wie anstrengend und nervend diese kleinen „Tyrannen“ sein können. „Alle“ leben in der Gesellschaft, die nach „braven“ und kooperativen Kindern strebt. Eltern, die dieses Ziel bei ihren Kindern erlangen, wird das Prädikat „gute Erziehung“(( „[…] ein Muss für alle, die sich fragen, was gute Erziehung ausmacht“ (DOKfest München), „[…] kraftvoller Blick auf die Suche nach einer guten Erziehung“ (BR), „Für jeden, der selbst Kinder hat, ist der Film ein Muss.“ (Süddeutsche Zeitung), „Das Geheimnis guter Erziehung“ (WDR), „Wie gehen wir richtig mit unseren Kindern um – und mit uns selbst?“ (BR), „Welche Erziehungskompetenzen brauchen Eltern, was ist und wie geht „gute Erziehung“? Diesen Fragen geht der Film nach.“ (Badische Zeitung) )) verliehen. Ob das zutrifft, möchte ich hier nicht in Frage stellen. Worauf ich jedoch hinweisen möchte, ist, dass die Definition der „guten Erziehung“ auch eine „schlechte Erziehung“ mit definiert. Wie diese aussieht, wird im Film erzählt: inkonsequent, emotional, überfürsorglich. 

Dass auch die offen aggressive Erziehung mit „schlecht“ gemeint ist, ist anzunehmen. Die „liebevolle Konsequenz“ steht zumindest begrifflich einer Erziehung gegenüber, die über z. B. Anschreien, Schimpfen oder vielleicht sogar Schläge agiert. Die im Film gezeigten Eltern sind nicht gewalttätig. Es wird im Film nicht offen erzählt, wie weit manche in ihrer Überforderung und völligen Erschöpfung vielleicht gegangen sind und deshalb Hilfe gesucht haben. In Ansätzen ist die innere Wut im Einzelfall noch erkennbar. Ich gehe jedoch davon aus, dass es sich bei keinen der Eltern um generell gewalttätig erziehende Menschen aus Überzeugung handelt. So wird die vorgestellte Methodik, das (unerwünschte) Verhalten des Kindes zu ignorieren statt darauf einzugehen als besser eingestuft als dem Kind gegenüber a) aggressiv oder b) empathisch zu reagieren.

Alternativen zur Wut

Alle Eltern kennen wohl die aufsteigende Wut, wenn das Kind nicht so will wie man selbst. Eine Alternative dafür zu finden, ist einer der größten Wünsche aller liebenden Eltern, relativ egal, welche Haltung zu Erziehungsfragen sie einnehmen. Die Nachfrage nach Lösungen ist sehr hoch. Ob Herrn Langers Methode eine gute ist, möchte ich jedoch bezweifeln.

Normales Verhalten?

Was die Wiedererkennung bestimmter Verhaltensmuster der Kinder im Film beim Publikum fatal macht, ist die Tatsache, dass faktisch nicht deutlich zwischen „unnormalem“ und „normalem“ kindlichen Verhalten unterschieden wird. Weder im Film noch in der Methodik als solche. Der:die Zuschauer:in erkennt mehr oder weniger die eigenen oder andere Kinder wieder und vergisst möglicherweise, dass die Situationen im Film auch innerhalb des therapeutischen Rahmens Extremfälle darstellen (sollen). Andererseits rechtfertigen nicht einmal diese bestimmte Methoden, die im Film vorgestellt werden((siehe u.a. Stellungnahmen der DGKJP http://www.dgkjp.de/aktuelles1/482-stellungnahme-der-dgkjp-zum-film-elternschule und der DGSPJ https://www.dgspj.de/wp-content/uploads/servive-stellungnahmen-film-elternschule-dezember-2018.pdf)).

Erziehungsratgeber?

Auch wenn man sich vom Film als Erziehungsratgeber distanziert: Ein Film ist dazu da, gesehen zu werden, und das Publikum nimmt selbstverständlich Dinge mit, die es individuell ansprechen. Deshalb interessiert es sich für einen Film (oder eben nicht). Auch wenn der Film die (extremen) Fälle der Therapieeinrichtung zeigt, erzählt er doch auf der Metaebene weitere Geschichten. „Heiße“ Themen wie ungesundes Essverhalten, Aggression/Wut/Trotz, Geschwisterstreit, Schlaf, Regeln, Grenzen verkaufen sich gut, sind Dauerbrenner und ja auch ehrlich wichtige Themen – immer mit Sorgen behaftet.

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… Spieglein, Spieglein

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Kinder sind ein ehrlicher Spiegel. Sie zeigen im Außen (Verhalten), was im Innen (Psyche) los ist. Nicht nur ihrer eigenen, sondern auch im Kontext ihres Umfelds. Das bedeutet nicht, dass man 1:1 übersetzen kann, z. B. gewalttätiges Kind = gewalttätige Eltern. Überhaupt nicht. Es spiegelt vielmehr den Mangel an erfüllten Bedürfnissen, und wenn wir genau hinschauen, zuhören, verstehen wollen, können wir die Schmerzstelle lokalisieren.

Spiegel der Gesellschaft

Der Film und das Therapieprogramm seien ein Spiegel der Gesellschaft, heißt es. Gemeint ist die Problematik dysfunktionaler Kinder, entstehend aus reduzierter Bereitschaft oder Vermögen, ihnen „Grenzen zu setzen“. „Ganz normale Menschen“((https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/journal/regisseur-joerg-adolph-ueber-den-film-die-elternschule-der-kampf-eine-normale-familie-zu-werden/-/id=659282/did=22624056/nid=659282/1zjqvd/index.html)) suchen Hilfe aus der Überforderung und Rat im Umgang mit ihren Kindern.
Das Bild des kindlichen Tyrannen prägt einen großen Teil der Gesellschaft. Unerwünschte Verhaltensweisen und Emotionen werden selbstverständlich sanktioniert. Die „Black Box“ der im Film gezeigten Klinik zeigt en miniature das zeitgeistige Problem des tyrannischen, unaufmerksamen, respektlosen Kindes, das gesellschaftlich immer wieder herumgeistert. Das sehe ich, „hinter den Spiegeln“ stehend.

Projektionsfläche Kind

Der Zeitungsausschnitt an der Wand sagt: „Kinder dressieren ihre Eltern“. Ich frage mich: Wer dressiert hier wen?

Die Eigenschaften, die im Film den Kindern zugeschrieben werden („Manipulatoren“, „Kontrolletti“, „Egoisten“, „Strategen“, „Trickster“, „Respektlose“, …), werden im Film durch die Erwachsenen selbst eindrücklich dargestellt. Das Besteck auf der Türklinke – hier wird mit allen Tricks gearbeitet. Es den Kindern zuzuweisen suggeriert eine Machtumkehr (siehe Adultismus).

Spiegel der (eigenen) Erziehung

Die Zuschauer:innen sind mitunter selbst Eltern, vor allem aber waren sie selbst Kinder, die unerwünschtes Verhalten aberzogen bekommen haben. Das ist mit ein Grund, warum ihnen das Verhalten der gezeigten Kinder z. B. m und ungehörig erscheint statt verzweifelt. Sind sie sich dessen nicht bewusst, passiert folgendes: Während ihnen die innere Stimme der Vergangenheit einredet, dass das Kind falsch ist, wenn es sich so verhält, können sie weder echte Empathie für das Kind auf der Leinwand empfinden noch für sich selbst (als Kind). Eine Änderung des Blickwinkels wäre nötig.

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… Gegenteilswelt (Ich und Du Vertauschetag)

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Im Rahmen der Therapie wenden die Therapeuten manipulative Tricks an, um ein bestimmtes Verhalten beim Kind zu erreichen. Den ans Kind gerichteten Vorwurf der Manipulation, der fehlenden Kooperation, des „Bestimmers“, des „Tricksters“ kann man also eigentlich gern zurückgeben. Und wenn Herr Langer kein „Kontrolletti“ ist, weiß ich es auch nicht.

Was haben wir gewonnen, wenn wir die (vermeintlichen) Rollen tauschen? Ist es jetzt besser, weil die Erwachsenen schließlich in der ihnen zugedachten Rolle sind? Nein, denn das ist Adultismus.

Die Haltung, dem Kind weniger Empathie und verständnisvolle Zuwendung zu schenken, um es kontrollierbar zu machen, zeugt vielleicht von einem eigenen Mangel … OK, lassen wir das.

Jedenfalls wäre es schön, die Stellschrauben am Kind erstmal in Ruhe zu lassen und bei sich selbst anzusetzen. Statt dein Verhalten zu ändern, verändere ich meine Gedanken. Die Prägung meiner Gedankenwelt liegt in der Vergangenheit: Was ich vom Kind fordere und verlange, wurde meist einst in irgendeiner Form von mir gefordert und verlangt (grob gesagt).

Wo das Kind nicht „hört“, hören die Erwachsenen nicht zu.

Letztlich möchte ich dem Film den Spiegel vorhalten.

Typische Begriffsverwechslungen
Der Film sagt …Ich sehe …
(logische) KonsequenzStarrsinn / Strafe / Erpressung
GrenzenEinschränkungen
KontrollverlustEmpathie
ManipulationNot
KommunikationBefehl
KooperationGehorsam
TrotzAutonomie
RebellionVerteidigung der Integrität
SchutzZwang
RegulationAngst
EinsichtAufgabe
BeruhigungVerstummung
GewöhnungResignation
neutrale Beobachtungvon oben herab
freies Spielalleine lassen
Manipulation/Provokation (Kind)Kommunikation
VerhaltensauffälligkeitAusdruck innerer Not
alte Muster ⟶ neue Ausrichtungnatürlicher Instinkt ⟶ alte Erziehungsmuster
TrennungstraumaBindungstrauma
zutrauenzumuten
Dressur der ElternDressur der Kinder
TrostAufsicht
Schlafhygienebeängstigende Umgebung

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… kein Dazwischen

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Der Film zeigt die Therapie im (angeblichen) Extremfall, wenn nichts anderes mehr wirksam ist. Das bedeutet im Rahmen der Methodik, keinen Millimeter vom vorgegebenen Weg abzuweichen, um einen Erfolg zu erzielen. Da passt kein Blatt und kein ‚aber‘ dazwischen.

Es gibt die unkontrollierten Kinder (IST) und die im Zaum gehaltenen (SOLL). Es gibt die Eltern, die gut mitmachen und die Störer. Es gibt gutes und schlechtes, erwünschtes und unerwünschtes Verhalten. Positive und negative Emotionen. Verboten oder erlaubt. Es gibt nur Ja oder Nein. Keine Kompromisse.

Angeblich für die Therapie, aber wohl auch als Handlungsempfehlung für den Alltag. Das Miteinander ist dabei doch so viel komplexer. Zumindest im familiären Kontext ist der Umgang mit Fehlern, Stimmungsschwankungen, diversen Emotionen und Meinungen essenziell. Sich und dem Kind gegenüber Fehler einzugestehen, eine Entscheidung zu widerrufen, zwischen Emotionen hin und her gerissen zu sein und das selbe dem Kind zugestehen zu können, gehört nach meinem Verständnis zu einem gesunden und kompetenten Miteinander. Zudem vermute ich, dass in anderen Therapien durchaus Raum für Nuancen ist.

Der Film stellt den Kampf dar, der gefochten wird, um den Schalter umzulegen (die Polung umzukehren). Der Erfolg stellt sich ein beim Umschalten des unerwünschten Verhaltens in das erwünschte.

Fehlende Nuancierung macht ein sehr komplexes Thema weniger bedrohlich. Den betroffenen Eltern einen schweren, aber einfach verständlichen Weg aufzuzeigen, mag sinnvoll sein. Dennoch, die reine Simplifizierung reicht meines Erachtens nicht für einen anspruchsvollen Dokumentarfilm aus.

Es gibt keine Kommunikation, schon gar nicht mit dem Kind, keine gemeinsamen Lösungswege, kein Beachten seiner Bedürfnisse. Mit der Therapie folgt ein radikaler Cut zur Eliminierung aller Zwischentöne.

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⎨ (filmische) Motive ⎬

… Sprache

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Hier schreit niemand, hier schimpft niemand. Fehlverhalten bedeutet Schweigen. Die Körpersprache und das gezielte Nichts-Sagen zu den Kindern bei unerwünschtem Verhalten kommuniziert non-verbal „Du bist falsch“ bzw. „Deine Gefühle sind falsch“. Das brennt sich ein.

Keine Dialoge

Für sein eigenes handfestes Motto „Nicht quatschen, machen“ wird im Film recht viel gequatscht. Der Film zeigt zahlreiche Monologe statt Dialoge (auf allen Ebenen).

Rhetorik

Die Rhetorik des Klinikpersonals ist grundlegend professionell: Man verwendet eine sanft klingende Sprache, besänftigende Worte, auch wenn man sich zuvor noch über die Person geärgert hat. Es gibt kein Stocken, kein Verhaspeln. Das ist seit Jahren einstudiert. Es werden keine Zweifel zugelassen. Wiederholungen stützen das Gesagte. Derbe (zum Teil humoristische) Ausdrücke, flapsiges Reden und Herrn Langers Ruhrpott-Slang lockern die bitteren Themen auf. Der Slang macht ihn zu einer regelrechten Frohnatur, wenn er logisch und abgeklärt über die sonst mit negativen Gefühlen behafteten Themen spricht. Er nimmt es leicht und die Lösung ist easy, diesen Eindruck gewinnen wir als Zuschauer:innen und die Eltern vor Ort.

„Nicht quatschen, machen“ ist das handfeste Motto der Klinik-Abteilung. Hier wird Tacheles geredet, vielleicht auch mal auf den Tisch gehauen, hier können wir uns sicher sein, dass sich „der Arsch aufgerissen wird.“

Der:die abgeklärte Zuschauer:in amüsiert sich prächtig über die einen oder anderen Spitzen, die Herr Langer im Kontext ‚Kind’ loslässt, sei es ein „Kontrolletti vor dem Herrn“, dass ‚Aua‘ immer hilft und ‚Aua Mama‘ noch besser oder er die Einschlafbegleitung mit „Kann man machen“ ins Lächerliche zieht. So einen „flotten Typen“ wünscht man sich doch als Arzt.

Abwertung durch Sprache

Begriffe wie „Kontrolletti“, Egoist, Manipulator, Stratege, „Wenn Kinder ihre Eltern dressieren“, „weichkochen“ o.ä. sind witzig gemeint, werden salopp dahingesagt, sind eigentlich jedoch perfide Projektionen auf das Kind. Selbst wenn das Kind nicht anwesend ist, prägen diese Begriffe das Unterbewusstsein derer, die es nutzen und ein Perspektivwechsel wird nur schwer möglich. Eine optimistische Denkweise und Sprache hilft, dem Kind empathisch gegenüber zu treten. Da dies in dieser Therapie nicht erwünscht ist, sind diese negativen Begriffe in deren Sinne natürlich absurd hilfreich.

Dass ein bestimmter Junge oder das Kind im Allgemeinen als „Der“ bezeichnet wird, zeugt von wenig Differenzierung und Respekt. Man ist hier nicht höflich zu Kindern. Namen werden nur als therapeutische Fallbezeichnungen benutzt. Die Kinder werden innerhalb des Films nicht mit ihren Namen angesprochen, generell fast nie persönlich angesprochen. Es wird fast ausschließlich über sie (teils in ihrer Anwesenheit!) geredet, quasi nie mit ihnen. Das wird (siehe Nachbesprechung Anna und Emma) als Teil des therapeutischen Konzeptes bezeichnet, um das Verhalten der Kinder zu kontrollieren. Wenn die Mutter nämlich über allem stehe, könne sie in Anwesenheit ihrer Kinder problemlos über Gott und die Welt sprechen.

Verstehen

Zarahs Mutter hat eine andere Muttersprache, spricht Deutsch jedoch sehr gut. Man solle sich nicht trügen lassen, meint die Sozialarbeiterin Grühn, sie verstehe eben doch nicht alles und man müsse es ihr öfter sagen, damit sie wisse, was sie tun und wie sie sich verhalten solle. Die Aussage bezieht sich auf die Situation, in der Zarahs Mutter nachts regelwidrig nach ihrer Tochter schaut. Vielleicht hätte sie noch etwas langsamer und vor allem LAUTER mit ihr sprechen sollen?  Auch bei Mohammeds Mutter, die ihn häufiger trägt, heißt es „Man muss ihr das immer wieder sagen“.

Sprachliche Manipulation

Herr Langer tritt als „Bauchredner“ auf. Er legt Kindern Worte in den Mund. Zum Beispiel: „Es gibt kein Kind auf der Welt, das sagt ‚Hör mal Mama, hör mal Papa, jetzt habt ihr euch in der letzten Zeit so schön um mich gekümmert, jetzt seid ihr auch mal dran.‘ [Lachen im Publikum]; ‚Wenn du mir nicht hilfst, bist du ein Schwein.‘“ Auch über die Eltern redet er in der Ich-Perspektive, um ihnen den Zugang zum Gesagten zu erleichtern.

Herr Langer spielt den Kumpel (siehe Mädchen X am See), doch er agiert nicht loyal dem Kind gegenüber. Er watscht Widerworte ab („Ich will das nicht.“ – „Das ist egal.“) und manipuliert über neutral klingende Sätze wie „Dann sagt die Lehrerin ‚Dann geh mal wieder zum Langer trainieren.‘“ oder „Ich hab mit deiner Mama besprochen, dass, wenn was nicht läuft, ihr wieder hierher kommen könnt.“.

Heftige Aussagen

Aussagen wie „Kinder müssen Führung körperlich spüren“ können in allen möglichen Heftigkeitsgraden ausgelegt werden.

Euphemismen

Der Film ist durchzogen von Euphemismen, beleidigenden bildlichen Vergleichen, nicht wertschätzenden Ausdrücken, das Verhalten und eine Person abwertenden Begriffen und Verniedlichungen grausamer Prozesse. Wie die als Kindergartenraum getarnte „Mäuseburg“ selbst, ist der Begriff verharmlosend, wenn man bedenkt, wie sehr die Kinder in diesem Zimmer leiden. „Jetzt darf die Maus üben“ steht für ‚schreit bis zur Erschöpfung‘. Die „Prinzessin“ wird gestürzt, wo sie zuvor noch sehr niedlich deplatziert in ihrem Kostüm gezeigt wurde. Die „Teufel“, die zur „Mäuseburg“ hineinfliegen und als „Engel“ herauskommen, illustrieren das, was man von Kindern hält.

Über Kinder sprechen

Was Kinder sagen, wird zum eigenen Nutzen verkehrt. Ansonsten wird kaum mit den Kindern gesprochen. Dr. Lion erklärt zwar, er sage immer an, was er bei der Untersuchung tue, redet jedoch immer zu den Eltern, immer ÜBER die Kinder, nicht zu den Kindern. Mit zielführender Sprache kommunizierend, lächelt und scherzt Dr. Lion über sich windende, schreiende Kinder hinweg.

Mit Eltern sprechen

Gegenüber den Eltern wird in deren Abwesenheit eine eher abwertender Tonfall verwendet, wenn diese in ihrem nicht konformen Verhalten als Störung wahrgenommen werden. Man bemüht sich jedoch, auch Kritik professionell zu verpacken. Aussagen wie „Die Mutter braucht noch viel Unterstützung“ meint wohl eher „Sie benimmt sich daneben“. 

Die 1:1 Gespräche mit den Eltern klingen zielorientiert und fachlich fundiert. In wie weit liegt hier rhetorische Manipulation vor? Gibt es ein ernsthaftes Verständnis für die Probleme? Herr Langer versteht es, das Gespräch in die für ihn richtige Richtung zu lenken. Er macht sich über die Einschlafbegleitung lustig: „Ja klar, kann man machen, haha.“ Natürlich werden die Eltern exakt an dem verzweifelten Tiefpunkt abgeholt, an dem sie sich befinden. Eine generell recht dankbare Ausgangslage für das Institut. So und nicht anders wird es gemacht.

Argumentation

Rhetorisch werden meines Erachtens Argumente u.a. über logische Fehlschlüsse bzw. Trugschlüsse (z. B. „das Kind hört auf zu schreien, also hat es keinen Stress mehr“), Scheinkausalitäten (z. B. „weil das Kind sich nicht trennen kann, hat es Neurodermitis“), Strohmann-Argumente (z. B. gegen das Attachment Parenting), Argument der goldenen Mitte (z. B. massive Gewalt gegen Kinder auf der einen und „Kuschelpädagogik“ auf der anderen Seite), Doppeldeutigkeit (z. B. „Kind muss Führung körperlich spüren“), Traditionsverweise („bewährtes System“), Der Erfolg gibt recht („Wer heilt, hat recht“), Angstargumente („… sonst gerät das Kind außer Kontrolle“), Argumente aus Eitelkeit (Diffamierung bindungsorientiert denkender Menschen), Unterstellungen schlechter Motive (z. B. das Kind als „Kontrolletti“) und Totschlagargumente („das ist Wurscht“) validiert.

In ihrer Verteidigungshaltung gegen die Kritik an Klinik und Film nutzen Herr Langer und die Filmemacher argumenta ad hominem, wenn sie von „hysterischen Müttern“, dem Attachment Parenting als Sekte und „bestimmten Erziehungsschulen“ als „Religionsersatz“ sprechen. Sie werfen Kritiker:innen vor, sich in den Vordergrund zu drängen, um eigene Produkte zu verkaufen. Statt sich dem Argument zu widmen, wird die Person angegriffen.

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… Witzischkeit (kennt keine Grenzen & kein Pardon)

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Der Film unterhält neben schwerer Kost sein Publikum kontinuierlich erheiternd, um dem Ganzen die Schwere zu nehmen. Die intendierten Effekte, die durch die dargestellte Absurdität, Flapsigkeit, visuell kommentierende Einwürfe oder das vermittelte Bild des Kindes im Zusammenspiel mit seinen Handlungen entstehen, funktionieren beim erwünschten Publikum.

Anderen wiederum bleibt das Lachen im Hals stecken oder sie sehen keinen Anlass, bestimmte Szenen lustig zu finden. Woran liegt das? Warum lachen die einen und die anderen (könnten) weinen?

Art des Humors

Es handelt sich generell um einen morbiden Humor. Auch für die lachenden Zuschauer:innen schwingt eine gewisse Bitterkeit mit. Der Witz wird als fein empfunden, weil er in der dem Film innewohnenden ruhigen Art subtil vorgetragen wird, durch kurze Einwürfe, Spitzen oder Bilder, die für sich selbst sprechen. Manche sind plakativer (Sprüche), manche versteckter (z. B. Stillsitz-Übung). Dann ist da noch Herr Langer, die ruhrdeutsche Frohnatur mit angeborenem Pragmatismus. Langers Art, die stressgefüllten Situationen durch seinen Habitus aufzulockern, mag gut gemeint sein und auch bei vielen gut funktionieren. Die Grundidee, dass den Eltern die Sorgen ein wenig erleichtert werden, ist ja auch nicht schlecht. Zugleich werden jedoch schwerwiegende Problematiken ins Lächerliche gezogen. Die Verniedlichung gewaltvoller Inhalte (z. B. die Teufel-/Engel-Illustration an der „Mäuseburg“ oder das panische Schreien als „Dann geben sie richtig Gas. […] Jetzt dürfen die Mäuse üben“ zu marginalisieren) rutscht an vielen Stellen ins Geschmacklose ab.

Aus Sicht des negativen Menschenbildes auf Kinder werden die humoristisch intendierten Elemente als amüsant wahrgenommen.

Wann ist ein Witz witzig?

Der Gegenstand des Witzes ist das Verhalten des Kindes. Auf seine Kosten machen sich die Personen im Film lustig. Wird die Persönlichkeit des Kindes ausgeblendet, funktioniert der Witz. Dass die Lachenden wohlwollend den Kindern gegenüber eingestellt sind, mag ich gar nicht bezweifeln. Sind sie doch putzig und die Natur ist nun einmal, wie sie ist. Ein Stück weit leidet man ja auch mit. Man lacht über vermeintlich nicht zu ändernde Umstände, eine Naturgewalt sozusagen. Humoristische Elemente funktionieren, weil der intendierte Kontext verstanden wird, Unausgesprochenes innerhalb der eigenen Erfahrung ergänzt wird und sich daraus eine lustige Korrelation entwickelt. Es ist jedoch ein entscheidender Unterschied, ob man mit oder über jemanden lacht.

Je näher das Erzählte am eigenen Alltag ist (Wiedererkennung), desto lustiger wirkt ein Witz, außerdem je sympathischer diejenige Person ist, die den Scherz initiiert.

Man findet einen Witz z. B. nicht lustig, wenn bestimmte Informationen fehlen – man versteht den Witz nicht. Dies jedoch trifft auf die nicht-lachenden Zuschauer:innen, die ich meine, nicht zu. Sie sind meist selbst Eltern und kennen die tägliche Anstrengung, die ein autonomes Kind mit sich bringt. Auch sie lachen – über sich selbst und die absurden Situationen mit Kindern. Ihnen jedoch liegen im Gegenteil zusätzliche, andere und entgegengesetzte Informationen vor, die den Kontext der im Film präsentierten Inhalte hinfällig machen. Der Rezipient ist mit dem vorgetragenen Inhalt aus guten Gründen nicht einverstanden. Somit wandelt sich die Tragikomik in Tragik, weil ihr selbst (nicht dem Publikum) der Humor abhanden kommt.

Aus Sicht des positiven Menschenbildes wirkt der Humor geschmacklos.

„Spassbremsen“

Für die einen ist es also ein bitterer oder schwarzer Humor, für die anderen ein geschmackloser Witz auf Kosten derer, mit denen man sich identifiziert.

Es geht nicht darum, ob jemand keinen Humor hat oder einen Witz nicht versteht, sondern darum, ob es angemessen ist, eine Person oder Personengruppe zum Gegenstand der humoristischen Einlage zu machen. Die Verantwortung liegt beim Possenreißer, nicht beim Rezipienten. 

Humor-Analyse

Folgende Szenen fordern Lacher ein. Warum lachen an diesen Stellen die einen und die anderen nicht? Es liegt unter anderem an den grundverschiedenen Perspektiven, die völlig unterschiedliche Voraussetzungen haben, sich aber natürlich auch in gewissen Punkten überschneiden. Hinzu kommt natürlich, dass Lachen auch unangenehme Emotionen, die berührt werden, überspielt.

Szenelustignicht lustig
„Es gibt kein Kind auf der Welt, das sagt ‚Hör mal Mama, hör mal Papa, jetzt habt ihr euch in der letzten Zeit so schön um mich gekümmert, jetzt seid ihr auch mal dran.‘“• Das Prinzip ist simpel und wirksam: Eine Beobachtung wird vereinfacht als allgemein gültige Regel definiert („Blondinen sind dumm“, „Schotten sind geizig“, „Frauen können nicht Auto fahren“, „Kinder sind Egoisten“) und daraus eine absurde, ironische Anekdote geschnitzt.
• Putzige Perspektive: erwachsenes Verhalten des Kindes
• weiß es besser: Kinder fordern nur, sie nehmen keine Rücksicht
• Stigmatisierung wird als unangemessen und falsch empfunden
• Das Kind wird zur Belustigung in erwachsene Schuhe gesteckt.
• empfindet Haltung als überheblich
Mitarbeiterin erklärt, dass man die Kinder zum Essen nicht loben soll: Es lobe sie ja auch niemand, „weil ich so schön atme“.• Begriff ‚Selbstverständlichkeit‘ wird anschaulich erklärt
• absurd
• Aha-Erlebnis („ja, stimmt eigentlich“)
• Nicht loben an sich nicht verkehrt, aber: Mitarbeiterin begibt sich – wenn auch nur theoretisch – unberechtigter Weise in die Rolle des Kindes, das ist respektlos und verdreht. 
• Essen ist für diese Kinder keine Selbstverständlichkeit, das wird ignoriert und persifliert.
Kind isst nur Bratwurst-Enden: „Drei Jahre ging das so“.• extrem
• „geht ja gar nicht“
• lustige Anekdote
• nah am eigenen Alltag
• Wiedererkennung der eigenen „Picky Eaters“
• Das Extrem wird als Not-Situation erkannt, nicht als putzige Macke
• Erkennt wählerisches Essen als natürlich und normal an
• Sieht Gefahr, dass normal wählerisch essende Kinder stigmatisiert und umerzogen werden
• Eltern wird Angst gemacht, ihr Kind könne auch so werden 
Kürzung der mathematischen Stress-Formel: „Das Kind wird seins nicht kürzen“• absurd
• erwachsenes Verhalten auf Kind projiziert
• weiß es besser: das Kind ist ein Egoist, nimmt keine Rücksicht
• Stigmatisierung wird als unangemessen und falsch empfunden
• Das Kind wird zur Belustigung in erwachsene Schuhe gesteckt
• empfindet Haltung als arrogant
Lehrvideo
Kind entscheidet sich weder für Möhren noch für Blumenkohl: „Dann lass stehen“, das Kind weint: „Ich hab Hunger!“
•der kleine Simulant und Spieler
• faustdick hinter den Ohren
• bringt ja die Mama ganz schön in Bedrängnis
• erkennt die Zwickmühle, in der sich das Kind durch eine vorgegebene Pseudo-Entscheidung befindet
• sieht die Not des Kindes, sein Anliegen nicht ausdrücken zu können
• sieht die Not des Kindes, nur eine gültige Antwort, die der Erwachsenen, vorbringen zu dürfen
Kind sagt „Aua!“ … „‚Aua‘ ist immer gut. ‚Aua Mama‘ noch besser.“ Vor einer Nudel müsse man nun wirklich keine Angst haben.• stellt sich böse „Monster-Nudel“ vor
• Strategie: faustdick hinter den Ohren
• Wiedererkennung: Kind übertreibt und überdramatisiert
• erkennt letztmöglichen Versuch, sein Bedürfnis verständlich auszudrücken
• erkennt die Möglichkeit, dass das Kind ernsthaft Schmerzen empfindet – körperlich oder seelisch
• sieht ein kompetentes Kind, das angemessen auf die Zwangssituation reagiert
• empfindet Aussage als überheblich
Kind erbricht „mit Ansage“ den schleimigen Essensbrei • Ekelgefühl (unangenehmes Gefühl durch Belustigung auffangen)
• wozu diese Kinder alles in der Lage sind
• empfindet Mitleid mit dem Kind, das über den Ekel-Faktor bloßgestellt wird
• Stigmatisierung wird als unangemessen und falsch empfunden
Annas Essen wird von ihrer Mutter wegen ungebührlichen Verhaltens abgeräumt
Kamera bleibt auf Emma (der kleinen Schwester), die jetzt allein am Tisch isst, sie schaut mit vollem Mund grinsend in die Kamera
• die morbide angespannte Stimmung scheint die kleine Schwester wenig zu kümmern, als wäre nix
• Lösung der vorher aufgebauten Anspannung
• erkennt die Wahrscheinlichkeit, dass der Konflikt der Schwester mehr ausmacht als es scheint
• ist nicht bereit, die quälenden und gewaltvollen Szenen durch einen finalen Witz zu lappalisieren
Totale: der Raum ist komplett mit Matten ausgelegt, ansonsten herrscht Leere, Stille. Stumm sitzen die fünf Kinder und zwei Pflegerinnen an zwei Wänden verteilt und tun … nichts• sie sitzen wie die Hühner auf der Stange und tun … nichts
• Bildkomposition
• empfindet die erzwungene Stille als quälend
• versteht die Intention der Übung, aber nicht den Sinn
• lehnt manipulatives Training ab
Einschlafbegleitung mit Rücken Kraulen und Füße massieren, eine Stunde jeden Tag „Haha, ja, warum nicht?“• Ironie/Sarkasmus
• wie blöd ist die denn
• man kann sich auch Stress machen, selber schuld
• das geht mal gar nicht 
• na, der lässt es sich gut gehen
• sieht Einschlafbegleitung als anstrengend, aber etwas Normales
• Sarkasmus fehlplatziert
• empfindet Abwertung gegenüber den eigenen Werten
• sympathisiert mit der Strategie der Mutter, ihrem Kind (Neurodermitis) das Leiden zu erleichtern und ihm dadurch helfen zu wollen (sieht keinen Fehler in der Sache an sich)
Mädchen X sitzt allein am Tisch und dreht sich um zum Fenster, als sie offensichtlich Mohammeds Schreie vom Flur her hört• das Mädchen reagiert im Parallelschnitt auf die vorhergehende Szene
• der Bildausschnitt, in dem es den Kopf reckt, ist geschickt gewählt: der beleuchtete Rahmen, in dem sie sich wie in einem lebenden Bild bewegt, wirkt komisch
• Kommt quasi in Blickkontakt mit der Kamera
• sie soll ja eigentlich essen, aber steckt lieber neugierig die Fühler nach dem Geschehen um sich herum aus
• fühlt noch (schockiert) mit dem hilflos schreienden Kind aus der Parallelszene mit
• verbindet die Szene mit dem Esstraining, spürt Empathie mit dem Mädchen und den Zwang des Systems
Schreiende Kinder in der „Mäuseburg“. Schnitt in den Frühstücksraum: eine Mama (wahrscheinlich Lauras): „Das ist meine“• das Schreien ist ihr schon so vertraut, dass sie ihr Kind daran bereits erkennt
• außerdem ist es am lautesten von allen
• Galgenhumor
• nimmt erschrocken die weit fortgeschrittene innerliche/emotionale Loslösung der Mutter vom Kind wahr
• sieht diese nicht per se als falsch, aber das Training als unangemessen
• bewertet die Schreie der Kinder als Notsituationen mit Handlungsbedarf
Mädchen im Prinzessinnen-Kostüm in der „Mäuseburg“ steht hilflos daneben, als einem Kind der Schnuller abgenommen wird und daraufhin zu schreien beginnt• wirkt deplatziert
• charakterisiert „das Kind“ bzw. „das Mädchen“ als solches
• Kontrast: quälendes Schreien vs. stille Märchenprinzessin 
• wenig würdevolle Prinzessin
• überflüssiger sexistischer Kommentar (Stigmatisierung)
• sieht das Leiden der schreienden Kinder
• empfindet es als mindestens unfair, dem Kind die erlernte eigene Beruhigungsstrategie (Schnuller) abrupt zu nehmen
Unterhaltung zwischen zwei Müttern: „Musch mer erstmal begreifen.“ – „Dass so kleine schon strategisch schreien.“ – „Ist ja bescheuert von der Natur.“• witzige Perspektive
• naiv
• irgendwie stimmt das schon, aus gequälter Elternsicht
• außerdem putziger Dialekt
• empfindet die Unterstellung des strategischen Handelns als falsch
• empfindet die Unterstellung des strategischen Handelns bei Säuglingen als gefährlich
• empfindet es in Situationen wie dieser als gefährlich und falsch, wider den natürlichen Instinkt zu handeln
Im Mattenraum ein älterer Junge mit Boxhandschuhen, rangelt mit einem Pfleger, er rennt gegen ihn und hat Spaß dabei, er wünscht sich, vom Pfleger wiederholt auf die Matten geworfen zu werden. Er knallt hart runter.• Anlage zur Aggression und Wut
• überraschend heftiger Aufprall
• über die Schmerz-Sehnsucht des Kindes (klingt, als müsste es wehtun)
• Verwunderung, dass das Spaß machen soll
• vielleicht Schadenfreude à la „Pleiten, Pech und Pannen“?
• ist erleichtert über eine Art „Power Games“, bei denen der Erwachsene endlich den Wünschen des Kindes entspricht
• kann die „Aggression“ des Kindes gut nachvollziehen
• sieht einen natürlichen Überschuss an Energie, die sich durch das Abverlangen eines hohen Kooperationsmaßes angestaut hat, keine Aggression oder Wut
• freut sich, dass das Kind sich auspowern kann
Joggen am See
Mädchen X will nicht weiter laufen, Langer: „Ich will dich fit machen“, „Ich will aber nicht fit werden.“
• naiv-klare, schlagfertige Antwort der Kleinen, um sich vor der unangenehmen Verpflichtung zu drücken
• kindliche Unwissenheit
• fühlt mit dem Mädchen mit
• leidet mit, weil die Aussage des Mädchens nicht ernst genommen wird, im Gegenteil durch den Scherz als Quatsch abgestempelt wird
• empfindet Zwang und das Bestimmen eines fremden Erwachsenen über das Mädchen als unangemessen und auf lange Sicht gefährlich
• findet die Art und Weise des „Überredens“ als unangemessen manipulativ
Mädchen X hat offensichtlich ihre Mütze nicht mehr. Langer fragt, ob sie die weggeschmissen habe, Mädchen X „Keine Ahnung“ – „Keine Ahnung! Du bist eine Eule!“. Er verlangt, dass sie die Mütze holt und zu der Stelle zurück läuft. Sie möchte nicht, ist erschöpft. Sie hat sie selbst gekauft. „Vom Geld der Mutter.“ „Das habe ich von meiner Omi bekommen.“ – „Völlig Wurscht.“ Sie setzt sich auf den Weg. „Wir haben Zeit […] Du holst die Mütze!“• gewitztes Mädchen
• hat getrickst
• lustiger Dialog: Ausreden mit Milchmädchenrechnung, die Langer schnell aufdecken und ungültig machen kann
• erkennt den kompetenten Versuch, von einem hilflosen Standpunkt aus seine Not zu kommunizieren
• empfindet die Art, in der mit dem Mädchen gesprochen wird, als überheblich
• sieht und verurteilt die Einforderung von Gehorsam
• der Erwachsene macht die Argumente des kleinen Mädchens ungültig: reife Leistung  , bei so ungleichen Gegnern
zu Mädchen X: „Jetzt müssen wir uns aber sputen, sonst verpassen wir das Essen.“• halb Schadenfreude, halb Mitleid
• Scherz oder Drohung?
• jetzt gibt es doch noch die Notwendigkeit zum Laufen
• Zwickmühle: Problem 2 (Kind isst nicht gern) fordert Problem 1 (Kind läuft nicht gern) heraus
• fühlt die quälende Tortur, die dem Mädchen gerade während der gesamten Sequenz widerfahren ist
• empfindet stark die intendierte versteckte Drohung
„Wann tauchen Trotzanfälle auf? Wenn ich sie am wenigsten gebrauchen kann.“ (in der Öffentlichkeit, unter Zeitdruck …)• kennt jeder
• Klischee-Bild vom Kind bestätigt
• lockert die Spannung des vorher Gezeigten (Mohammed, der permanent schreit und sich wehrt) auf
• kennt auch hier jeder, stimmt dem Kern der Aussage auch zu. Aber:
• empfindet den Begriff „Trotzanfälle“ als eher unreflektiert und der eigentlichen Sache nicht gerecht werdend (siehe Autonomie)
• Stigmatisierung des Kindes unangemessen und falsch
• die vorangegangenen Bilder (Mohammed, der permanent schreit und sich wehrt, wird um den See gezwungen) beschäftigen die schockierten Zuschauer:innen noch, und man ist nicht gewillt, diese Bilder aufgrund eines auflockernden Scherzes zu lappalisieren
„Jetzt aber Mütze festhalten, damit wir nicht nochmal zurück müssen“• noch einen draufgesetzter kann es nicht lassen
• ein bisschen fies und gemein ist attraktiv
Felix wird nach der Fütterung runtergelassen, er läuft am Fenster vorbei, schaut zur Kamera und klatscht in die Hände (Bravo?)• niedlich, wie er sich nach der Tortur, bei der er nichts gegessen hat, selbst „gut gemacht“ applaudiert
• Erleichterung: war wohl doch nicht so schlimm, wie es aussah
• putziger Schelm
• Mitleid mit dem Jungen, der zum einen nichts zu sich nimmt, alles wieder auswürgt, und zum anderen körperlich dazu genötigt wird, die Flasche zu nehmen
• traurig über nicht in Erwägung gezogene Alternativen, z. B. Traumatherapie
• erkennt die Möglichkeit, dass es doch schlimm war für ihn
• Applaus als Erwachsenenhandlung interpretiert, kann auch anderes bedeuten (Übersprungshandlung zur Beruhigung, Ausdruck von Erleichterung o.ä.)
Mädchen (evtl. Trisomie 21?) am Spieltisch versucht mit unbeweglich (wie apathisch) sitzendem Mädchen zu interagieren (aktives Mädchen schaut dem passiven Mädchen direkt in die Augen und dreht den Kopf)• niedlich: wie „klopfklopf, jemand zu Hause?“
• süß: soziale Interaktion, Kinder spielen miteinander, nehmen Kontakt auf
• überlegt, was dem apathischen Mädchen wohl widerfahren ist
• sieht Unterteilung in „normales“ (aktives) und „unnormales“ (passives) Verhalten
• es fällt dem aktiven Kind auf, dass es dem passiven Kind nicht gut geht: Es versucht darauf aufmerksam zu machen, aber die Erwachsenen unternehmen nichts
Entlassung Mädchen X: „Wenn etwas nicht läuft, könnt ihr ja wieder herkommen. Aber ich denke, ihr bekommt das hin, oder?“ – „Das denke ich auch.“ Kind beißt sich auf die Lippe.• jeder weiß, dass sie auf keinen Fall zurück möchte
• Therapie hat gewirkt/funktioniert
• Sieg!
• erkennt die versteckte Drohung/Ängstigung
• sieht keinen eindeutigen bzw. angemessenen Therapieerfolg (außer Gehorsam aus Angst, Unterwürfigkeit)
• sieht ein Kind, das Lebendigkeit verloren hat
Langer über sein junges Ich (1997) auf dem Lehrvideo zur „emotionalen Distanzierung“: „Ja, der darf auch mal Kissen werfen, um sein Geld zu verdienen.“
Er kommentiert ebenfalls sein Xylophonspiel und dass er eine Höhle baut
• die Ikone Langer war auch mal jung
• die Mode
• eine erwachsene Person beschäftigt sich mit Kindersachen
• ist genervt vom Egozentrismus
• denkt: seit über 20 Jahren halten die an diesen irrwitzigen Theorien fest
• erinnert eher an Hundetraining
• emotionaler Entzug: was bleibt einem Kind übrig, das emotional ausgehungert wird, als schließlich klein beizugeben? Sieht keine Leistung des Therapeuten.
Ebenda: kleiner Junge (ca. 2 Jahre) liegt apathisch am Boden. In seiner linken Hand hält er eine McDonald’s-Fahne.• ah, ein Fastfood-Kind
• sieht eine eindrückliche Verbildlichung des „theatralischen“ Verhaltens und der kindlichen Manipulation (durch Erklärbär Herrn Langer parallel erläutert)
• die Fahne macht es noch theatralischer
• das fröhliche Symbol der Fahne liegt platt wie das Kind am Boden (Ist-Zustand) – gedanklich wird das mit der Fahne spielende, fröhliche Kind (Idealbild, Soll-Zustand) assoziiert
• der angeblichen Theatralik des Kindes wird kein Glauben geschenkt, somit funktioniert diese Symbolik hier als Witz nicht
• sieht ein ehrlich erschöpftes, resigniertes und in seinen Bedürfnissen nicht ernst genommenes Kind
• unterstellt dem Kind die besten Absichten
• empfindet die Fahne als bloßstellendes Element, das es unterstützt, sich über das Kind lustig machen zu können
Gleiches Lehrvideo: „Jetzt rollt es sich in Embryohaltung zusammen – ‚Wenn du mir nicht hilfst, bist du ein Schwein.‘“• aha, witzig, interessant
• putzige Perspektive: Kindliche Gedanken werden vertont
• Kontrast grobe Sprache – Kind
• sieht echte Not
• Langer: der „Bauchredner from hell“ (verwendet grobe Worte eines Erwachsenen)
• wo „das Kind“ Recht hat …
Teambesprechung: Felix’ (impulsiver) Vater werde erstmal ausgeladen. „Das geht nicht“, habe dieser daraufhin geantwortet und sei weggegangen, er müsse zum Gespräch: „Da kommt er nicht drum herum.“ Der Vater lebe „in der Gedankenwelt in der Vergangenheit“
Großaufnahme: Tasse „Keep calm and listen to the psychotherapist“
• spitze Bemerkung visuell eingebastelt
• Schlagfertig gegen einen „Störenfried“
• wenn ja alle mal das täten, was wir hier beigebracht bekommen, wäre es doch ganz einfach
• decodiert: „Klappe halten, gehorchen“
• sieht es als fatal an, wenn diesem Rat (in diesem Kontext) gefolgt wird
• genervt von wiederkehrender Überheblichkeit
Jede Stelle, an der Kinder schreien oder aggressiv agieren plus die theoretische Erklärung des kindlichen „Strategen“• aha-Effekt
• Bestätigung des Bildes ‚Kind’
• anfangs noch lustig
• je länger und heftiger, desto unangenehmer (reicht dann aber auch)
• „das geht ja nun wirklich nicht“
• sieht Kinder in echter Not
• sieht Kinder, die kommunizieren wollen
• müde von der Stigmatisierung des Kindes

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… Metaphern

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Der Film nutzt Metaphern, um seine Haltung eindrücklich und anschaulich zu vermitteln. Die bildlichen Vergleiche zeigen, wie „das Kind“ gesehen wird bzw. werden soll. Wenig schmeichelhaft und äußerst unangemessen, wie ich finde.

Wer ist hier der Boss?

„Der Lehrling kann ja auch nicht einfach machen, was er will“ war ein Satz im (privaten) Diskurs über das Verständnis des methodischen Ansatzes nach der Filmvorführung.

Das Therapieprogramm in der Klinik (und auch der „Elternführerschein“) arbeitet darauf hin, dass Eltern die Rolle des Chefs zurückgewinnen. Im Film fällt öfter der Satz „Der [das Kind] ist ja der Boss“ in Varianten. Wir reden hier also über ein klassisch hierarchisches und autoritäres Angestellten-Verhältnis. Der Erwachsene hat Chef und Bestimmer zu sein, das Kind die ausführende Person, nicht umgekehrt. Das Kind solle Autorität und Führung (auch körperlich) erleben, heißt es im Film.

„Der Lehrling“ ist heutzutage in der Regel erwachsen, zumindest beinahe. Oft wird auch diese:r im Scherz respektlos behandelt. Dass dies unangemessen ist, ist ein anderes Thema, aber es ist unangemessen. 

Das Kind ist zutiefst abhängig von den Eltern. Es benötigt mindestens Nahrung, Pflege und Zuwendung. Aufgrund der Gehirnentwicklung ist es nicht in der Lage, etwas kritisch in Frage zu stellen, es nimmt die Eltern ohnehin als allmächtig wahr, als absolute Wahrheit. Faktisch ist das Kind nicht der Boss, kann es nicht sein, da es ein Kind ist (dem erwachsene Eigenschaften zugeschrieben werden) und im Machtverhältnis dem Erwachsenen unterliegt. Das Kind verliert immer. Ist das Machtverhältnis scheinbar verschoben, liegt es daran, dass die erwachsene Person ihre Verantwortung nicht übernimmt, sondern die „Schuld“ auf das Kind abschiebt. Sie rechtfertigt damit, das Verhalten des Kindes zu regulieren.

Die Eltern sind Vorbild: Sollen Kinder respektvollen Umgang lernen, muss es bedingungslosen Respekt erfahren. Der Film zeigt (nicht intendiert), dass dies an vielen Stellen nicht geschieht.

Gehen wir (freiwillig) eine Beziehung ein, eine Ehe, Partnerschaft oder Freundschaft, die auf einer solchen Hierarchie beruht? Die Kinder haben keine Wahl, wo sie hineingeboren werden. Warum aber wird eine Familie nicht für alle Mitglieder als gleichwürdige (nicht gleichartige !) Partnerschaft angesehen? Diese Idee scheint vielen absurd.

Ich wiederhole: Das Ungleichgewicht im Miteinander entsteht nicht, weil das Kind „der Boss“ ist, sondern weil die Erwachsenen keine Verantwortung übernehmen. Führung bedeutet in meinem Verständnis nicht Autorität und das Durchsetzen von starren Regeln, sondern der verantwortungsbewusste Umgang mit Situationen einschließlich der Gefühlsebene (Empathie), dem Gesamtkontext und der Betrachtung des Kindes als Individuum.

Im Film ist Herr Langer der Boss, keine Frage. Er führt sein Team, steht als Therapeut über den Eltern und über den Kindern ohnehin. Aus Sicht des Publikums ist die Hauptfigur Langer der Held (oder soll es zumindest sein).

Sportschau

„Zum Langer Trainieren gehen“, jemanden „fit machen“, die „Trainings“, das Laufen, das Kämpfen (siehe unten), „die muss was tun“ … zeigen die leistungsorientierte Körperlichkeit, mit der in aller Eindimensionalität an mit den Kindern gearbeitet wird. Das therapeutische Personal als Sportler. Hallo, Fleece-Pulli. Handfest und zupackend. „Nicht quatschen, machen“. Wie auch als Handwerker.

Hör mal, wer da hämmert

Im Zusammenhang mit „Trotzanfällen“ erklärt Herr Langer, Kinder hätten einen Werkzeugkasten aus dem Reflexsystem (Weinen, Schreien, Kratzen, Beißen, Hinschmeißen etc.). Angeborene Verhaltensweisen würden sie strategisch einsetzen.

Die „Werkzeug“-Metapher, die mit der Sicht „Erziehung als Handwerkskunst“((siehe Booklet der DVD)) korreliert, erscheint noch halbwegs freundlich, leitet aber direkt über zu „Waffen“.

Fight Club

Die „Werkzeuge“ seien ein Schutzrepertoire aus dem Nahkampf, das „mal anders ausprobiert“ werde. Das Kind gehe „nicht ohne Waffen in den Kampf“. Da sind sie, die „Kindersoldaten“. Unterstellt Herr Langer tatsächlich, dass Kinder das zur Verteidigung gegen Feinde vorgesehene „Waffenarsenal“ zum Angriff der eigenen Eltern benutzen? Ein schwerer Vorwurf – wörtlich genommen. 

Endlos lang erscheinende Sequenzen dehnen den Spannungsbogen vom Konflikt (Widerwillen) über den zähen Kampf voller Schreien, Weinen, „Trotzen“, „Bocken“, „Jammern“ etc. bis zur Fügung (Sieg). Der gesamte Film ist so erzählt: Konflikt ➛ Kampf ➛ Sieg.

Das Kind als „Endgegner“: wie perfide.

Der siebte Sinn

„Kinder sind überfordert, sich selber zu begrenzen. Gas geben können die alle gut. Die können nur nicht aufhören.“ In der „Mäuseburg“ werden die Kinder zum „freien Spielen“ abgegeben, die Eltern geben ihnen einen „dicken Kuss“ und gehen dann frühstücken. „Dann geben die Kinder Gas“, sie probieren ALLES aus, was sie in ihrem Repertoire haben.

Mit der Auto-Metapher kriegen sie uns. Das Spin-off Zusatzangebot des „Elternführerscheins“ – „Vorfahrt in ein entspanntes Familienleben“ baut darauf sein Corporate Design auf. „Kinder brauchen Wegweiser“ heißt es in einem Vortrag. Verkehrsschilder sind ganz subtil (#Ironie) als Gestaltungselement eingesetzt.

Führung wird hier mit Kontrolle gleichgesetzt. Der „Elternführerschein“ wirbt mit Sätzen, wie wir sie aus dem Trash TV kennen („Hilfe mein Kind …“ (sic!) „… hört nicht“ etc.). Sätze, die immerwährende Sorgen spiegeln, mit denen sich wohl alle Eltern sinngemäß identifizieren können.

Wo Kommentierende((http://www.filmstarts.de/nachrichten/18521448.html)) einen „Elternführerschein“ oder gar eine „Lizenz zum Kinderkriegen“ für „manche Eltern“ fordern, dockt dieses Angebot an. Dein Auto Kind ist außer Kontrolle? Du willst nicht als unfähige Eltern dastehen? Hol dir den Elternführerschein. An Objektivierung ist es wohl kaum zu überbieten, das Kind mit einem Auto gleichzusetzen. Keine Autonomie für Kinder oder Autos. Gefährlich, diese Dinger, wenn man sie nicht steuern kann.

Disenchantment

Ein als Prinzessin verkleidetes Mädchen steht deplatziert neben einem schreienden Kind, dem der Schnuller zur Beruhigung verwehrt wird. Später wird man über Zarahs Mutter sagen, es gebe keinen Grund „dass sie Händchen haltend über den Flur schleichen“. Zarah sei nun keine Prinzessin mehr, „die muss jetzt was tun.“

Im Film wird die Verknüpfung Mädchen + Prinzessin gebracht. Eine typische Geschlechter-Klischee-Zuordnung. Gemeint ist natürlich, dass das Mädchen verwöhnt sei, sich auf Kosten ihrer Eltern ausruhe, das nicht wertschätze, was sie habe und selbst nichts für die Familie beitrage. Ein abschätziges Bild also. Den Zuschauer:innen wird suggeriert: So ein Kind will man nicht haben. Dass Stigmata wie diese einem Menschen weh tun, wird nicht in Betracht gezogen, schließlich handelt es sich nur um sich fehlverhaltende Kinder. Eine Beleidigung, niedlich verpackt.

Pink stinks

Werkzeuge, Waffen, Autos – typisch männliche Welten? Sie sind theoretisch positiv konnotiert: Die cleveren Kämpfer und Strategen nutzen sie, die Eltern müssen nur noch geschickter sein und wieder Regeln ins (Verkehrs-)Chaos einführen. Die Prinzessin hingegen ist ein abschätziges, typisch weibliches Abziehbild, das als nicht erstrebenswert dargestellt wird. Dahingegen ist ein Mann der Prototyp eines guten Vaters: der Held D. Langer, der „Boss“. Dann kommt in der Rangordnung wohl Dr. Lion, während die meist weiblichen Angestellten hierarchisch darunter stehen. Tappt der Film hier vielleicht in eine Rosa-Hellblau-Falle((https://rosa-hellblau-falle.de))?

Siehe auch … traditionelle Rollenbilder.

Verniedlichungen

Herr Langer und Frau Grühn spielen mit Kinderspielzeug (Xylophon, Höhlen-Bausteinen, Baustein-Kreisel), während sie Kinder – verstummte oder schreiende – ignorieren. Erwachsene mimen Kinder.

Sanfte Musik, wie ein Kinderlied wirkend, erklingt, während Mohammed von seiner Mutter und Frau Grühn um den See „geführt“ wird. Ein Effekt, der z. B. im Spielfilm oft bei (extrem) gewaltvollen Szenen genutzt wird, um einen Kontrast zu bilden und die Gewalt wie betäubend wirken zu lassen. In Mohammeds Szene beruhigt es die Intensität seines Schreiens und zieht das Publikum langsam aus dieser Emotion heraus.

Ein Kleinkind mit Teddyohren-Mütze wackelt den Gang hinunter, Richtung „Mäuseburg“.

All die verwendeten Symbole sind aus meiner Sicht euphemistisch und nicht wertschätzend. Es sind Begriffe, die das Verhalten und eine Person bewerten, die grausame Prozesse wie das Schreienlassen verniedlichen. „Freies Spiel“ – „Jetzt darf die Maus üben“. Die „Mäuseburg“ selbst ist Inbegriff der perfiden Geschmacklosigkeit. Teufelchen werden hineingetrieben, Engelchen fliegen glücklich heraus. Aus der „Mäuseburg“. Aus der Klinik, auf die wir in der Abenddämmerung mit ausreichend Abstand hinabblicken.

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… Kitsch

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Teufel & Engel …

Teufel, Engel, Mäuse, Prinzessinnen … – hier wird tief in die Kinder-Kitsch-Repertoire-Kiste gegriffen, um heftige Vorgänge als niedlich zu verkaufen.
In seiner ruhigen Bildsprache mit langen Einstellungen, relativ statischer Kamera, durchdachten Bildkompositionen etc. wirkt der Film zurückhaltend und kontrastierend zu dem hoch emotionalen Thema. Was insgesamt jedoch an Symbolik und bildlichen Botschaften eingesetzt wird, kann ich leider nur als kitschig und plump bezeichnen.

Close Ups

„Und irgendwann beginnt er zu krabbeln, dann krabbelt er los. Nach allen Seiten. Das können wir uns so vorstellen: Kinder sind überfordert, sich selber zu begrenzen. Gas geben können die alle gut. Die können nur nicht aufhören.“ Close Up Kleinkind: eine dicke Träne rollt aus dem Auge, es blickt direkt in die Kamera.
Dieses arme, arme Kind fleht direkt darum, dass ihm geholfen wird, endlich Grenzen gesetzt zu bekommen.

Slo-Mos

Fröhliche Kinder laufen in Slow Motion den Flur der Klinik entlang. Ein Kind zieht ein zusammengeknülltes Stück transparente Folie an einer Schnur wie einen Drachen hinter sich her. Ein anderes rennendes Kind dreht sich lachend zur Seite. Das Haar fliegt auf und ab. Die Kamera folgt einem Kind, das auf dem Rutschauto den Flur hinunter fährt. Das lachende Kind von der vorherigen Einstellung begegnet uns nun frontal auf die Kamera zulaufend.
Die Audio-Ebene beinhaltet Musik in sphärischen Klängen, die langsam eingeblendet wird. „Göttlicher Gesang“ deutet sich an, „Aaaaaaaaaaaaah“, engelsgleich.
Diese Art der Szenen dienen der Besänftigung der Emotionen im Zuschauerraum nach „krasseren“ Szenen (schreiende, kämpfende, verzweifelte Kinder). Die Aussage: „Es geht ihnen gut.“ Diese Einstellungen dienen der Illustration. Die Protagonisten sind nicht relevant – sie sind dekoratives Element.

Still shots

Ein Krankenhausbett mit Tumbleweed im Luftzug wehender Schutzfolie überzogen steht im Gang, darüber ein Dschungel-Comic-Bild mit Mann in Explorer-Kluft (Tropenhelm, beige Kleidung) und Schmetterlingsnetz. Wer fängt hier die zarten Kreaturen ein? Dora Dietmar the Explorer?

Nächste Einstellung: Die Familien-Türgarderobe im Arztzimmer, am „Vater“-Männchen hängt ein Stethoskop.

Eine DANKE Karte im Personalraum wird eingeblendet, Close Up, im Stilleben zwischen Uhr und Schlüssel, um die Wirkung der Methodik zu unterstreichen und gegebenenfalls aufkeimende Zweifel zu entkräften.
Wer heilt, hat Recht. Auch in der abschließenden Diskussion waren wohl die dankbaren Elternstimmen gern präsentierte Argumentationshilfen. 

Holy Sh…

Den Abschluss des Hauptteils bildet die vertikale Kamerafahrt in den Abendhimmel, über die Baumkronen hinweg. Aus der Vogelperspektive sehen wir die beleuchtete Klinik. Den heiligen Ort. Die Sonne ist gerade untergegangen, der Himmel noch leicht beleuchtet. Am Horizont Wolken, darunter Wald und eine Industrielandschaft. Im Vordergrund Baumkronen. Es wirkt friedlich, weit entfernt vom Geschehen im Inneren.
Puh.

Labyrinth

Der Film endet mit einem Grusel-Kabinett Hecken-Labyrinth, durch das zwei der Familien hindurchlaufen, drei Monate nach ihrem Klinikaufenthalt. Mohammeds Neurodermitis sieht schlimmer aus als zuvor. Aber das nur am Rande. Die Kamera verfolgt die Familien auf der Suche nach dem richtigen Weg. Aus der (senkrechten) Vogelperspektive, grafisch ansprechend, sieht man schließlich, wie sie „Geschafft!“ jubelnd ihr Ziel erreichen. Aus dieser Perspektive – und wer nimmt diese göttliche Perspektive wohl ein – wäre das Finden des Weges ganz einfach gewesen.
Plakativer hätte man die Symbolik wirklich nicht wählen können, um die Aussage des Films abschließend zusammenzufassen. Zumal das Labyrinth künstlich inszeniert wurde und arg aufgesetzt wirkt.

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… Götter in Weiß Fleece-Pullis

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Am Anfang war Nichts. Eine leere Tafel vielleicht. Und ER tat den ersten Kreidestrich – den Stern der Geburt. Und was ER tat, war gut. Hört, was ER zu sagen hat über den Anbeginn der Schöpfung, die Entwicklung eines Kindes, das nichts weiß von der Welt und sie im Drange seiner Maßlosigkeit erkundet. Es bringe Leid über seine Eltern, sauge dessen Energie und manipuliere sie zum eigenen Zwecke, auf dass es endlich erwachsen werde. ER demontiert das mechanische Konstrukt des kindlichen Verstandes im Angesicht der Tafel, und siehe, die Erlösung naht.

Der Erlöser

Herr Langer wirkt wie der Allwissende, Unfehlbare, der Erziehungs-GuruExperte, der stets Antworten auf die vielen Fragen hat, die allen Eltern im Raum und so vielen Eltern generell das Leben schwer machen. Er zeigt sich als Erlöser, der ehrlich verzweifelten Eltern zurück zu einem normalen Leben verhilft. Über Härte und Unnachgiebigkeit, gehüllt in Charisma und Kompetenz. Seine Folgschaft Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter agieren strikt in seinem Sinne. 

Langer wird viel Raum eingeräumt: als Lehrer, als Berater und Begleiter, als Therapeut, als Kinderfreund, als Kinderversteher, als Humorist, als der Selbstironische auf den Lehrvideos …

Mit einer umstrittenen Methode, die so nur an dieser Klinik angewendet wird und an deren Gültigkeit man nicht rütteln lässt, wirkt das Konstrukt des Therapieprogramms geschlossen und elitär – schlicht eindimensional. Das auf Seiten der Klinik reibungslos funktionierende System wird im Film dargestellt. Die Klinik verspricht in ihrer Werbung Transparenz und Offenheit. Das Institut bekommt auch positives Feedback, besonders wenn die eigenen Leute in den Reihen sitzen.

„… man kam sich da so ein bisschen vor wie in einer Zauberschule. Er erklärt da Tricks und man kann sich gar nicht vorstellen, dass das wirklich funktioniert. […] Das ist auch unglaublich verblüffend. […] Da hat man so ein Aha-Erlebnis nach dem anderen und merkt plötzlich, ah, so funktionieren wir Menschen, so geht das Leben. […] Er hat ein Charisma und eine Geduld, einen Charme, der ist schwer zu erklären, der ist sehr bodenständig. Es ist einfach für mich der perfekte Psychotherapeut.“

Jörg Adolph, Regisseur Elternschule ((https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/journal/regisseur-joerg-adolph-ueber-den-film-die-elternschule-der-kampf-eine-normale-familie-zu-werden/-/id=659282/did=22624056/nid=659282/1zjqvd/index.html))

Im Film wird Herr Langer als Hauptfigur durch die Therapiestufen begleitet. Er zeigt uns sein „Reich“ in all seiner Schönheit und Verderbnis. Er weiß, wie das Kind funktioniert und wie es geheilt werden kann. Sein Charisma, sein Witz, seine lockere Art, seine legere Kleidung, sein gesprochenes Wort in Nahaufnahme festgehalten, seine Nahbarkeit, wenn er, der Boss, selbst mit einer kleiner Patientin um den See läuft, seine Nähe zu den Kindern, wenn er nach Therapieende mit ihnen in der „Mäuseburg“ schäkert, seine eindringlichen Drohungen Worte zur Besserung des Verhaltens. Sie fürchten ihn, sie „lieben“ ihn. Die Kinder. Und viele Zuschauer:innen.

Religion

„Es gibt da ja so bestimmte Erziehungsschulen, die schon fast den Stellenwert von Religionsersatz eingenommen haben.“

Jörg Adolph, Regisseur ((https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/journal/regisseur-joerg-adolph-ueber-den-film-die-elternschule-der-kampf-eine-normale-familie-zu-werden/-/id=659282/did=22624056/nid=659282/1zjqvd/index.html))

Als Antwort auf die Kritik nach dem Filmstart wurden von Seiten der Klinik bzw. der Filmemacher kritische Stimmen als „hysterische Mütter“ und Menschen mit bindungsorientierter Einstellung als „Sektenanhänger“ (bezogen auf den evangelikalen Christen William Sears((https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/attachment-parenting-was-ist-denn-das-fuer-eine-sekte/, siehe auch https://www.nora-imlau.de/die-schwierigen-wurzeln-des-attachment-parenting/) )) bezeichnet. So möchte ich nun den Spiegel vorhalten und darauf hinweisen, dass der Film einiges dafür tut, dass das Therapieprogramm selbst ideologisch und sektiererisch wirkt. So wenig wie möglich natürlich, im außenwirksamsten Sinn.

Übrigens: Religiöse Finanzielle Unterstützung erfährt das Projekt „Liebevoll Konsequent Erziehen((http://liebevoll-konsequent-erziehen.de))“ unter dem Siegel von Dipl.-Psych. D. Langer durch den evangelikal-christlichen Verein ‚Mosaik im Revier e. V.‘, dessen Leitung sich nach eigenen Angaben u.a. aus Menschen mit „Apostelgabe“, „Gabe der Evangelisation“ und „Gabe der Prophetie“ zusammensetzt.((Danke an @KJPGehrden für den Hinweis. https://twitter.com/KJPGehrden/status/1136968535077531648 (Thread) )) ‍♀️

Holy Moly

Die Kamera fährt nach oben und wir blicken auf den Ort der Heilung, den heiligen Ort, erleuchtet in der Abenddämmerung, darüber der Horizont. Und eine Fabrik, die der Klinik als handfestes Ebenbild gleicht, wo doch dort aus Teufeln brave Engel gemacht werden.((Kein Witz: Das originale Schild an der Tür zur Mäuseburg zeigt Teufel, die mit der Rute (!) ins Haus getrieben werden, in dem dampfend eine Maschine aus Röhren und Trichtern arbeitet, und Engel, die auf der anderen Seite das Haus verlassen. Das Haus ist mit „Mäuseburg“ beschriftet.))

Schließlich schauen wir hinab auf das Labyrinth des Lebens, in dem die Familien wie Ameisen ihren Weg ins Ziel suchen. Aus dieser Perspektive ist es ganz leicht, den Weg zu finden. Und ER sah, dass es gut war.

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… eine Black Box

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Die Klinik ist die Black Box, in die „kranke“ Familien hineingehen und (im Idealfall) geheilt wieder herauskommen.

Die „Mäuseburg“ funktioniert als Black Box im Kleinen: „Teufelchen“ gehen rein (bzw. werden hinein getrieben), „Engelchen“ kommen aus der Maschinerie heraus.

„Mäuseburg“
Bildquelle: Film Elternschule in der Das Erste Mediathek

Die Psyche verstehe ich als dunklen Bereich innerhalb der Box, der durch den Film etwas durchleuchtet werden soll. Wir sehen das Verhalten vorher – nachher und lernen über die Mechanismen dazwischen. Aber was im Inneren (der Kinder) tatsächlich abläuft, bleibt letztlich doch im Dunkeln.

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… Reklame

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„Herzlich Willkommen in Gelsenkirchen!“

D. Langer in ‚Elternschule‘ – Die ersten Worte des Films

Bereits andere Kritiken((https://www.filmjournalisten.de/2018/10/11/elternschule/?fbclid=IwAR12dlinfmQ1ROrJ5VEELAevCo8durrRjEWG0FtnZOMeVEkXNqvaV6GAGMM)) haben dem Film die Charakteristik eines Werbefilms unterstellt. Ich sehe einen aufgeplusterten erweiterten Imagefilm. Mit den „an Wunder grenzenden“ Erfolgen, dankbaren Eltern und der charismatischen Hauptfigur Langer wird die Institution beabsichtigt in ein positives Licht gerückt. Intention oder angenehmer Nebeneffekt? Letztlich egal. 

Herr Langer ist Dieter Bürgy, der Calgon-Mann, der uns Nulpen erklärt, warum wir von Anfang an dieses spezielle Produkt hätten verwenden sollen. Denn wenn nicht, droht Lochfraß Regulationsstörung.

Wie an der Produktionsstrecke einer Karosserie erfolgen Erklärungen von Funktionalitäten, von Abläufen innerhalb der Fabrik Institution, Praxistests und die Hervorhebung dessen, wovon der Konsument profitieren kann. 

Ein Imagefilm rückt Personen, Produkte und Dienstleistungen, Abläufe, die Unternehmenskultur, die Mission und den Standort in den Fokus bzw. ins rechte Licht.

Klinik und Filmemacher streiten eine werbliche Intention des Filmes ab.

Stilistisch handelt es sich natürlich um einen klassischen Dokumentarfilm. Die Slow Motion Elemente und die symbolträchtige Sprache des Labyrinths sind meines Erachtens jedoch kitschig emotional genug, für einen klassischen Imagefilm herzuhalten. Die Institution tritt kohärent auf, hält ihre Corporate Identity bzw. Corporate Behaviour strikt ein. Die Erfolgsstory (der Film schließt mit dem Ausruf „Geschafft!“) mit authentischen Elementen (auch Rückschläge oder Teilerfolge werden kommuniziert) und immer mal wieder innigen Eltern-Kind-Momenten spricht für sich. Selbst wenn man bei der Therapie nicht direkt von „Produkt“ sprechen möchte, sondern sagen wir von „Angebot“, so gibt es doch noch Herrn Langers Nebenprodukt des „Elternführerscheins“, das als Erziehungsschule angeboten wird und nun sogar zu einer eigenen GmbH expandiert.

Gegen eine traditionelle Werbebotschaft spräche, dass die „Wohlfühl-Therapien“ (Ergotherapie, Entspannung, Phantasie-Reisen etc.) nicht gezeigt werden. Dies würde dem dramaturgischen Grundkonzept widersprechen. Hier soll sich niemand wohlfühlen. Therapie ist harte Arbeit. „Nicht quatschen, machen“. Und genau das ist die eigentliche Werbebotschaft.

Spin-Doctors

Da es hier um grundlegende Paradigmen geht, die umstritten sind, aber in eine wissenschaftliche Wahrheit eingebettet und als glaubwürdiges System kommuniziert werden, kann man von einer Art propagandistischer Charakteristik sprechen.

Der Film schafft meines Erachtens eine emotionale und ideelle, in seinem Sinne gar wissenschaftliche Grundlage für Rechtfertigungen von „härterem Durchgreifen“ (Anti-„Kuschelpädagogik“), von Sanktionen und Strafen in Schule und Kindergarten und den Kampf gegen die vermeintliche Verweichlichung((„Sind Eltern heute denn völlig instinktlos und verunsichert?“ (Zeit online), „Ein Einblick in eine verunsicherte Gesellschaft, die sich mit Autorität schwertut und ihren Instinkten kaum noch traut.“  (Süddeutsche Zeitung) )) der Gesellschaft. Diese Tendenz halte ich für gefährlich.

Die im Rahmen des Eltern-Bashing bei kommentierenden Personen immer wieder herausklingende Meinung wie „Ich wäre ohnehin für einen Elternführerschein… :-(“ oder „Ich würde […] eine Lizenz fürs Kinder-in-die-Welt-Setzen verlangen. […]“(( http://www.filmstarts.de/nachrichten/18521448.html, genauer Wortlaut: „Ich würde noch einen Schritt weitergehen und eine Lizenz für´s Kinder in die Welt setzten verlangen. Das klingt jetzt krass,aber wenn man die grassierende Massenverblödung,nicht nur in Tschörmanie sondern weltweit sieht,sollten einige Leute,ihre Gene besser nicht weitergeben.“)), wird ausgenutzt, um auf dieser Schiene handfeste Methoden zur Problembehebung zu bieten und die eigene Haltung werbewirksam zu verkaufen.

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⎨ Blick auf Kinder ⎬

… Helden

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Die Kinder im Film sind für mich die wahren Held:innen. Ihnen gehört mein uneingeschränktes Mitgefühl. Mit ihnen fiebere ich mit, leide mit, fühle mit, weine ich mit. Aus ihrer Perspektive heraus verfolge ich die Dinge, die mir dieser Film zeigt und weismachen will. Sie sind die Protagonisten, mit denen ich mich identifiziere.

Filmische Helden?

Leider geht die filmische Umsetzung komplett daran vorbei. In ihrer Darstellung sind die Kinder keine Helden, nicht einmal tragische. Sie handeln nach Gefühl und werden in die Pflicht gedrängt. Sie entscheiden nicht mehr selbst für ihre Handlungen.

Dabei gibt es doch so viele tolle Geschichten über Kinder, in denen sich der Autor auf Augenhöhe mit den Kindern begibt, in denen die Erwachsenen keinen Einfluss auf die heldenhafte Entwicklung der kindlichen Protagonisten haben. Kinder, die durch die Erwachsenenwelt teils schwer gebeutelt sind und auf ihre einzigartige Weise, aus ihrer kindlichen Sicht heraus, klug und kompetent, eine schwere Aufgabe lösen. Wir leiden und fiebern mit den Protagonisten mit, erkennen uns selbst in dem kindlichen Freiheitsdrang wieder, erleben die Möglichkeit der Phantasie neu oder lieben einfach die unkonventionellen Lösungsmethoden der kleinen großen Helden.

siehe Adultismus

Kindliche Protagonisten und ihr Schicksal sind bestens geeignet, das Publikum in seinen emotionalsten Urinstinkten zu erreichen. In Filmen für Erwachsene leiden wir mit den unschuldigsten Teilnehmern der Erzählung mit. Hier jedoch bekommen die Kinder oft keine Chance, sich der gegen sie gerichteten Welt zu stellen. Das Mitgefühl für die Elternschule-Kinder hält sich intendiert in Grenzen, für die herumwütenden, schreienden, kreischenden manipulativen „Strategen“ und „Egoisten“. So sieht es die Therapie vor.
Die Helden der Kinderfilme (fiktional wie auch dokumentarisch) sind so anders gezeichnet. In einer oft widrigen Erwachsenenwelt erkämpfen sie sich oft mit Klugheit und Mut, als Rebellen, ihre eigenen Ziele. Die Welt der Kinder gehorcht eigenen Gesetzen. In der erwachsenen Realität tun wir uns damit schwer. 

„Ihr müsst vergessen, dass ihr einen Kinderfilm macht. Das Kind lebt in euch.“

Cornelia Funke((während der Skype-Session bei der Konferenz ‚Zukunft Kinderfilm’, 6. September 2018))

Keine der Eigenschaften, die wir als wertvoll empfinden würden, wenn wir die Helden dieser Filme betrachten, taucht hier auf. Geht es um die echten Rebellen, werden Geschichten über nicht konforme Kinder als Phantasterei abgetan.

Elternschule ist kein Kinderfilm. Aber: Where the f*** has the child in you gone?

Eltern als Helden

Die Eltern hätten ebenfalls den Heldenstatus verdient, und tendenziell geht es ja auch um die Probleme der Eltern, ihre vermeintlichen Fehler, Einsichten und Fortschritte. Die Identifikation fällt leicht. Leider sind sie so „jämmerlich“ und passiv dargestellt, dass sie ebenfalls zu Nebenfiguren degradiert werden.

Antagonisten

Den Protagonisten Langer sehe ich persönlich eher als Antagonisten der Kinder, obwohl er sich und die Filmemacher ihn natürlich als Helden betrachten. Er ist der Star der Elternschule. Er rettet die Familien durch seinen Heldentaten. Immerhin. Er macht aber z. B. keine Entwicklung durch und ist jedenfalls mir (und so einigen anderen) auch nicht sonderlich sympathisch. Auf Identifikation kann ich gern verzichten. Er handelt komplett entgegen der Werte, die mir die Welt bedeuten. 

Im Film sind die Kinder als Antagonisten dargestellt. Als „Bösewichte“, die einem Fluch unterlegen sind und die Gesellschaft zu zerstören drohen. Der Fluch muss gebannt werden, durch Tricks und Spells und Nahkämpfe. In Ermangelung ehrlich individueller Darstellung wirken die Kinder wie eine Horde wilder Trolle oder von bösen Mächten besessene Wesen, die gezähmt gehören und in unsichtbaren Ketten ihr Dasein unter Menschen fortführen dürfen – jederzeit drohend, wieder in ihre ureigenen Instinkte zurück zu verfallen.

Vielleicht ist es aber sogar noch schlimmer: sie liefern die Vorlage für den Film und sind ab da nur noch rechtfertigendes Element für die herausragenden Leistungen der medizinischen Institution. Bedeutungsschwere Dekoration. Ein weiterer Zeitungsartikel an der Wall of Fame.

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… ein Menschenbild

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Pessimismus

Dass ein Kind nichts weiß, nichts kann und keine Zusammenhänge kennt, stellt gleich die erste Sequenz des Filmes dar. Es erforscht seine Umgebung aktiv und kennt dabei keine Grenzen. Erwachsene seien dafür da, ihm Einhalt zu gebieten und seinen maßlosen Entdeckerdrang einzudämmen und in gelenkte Bahnen zu leiten. So erklärt es Herr Langer, unterstützt durch Pfeile, Linien und noch dickere Linien. Dieses Menschenbild ist ein pessimistisches, defizitäres((vgl. „Kinder verstehen: Born to be wild – Wie die Evolution unsere Kinder prägt“ von Herbert Renz-Polster, 2015, S. 180)). Es geht davon aus, dass ein Kind erst zu etwas Gutem und Vollständigem geformt werden muss. „Das Kind“ wird eher pauschal betrachtet. Die Unterstellung negativer Absichten bzw. instinktiven Fehlverhaltens zieht Sanktionieren und Eindämmung nach sich (destruktiv).

Optimismus

Ein optimistisches Menschenbild geht dagegen davon aus, dass das Kind von Anbeginn seiner Existenz ein vollkommenes menschliches Wesen ist, das bereits alle Anlagen in sich trägt, eine eigene Persönlichkeit besitzt und grundlegend sozial und kooperativ ist. Schon aus ureigenem Interesse. Natürlich erkundet es aktiv die Welt, natürlich lernt es durch Erleben. Die maßlose, außer Kontrolle geratene Maschine, als die es beschrieben wird, ist es aber in der Regel nicht. 

Es muss auf Beziehungsebene schon viel passiert sein, bevor eine Familie in einen solchen problematischen Teufelskreis gerät. Ein Kind wird als Individuum betrachtet und gesehen (!). Jedem noch so „negativen“ Verhalten wird eine grundlegend positive Absicht unterstellt. Von dort aus entsteht Bindung, von dort aus ist Hilfe und Unterstützung möglich (konstruktiv).

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… Respektlosigkeit

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Die plakative Grundidee des Films, „respektlose“ Kinder en Detail zu zeigen, in Slow Motion, in realistischer Länge, in aller Wucht, suggeriert mangelnden Respekt auf Seiten der Kinder, der ihnen mit Hilfe der Therapie beigebracht werden soll.

Respekt gegenüber Kindern

Ich und viele andere sehen jedoch andauernde Respektlosigkeit auf Seiten der Erwachsenen gegenüber den Kindern. Vornehmlich seitens des Instituts. Ein Kind – auch in seiner Abwesenheit – beispielsweise als „Kontrolletti vor dem Herrn“ zu bezeichnen, ist nur ein sehr deutlicher Ausdruck mangelnden Respekts gegenüber dem Kind. Im Kindergarten schon weisen sich die Kinder gegenseitig darauf hin, dass es ‚er’ und ‚sie’ heißt und nicht ‚der’ oder ‚die‘, oder man besser noch den Namen benutzt, wenn man über eine Person spricht. Körperliche und psychische Grenzen werden nicht respektiert, ein Nein schon gar nicht, der Wille ist nichts wert, … Doch wie lernt ein Kind am besten respektvolles Verhalten? Indem man respektvolles Verhalten, besonders ihm gegenüber, vorlebt.

Respektlose Kinder?

Die vermeintliche Respektlosigkeit der Kinder sehe ich als Ausdruck von Not und Mangel auf Beziehungsebene. Sie in ihren verletzlichsten Momenten zu filmen, sie mit Mittelfinger, Grimassen, sich erbrechend, wütend und untröstlich bzw. ungetröstet abzubilden, ist respektlos. Sie werden als Schablone vorgeführt. Das Kind als solches wird stigmatisiert und die einzelnen kleinen Persönlichkeiten in ihrer Würde verletzt.

Die Methodik wird als Prinzip verkauft, somit sind ihre Opfer nicht nur die einzelnen im Film gezeigten Kinder, sondern auch die Würde des Kindes an sich. Der Film vermittelt mir den Eindruck, dass Kinder bar jeder Würde sind – man braucht sie nicht zu respektieren, sondern muss sie hauptsächlich hart konsequent führen.

Respekt gegenüber Eltern

Auch die im Film gezeigten Eltern erhalten keinen Respekt, wenn sie Zweifel äußern, vielleicht Wünsche haben, Ängste erleben, individuelle Entscheidungen treffen. Sie werden als schwaches Glied dargestellt, erst gegenüber den Kindern, dann gegenüber dem System. Wenn sie funktionieren, sind sie akzeptiert.

Respektsperson Langer

Derjenige, der zweifelsfrei als Respektsperson inszeniert wird, ist Herr Langer. Sein Wort ist Gesetz, seine Regeln die einzig gültigen, sein Wissen das Nonplusultra.

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… Diskriminierung

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Diskriminierung von Kindern

Die Integrität der Kinder wird verletzt. Die kindliche Individualität und ihre Eigenständigkeit verleugnet. Der kindliche Wille besitzt keine Gültigkeit (siehe Adultismus).

Für mein Verständnis werden die Kinder respektlos behandelt.

In eigener Sache

Die bedürfnisorientierte Haltung, wie wir sie verstehen, wird meiner Wahrnehmung nach abgewertet sowie als gefährlich und falsch eingestuft. Und mit ihr die Menschen, die nach diesen Werten leben.

Da nützt es wenig zu behaupten, die Gelsenkirchener Klinik arbeite bedürfnisorientiert: Seine „liebevoll-konsequente Erziehung“ stuft Herr Langer fälschlich als „bedürfnisorientiert“ ein((https://www.deutschlandfunk.de/kindererziehung-der-kampf-um-die-kinderseele.1775.de.html?dram:article_id=440932 8:21 ff
„Ein Kind hat ein Bedürfnis, ein Grundbedürfnis auch nach Orientierung, nach Sicherheit, nach Halt. Und das ist unsere Aufgabe als Eltern, das zu geben. Und genau das machen wir hier auch. Also, ich denke, wir arbeiten bedürfnisorientiert. […]“  (8:42 ff) )) und Mary Ainsworth’ Fremde-Situations-Test wird von Dr. Lion vereinnahmt und uminterpretiert((https://www.deutschlandfunk.de/kindererziehung-der-kampf-um-die-kinderseele.1775.de.html?dram:article_id=440932 3:47 ff
„Diese Fremde Situation nach Mrs. Ainsworth ist eine ganz alte Kiste, das haben wir nicht erfunden, sondern wir verwenden solche anerkannten, etablierten Instrumente der Verhaltenstherapie.“ (4:21 ff) )). Dies zeigt einmal mehr, wie wenig Herr Langer & Team sich in diesem Bereich auskennen bzw. es absichtlich ins Perfide drehen.

Um es deutlich zu sagen: Die Methodik der Gelsenkirchener Klinik hat nichts mit einer echten und umfassend an Bedürfnissen orientierten Haltung gegenüber Kindern und im Familienkonstrukt allgemein zu tun.

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… Adultismus – Weil es (nur) ein Kind ist …

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„Wenn Erwachsene davon ausgehen, dass sie intelligenter, reifer, kompetenter als Kinder und Jugendliche sind und daher über junge Menschen ohne deren Einverständnis bestimmen können, dann ist das Adultismus.“

NCBI 2004, 10((NCBI Schweiz & Kinderlobby Schweiz (2004): Not 2 young 2 – Alt genug um. Rassismus und Adultismus überwinden. Schaffhausen: K2-Verlag. Via Richter, S. (08.2013) Adultismus: die erste erlebte Diskriminierungsform? Theoretische Grundlagen und Praxisrelevanz. Verfügbar unter: https://www.kita-fachtexte.de/texte-finden/detail/data/adultismus-die-erste-erlebte-diskriminierungsform-theoretisch-grundlagen-und-praxisrelevanz/. Zugriff am 05.02.2019.))

Ich sehe im Film systematisch – sowohl auf inhaltlicher wie auf formaler Ebene – die erwachsene Person über das Kind erhaben dargestellt und aktiv dazu bewogen, sich so zu positionieren. Als Selbstverständlichkeit, die von einem Großteil des Publikums hingenommen oder bewusst vertreten wird. Es ist mir nicht neu, dass diese Form der Diskriminierung generell nicht als solche erkannt wird. Den meisten scheint nicht bewusst zu sein, dass es diesen Begriff überhaupt gibt. Um über das im Film vertretene Menschenbild (nicht in die grundlegend positive Entwicklung des Kindes als soziales Wesen zu vertrauen) zu sprechen, das Bild, das von Kindern gezeichnet wird, ist es notwendig, sich mit dem Begriff des Adultismus auseinanderzusetzen.

Adultismus ist eine Form der Altersdiskriminierung und bedeutet die Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen aufgrund ihres Alters.

Dem Kind keine Sprache zu verleihen, es eindimensional darzustellen, seine Perspektive nicht zu berücksichtigen, über es abschätzig zu sprechen, es formen und zu bestimmtem Verhalten bringen, also manipulieren zu wollen, über es (und seine Handlungen) zu lachen … zeigt deutlich die adultistische Haltung sowohl der Filmemacher als auch der Institution und des Programms. „Das Kind“ ist eher Objekt oder abstraktes System, Fall oder Diagnose, als Mensch.

Verantwortung

Während auf der einen Seite Eltern dem Kind alle Wünsche erfüllen, ihm damit eine schwerwiegende Verantwortung übertragen und in der Selbstaufgabe landen, steht auf der anderen Seite die grenzüberschreitende „liebevoll-konsequente“ Methodik. Beide Varianten halte ich für schädlich für das Kind bzw. für die Beziehung zwischen Eltern und Kind.

Regeln & Grenzen

 „Es geht um die vielen kleinen Gesten. Das Zumschweigenbringen. Die Idee, dass ‚irgendwo aber auch mal eine Grenze‘ sei. Das Mindset. Das Herabblicken. Die Idee von Schutz, die aus irgendeinem Grund nur umsetzbar scheint, wenn wir die Rechte kleiner Menschen verletzen.“

Ruth Groß((https://derkompass.org/2017/05/03/weil-du-ein-kind-bist-wie-wir-unsere-kinder-taeglich-diskriminieren-und-es-nicht-merken/))

Adultismus bedeutet: Erwachsene bestimmen die Regeln. Erwachsene sind allwissend. Das Kind hat mit seinem eingeschränkten Horizont den Erwachsenen zu folgen. „Die Erwachsenen“ argumentieren im Zuge wohlgemeinter Erziehung gern z. B. „Das kann das Kind doch gar noch nicht einschätzen“ (z. B. Gefahr an der Straße), verlangt aber in der Regel anders herum dem Kind für seinen Entwicklungsstand zu viel ab („es muss hören“, „es muss teilen“, „es muss Rücksicht nehmen“, „es manipuliert mich“, „es soll nicht wütend sein“ etc.).

Kompetenz

Beim bewussten Handeln gegen adultistische Muster hingegen wird die Entwicklung in beiden Richtungen berücksichtigt, ohne dem Kind Kompetenz abzusprechen. Letztlich ist es in diesem Zusammenhang quasi irrelevant, wie viel Erfahrung oder Wissen das einzelne Kind hat, um Situationen einschätzen zu können oder nicht. All das kann – unter Berücksichtigung des jeweiligen Entwicklungsstandes – auch auf nicht adultistische Weise von aufmerksamen Erwachsenen vermittelt und kompensiert werden. Kaum jemand weiß jedoch (anscheinend), wie. Die Filmemacher und das Klinikpersonal jedenfalls nicht. Das Gegenteil von Adultismus ist übrigens nicht, niemals Nein sagen zu dürfen.

Konfliktvermeidung

Anhand der dysfunktionalen Beispiele im Film, in denen dem Kind alle Wünsche erfüllt werden, zeigt sich, dass eine solche Verantwortung den Kindern aufzulasten, ohne als Erwachsene selbst Verantwortung zu übernehmen, schwerwiegende Folgen hat. So weit, so richtig. In dessen Folge aber – ob nun zu therapeutischen Zwecken oder im familiären Alltag – den Kindern jeglichen Ausdruck des eigenen Willens zu untersagen bzw. körperlich aktiv zu verwehren, ist in den Augen vieler Menschen, auch Fachleuten, völlig absurd. Hinsichtlich der aktuellen Situation wie im Hinblick auf die Zukunft.

„Wir sollten Menschen nicht ihre Rechte nehmen, nur weil wir nicht wissen, wie man friedlich Konflikte mit jungen Menschen löst.“

Ruth Groß((https://derkompass.org/2017/05/03/weil-du-ein-kind-bist-wie-wir-unsere-kinder-taeglich-diskriminieren-und-es-nicht-merken/))

Schutz

Schutz des Kindes (vor sich selbst)

Die Lehre zur Anweisung der Eltern sowie die Therapie selbst beinhalten den Einsatz von Macht gegenüber dem Kind (siehe auch Gewalt). Als Argument wird „zum (eigenen) Schutz“ angeführt. Hier liegt jedoch ein struktureller Machtmissbrauch vor, der als grundlegende Schutzmaßnahme keine Gültigkeit besitzt. Die Entscheidung zu Gewalt im medizinischen Einzelfall (z. B. Sondierung) benötigt eine separate Betrachtung.

„Die Sache ist, sie schützen sie dabei vor ihrem eigenen Willen, aber nicht vor dem Willen anderer.“

Aida S. de Rodriguez((http://elternmorphose.de/7-no-gos-im-umgang-mit-kindern-was-eurer-beziehung-und-ihrer-entwicklung-schadet/))

„Das Kind vor sich selbst schützen zu müssen“ ist per se adultistisch. Zwar liegt es in der Verantwortung des Erwachsenen, dem Kind körperliche und seelische Unversehrtheit zu bewahren, wozu durchaus auch unangenehme medizinische Notwendigkeiten gehören können. Die systematischen Grenzüberschreitungen während der vielen Einzelschritte innerhalb des Therapieverfahrens jedoch halte ich für absolut unangemessen. Die kleinen Patienten werden grundlegend mundtot gemacht. Medizinische Behandlungen an Kindern sind wohl nie spaßig, aber in der Regel bzw. im Idealfall ist das medizinische Personal bemüht, es ihnen so einfach und angenehm wie möglich zu machen.

Während der Film die Wichtigkeit der familiären Hierarchie zum Wohl des Kindes hervorhebt, steht die Umsetzung der Methodik konträr zum Schutz des Kindes. Körperliche wie seelische Übergriffigkeit, Missachten der körperlichen Grenzen, Nichtbeachtung eines ‚Nein‘ gefährden das Kind. Die manipulativen Tricks ebenso.

Hierarchien

Besonders im Bereich der Psychiatrie wird wohl auf die Generationale Ordnung((https://de.wikipedia.org/wiki/Generationale_Ordnung)) Wert gelegt, und das mit gutem Grund, weil eine Unordnung auf das Kind dysfunktional wirkt bzw. wirken kann. Übernimmt das Kind die Rolle der Eltern oder eines Elternteils, spricht man von Parentifizierung. Die Rollen werden vertauscht. Selbstverständlich gilt es diese zu vermeiden, da ein Kind der Verantwortung, die Erwachsene an es abgeben, nicht gewachsen ist. Ein Kind ist kein kleiner Erwachsener. 

Im Film kommt die Sprache auf dieses Phänomen u.a. in der Nachbesprechung mit Annas und Emmas Mutter auf. Sie berichtet, dass Emma die Mutter-/Führungsrolle übernehme und ihrer Schwester Anna (trotz ständiger Geschwister-Streitereien) zu Hilfe komme, wenn diese die „Konsequenzen“ selbst erfahren solle (im Beispiel soll sie allein zu Hause gelassen werden, wenn sie nicht ins Auto steigen möchte). Wenn ich mich nicht täusche, sagt die Mutter: „Sie kommt nicht aus der Mutterrolle heraus.“ Das bedeutet genau genommen, sie erwartet von dem vielleicht vierjährigen Kind, selbständig eine ihr (unfreiwillig) aufgebürdete Verantwortung abzugeben. Das bürdet ihr eine weitere Verantwortung auf. Emma ist nämlich ein kluges und emphatisches Kind. Sie spürt die Not der großen Schwester und sieht, dass ihr nicht angemessen geholfen wird. Sie will ihr helfen. Sie möchte Anna den Schutz geben, den die Eltern gewähren müssten. Das ist typisch für Kinder, die ihre Bezugspersonen oder deren Handlungen als bedrohlich einstufen. Ein Kind allein zurück zu lassen oder dies anzudrohen, wenn es beim Einsteigen ins Auto nicht gehorcht, ist adultistisch, manipulativ und überfordernd, weil es seine Angst ausnutzt. Herr Langer unterstützt den Vorschlag, beide Kinder dann gesichert im Haus zurückzulassen. „ “

Innerhalb der kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema komme ich zu folgendem Schluss: Eine Aufhebung der Generationalen Ordnung in allen Belangen ist ebenso wenig erstrebenswert wie deren rigorose Durchsetzung auf allen Ebenen. Beides kann zu erheblichem Schaden des Kindeswohls führen. Die Grundordnung ist weitestgehend natürlicher Art (Geburt und geborgenes Aufwachsen): Die Verantwortung (!) gehört in die Hände und auf die Schultern der Erwachsenen.

„Kinder sind keine kleinen Erwachsene. Kinder sind Menschen. Das ist der gemeinsame Nenner. Und das sollte die Grundlage der Beziehung zueinander sein. Dazu gehört Respekt, also die Berücksichtigung der Möglichkeiten und Fähigkeiten des Kindes und die Rücksichtnahme darauf. Weil wir als Erwachsene dies können, aufgrund unserer Reife und Lebenserfahrung. Diese legitimieren nicht übergriffiges Verhalten, wie oft argumentiert, ohne sich der Übergriffigkeit überhaupt erst bewusst zu sein, sondern verpflichten uns zur Verantwortung!“ 

Aida S. de Rodriguez(( http://elternmorphose.de/7-no-gos-im-umgang-mit-kindern-was-eurer-beziehung-und-ihrer-entwicklung-schadet/ (siehe Punkt 3.)))

Augenhöhe

Eine nicht immer passende, aber als Richtlinie oft hilfreiche Frage wäre „Würde ich das auch mit einem erwachsenen Menschen tun?“ oder auch „Wie würde ich mich in der Situation fühlen?“. Wie viel von den im Film gezeigten Behandlungen würde eine erwachsene Person in Therapie sich gefallen lassen?

Dabei gibt es doch so viele tolle Geschichten über Kinder (Filme, Bücher etc.), in denen sich die:der Autor:in auf Augenhöhe mit den Kindern begibt, in denen die Erwachsenen keinen Zugriff auf die heldenhafte Entwicklung der kindlichen Protagonisten haben. Kinder, die durch die Erwachsenenwelt teils schwer gebeutelt sind und auf ihre einzigartige Weise, aus ihrer kindlichen Sicht heraus, klug und kompetent, eine schwere Aufgabe lösen. Wir leiden und fiebern mit den Protagonisten mit, erkennen uns selbst in dem kindlichen Freiheitsdrang wieder, erleben die Möglichkeit der Phantasie neu oder lieben einfach die unkonventionellen Lösungsmethoden der kleinen großen Helden.

Warum fällt es Erwachsenen im realen Leben so furchtbar schwer, Kinder als kompetente und gleichwertige Menschen anzuerkennen? „Das ist ja alles nur Fiktion“? „Ja, aber diese Kinder hier sind ja schwer gestört.“ Nein. Ich sage deutlich nein. In diesen Menschen steckt geballte Kompetenz, die nur darauf wartet, entdeckt zu werden. Warum fällen die Filmemacher der „Elternschule“ Kindern im Allgemeinen gegenüber ein so vernichtendes Urteil? Haben sie jemals über die Oberfläche eines Kindes hinweg in sein Inneres geschaut, ohne Herrn Langers Monologe zu rezitieren? Es geht nicht darum, ob diese Kinder im Film „gestört“ sind oder nicht. Sie werden als unmündig erklärt, um sie wieder zum Funktionieren zu bringen. Sie brauchen Hilfe, keine Frage. Aber bitte wertschätzend und auf Augenhöhe.

„Eltern wollen wissen, was man mit einem acht Monate alten Baby macht, das nicht schlafen will. Sie fragen mich, was man mit diesem Kind machen soll, und setzen es so einem Objekt gleich. Sie sagen: Herr Juul, geben Sie mir eine Methode, ein Werkzeug. Aber so etwas gibt es nicht. Die Frage ist vielmehr: Bin ich bereit, dieses Kind als Mensch wahrzunehmen, oder will ich ein Funktionskind?“

Jesper Juul((https://www.fritzundfraenzi.ch/erziehung/elternbildung/exklusiv-interview-mit-jesper-juul-teil-2))
Kinderrechte

Noch vor wenigen Jahrzehnten reproduzierte man rassistische und sexistische Inhalte und Klischees in Filmen, ohne dass es von Nichtbetroffenen auch nur bemerkt wurde. Es war ganz normal, dass der „weiße Mann“ über dem „schwarzen Mann“ stand und der Mann über der Frau. Im Film wie in der Gesellschaft. Wir kämpfen an allen Fronten für Diversität und Gleichberechtigung, sind noch meilenweit davon entfernt, aber das Bewusstsein ist immerhin vorhanden. So soll es nun gern auch in der Haltung gegenüber Kindern werden. Es geht um ihre Rechte.

„Es geht um Schutz. Um Schutz einer diskriminierten Gruppe, die das Problem hat, dass jeder Erwachsene ihr einmal angehörte. […] Aber es darf kein Grund sein, der kommenden Generation wieder systematisch ihre Menschenrechte abzusprechen.“

Ruth Groß((https://derkompass.org/2017/05/03/weil-du-ein-kind-bist-wie-wir-unsere-kinder-taeglich-diskriminieren-und-es-nicht-merken/))
Gleichwürdigkeit vs. Gleichheit

Gleichberechtigung für Kinder bedeutet gleiche Rechte und nicht gleiche Pflichten, Gleichwürdigkeit und nicht Gleichheit. Selbstverständlich handeln Kinder innerhalb des ihnen innewohnenden Rahmens. Unsere Haltung dazu ist entscheidend, nicht, was die Kinder tun. Und diese Haltung wiederum bestimmt meine Handlungsmöglichkeiten. Mit einer auf diese Weise wertschätzenden Haltung Kindern gegenüber ist die im Film gezeigte Methodik und das Gesamtbild des Kindes partout nicht vertretbar. Auch nicht „naja, ein bisschen“ oder „naja, bei diesen Kindern“. Hätte ein Film ein ähnliches Bild von zum Beispiel Frauen vermittelt, wäre dieser von weit mehr Menschen und höherer Instanz in der Luft zerrissen worden.

In der Praxis

Adultismus lässt sich im Alltag nicht immer umgehen. Seine Existenz aber überhaupt wahrzunehmen und sich in einzelnen Situationen darüber bewusst zu sein, selbst wenn gerade keine adäquate praktische Lösung zur Hand ist, sind notwendige erste Schritte in die richtige Richtung. Der Film schlägt aus meiner Sicht leider die falsche ein.

„Einhergehend mit der in den ersten Lebensjahren besonders hohen Abhängigkeit junger Kinder von ihren erwachsenen Bezugspersonen, ist es ohne deren Bereitschaft, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, nahezu unmöglich, ein Aufwachsen ohne adultistisch geprägte Erfahrungen zu gewährleisten. Wenn jedoch bereits die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft erleben und erkennen dürfen, dass sie für das was sie sind und tun respektiert und wertgeschätzt werden, wird sich auch die Art und Weise, wie sie selbst auf ihrem weiteren Lebensweg mit anderen Menschen umgehen, verändern und sich in eine Richtung entwickeln, die von Toleranz und Achtung geprägt ist.“

Sandra Richter((Richter, S. (08.2013) Adultismus: die erste erlebte Diskriminierungsform? Theoretische Grundlagen und Praxisrelevanz. Verfügbar unter: https://www.kita-fachtexte.de/texte-finden/detail/data/adultismus-die-erste-erlebte-diskriminierungsform-theoretisch-grundlagen-und-praxisrelevanz/. Zugriff am 05.02.2019.))

Die Würde des Menschen ist unantastbar.
Ein Kind ist ein Mensch.

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… Macht

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Erwachsene besitzen per se Macht über ein Kind. Das ist auch notwendig, denn es ist vollständig abhängig von seinen erwachsenen Bezugspersonen (Versorgung: Nahrung, Hygiene, Materielles – Zuwendung: Liebe, Wohlwollen, physische und psychische Unversehrtheit, Immaterielles – Logistik: Termine, soziales Leben, Schule, KiTa, Behörden, Arztbesuche … ). Die missbräuchliche Ausübung dieser Macht ist das eigentliche Problem (siehe Adultismus). Kinder, insbesondere Kleinkind oder Säugling, sind aufgrund ihres physischen wie psychischen Entwicklungsstandes den Erwachsenen unterlegen. Begeben sich diese in eine Opferrolle, machen sie das Kind zum Täter. Die Verantwortung liegt ausschließlich bei den Erwachsenen. Das Kind kann und darf diese Verantwortung nicht tragen.

Machtlos

Der Film und Herr Langer stellen „das nicht funktionierende Kind“ als den Eltern gegenüber übermächtig dar, geben also ihm die Verantwortung (Schuld sei die ihm innewohnende Natur). Die Eltern empfinden dies auch so. Machtlos zu sein und sich so zu fühlen, sind jedoch unterschiedliche Dinge. Letztlich sieht das therapeutische Programm eine Veränderung des Handelns und Denkens der Eltern vor, welche die Machtlosigkeit oder das Gefühl der Machtlosigkeit aufheben soll. Die Grundidee ist gut. Die Ausführung ist fragwürdig.

„1997 schrieb ich über Gleichwürdigkeit. Dieses Wort bringt zum Ausdruck, dass Kindern von Geburt an die gleiche Würde innewohnt wie Erwachsenen. Viele verstanden dies falsch und meinten, dass Kinder im demokratischen Sinne gleich sind wie Erwachsene.“

Jesper Juul((https://www.fritzundfraenzi.ch/erziehung/elternbildung/exklusiv-interview-mit-jesper-juul-teil-2?page=all))

Jesper Juul selbst betont, dass er seine Ideen der Gleichwürdigkeit des Kindes nicht mit der Gleichheit im demokratischen Sinn missverstanden wissen möchte. Ich deute diese Aussage und führe sie aus meiner Sicht weiter wie folgt: ein Kind darf und muss nicht die Verantwortung aller Entscheidungen (mit)tragen, aber es darf und sollte so weit wie möglich in die demokratischen Prozesse der Familie eingebunden und ihm Entscheidungen zugetraut werden, sofern die Erwachsenen weiterhin die Verantwortung tragen.

Kinder an die Macht

Von einer dargestellten Machtumkehr (Kind > Erwachsener) ausgehend, wird den Eltern im Programm nahegelegt, die Machtposition (Führung, Kontrolle, Autorität, „das Ruder“) wieder zu übernehmen (Erwachsener >>< Kind ➛ Erwachsener > Kind). Angenommen, die Machtverhältnisse sind in Wahrheit jedoch nicht wie im Film geschildert umgekehrt, sondern tatsächlich gleichbleibend (Erwachsener > Kind), nur die Übernahme der Verantwortung der Erwachsenen scheitert, wäre für das Kind eine Steigerung des Machtausdrucks ihm gegenüber fatal (Erwachsener >>> Kind). Vom Verlust des Selbstwerts über Depressionen bis hin zu schlimmeren Störungen in späteren Jahren kann je nach Stärke ein ausgelebter Machtüberschuss (Machtmissbrauch) durchaus traumatischen Schaden verursachen.

„Gebt den Kindern das Kommando
Sie berechnen nicht, was sie tun
Die Welt gehört in Kinderhände
Dem Trübsinn ein Ende
Wir werden in Grund und Boden gelacht
Kinder an die Macht“

Herbert Grönemeyer

Wenn Grönemeyer singt „Kinder an die Macht“, bedeutet das für mich ein realistisches Erreichen des ‚Kind Erwachsener‘- (nicht ‚Kind=Erwachsener’!) Zustands. Das bedeutet Augenhöhe. In einem Gleichgewicht ist nämlich Dialog und echte Kommunikation möglich und nötig. Das ist anstrengend, aber lohnenswert.

Im Übrigen strahlt der Protagonist Langer im Film eine große Macht aus. Keine offensichtlich dunkle wie Voldemort oder Sauron, eher so eine (mehr oder weniger) zurückhaltend weise Allmacht wie Dumbledore oder Gustavo Fring Gandalf (im Interview((https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/journal/regisseur-joerg-adolph-ueber-den-film-die-elternschule-der-kampf-eine-normale-familie-zu-werden/-/id=659282/did=22624056/nid=659282/1zjqvd/index.html)) schwärmt der Filmemacher Jörg Adolph von Langers verblüffenden Tricks und spricht von „Zauberschule“). Frei nach Grönemeyer: ‚Männer‘ – außen weich und innen …

Ich plädiere für mehr Mut, dem Kind Macht zu überlassen: ihm Dinge zuzutrauen, es zu unterstützen, eigenständig Probleme zu lösen, für deren Verantwortung es bereit ist – ohne es im Regen stehen zu lassen –, ihm „negative“ Emotionen und Verhalten zuzugestehen, es sein Kindsein ausleben zu lassen.

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… Manipulation

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Wer Macht hat, kann auch manipulieren. Wer keine hat, kann (recht einfach) manipuliert werden. Das Motiv der Manipulation zieht sich für mich wie ein roter Faden durch den gesamten Film.

Kinder als „Manipulatoren“

Die Angst vor Manipulation ist im Film deutlich spürbar: Die Angst der Erwachsenen, von ihren Kindern strategisch ins Verderben geführt zu werden. Unberechtigt ist diese Angst nicht, denn mit dem negativen Menschenbild vor Augen bleibt ihnen letztlich nichts anderes übrig als sich zu fürchten und dagegen zu agieren, gegen die vermeintlichen Manipulatoren standhaft zu bleiben.

Im originalen Werk über das Gelsenkirchener Behandlungverfahren((Selbstheilung (Spontanheilung) der Neurodermitis: Das Gelsenkirchener Behandlungsverfahren von Ernst August und Sibylle Stemmann, 2002)) klingt das wie folgt:

Twitter

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@KJPGehrden auf Twitter((„Gelsenkirchener Behandlungsverfahren zum Umgang mit d. kranken Kind: Dieses – „ist kein harmloses Geschöpf. Es setzt seine Krankheit ein, um seine Wünsche durchzusetzen. – ist voll verantwortlich.“ Dies sollten Eltern wissen, die vom Kind „ausgenutzt und gequält werden.“ (S. 147)“)) ((weitere Auszüge aus dem Stemmanschen Werk sowie aus Langers Vorträgen gibt es u. a. in diesem Artikel von Johannes Mölkenberg https://www.rubikon.news/artikel/die-kinder-dressur))

Als würde es den Kindern Spaß machen. Es ist ebenso schwer für sie, diese Gefühlsstürme zu durchleben, wo sie ja selbst nicht wissen, wie ihnen geschieht. Sie müssen aufgefangen werden, getröstet, begleitet. Zuwendung besonders (!) in schwierigen Situationen bedeutet nicht, sie für ungebührliches Verhalten zu belohnen. Ein Irrglaube, der sich hartnäckig hält. Es bedeutet, ihnen Raum für all ihre Gefühle zu geben. Denn sie sind richtig und wichtig für ihre Entwicklung. Die Kinder sind richtig, mit allen Gefühlen. Sitzt eine emotionslos agierende Person nur daneben und wendet das Fehlverhalten kommentarlos ab, ist das meines Erachtens genauso wenig eine angemessene Orientierung wie eine Person, die in irgend eine Richtung überemotional reagiert.

Manipulation des Kindes

Die Kinder selbst erleiden die wirkliche Manipulation: sie unterlaufen Prozeduren, zu denen sie nicht bereit sind („da müssen sie halt durch“, „sind ja nicht in der Lage das zu entscheiden“). Sie werden über die angepriesene Methodik zu Kooperation bzw. Gehorsam gebracht (nicht zur Vernunft, übrigens). Sie werden in Zwickmühlen gesteckt, ihnen wird jegliche vertraute Grundlage entzogen, ihnen werden Dinge abverlangt, die sie so schwer eigentlich noch nicht tragen können. Und ja, es „funktioniert“. Sie fühlen sich dabei aber schlecht, so wie sich jeder erwachsene Mensch schlecht fühlt, wenn er von einer vertrauten oder geliebten Person manipulativ beeinflusst wird.

Der Manipulator

Herr Langer verfügt über strategisch rhetorische Fähigkeiten und Erfahrung im Neuro-Linguistischen Programmieren (NLP). Seine Präsenz spielt eine große Rolle. Er weiß genau, welche Worte er wie wählen und sprechen muss, um bestimmte Dinge beim Gegenüber zu erreichen. Seine Vorträge zu den theoretischen Hintergründen sind argumentativ so ausgearbeitet, dass kein Zweifel am System nötig scheint. 

Die Eltern, die im 1:1 Gespräch sitzen, werden mit formuliertem Verständnis und zielorientierten Absichten am Tiefpunkt bzw. Höhepunkt ihrer emotionalen Verzweiflung abgeholt, da ist es nicht einmal schwer, mit sauberer Argumentation, egal welchen Inhalts, zu überzeugen. Sowohl den Kindern als auch den Eltern gegenüber verfolgt er klar seinen Weg, seine Wahrheit, sein Weltbild. Abweichungen lässt er nicht gelten, Wünsche, Zweifel und Sorgen verdreht er als Schwäche. Er schafft es, dass Eltern wie Kinder sich falsch fühlen und letztlich alles dafür tun, sich zu bessern. 

Natürlich wird es anders formuliert, mit Verhalten und Mathematik argumentiert, aber das ist, was letztlich bleibt: das Gefühl des Falsch-Seins.

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… Kampf

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„Fünf Löffel“ habe der kleine Mohammed „im Kampf“ gegessen, bevor er dann so richtig aufgedreht habe und man ihn 45 Minuten lang beruhigen musste. Erwachsene kämpfen gegen Kinder, Kinder kämpfen bis zur Erschöpfung um ihre Integrität. So konstruktiv. Nicht.

Trotz

Die berühmten „Trotzanfälle“ in der noch berühmt-berüchtigteren „Trotzphase“ beschreibt Herr Langer als „strategisches Muster“. Die Kinder wollten ihre Eltern „weichkochen“ und ihnen weismachen, sie hätten akute Not, was aber, so behauptet er, nicht der Fall wäre. ‚Nein‘ sei das wichtigste Wort (stimmt) und das Kind meine: „Ich gehe nicht ohne Waffen in den Kampf“. Kinder hätten einen Werkzeugkasten aus dem Reflexsystem mit Weinen, Schreien, Kratzen, Beißen, Hinschmeißen etc. Diese angeborenen Verhaltensweisen, ein Schutzrepertoire aus dem „Nahkampf“, würden sie „mal anders ausprobieren“ und „strategisch einsetzen“.

Machtkämpfe

Im Verlauf des Films wird klar: Herr Langer kämpft einen ungleichen Kampf, den Herr Langer immer gewinnt. Yay.

Wir sehen: Kampf beim Essen, Kampf beim Schlafen, Kampf beim Spazierengehen, Kampf auf dem Flur, einen Ring-/Box-Kampf, den ich übrigens als einzig sinnvollen im ganzen Film erachte. Felix’ Vater kämpft mit innerem Widerstand gegen das System. Das Institut kämpft gegen das systemwidrige Verhalten der Eltern. Eltern und Kinder kämpfen schon seit Jahren.

„Die Kämpfe werden ja von den Kindern initiiert …“. Die Kinder kommunizieren ihre Not mit den ihnen momentan zur Verfügung stehenden Mitteln und kämpfen somit für sich, ihre Würde und Integrität. Die Erwachsenen kämpfen gegen das kindliche Verhalten (auch wenn sie nicht das Schwert ziehen, sondern einfach mit ihrer körperlichen Überlegenheit gegenhalten, bis das Kind erschöpft aufgibt).

Statt Tauziehen (hin–her–hin–her) wird jetzt einfach eine Festung aufgebaut, an der sich das Kind abkämpfen kann. Zack, Kampf gewonnen. Die neutrale Feste ist jedoch meines Erachtens ein Trugschluss. Den Kindern wird der hinter diesen Mauern liegende Schutzbereich verwehrt. Sie schlagen verzweifelt gegen verschlossene Türen. Weil diejenigen, die Schutz und Halt suchen, als kriegerische Orks halluziniert werden.

Durch Ideen wie in Die (deutsche) Mutter und ihr erstes Kind((Ratgeberbuch von Dr. Johanna Haarer Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind 1934 bzw. Die Mutter und ihr erstes Kind 1987)) verbreitet, haben sich diese Gedanken des Machtkampfes Säugling vs. Eltern gesellschaftlich lange gehalten und halten sich noch.

Opfer

Herr Langer beschreibt das Opfer-Verfolger-Retter-Prinzip und dass sich der Kreislauf in unterschiedlichen Rollen wiederholt. Dass die Erwachsenen zum Opfer der Kinder werden bzw. sich als solche fühlen, zeugt von fehlender Übernahme der Verantwortung. Sie sind Opfer ihrer selbst. Das möchte ich nicht als Vorwurf, sondern als wichtigen Hinweis an die Eltern formulieren. Verantwortung meint nicht Schuld. Erwachsene sind per se in der Machtposition. Dieser Verantwortung sollten sie sich bewusst werden. Verdrehte Machtverhältnisse können leicht zu Victim Blaming führen.

Ein ungleicher Kampf

Fürchten sich Erwachsene wirklich vor Säuglings- und Kleinkind-Kriegern? Die Kampf-Theorie zerstört Bindung zwischen Eltern und Kind. Es ist unverantwortlich, diese zu propagieren. Ich setze Grenzen und muss diese vor dem Kind verteidigen. Ich wähle Waffen und Strategien wie Drohungen, Erpressungen, Strafen und Belohnungen („Wenn … dann …“), um zu gewinnen.

Gestalte ich meinen Alltag in der Familie als potentielles Kampfszenario, ist der Weg zu einer generell friedliebenden Gesellschaft verbaut. Das Kind als Endgegner – wie albern.

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… Zwickmühlen

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Das behandlungsbedürftige Kind darf essen, wenn es will, aber nicht, wann es will oder wie lange. Auch nicht, was. Will es nicht essen, isst es nichts. Ist es zu mager, wird es gefüttert. Will es nicht gefüttert werden, wird es festgehalten und der Löffel nachdrücklich „angeboten“. Wird es kritisch, wird zwangs-sondiert. Aber „dem Kind steht es frei zu essen“. ‍¯_(ツ)_/¯ 

„Wenn es juckt, dann kratz doch.“((Es gehört mit zum Therapiekonzept, dass Kindern mit Neurodermits Cremes und Kratzschutz verweigert wird. Sie „dürfen“ kratzen, um die Konsequenzen selbst zu spüren. Siehe auch https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/elternschule-kinderaerzte/ und https://autismuskeepcalmandcaryon.wordpress.com/2018/10/12/hast-du-den-film-denn-gesehen-elternschule/))

Dr. Lion((in Spiegel Online www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/elternschule-der-grosse-streit-ueber-kindererziehung-a-1243090.html))
Pseudo-Entscheidungen

Diese Pseudo-Entscheidungsfreiheit ist eine der Zwickmühlen, in die die Kinder im Film gebracht werden. Das Grundprinzip der Therapie und die für zu Hause empfohlenen Handlungsanweisungen basieren auf Zwickmühlen. Der Erwachsene baut sie zusammen mit seiner überlegenen Machtposition auf, um das Kind zu einem bestimmten Verhalten zu bringen, also als manipulatives Element. Manipulation gegenüber Kindern funktioniert relativ einfach, ist also „wirksam“. Wer die Zwickmühle erstellt, gewinnt.

Double Bind

Dem Kind bleibt letztlich nichts anderes übrig, als seinen Instinkt und sein Bauchgefühl als ungültig abzulegen und nicht mehr auf sich selbst zu hören, weil es im Endeffekt egal ist, denn es zählt nur das, was die anderen sagen.

Erpressung

Verhältst dich wunschgemäß, höre ich auf, dich zu ignorieren. Brauchst du emotionale Zuwendung, verhalte dich nach meinen Regeln. Das ist Erpressung. Das Tückische bei Zwickmühlen ist ihre Haupteigenschaft: Wie das Kind sich auch entscheidet, es gibt keinen Ausweg, denn jede Entscheidung führt zum eigenen Nachteil. Wo ist der Nachteil, wenn das Kind sich doch einfach für das Essen oder die „vernünftige“ Kommunikation entscheiden kann, mag man fragen. Es hungert (körperlich oder seelisch) oder es gibt seine Integrität auf. Es handelt gegen seinen Willen oder beharrt auf seinen Standpunkt und wird am Ende doch gegen seinen Willen zu dem gebracht, was scheinbar nötig ist. Zu seinem eigenen Schutz, das mag im Einzelfall sein. Dennoch: die Therapie baut auf Zwickmühlen auf, die die Verantwortung auf die Schultern kleiner bis sehr kleiner Kinder laden.

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… Bedingungen

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Stress & Felix im Herz
Bedingungslose Liebe?

An der „Mäuseburg“ hängt neben Engelchen & Teufelchen ein weiteres Schild mit der Überschrift „Nicht knöttern“.

(Anm.: Ruhrgebietssprache für „herummäkeln, meckern; im Gegensatz zu ‚moppern‘ wird die Kritik nicht klar ausgesprochen, sondern nur weinerlich umrissen; ‚Knötterkopp‘ – jemand, der an allem und jedem ganz grundsätzlich etwas auszusetzen hat, ohne jedoch seine Kritikpunkte klar zu formulieren“)((siehe http://www.ruhrgebietssprache.de/lexikon/knoettern.html))

Die Familien müssen sich an Bedingungen halten, um am Programm teilzunehmen. Zuwiderhandlungen gefährden den Erfolg.

Das Verhalten der Kinder ist an Bedingungen geknüpft: Wenn sie kooperieren, werden sie beachtet. Wenn nicht, werden sie ignoriert. Die Regeln der Erwachsenen sind Gesetz.

Bedingungslose Liebe ist die Grundlage für eine gute Beziehung zwischen Eltern und ihren Kindern. Wird Liebe an Bedingungen geknüpft, entsteht eine einseitig geschäftliche Beziehung. Statt echtes, gibt es erkauftes Vertrauen.

Kritik am Film ist unter der Bedingung erwünscht, dass sie positiv ist.

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… Härte – „Da kannsch‘ net hart bleiben“

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Nicht quatschen, machen. Wer Kuschelkurs fahren will, verliert. Emotionales Weichspülen hat hier keinen Platz. Die Kuschelpädagogik hat uns das doch erst eingebrockt.

Wir treten unseren Frauen Kindern tough und autoritär gegenüber. Schluss damit, dass sie uns auf der Nase herumtanzen. Schluss mit lustig, jetzt wird es ernst. Die müssen arbeiten. Händchenhalten auf dem Flur, wo kommen wir denn da hin? Lasst die mal selber sehen, wie weit sie kommen, wenn wir nicht mehr klein beigeben. Wer nicht hören will … Mut zur Strafe.((siehe http://www.janusz-korczak-institut.de/uploads/media/Winterhoff_03.pdf)) Nachsitzen. Klassenbucheinträge.((siehe https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2019-05/deutschland-verdummt-michael-winterhoff-bildungssystem-paedagogik-kinder/komplettansicht (Winterhoff) )) Zur Not laufen sie eben vor dem Auto her nach Hause und wir stellen sie im Internet bloß.((https://www.rosenheim24.de/netzwelt/netzwelt-vater-laesst-tochter-acht-kilometer-schule-laufen-erteilt-lektion-10828022.html)) Oder machen einen Kinofilm draus. Oder schicken sie am besten gleich nachts alleine in den Wald, wenn sie nicht schlafen wollen.((https://www.swr3.de/aktuell/nachrichten/Vater-setzt-neunjaehrige-Tochter-auf-Ruegen-aus/-/id=47428/did=4962280/sz0ria/index.html)) Elternpower. Bam.

[Polemik Ende]

Der Film spiegelt konsequent das Handfeste und Zupackende, das der methodischen Lösung eines durch angebliche Weichheit entstandener Problematik entspricht.

Durchsetzungsvermögen

Die Eltern der kleinen Patienten sollen sich durchzusetzen lernen, es gibt kein Abweichen vom vorgegebenen Weg. Mitgefühl ist hinderlich und erfolgsgefährdend.

Im Film stehen die verunsicherten Mütter Herrn Langer, Dr. Lion und dem resoluten Klinikpersonal gegenüber. Die Darstellung das Personals ist unbeteiligt und kühl. Im Film möglicherweise mehr als in der Realität (?), aber das ist das, was wir sehen. Es wirkt gar komisch in Kombination mit den authentischen Gefühlsausbrüchen der Kinder. Sie ziehen sich bewusst aus dem emotionalen Feld heraus, sind weder freundlich noch unfreundlich (nicht unfreundlich ist freundlich genug), geben den Kindern somit keinen Anhaltspunkt zur Einschätzung der Gefühle ihres Gegenübers. 

Wie perfide. Die Kinder sollen den Umgang mit ihren eigenen Gefühlen lernen, ohne irgendjemanden zu haben, der es ihnen adäquat vorlebt. Die Eltern reagieren im Alltag vielleicht wütend oder depressiv, hilflos und verzweifelt, das Personal kappt jede Gefühlsregung und Empathie. Die reine Logik sagt: da stimmt was nicht. Empathie zu lernen bedeutet Emotionen kennenzulernen.

Zu hart oder zu weich?

Ich greife in die Klischee-Kiste und stelle mir ein alltägliches Szenario so vor: Elternpaare diskutieren, wer zu hart oder zu weich erzieht. Das eine Elternteil beschuldigt das andere, zu lasch zu sein, nicht genug durchzugreifen, das andere ist hin und her gerissen zwischen Schutz des Kindes und es sich nicht mit dem strengen anderen Elternteil zu verscherzen.

Ist Erziehung wirklich eine Geschmacksfrage? Hart oder weich? Wir sprechen hier nicht über Frühstückseier!

Härte dem Kind gegenüber bedeutet in diesem Fall nicht Schlagen, Schreien, Wüten. Davon will die Klinik überforderte Eltern ausdrücklich abbringen. Im Film werden diese Fälle nicht explizit gezeigt, einigen Eltern ist die innere Wut durch Hilflosigkeit in bestimmten Situationen anzumerken. Für diese Eltern ist es sicher ein großer Schritt, sich emotional aus den Situationen herauszuziehen, bevor sie impulsgesteuert zerstörerisch handeln. Ich kann es nachvollziehen und finde es sinnvoll, dass auch die im Film als über-emotional bzw. über-empathisch, ängstlich dargestellten Eltern von den angstbehafteten Situationen ein Stück weit abgekoppelt werden sollen. Sie jedoch, wie im Film geschehen, als „zu weich“ zu erklären, um sie härter durchgreifen zu lassen, ist eine in meinen Augen gefährliche Gesamtbotschaft.

Autorität „ist doch nichts Schlechtes“ und „meint doch gewaltfreie Führung“? Gnah. Zu simpel und undifferenziert. Unterkomplex. Überholt. Adultistisch.

Tendenziell zu weich

Der Film nimmt eben nicht die gewalttätigen Härtefälle als Ausgangssituation und zeigt, wie die Eltern an Empathie gewinnen und Wut verlieren, sondern eben hauptsächlich die gegenteiligen (wie Zarahs, Mohammeds und Felix’ Familie). In einer der ersten Info-Veranstaltungen werden stillende, ihre Kinder streichelnde, tragende, kuschelnde, wiegende Mütter gezeigt, während die Mitarbeiterin der Klinik die Mechanismen des kindlichen Verhaltens und die klaren Rahmen und Regeln der Klinik beschreibt. Der Kontrast zeigt dem Publikum: So wird es nicht mehr lange bleiben. 

Anders, also von den Härtefällen ausgehend, wäre der Film nicht möglich gewesen, nicht gesellschaftstauglich wahrscheinlich. Es wäre auch ein ganz anderer Film. Ich erwähne diesen Aspekt, weil in der Diskussion um den Film immer wieder dieses Argument aufkam, dass es in vielen Familien doch viel schlimmer zugehe als das, was dort gezeigt werde. Natürlich geht es das. Häusliche Gewalt an Kindern ist ein großes Problem in unserer Gesellschaft. Keine Frage. Aber darauf hinzuweisen, dass es anderswo noch schlimmer ist, rechtfertigt längst nicht die Methodik.((Stichwort „Whataboutism“))

Der Ernst des Lebens

Dass Kinder durch „liebevoll-konsequente“ Erziehung auf eine Gesellschaft vorbereitet werden sollen, in der weiche Faktoren eher hinderlich sind, in der sie sich als Kinder „schonmal dran gewöhnen müssen“, liegt nicht an den Kindern, sondern an einer Welt, die aus ehemaligen Kindern besteht, die eine über Generationen überlieferte Härte erfahren haben. 

Außerdem: Sind es nicht sogar die Soft Skills wie Sensibilität und Kreativität oder auch Durchsetzungsvermögen, die im Job so dringend gebraucht werden neben (oder vor) den fachlichen Qualifikationen? Und ja, ich bin sicher, dass die Kinder im Film genau diese mitbringen. Verkannt, leider. Wer jetzt an tyrannische Herrscher denkt, sollte sich fragen, ob diese wohl bedürfnisorientiert aufgewachsen sind oder doch eher mit Disziplin und (Unter-)Ordnung.

Die Angst vor der Verweichlichung der Gesellschaft mündet in die Verrohung der Gesellschaft. Schade eigentlich. Aber so gibt es hoffentlich genug Menschen, die diese Welt ohnehin als viel zu verhärtet empfinden.

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… Autorität

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Dass und warum ich keine autoritären, autoritativen oder sonstige Systeme mag, die Autorität und Kind in einem Satz nennen, selbst wenn im Blinkebanner „JETZT NEU“ davor steht, sollte aus diesem Schriftstück hervorgehen. Ich halte sie für überholt und adultistisch, für mindestens unnötig und für auf mehreren Ebenen schädlich. Ich wünsche mir einen angstfreien, verantwortungsbewussten Umgang mit Kindern, bei dem Macht bewusst und mit Bedacht sowie auf ein Minimum reduziert eingesetzt wird. Ein Problem sehe ich in der Definition und Auslegung des Begriffes.

Leitwölfe

Die „natürliche Autorität“, also das „Leitwolf“-Prinzip, das z. B. auch Juul beschreibt, das die erwachsene Person in der Verantwortung sieht, Entscheidungen für das Kind zu treffen und ihm dadurch Struktur und Sicherheit zu geben, nehme ich an dieser Stelle von meinem Statement aus, wenngleich ich persönlich auch mit diesem Begriff ob seiner Dehnbarkeit nicht zu 100% überein gehe. Inhaltlich stimme ich aber weitestgehend zu. 

Die bindungsorientierte Erziehung arbeitet durchaus mit der natürlichen Hierarchie, die eine Sicherheit in Haltung und Ausdruck der erwachsenen Person voraussetzt, um dem Kind den Alltag zu erleichtern. Herrn Langers Satz „Autorität schützt ja auch“ sowie das Prinzip, die Konsequenz des eigenen Handelns zu erfahren, scheint dem nahe zu kommen. Dennoch liegen bei Herrn Langers Leitwolf-Interpretation meines Erachtens signifikante Unterschiede auf Beziehungs- sowie emphatischer Ebene zwischen erwachsener Person und Kind vor.

„Autorität ist doch nichts schlechtes?“

Überzeugte Autorität, die immer seltener so genannt wird, ist in der klassischen Erziehung Gang und Gäbe. Ein Überprüfen und Reflektieren starrer und angestaubter Prinzipien halte ich für notwendig, um eine der familiären Situation, den Bedürfnissen aller (!) Beteiligten und dem eigenen Wohlempfinden angemessene Haltung einzunehmen.

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… Gewalt

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Ein (vermutlich kinderloses) Paar im studentischen Alter unterhielt sich beim Verlassen der Kinovorstellung über den Gewaltkontext der Diskussionen in den sozialen Netzwerken. Wegen dieser habe der junge Mann den Film überhaupt sehen wollen, um sich ein Bild zu machen, aber den Film verbieten zu wollen, halte er für übertrieben, so schlimm sei es ja nicht gewesen. Schon etwas hart, aber am meisten habe ihn das ständige Geschrei genervt. 

Wenn der junge Mann verprügelte, gefolterte oder hinter schweren Eisentüren in kalten Kellern eingekerkerte Kinder erwartet hat, war er sicher enttäuscht erleichtert. Die im Film gezeigte Gewalt ist subtil, für manche mag sie eine „Definitionsfrage“ sein, für andere offensichtlich, für wieder andere nicht vorhanden.

„Unsere Arbeit ist absolut gewaltfrei. In unserer Klinik gibt es keine Gewalt. Die klinischen Methoden entsprechen dem aktuellen Forschungsstand und den Standards der medizinischen Wissenschaft“

Dr. Kurt-André Lion((https://www.kjkge.de/Inhalt/Aktuelles_Presse/_Presse_Meldungen/In_unserer_Klinik_gibt_es_keine_Gewalt.php))
Ich sehe tote Menschen Gewalt

Das Programm soll Eltern von handfester Gewalt abhalten, auch von oft verharmlosten Klapsen (hoffe ich). Dennoch wendet es Gewalt an. Was ich im Film sehe, ist eindeutig und gar nicht mal so subtil Gewalt:

  • Kinder werden sondiert ohne sediert zu werden.
  • Kinder werden wortlos um den See gezogen, obwohl sie sich mit aller Kraft zu wehren versuchen.
  • Kinder werden über längere Zeit an den Armen hochgezogen, obwohl sie sich fallen lassen, um dem Griff zu entkommen.
  • Kinder werden festgehalten, um ihnen Essen zuzuführen.
  • Kindern wird das freie Essen zwischen den Essenszeiten verwehrt sowie der Kontakt zu ihren Eltern während der Schlafens- und Trennungszeiten. 
  • Sie werden schreien gelassen. Es wird ihnen Trost verweigert, gewohnte Rituale entzogen und sie werden täglich medizinisch nicht notwendigen körperlichen Untersuchungen unterzogen, obwohl sie schreien und sich wehren. DAMIT((Mehr dazu: https://www.kinder-verstehen.de/aktuelles/elternschule-ein-rueckblick/)) sie schreien und sich wehren – und irgendwann vielleicht verstummen.

Das ist Gewalt und daran ändert sich auch unter den Labeln „Therapie“ oder „konsequente Rahmenbedingungen“ nichts.

Was bedeutet das für das Kind?

Das Kind wird u.a. durch emotionalen Entzug, Schreienlassen und Verweigerung von Zuwendung beim Ausdruck akuter Not (die negiert wird) in seiner Integrität verletzt. Seine Individualität und Eigenständigkeit wird durch die gesamte Methodik verleugnet. Die Gültigkeit des kindlichen Willens wird ausgesetzt. Persönliche körperliche und psychische Grenzen des Kindes werden überschritten (wie soll es da lernen, die Grenzen anderer zu respektieren?). Das Kind ist dem Klinikpersonal körperlich weit unterlegen.

Gewalt? Wo denn?

In vielen Momenten des Films zeigen sich sehr subtile und versteckte Formen von Gewalt. Herr Langer droht einem Kind nicht offen. Das wäre unprofessionell. Er sagt: „Ich hab mit deiner Mama besprochen, dass, wenn was nicht läuft, ihr wieder hierher kommen könnt.“ oder „Dann sagt deine Lehrerin aber ‚Dann geh mal wieder zu dem Langer trainieren‘.“

Gewalt und Macht

Sehen wir eine Form von Gewalt als Ausübung von Macht gegenüber anderen Personen in ungleichen Verhältnissen, erleben die Kinder im Film eindeutig und quasi ständig Gewalt.

Die Methodik basiert meines Erachtens auf einem Machtmissbrauch gegenüber Kindern. Ich würde das meiste, das wir im Film sehen, der im soziologischen Sinn strukturellen Gewalt (siehe Adultismus) zuordnen.

Wäre ich in der Situation eines der im Film gezeigten Kinder, als Kind oder als Erwachsene, würde ich meine Behandlung dort als gewaltvoll empfinden.

Schützende Gewalt?

Von „schützender Gewalt“ kann nicht die Rede sein. Zu viel der durchsystematisierten Methodik dient in meinen Augen nicht dem akuten gesundheitlichen Wohl des Kindes, sondern schadet mehr als es bringt. Das ist meine persönliche Meinung, aber auch Experten((siehe z. B. http://www.dgkjp.de/aktuelles1/482-stellungnahme-der-dgkjp-zum-film-elternschule)) haben sich natürlich bereits fachlich fundiert dazu geäußert.

Darstellung umstrittener Szenen

Der Film wählt die Einstellungen von Kameraperspektive und Schnitt so, dass das genaue Prozedere bei den Zwang-Szenen nicht erkennbar ist. Entweder ist der Arm davor und wir sehen nicht, wie nachdrücklich Felix die Flasche „angeboten“ bekommt, bei den „fünf Löffeln im Kampf“ werden wir auch lieber vor der Tür gelassen und erst am Ende der Erschöpfung wieder zugeschaltet. Wir sehen, wie das Erbrochene mit großen Tüchern aufgewischt wird, nachdem Felix wohl von mehreren Personen (offensichtlich unsediert) sondiert werden musste, aber wir sind nicht dabei. Aus Respekt vor den Kindern, unterstelle ich jetzt mal ganz optimistisch. Doch was ist auf den restlichen 198 Stunden Rohmaterial zu sehen?

Brutalität bekommt das Publikum nicht zu Gesicht – nicht auf reißerische Art, nicht im Verprügeln-Splatter-Horror-Psychothriller-Sinn (obwohl letzteres auf der mentalen Ebene mit all der Emotionslosigkeit für mich nahe dran ist). Brutal im Sinne von rücksichtslos, grausam und gewalttätig kann man das, was zu sehen ist, aber durchaus finden. Der Film zeigt Grausamkeit in aller Stille.

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⎨ Bedürfnisse ⎬

… keinen Platz für Individualität

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Durch das fragmentarische filmische Erzählen (ich nenne es mal „Geschnipsel“) werden die Familien, Einzelpersonen und Geschichten ineinander vermischt wahrgenommen. Die einzelnen Details, die zu bestimmten, nicht exakt benannten Diagnosen führen, werden nicht explizit aufgeführt. Das Publikum erfährt die grobe Zusammenfassung „Regulationsstörung“, „Problemkinder“, überforderte Eltern. Das Alter der Kinder spielt, wenn überhaupt, nur am Rande eine Rolle, gar nicht aber für die Methodik. Ebenso der Entwicklungsstand der Kinder. Die teils traumatischen Erlebnisse, das generelle Miteinander, alles bleibt – zumindest so weit wir das im Film sehen können – marginal.

Die Protagonisten werden in einen Topf geworfen, kräftig geschüttelt und in Förmchen gepresst. Die einzelnen Familien und Kinder zieht man dann wieder aus der Masse heraus, um exemplarisch bestimmte Erfolge zu dokumentieren. Manche Namen der Kinder werden genannt. In der Regel heißt das Kind aber eher ‚Der’. Manchmal auch ‚Die’. Namen werden nur als formales Merkmal zur Zuordnung genutzt. Ein ‚Du‘ fehlt fast völlig.

Modelle

Man merkt sich eher offensichtliche Eigenschaften, um eine grobe Zuordnung durchführen zu können: „Der Junge mit Neurodermitis“, „der Kleine mit der Sonde“, „die impulsiven Eltern“, „das Flüchtlings-Mädchen“. Letztlich handelt es sich aber um modellhafte Beispiele. Wie die Kinder im Lehrvideo den Eltern im Therapieprogramm, dienen die Familien auf der Leinwand dem Publikum als Paradebeispiele.

Die Kinder und die Eltern bleiben schemenhafte Modelle, anhand derer bestimmte Mechanismen erklärt werden. Die Unterstellung einer „tyrannischen“ Natur des Kindes, der entgegengewirkt werden muss, verhindert die Wahrnehmung eigenständiger Persönlichkeiten((Übrigens ist eine These des berüchtigten Psychiaters Michael Winterhoff, dass Kinder bis zum siebten Lebensjahr keine Persönlichkeit hätten. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Winterhoff#Zentrale_Thesen)) und der Möglichkeit bzw. Tatsache, dass Probleme und Lösungen wesentlich komplexer und individueller sind bzw. sein müssen als dargestellt.

Identitätsverlust

Viele der gezeigten Eltern, die sich nicht persönlich abgrenzen können gegen das Kind, erleben eine Art symbiotische Verschmelzung durch die Aufgabe der eigenen Bedürfnisse. So gehen beide Identitäten verloren, die der Eltern und die des Kindes. Aus meiner Sicht: Sich abgrenzen, ja – willkürliche und künstliche Grenzen setzen, nein.

Schema F

Die Therapie verläuft systematisch und schematisiert. Mechanisch, möchte ich behaupten. Eine Differenzierung scheint mir kaum bis nicht vorhanden zu sein. Eine individuelle Betrachtung fehlt. Seit 30 Jahren durchlaufen die Patienten das immer gleiche Prozedere, wie auf dem Fließband.

Das Individuum

Ein Individuum tritt im Film stark hervor: Dipl. Psych. D. Langer. Wir lernen ihn als charismatischen Menschen in seinem beruflichen Umfeld kennen. Nahbarkeit strahlt er durch sein locker-legeres Auftreten und z. B. die Szene mit dem Mädchen am See aus, in der er die „perfekte“ Vaterrolle exemplarisch übernimmt. Er spricht freundlich, gar lustig, aber Tacheles. „Nicht quatschen, machen!“ ist sein Motto und das kommt gut an. Sein Weltbild ist das für den Film gültige. Er besitzt das Wissen (und „Wissen ist Macht“), seine Schützlinge zu retten.

Schubladen

Eine individuelle Betrachtung persönlicher Eigenschaften des Kindes meint, sich vom Schubladendenken, vom Stigma zu befreien.

„Es liegt daran, dass Erwachsene die Kinder von klein auf schubladisieren. Sie haben ein Bild von ihrem Kind und sagen: «So bist du!» Es ist hyperaktiv, schüchtern, sensibel oder aggressiv. Das Kind als solches, ohne Attribute und Schablonen, existiert nicht mehr. Aus Kindersicht braucht es sehr viel Kraft, sich dagegenzustemmen. Dazu wiederum ist es nicht fähig, wenn es sich nicht gut kennt.“ 

Jesper Juul((https://www.fritzundfraenzi.ch/erziehung/elternbildung/exklusiv-interview-mit-jesper-juul-teil-2?page=all))

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… Trennung & Bindung

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„Trennungstrauma“

Die Ursache allen Übels liegt laut Herrn Langer im „Trennungstrauma“. Die Geburt gelte beispielsweise als erstes Trennungstrauma, eine hoch dramatische Trennung von der Mutter. Die Bedrohung entstehe, wenn die Trennung plötzlich und unvorbereitet komme, das Kind keine Handlungsmöglichkeit habe. „Trotzdem würden wir nicht sagen, dass das Kind mit der eigenen Geburt überfordert wäre.“ Es geht um „Nähe-Distanz-Regelung“ („Die versuchen alles“). Das Kind entwickle einen natürlichen Anpassungsmechanismus, stelle die Trennung aktiv her durch z. B. Schlafen, Krabbeln und Laufen. Gehe in der gesunden Entwicklung etwas schief (zu starke Bindung, Fokussierung auf die Eltern, keine Möglichkeit zur autonomen Entwicklung), werde die Trennung, auch wenn sie faktisch ungefährlich ist, als große Bedrohung wahrgenommen. Das Kind sei nicht im Stande, sich zu trennen.

Gelsenkirchener Behandlungsmethode

Ernst August Stemmann, der Begründer der Gelsenkirchener Behandlungsmethode, hat für sein Konzept bei Ryke Geerd Hamer, wohl teils wörtlich((http://www.klinikskandal.com/Uebereinstimmungen_von_Stemmanns_GBV_mit_Germanischer_Neuer_Medizin_nach_Hamer.htm)), abgeschrieben. Die Theorien entstammen also wohl zum Teil der (Germanischen) Neuen Medizin. Nach dieser haben alle Krankheiten, so u.a. auch Asthma, Neurodermitis, Krebs, Aids, Behinderungen, Lähmungen, Scharlatanerie, … psychische Ursachen und können entsprechend behandelt, d.h. „verlernt“ werden. Ein Trennungskonflikt an bestimmten Stellen des Lebens wird hier als ursächlich beschrieben und in seiner Ausprägung für den detaillieren Verlauf der Krankheit verantwortlich gemacht.((„Psychisch liegt immer ein Trennungskonflikt vor, also ein Abriß des Körperkontaktes zur Mutter, Familie/Herde, Freunde, auch Tiere. Bei einem Konfliktschock des Getrenntwerdens beobachten wir Ulcera in der Haut, die wir allerdings meist nur mikroskopisch als solche erkennen können. Dabei müssen wir uns diesen Vorgang ganz realistisch vorstellen, als wenn diese Individuen mit Leim aneinander geklebt wären und bei der Trennung ein Stück von der äußersten Haut herausreißt. Wir können jetzt fühlen, daß die Haut dort nun nicht mehr samtig weich ist. Dieses „Krankheitsbild“ nennen wir Neurodermitis (konflikt-aktiv).“ aus: http://drrykegeerdhamer.com/de/index.php?option=com_content&task=view&id=58))

Stemmanns Theorien lassen viele Parallelen dazu erkennen. Wohl hat er sich nur teilweise von bestimmten Aspekten distanziert. Der Kinderarzt und Wissenschaftler Dr. Herbert Renz-Polster beleuchtet das „Trennungstraining“ nach Stemmann bzw. Langer u.a. hier((https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/elternschule-therapie-in-not/)) und hier((https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/elternschule-kinderaerzte/)) genauer.

„Trennungstraining“

Langer berichtet im Film also weiter: Die gefährliche Trennung stehe der notwendigen (vorbereiteten, erwarteten, ungefährlichen) gegenüber. Wenn die Kinder zum „Trennungstraining“ abgegeben würden, sei diese Trennung nicht plötzlich. Die Eltern sollten nicht unsicher, sondern zielstrebig sein, nicht hadern, sondern die Kinder sicher in die „Mäuseburg“ begleiten.

Im Sinne des negativen Weltbilds ist die Fokussierung auf die Trennung typisch. Das Sich-Trennen wird durch Wegnehmen trainiert, statt etwas hinzuzugeben, das Vertrauen und Bindung aufbaut. Es erfolgt eine „Stress-Impfung“, eine Konfrontationstherapie. Die Trennung erfolgt radikal und über einen längeren Zeitraum (mindestens 30 Minuten), weil der Stresslevel sich erst dann langsam abbaue, wie es heißt. Ergo: von der Bedrohung zum Normalzustand. Danach „macht es Spaß“. Ist dann aber eine sichere Bindung noch gewährleistet bzw. möglich?

In der „Mäuseburg“ und im Schlafraum wird also erst einmal „richtig“ getrennt, um dann die „gesunde“ Bindung wiederherzustellen. Aber bitte nicht zu viel: Es wird immer wieder darauf hingewiesen, wie schädlich eine zu enge Bindung sei. Über Familienbett und Einschlafbegleitung (siehe Felix und Mohammed) schüttelt der Film den Kopf, die kuschelnden und schuckelnden Mamas werden währenddessen darüber aufgeklärt, loslassen und konsequent sein zu müssen. Die zärtliche Mama mit Kind am Buffet leitet zu den „Essverweigerern“ über. Der stillenden Mama werden resultierende Haltungsschäden diagnostiziert. Der Film kommuniziert deutlich: enge Bindung schadet. Es ist somit nicht verwunderlich, dass sich bindungsorientiert lebende Familien diskreditiert fühlen, zumal sie im Nachgang als „hysterische Mütter“ und „sektenartig“ bezeichnet wurden.

Bindungstheorie

Die Haltung, die man z. B. als bindungsorientiert, bedürfnisorientiert, beziehungsorientiert, liebevoll begleitend o.ä. bezeichnet, basiert auf der Bindungstheorie von John Bowlby, James Robertson und Mary Ainsworth. William Sears prägte den Begriff des Attachment Parenting in den USA. AP in Deutschland ist nicht direkt mit Sears verknüpft. Eine informierte und reflektierte Auseinandersetzung mit dieser Thematik hat weder durch die Filmemacher noch durch Herrn Langer und sein Team stattgefunden.

Bindungsorientiert bedeutet nicht, dass Eltern nicht loslassen können. Im Gegenteil findet hier die Autonomie eines Kindes einen geschützten Rahmen. Wenn Bindungen den Verlust der Individualität bedeuten und ungesunde Symbiosen zwischen Eltern und Kind entstehen, wenn Eltern ihre eigenen Bedürfnisse nicht wahrnehmen, hat das nichts mit der grundlegenden Haltung der Bindungsorientierung zu tun. So wird es im Film aber leider unterschwellig transportiert.

„Also, ich denke, wir arbeiten bindungsorientiert“

Dietmar Langer((https://www.deutschlandfunk.de/kindererziehung-der-kampf-um-die-kinderseele.1775.de.html?dram:article_id=440932 8:21 ff
„Ein Kind hat ein Bedürfnis, ein Grundbedürfnis auch nach Orientierung, nach Sicherheit, nach Halt. Und das ist unsere Aufgabe als Eltern, das zu geben. Und genau das machen wir hier auch. Also, ich denke, wir arbeiten bedürfnisorientiert. […]“  (8:42 ff) ))

Fun Fact: Das Programm selbst ködert mit vorgeschobener Bindung: Die Klinik nimmt Eltern stationär mit auf, nicht nur die Kinder. So weit sinnvoll, wo es doch um eine familiäre Problematik geht.

Verbindung

Wo die einen also über Bindungstrauma nachdenken, ist es bei den anderen das „Trennungstrauma“. Es wird getrennt, wo es etwas zu trennen gibt. sDer Knoten wird nicht gelöst, sondern zerrissen. Das hinterlässt Narben. Nach erfolgreicher Trennung folgt die Heilung, das Funktionieren. Eine kausale Verbindung wird im Film wie in der obskuren Theorie hergestellt.In der Realität jedoch heilen zerrissene Bande nicht einfach wieder zusammen. In der Realität jedoch heilen zerrissene Bande nicht einfach wieder zusammen.

„Diesen angeblichen Re-set, den gibt es unter Erwachsenen nicht (schon mal eine Ehe „neu gestartet“?), und den gibt es unter Eltern und ihren Kinder nicht. Beziehungsgeschichten lassen sich nicht löschen oder auf Null zurücksetzen, sie lassen sich nur Stück für Stück verändern.“

(Dr. Herbert Renz-Polster)((https://www.kinder-verstehen.de/aktuelles/elternschule-ein-rueckblick/))

Ich bleibe dabei: Ich sehe bei allen im Film dargestellten Familien zu wenig Verbindung. Eine gesunde Bindung wiederherzustellen, halte ich für dringend notwendig. Ebenso, sich bei aufkommender Überforderung, Disharmonie oder einem Ungleichgewicht rechtzeitig darum zu kümmern. Eine Liste alternativer Wege (im ausdrücklich nicht-esoterischen Sinn) gibt es hier.

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… Instinkt

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„Mutterinstinkt“

In einigen Szenen wird der mütterliche/elterliche Instinkt thematisiert: Sie kuscheln, stillen, tragen, schuckeln, wenden sich dem Kind zu, helfen ihm, erfüllen ihm alle Wünsche, kümmern sich. „Da kannsch‘ net hart bleiben“, sagt eine Mutter.

Überlebensinstinkt

Der kindliche Instinkt sichere ihm das Überleben, heißt es. Durch Schreien, Weinen, Beißen, Hauen etc. löse es in den Eltern Stress aus („Kümmere dich um mich“), die sich dann bemühen, den kindlichen Wünschen gerecht zu werden. Es heißt, sie „dressieren“ die Eltern. Parallel zu Langers Erklärung im Bild: weinende, schreiende Kinder.

Gegen den Instinkt

Den Eltern wird beigebracht, gegen ihren Instinkt zu handeln, da dieser „falsch“ sei bzw. „falsch“ funktioniere. Da das Kind keine akute Not habe (behauptet Herr Langer, ich zweifle diese Aussage jedoch an), wäre der Alarmzustand nicht angebracht. 

Ob die stillende Mutter abstillen muss während des Programms, ist zwar nicht ganz klar, aber über ihre körperliche Schiefhaltung (durch das Stillen) wird gesprochen, ebenso kann das Kind während des Schlaftrainings und Trennungtrainings ja eindeutig nicht gestillt werden, nach Bedarf schon gar nicht. 

Sie ist im Reinen damit, ihrem Kind das „Schlafen beizubringen“. Dem Instinkt der Mutter, die nicht hart bleiben kann, es also als Härte empfindet, wird widersprochen. 

Felix’ Mutter kämpft gegen ihre Instinkte vor dem Schlafraum, sie kann und will nicht loslassen. Auch Zarahs Mutter schaut nachts nach ihrer Tochter. Angst und Instinkt vermischen sich hier. Durch die radikale Trennung und Unterdrückung der Instinkte, kann ich mir kaum vorstellen, dass die Ängste der Eltern adäquat bearbeitet werden.

Die im Film gezeigten Kinder sollen das Essen gegen ihren Instinkt (aus welchen Gründen dieser auch immer anspringt) herunterwürgen. Der Instinkt wird negiert und lächerlich gemacht („Angst vor einer Nudel, haha.“).

Bauchgefühl

Das Kind wehrt sich instinktiv gegen Übergriffigkeit von außen. Durch körperliches und emotionales Durchsetzen der Erwachsenen lernt es, dass es falsch ist, auf seinen Körper und seinen Geist (Instinkt) zu hören. „Tu das, was andere dir sagen. Dein (Bauch-)Gefühl ist falsch.“ Es wird domestiziert. Wie schade, denn Kinder haben eigentlich noch die unverfälschten (gesunden) Instinkte innewohnen. Wie schnell sind diese abgewöhnt. Welche erwachsene Person kann noch gut auf sich selbst und die eigenen Bedürfnisse achten? Siehe die Eltern im Film.

„It makes them vulnerable because they are not rooted in themselves.“ 

Naomi Aldort((im Interview vom Online-Kongress „Mut zur Wut“ 2019, https://www.wutkongress.com))

Die Auswirkungen auf die Zukunft sind logisch: Sie sind auf die Meinung von außen angewiesen und somit anfälliger für Gruppenzwang, Übergriffe, Alkohol etc. Depressionen u.ä. sind mögliche Folgen.

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… Grundbedürfnisse

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Bedürfnispyramide nach Maslow
Bedürfnispyramide (nach Maslow)

Essen, Schlafen, Zuwendung, Liebe, Geborgenheit, Sicherheit … sind grundlegende Bedürfnisse, die erfüllt sein sollten, um gesund leben zu können. Bei den im Film gezeigten Familien liegen auf der untersten Ebene (Essen und Schlafen) Störungen vor, deshalb sind die Fälle so brisant, ein Überleben ist gefährdet.

Essen

Das Essen nimmt im Film einen großen Raum ein. Ich sehe es symbolisch als Hungersnot, auch und besonders im emotionalen Sinn. ‚Hunger‘ kann metaphorisch für die fehlende Verbindung zwischen Eltern und Kind stehen.

Wer isst, gilt als „gesund“ bzw. „funktional“. Filmisch drückt sich das beispielsweise durch das im Kontext absurd wohlgenährte Erscheinungsbild des überwiegenden Teils von Pflegepersonal und Eltern aus, durch die am Ende zögerlich essenden Kinder und auch durch die Sozialarbeiterin, die in der Küche eine Mandarine isst, während Zarah im Esszimmer nebenan mit Teller in der Hand starrt (was ihr übrigens als „Masche“ unterstellt wird).

Das Motiv Essen taucht im Film immer wieder auf. Typisches Kinderessen (Chicken-Nuggets oder Schokocreme) wird der erstrebenswerten Vollkost gegenüber gestellt. Wir sehen verschmähten Erbsen-Möhren-Kartoffel-Pamp Vollkost-Brei in Nahaufnahmen nach kampfträchtigen Fütterungsversuchen, hören geläuterte Kinder über „Das leckerste Essen der Welt“ und Kartoffeln mit Fleisch, Rotkohl und Soße (handfest und deftig wie das gesamte Programm) sprechen, erfahren von Essstörungen, sehen Kinder, die zum Essen gezwungen überredet werden, denken vielleicht nach über verschiedene Geschmäcker („Das schmeckt mir nicht.“ – Mutter räumt ab), Ekel (Erbrechen), Appetit, Hunger und das gesunde Bauchgefühl.

Essen ist im realen Familienalltag neben Medienkonsum ein großes Thema: Gesundes Essen, Süßigkeiten, der Familientisch (Essen als soziales Ereignis) etc. Es spricht uns an und trifft uns ganz tief. Wer von uns Erwachsenen trägt kein Päckchen aus der eigenen Kindheit zum Thema Essen mit sich herum? Zarah steht wohl stellvertretend für all die Kinder, die „Picky Eaters“, die Essen verschmähen, von Zucker und Fastfood aber nicht genug bekommen können. Sie steht für die Angst vor „asozialen“ und irgendwann adipösen Kindern und Jugendlichen, die reglos vor dem Computer, spielsüchtig und ohne Sozialkontakte, degenerieren. So vermitteln es „die Medien“ immer wieder.

Kein Genuss

Für die im Film gezeigten Kinder und ihre Eltern ist Essen schon lange kein Genuss mehr oder nie gewesen. Es geht um reine Nahrungsaufnahme. Gelingt diese, empfinden wir Wohlwollen, gelingt sie nicht oder kehrt sich um (Erbrechen), wird die Abneigung laut. Die Eltern stehen in der Pflicht, ihren Kindern dieses Grundbedürfnis zu erfüllen. Wir Eltern sind evolutionär als Versorger geprägt. Der körperliche Zustand des kleinen Felix lässt uns mit ihm leiden. Wir freuen uns, wenn er am Ende gepäppelt aussieht. Hunger und Sattsein triggern in uns ureigene Gefühle. Wir wissen um die essenzielle Bedeutung von Nahrung, sind dankbar, nicht hungern zu müssen. Zarah und ihre Familie haben als Flüchtlinge möglicherweise eine ganz eigene Geschichte mit diesem Thema, Felix’ Eltern wieder eine andere. Die Angst dieser beiden eher korpulenten Eltern, dass ihr Sohn verhungern wird, zeugt von weit tiefer gehenden Problemen und Themen als sie hier im Film und dort in der Klinik auch nur ansatzweise betrachtet würden. 

Am Ende ist der Erfolg, dass die Kinder etwas Vollwertiges essen. Genuss, Spaß, Freude kommen für die Kinder später – vielleicht.

Die Klinikmahlzeiten sehen unappetitlich aus, das sehen wir in manchen Nahaufnahmen noch fast voller Teller. ‚Lecker‘ ist erstmal keine Option. Kinder werden dazu angehalten, auch für sie unappetitliches, unansehnliches, lieblos angerichtetes, unbekanntes, semi-schmackhaftes Kantinenessen herunterzuschlucken, also gegen ihren Instinkt zu handeln. Es gibt keine andere Option als dies zu essen oder nichts zu essen (und ggf. später zwangsernährt zu werden). „Friss oder stirb“. Nicht quatschen, machen. Nimmt der:die Zuschauer:in sich von dieser Methodik etwas mit nach Hause, legt sie:er mit hoher Wahrscheinlichkeit den Grundstein für ein gestörtes Essverhalten bei den eigenen Kindern. Viele Menschen hadern auf die eine oder andere Weise mit dem Thema Essen oder Ernährung, zum Teil erziehungsbedingt. Aber jeder hat auch einen individuellen Geschmack und weiß, dass nicht allen alles schmeckt.

Schlaf

Schlaf ist ein riesiges Thema bei Eltern, besonders bei denen kleiner Kinder. Die Qual, nicht schlafen zu dürfen, wann und wie lange man will oder es zumindest braucht, setzt sich tief in Körper und Psyche fest. Die Verzweiflung ist immens. Wenn das Schlafverhalten der Kinder als gestört diagnostiziert wird, umso mehr.

Sicherheit

Das Schlaf- und Trennungstraining entzieht den Kindern Sicherheit (gefühlte – nicht die mit dem Gitterbett), Geborgenheit, Zuwendung der Eltern. Die Eltern sollen lernen loszulassen. Die Kinder sollen lernen, selbst einzuschlafen. Das tun sie in der Tat, wahrscheinlich, irgendwann.((https://geborgen-wachsen.de/2012/09/07/wenn-babys-schreien-gelassen-werden-was-passiert-in-babys-korper/)) Im Kontext weckt diese Darstellung unrealistische Erwartungen (und Ängste) an das Schlafverhalten von Kindern. Nicht gut für ein gesundes familiäres Miteinander. Gut, um neue Patienten zu gewinnen.

Schlaf, Kindlein …

Manche Mythen um den gesunden Kinderschlaf halten sich so hartnäckig, dass es lieber mehr Aufklärung darum geben sollte, dass z. B. Rituale zwar wichtig sind, aber unregelmäßige Einschlafzeiten, Einschlafbegleitung und ein sechs Monate altes Baby oder auch ein vierjähriges Kind, das nicht durchschläft, für sich genommen noch kein Grund zur Sorge, sondern ganz normal und menschlich sind. (Eltern an der Belastungsgrenze brauchen ihrerseits selbstverständlich Hilfe). Leider tendiert der Film in seiner Aussage dort zum Gegenteil.

Felix z. B. ist es gewohnt, bei den Eltern zu schlafen und zu viel späterer Uhrzeit. Er (und seine Eltern) werden schlagartig zum Alleineschlafen in einer fremden und beängstigenden Umgebung bei strikter Dunkelheit verdonnert, zu einer Zeit, in der er wahrscheinlich noch gar nicht müde ist, mit fremden Menschen, die mit einer Taschenlampe zwischendurch nach ihm sehen. Yay. Zumindest im Film findet nirgends ein schrittweise Heranführung an angepasste Zeiten und veränderte Schlafsituationen statt. Natürlich fallen im Film reale Schritte heraus, aber ich bezweifle, dass bei einem Klinikaufenthalt von drei Wochen eine Eingewöhnung in dem Maße in der Realität stattfindet, wie sie notwendig wäre.

Zuwendung

Schlafentzug und Hunger generieren große Not, sind lebensbedrohlich. Auch der Entzug von emotionaler Zuwendung kann bei Kindern im Extremfall zum Tod((https://www.zeit.de/1973/45/wo-das-laecheln-erstirbt)) führen. Sie „ver-kümmern“ emotional.

Liebe geben die gezeigten Eltern ihren Kindern ohne Zweifel. Sie wollen ihnen helfen.

Sicherheit & Geborgenheit

Das Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit wird den Kindern während des Therapieprogramms jedoch genommen. Zuwendung wird ihnen punktuell strukturell bzw. systematisch entzogen, um sie zu einem bestimmten Verhalten zu bringen. Deutlich wird dies in den Lehrvideos aus den 90er Jahren: Das Kind muss selbst auf die Erwachsenen zukommen und Kontakt aufnehmen, ansonsten wird es über Tage ignoriert. Der Entzug von Zuwendung führt zwangsläufig zu diesem Verhalten, weil es den Entzug eines Grundbedürfnisses nach Nähe und Zuwendung betrifft, ohne das ein Mensch nicht überleben kann. Aus Selbstschutz übernimmt das Kind also schließlich die volle Verantwortung und gibt seine Integrität auf, es stoppt den Ausdruck seines eigenen Themas (z. B. Gesehen-werden-Wollen). 

Diesen Mechanismus macht sich das Programm zunutze. Das Institut behauptet, dem Kind durch Passivität und Geduld aus der Emotion herauszuhelfen. Ich behaupte, es hilft dem Kind nicht, es zwingt es regelrecht dazu. Effektiv im Endeffekt, ja, auch logisch, aber so bestaunens- und bewundernswert, wie es in der Lehrfilm-Veranstaltung dargestellt wird, finde ich es keinesfalls.

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… Hunger

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Felix’ Vater füttert seinen Sohn. Bildkomposition: linke Hälfte beleuchteter Raum, Vater mit Felix auf dem Schoß halbnah, rechte Hälfte dunkel (Wand). Wir schauen nur kurz um die Ecke, wollen gar nicht stören. Felix sieht gesünder aus, nicht mehr so hager.
Schnitt in die Überwachungszentrale (Monitore mit Bildern der Überwachungskamera). Herr Langer steht neben einer sitzenden Mitarbeiterin. Diese erklärt ihm, dass es gut laufe, die Resonanz passe, das Tempo auch, es gehe zügig.

Essen ist ein großes Thema und Motiv im Film: Die Kinder, die nichts essen wollen und gefüttert werden. Kinder vor ihren vollen Tellern. Felix, der fast verhungert. Die Eskalation zwischen Anna und ihrer Mutter findet beim Essen satt. Während Anna um die Zuwendung ihrer Mutter fleht, sitzt Emma unbeteiligt essend am Tisch. Die angespannte Situation mit der kleinen Lucy, die von der Mutter das Wasserglas nach Anweisung verwehrt bekommt, solange sie nicht isst. Das kotzende Kind. Es gibt kein Essen zwischendurch als Zuwendung. Essen soll Normalität werden, doch Essen ist für alle harte Arbeit. Von Genuss sind wir weit entfernt, selbst am Ende.

Ich sehe diesen „Hunger“ auch metaphorisch: die Kinder sehnen sich nach Zuwendung, nach Verständnis und Erkennen des wahren Problems. Es wird über „emotionales Aushungern“ gearbeitet. In meinen Augen die gerade falsche Strategie.

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… Konflikte

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Alle Eltern kennen Konflikte mit ihren Kindern, erleben die im Film als Extreme dargestellten Fälle zu Hause im mehr oder minder Kleinen und fragen sich, wie weit fortgeschritten die eine oder andere Situation schon sein mag auf dem Weg zum „Tyrannenkind mit Regulationsstörungssymptomatik“.

Der Film zeigt Konflikte zwischen Kindern und Eltern, Geschwistern (siehe Anna und Emma – ein brisantes Thema in vielen Familien), Eltern und Personal, Personal und Kindern. Was er leider vermissen lässt, ist der Hinweis auf adäquate Konfliktlösungsstrategien, die den Eltern und Kindern mitgegeben würden, die Eltern ihren Kindern beibringen bzw. vorleben könnten. Konflikte entstehen, wenn Bedürfnisse und Wünsche aufeinanderprallen. In der Regel sucht man dann nach gemeinsamen Lösungen. Ja, auch mit Kindern.

Trotz und gerade in schwierigen Konfliktsituationen ist es notwendig und üblich, wertschätzende Beziehungsangebote((https://www.dgspj.de/wp-content/uploads/servive-stellungnahmen-film-elternschule-dezember-2018.pdf)) zu machen. Konstruktiv zu streiten will gelernt sein. Ein wichtiger Schritt in der Gewaltprävention.

Warum sollte die Diagnose einer Regulationsstörung die Möglichkeit zur Suche nach einer gemeinsamen Lösung, einem Konsens oder Kompromiss, letztlich auch mit Option einer einseitigen Entscheidung im konkreten Fall, kategorisch ausschließen?

Der Film zeigt eine eindimensionale Prinzipienreiterei und die Eliminierung der Notwendigkeit, sich mit Konflikten ernsthaft auseinanderzusetzen. Er ignoriert nuancierte Konfliktbewältigung: jeder Konflikt wird im Keim erstickt, damit „es erst gar nicht mehr so weit kommt“ – die doppelte Linie, an der im Film die Kreide zerbricht.

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… Wünsche & Bedürfnisse – „Ich will aber!“

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Der Wille des Kindes, eingebettet in das Bild des egoistischen Strategen, wird als Ausdruck des Aufbegehrens gegen die Entscheidungen der Eltern verstanden und dargestellt. Herr Langer erklärt Felix’ Vater, der sich um das Schlafverhalten sorgt: „Er kann es. Zwischendurch kriegen wir mit, was er WILL, da kann man sagen ‚Ich weiß auch, was ich mache‘.“ Dass das Kind nicht alles – bzw. vorerst (?) nichts von dem –, was es will, bekommt, gehört zur Strategie des Therapie. Es soll im Ausdruck seines Wollens begrenzt werden bzw. sollen die Eltern die kindlichen Wünsche durch Ignorieren für ungültig/unwert erklären.

Bedürfnisse

Was ich jedoch vornehmlich sehe, sind Eltern, die lange, lange Zeit ihre eigenen Bedürfnisse missachtet haben. Diese überhaupt wahrzunehmen ist eine Kunst, die vielen Erwachsenen leider abhanden gekommen ist. Vermutlich überhaupt erst dadurch, dass sie selbst ihre Wünsche und Bedürfnisse als Kinder nie adäquat auszudrücken oder zu erfüllen gelernt haben.

Bedürfnisse wollen erfüllt werden, um zufrieden und gesund leben zu können. Wut beispielsweise ist i.d.R. ein Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse.

Wünsche ≠ Bedürfnisse 

Wünsche und Bedürfnisse gleichzusetzen, ist grundlegend problematisch. Wünsche haben jedoch ebenso ihre volle Berechtigung und dürfen ausgedrückt werden. Sie sind nämlich die Werkzeuge, die Strategien, mit denen Bedürfnisse erfüllt werden (wollen).

Kinder haben einfach (noch) ein gutes Gespür dafür, was sie gerade brauchen. Für ihre Bedürfniserfüllung verwenden sie manchmal in unseren Augen unangemessene Strategien (Wünsche). Ein Eis ist kein Bedürfnis. Dass sie etwas für sich tun, heißt aber nicht, dass sie etwas gegen uns tun. Natürlich kollidieren Bedürfnisse, und es ist in der Verantwortung der Erwachsenen, deren Vereinbarkeit zu prüfen und ggf. herzustellen. Das heißt aber nicht, dass sie seine Bedürfnisse stets über die des Kindes stellen dürfen und vice versa sollten. Beides wäre kein verantwortungsbewusstes Handeln.

Strategien zur Bedürfniserfüllung

Zu Bedürfnissen zählen Grundbedürfnisse wie Nahrung, Schlaf, Zuwendung … sowie u.a. Aufmerksamkeit, Sicherheit, Ordnung, Freundschaft, Privatsphäre, Rücksichtnahme, Vertrauen Wertschätzung u.v.m. Das aktuell drängende Bedürfnis ist oft nicht einfach zu erkennen, bei uns selbst oder z. B. unseren Kindern. Oft finden wir es auch einfach nicht, aber die Akzeptanz, dass ein berechtigtes Bedürfnis einen (wenn auch als unangemessen eingestuften) Wunsch auslöst, hilft sehr in der Wahrnehmung und dem Verständnis gegenüber dem Kind (und uns selbst). Dann können wir es angemessen begleiten, wenn wir ihm den Wunsch nicht erfüllen wollen oder können, ihm mit Empathie und Verständnis begegnen, statt den Wunsch zu ignorieren oder gar zu negieren und ihn damit abzuwerten. Das würde nämlich bedeuten, auch das dahinter stehende Bedürfnis als unwürdig zu vermitteln. Ablehnung oder Ignorieren ist überhaupt eine destruktive Art. Damit hilft man dem Kind nicht, die angemessene Strategie zur Erfüllung des Bedürfnisses zu entwickeln bzw. entdecken.

Konflikte

Im sozialen Gefüge kommt es zu Kollisionen verschiedener Bedürfnisse und Wünsche. Der Erwachsene hilft dem Kind, die dadurch entstehenden Konflikte angemessen zu lösen. Zuallererst muss sich der Erwachsene seiner eigenen Bedürfnisse in diesen Momenten bewusst sein um einzuordnen, um welches Bedürfnis es sich beim Kind handeln könnte. Dann gilt es abzuwägen, welches Bedürfnis gerade höhere Priorität hat. Jeden Moment aufs Neue. Das ist anstrengend, keine Frage. 

Auch den Frust über einen unerfüllten Wunsch zu begleiten, ohne ihn abzuwürgen, verlangt einiges an Kraft. Das Denken beeinflusst stark, wie sehr es mich frustriert, wenn mein Kind seinen Willen vehement äußert. Die Kommunikation mit dem Kind entscheidet letztlich, wie es mit Frust und unerfüllten Wünschen umzugehen lernt.

Erfüllung

Niemand kann und wird jemals alle Wünsche erfüllt bekommen. Eine Wunscherfüllung kann mit Kompensation einhergehen. Da sollte man genau hinschauen. Eine grundlegende Angst (vor „verwöhnten“ Kindern) ist aber auch in diesem Fall kein guter Ratgeber. Stimmt es auf der Beziehungsebene, ist die Erfüllung von Wünschen, weil man sich oder einander eine Freude machen möchte, ein wünschenswerter Normalzustand.

Ist es nicht schön zu wissen,
was man will?

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… die Vertrauensfrage

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Die im Film gezeigten Kinder sind haltlos. Man zeigt sie „außer Rand und Band“ und behauptet, sie „kennen keine Grenzen“. 

Eltern sollen sich ein vorhersehbares Verhalten angewöhnen, so heißt es, sie sollen konsequenter handeln (nicht „mal hü, mal hott“). Darauf könnten Kinder dann vertrauen, sich dadurch sicher fühlen und Bindung aufbauen.

Doch ist es das, was Vertrauen wirklich ausmacht? Auf mich wirkt dieses Konstrukt wie ein Provisorium, an dem Kinder nur kurzfristig so etwas wie Halt finden können.

Vertrauen ins Kind

Ich möchte behaupten, dass die Kinder unter anderem haltlos sind, weil ihnen selbst so wenig Vertrauen entgegengebracht wird. 

Echter Halt kommt von Authentizität. Das bedeutet den Kindern gegenüber Fehler zugeben zu können (und zu dürfen), seine Meinung ggf. zu ändern, um Entschuldigung zu bitten, Gefühle zu benennen (eigene und die des Kindes), keine Lügen, Drohungen, Strafen, … Wir sollten Kindern das Vertrauen schenken, sich in eine „richtige“ Richtung zu entwickeln und dass die Kinder einfach „richtig“ sind, wie sie sind. Von diesem Punkt aus können wir nämlich herausfinden, was für eine adäquate Unterstützung wirklich nötig ist. Das schafft Vertrauen.

Vertrauen ins System

Dem System müssen die Eltern blind vertrauen. Generell dem, was ihnen inhaltlich und praktisch vermittelt wird, im Detail zum Beispiel dem Behandlungsverlauf ihrer Kinder (Esstraining), über den sie erst ganz am Ende unterrichtet werden. Eltern, Personal, Publikum und Filmemacher schenken Herrn Langer erstaunlich viel (blindes) Vertrauen.

Einander vertrauen

Die Eltern im Film haben das Vertrauen in ihre Kinder verloren, denn sie haben die Beziehung, die Bindung zu ihnen verloren. Umgekehrt ebenso. Die Therapie hilft zwar, darauf zu vertrauen, dass das Leben wieder funktionieren wird, aber die Vermittlung eines echten Vertrauens in die Kinder (und sich selbst) sehe ich nicht.

Erwartungen an das Kind loszulassen bedeutet nicht, es allein zu lassen. Vertrauen hat viel mit Wertschätzung zu tun. Sich selbst und dem Kind gegenüber.

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⎨ Verhalten ⎬

… (normales?) kindliches Verhalten

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Anna kratzt während der „stillen Zeit“ trotz ruhiger Intervention der Pflegerin an den Ritzen der am Boden ausgelegten Turnmatten entlang. Die Szene schließt mit einer Detailaufnahme der kaputt gekratzten Stelle.

In der Diskussion um den Film wird betont, dass es sich um therapeutische Not- bzw. Extremfälle handele und dass der Film kein Erziehungs-Ratgeber für alle Eltern sei. Die Einschätzung als Extremsituation und als über „das Normale“ hinausgehende Belastung sowie auch die Diagnostik einer Regulationsstörung möchte ich keiner Familie absprechen. Ich halte sie jedoch für keine hinreichende Bedingung zur Rechtfertigung des Dargestellten und weise darauf hin, dass der Film versäumt, sie überhaupt ausreichend als notwendige Bedingung zu definieren.

Not

Was ich sehe, sind Familien in Not, in ihrer komprimierten Darstellung jedoch bekomme ich ausschließlich Bruchteile des eigentlichen Problems gezeigt. So weit verständlich für 120 Minuten Film. Wir erleben die Situationen der Familien nicht zu Hause, sondern nur vor Ort während der begrenzten Zeit. Die akustische und visuelle Simulation zur Erhöhung des Stresslevels durch lange Zeit schreiende Kinder ist ein Versuch, das Publikum von diesem Extremzustand zu überzeugen. Eine explizite Trennung zwischen Therapie und „guter Erziehung“ erfolgt strukturell nicht.

Pathologisch?

Die Diagnose einer Regulationsstörung wird vorausgesetzt. Dieser Diagnose müssen wir (und die Eltern) vertrauen. Was der Film zeigt, ist dahingehend nicht eindeutig.

Ich sehe kindliches Verhalten, das jede Mutter und jeder Vater bereits mindestens einmal (hust) erlebt haben sollte. Ich wage zu behaupten: Die meisten der Kinder verhalten sich ihrem Alter gemäß durchaus typisch für die gezeigten Situationen. Wenn dieses Verhalten ständig auftritt, wird es unter Umständen zur chronischen Störung und zur untragbaren Belastung für die Eltern. Ich will auch gar nicht abstreiten, dass es eine pathologische oder chronische Regulationsstörung gibt und auch nicht sagen, dass die angegebenen Diagnosen per se falsch sind. Es ist nur so, dass der Film für mich keine nachvollziehbare Begründung dafür liefert, warum es notwendig ist, die Regulierung am Kind zu beginnen und schon gar nicht auf diese Art und Weise.

Bilderbuchhaftes Fehlverhalten

Jedes einzelne Kind kann ich verstehen, auch oder gerade, wenn ich Herrn Langers Erläuterungen ausblende. Unter diesen Umständen (Stress, fremde Umgebung etc.) angemessene Reaktionen werden durch die Komposition zwischen Bildern und Herrn Langers theoretischen Erläuterungen zu bilderbuchhaftem Fehlverhalten. Natürlich schreit ein Zweijähriger über lange, lange Zeit, der von seiner Mutter bei fremden Bezugspersonen abgegeben wird, die sich ihm in keiner Weise zuwenden, wenn er in Verzweiflung ist. Natürlich möchte ein kleines, (fast) nacktes Kind nicht von einem fremden Arzt untersucht werden, wenn seine Eltern nicht in greifbarer Nähe stehen. Natürlich beißt, haut, tritt ein Kind, das nicht ausdrücken kann, was es wirklich sagen möchte und dessen Impulskontrolle erst in den nächsten Jahren zu natürlicher Reife kommt. Natürlich wirft ein größeres Kind mit Dingen, das von seinen Emotionen überwältigt ist, weil es sich nicht gesehen und unverstanden fühlt. Natürlich verweigert ein Kind gesundes Essen, das ihm nicht schmeckt oder dessen Haptik ihm unangenehm ist. Natürlich sucht sich das Kind für sich passende Strategien, um bestimmten Mangel zu kompensieren. Clever. Und das meiste würden Erwachsene in bestimmten Situationen wohl ganz genauso handhaben.

Szenenanalyse Anna

Die Szene, in der Anna ihrer Mutter auf den Po haut, als diese das Essen auf den Tisch stellt, möchte ich einmal genauer betrachten: 

Anna hat ihren Arm steif ausgestreckt und dreht sich um die eigene Achse, um ihrer Mutter den Klaps zu geben. Dass dies besonders schmerzhaft gewesen ist, bezweifle ich. Es geht also ums Prinzip. Die Mutter greift Annas Arm und fixiert sie mit böser Miene. Anna dreht den Blick zur Seite, die Mutter starrt sie weiter an, sagt nichts. Anna: „Aua, Mama, lass los, das tut weh.“ Die Einstellung dauert gefühlt eine Ewigkeit. Der Konflikt setzt sich in einer späteren Szene fort, in der Anna um eine weitere Chance fleht.

Zunächst war mir nicht klar, ob dies die reguläre (unerwünschte) Reaktion der Mutter ist, bzw. dass dies bereits zum Training dazu gehört, also dass es ihr so oder ähnlich souffliert wurde. Es scheint tatsächlich in die Richtung der von der Klinik gewünschten elterlichen Reaktion zu gehen, allerdings befinden wir uns wohl noch relativ am Anfang von Annas Aufenthalt, nehme ich an. 

Meine Sicht auf die Situation ist folgende: Anna will ihre Mutter nicht verletzen, der ausgestreckte Arm ist eine eher spielerische Pose als ein Angriffs-Szenario. Sie nimmt Kontakt auf, auf eine Art, die ihr in dem Moment möglich ist – verunsichert, distanziert und über eine spaßig gemeinte Handlung will sie Verbindung aufnehmen. Sie kann sich noch nicht in die Perspektive der Mutter versetzen. Annas (ruhigere) Schwester Emma befindet sich mit am Tisch. Als „Problemkind“ hat Anna es wahrscheinlich ohnehin schwer in der Familie und als ältere Schwester wird von ihr erwartet, dass sie funktioniert. Eifersucht, Rivalität, was auch immer – über die genauen Hintergründe kann ich nur spekulieren. 

Dennoch: Ich bin der festen Überzeugung, dass das Kind hier in seinen Bedürfnissen gesehen werden möchte und auf seine Art der Mutter seine Zuneigung ausdrückt, dies aber auf eine Art und Weise tut (wahrscheinlich weil sie bereits wütende Reaktionen ihrer Mutter kennt), die „wir“ Erwachsenen als unangemessen empfinden. Während die Mutter nonverbal „die Oberhand gewinnt“, spüre ich ihre innere Wut. Das Kind natürlich auch. Sie stehen am Anfang, die innere Wut soll irgendwann „wegtrainiert“ sein, das verstehe ich. Das Kind jedoch so resolut zu greifen und in seine Grenzen zu weisen, finde ich völlig unangemessen. Ebenso die Lösung des Konfliktes durch die weiteren therapeutischen Maßnahmen.

Wie konsequent ist konsequent?

Nach dem therapeutischen Prinzip dürfte ein Kind konsequent keinen einzigen Wunsch erfüllt bekommen, kein einziges Stück konträren Willen zeigen, niemals Widerworte geben, es dürfte kein Ungehorsam geduldet werden, … Wo wäre sonst die „Konsequenz“?

Freier Wille

Jedoch: Freigeist, Kreativität, Rebellion gegen unsinnige Systeme, Kritik an der Gesellschaft, zu wissen, was man will und was nicht, sich selbst wertschätzen können, über den eigenen Körper zu bestimmen, … was ist mit diesen wertvollen Eigenschaften? Diese werden durch das „liebevoll-konsequente“ Prinzip im Keim erstickt.

Urinstinkte

Herr Langer begründet das kindliche Verhalten letztlich übrigens auch als ein ganz natürliches. Der Evolution und des Überlebens wegen. Durch das Verhalten der Eltern werde das Problem bzw. der Stress chronisch. Er kreiert jedoch aus meiner Sicht einen Schuldkreislauf, den er mit seiner eigenen Methode zu durchbrechen verspricht.

Die Stimme im Kopf

Alle Eltern erleben dieses Verhalten ständig mit ihren Kindern. Beim Zähneputzen, Anziehen, Baden, Wickeln, Einkaufen, Spazierengehen, Autofahren, Telefonieren, Fernsehen, Spielen, Essen, Schlafen oder Hinkelsteinwerfen. Immer. Überall. Denen sitzt der kleine Langer nun auf der Schulter, pikst mit dem Ellenbogen, um zu sagen, „Siehst du, so ein Kontrolletti“ oder rollt mit den Augen, wenn die Eltern sich auf den Wunsch des Kindes einlassen. Hallo, schlechtes Gewissen und Selbstzweifel. Sie fangen an, sich zu fragen, ob das noch normal sei oder schon krankhaft. Therapie oder Trotz: Wo beginnt die Regulationsstörung? Darf ich jetzt schon leiden? Muss ich mir Hilfe holen? „Ha“, sagt der kleine Langer, „da habe ich was für dich. Komm doch nach Gelsenkirchen und mache den ELTERNFÜHRERSCHEIN.“ Blinke-Banner mit LETZTE CHANCE, JETZT ANMELDEN leuchtet auf.

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… Funktion, Kooperation & Gehorsam

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Außenaufnahme (Totale): Am See geht – nur klein im Bild – eine Gruppe Personen wie im Gänsemarsch hintereinander auf der horizontalen Linie des Gehwegs nach links aus dem Bild spazieren. Ein Kind bleibt an einen dicken Baumstamm gelehnt (zum Publikum gedreht, aber nicht in die Kamera blickend) stehen, während die Gruppe weiterzieht.

Die familiäre Gemeinschaft ist in den gezeigten Fällen aus unterschiedlichen bis ähnlichen Gründen aus den Fugen geraten. Das Miteinander funktioniert nicht mehr. Im Film übersetzt heißt das: Die Kinder funktionieren nicht (mehr), wie es a) für alle gesund wäre und b) das regelkonforme System es vorsieht. Zu a) siehe „… Wünsche & Bedürfnisse“.

Einfügen ins System

Unsere Gesellschaft ist so gestrickt, dass eine gewisse System-Unterwerfung nötig ist oder nötig scheint. Familie, Kindergarten, Schule, Arbeit, soziales Leben … funktionieren nur über die Einfügung jedes Einzelnen in das vorgegebene System. Wie viel Individualität man dabei einbüßen muss, hängt vom System und dessen Betreuung ab.

Ist ein Kind nicht bereit, sich einzufügen, hat das Gründe. Diese zu ignorieren und eine Unterordnung zu erzwingen – auf welche Weise auch immer – ist keine gesunde Strategie, dem Individuum bei der Einhaltung der Systemkonformität zu helfen. Es gibt sie immer wieder und überall, die nicht konformen Kinder, die auffallenden, die gegen das System agieren, die aufmüpfigen, lauten, aggressiven. Sie fallen aus der Reihe, tun sich und anderen nicht gut, „nerven“, „stören“, sind massiv „anstrengend“ und brauchen alle vorhandenen Ressourcen auf. Das ist ein Problem (fürs System). Doch nicht weniger haben diese Kinder selbst ein Problem, lange bevor sie ein „unnormales“ Verhalten zeigen. Dies über noch so subtilen Zwang zur Kooperation bzw. zum Gehorsam (und ja, genau darum geht es hier letztendlich) zu lösen, kann langfristig jedenfalls keine gültige Methode sein und auch kurzfristig nur eine Notlösung. Zu schnell wird aus erzwungener Kooperation Konformismus oder eine Angst, die eigenen Emotionen und Gedanken auszudrücken oder überhaupt wahrzunehmen.

Gehorsam vs. Kooperation

Die „freie Wahl“, die den Kindern im Film stets vorgegaukelt wird, ist eine Zwickmühle, die letztlich zur Anpassung führen soll. Das Kind entscheidet sich für Möglichkeit A, die „schlechte“, dann muss es mit der Konsequenz leben, die der Erwachsene willkürlich festlegt. Entscheidet es sich für B, die „gute“, gibt es sich und seinen Standpunkt auf, verleugnet sein Inneres und unterwirft sich der Festlegung des Erwachsenen.

„Gehorsam ist die Unterwerfung unter den Willen eines anderen. Dieser Andere übt Macht über den Unterworfenen aus. Bereits in frühester Kindheit beginnt diese Unterwerfung, lange bevor Sprache und Denken sich ordnen, so dass der Gehorsame später seine Unterwerfung während der Kindheit gar nicht wahrnimmt und sie erduldet, ohne sich dessen bewusst zu sein.“ 

Arno Gruen – „Wider den Gehorsam“((Arno Gruen „Wider den Gehorsam“, Seite 13, siehe auch: https://chezmamapoule.com/arno-gruen-wider-den-gehorsam/))

Freigeist und Kreativität sind Werte, die in der Erwachsenenwelt durchaus geschätzt werden und die nicht auf Kosten von Konformität aberzogen werden dürfen. Soziale Kompetenz und Treue natürlich auch. Diese hängen jedoch nicht, wie viele irrtümlich annehmen mögen, von Gehorsam („Hören“) ab, sondern von einer respektvollen und wertschätzenden Umgebung, die auch Fehler und vermeintliches Fehlverhalten nicht über Sanktionen korrigiert, sondern alternative Lösungen findet, um sich und andere zu schützen sowie dem agierenden Kind zu helfen, andere Verhaltensstrategien zu erlernen. Gehorsam ist nicht der einzige mögliche Weg.

„Die Eltern, die bereits erlangt haben, was beim Kind durch Erziehung erst geschaffen werden soll (sie sind bereits zu Bürgern herangebildet), und gegenüber dem Kind damit „das Allgemeine und Wesentliche ausmachen“ (Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts, S. 327), dürfen und müssen vom Kinde Gehorsam verlangen: „Der Gehorsam ist der Anfang aller Weisheit; denn durch denselben läßt der das Wahre, das Objektive noch nicht erkennende und zu seinem Zwecke machende, deshalb noch nicht wahrhaft selbständige und freie, vielmehr unfertige Wille den von außen an ihn kommenden vernünftigen Willen in sich gelten und macht diesen nach und nach zu dem seinigen“ (Hegel, Die Philosophie des Geistes, S. 81). Die Gehorsamsforderung zielte jedoch nicht, wie viele Autoren später unterstellt haben, darauf, beim jungen Menschen Obrigkeitsdenken und Untertanengeist zu etablieren. Zentrales Credo der aufklärerischen Philosophen war stets das Selber-Denken gewesen. Sie gingen jedoch davon aus, dass die freie Entfaltung der Vernunft Disziplin und eine Beugung „unter das Joch einer bestimmten Regel“ zur Voraussetzung habe. Die Beugung galt dem, was die Bildung des Menschen verhinderte: seiner un-vernünftigen Seite.“

Gehorsam – Pädagogik der Aufklärung((https://de.wikipedia.org/wiki/Pädagogik_der_Aufklärung#Einzelne_Elemente_innerhalb_der_Erziehungsphilosophie_der_Aufklärung))

Ich mag mich irren, doch klingt dieses Prinzip nicht auch im Film durch? Im Film wird von kooperativen Kindern gesprochen („Wenn sie kooperativ ist, warum sollte sie nicht zwei Teller essen“) und die Kooperation als höchstes zu erlangendes Ziel definiert. Kinder sind, im Gegensatz zu dem, was der Film bzw. Herr Langer dem Zuhörer weismachen möchte, von Natur aus soziale und kooperative Wesen (siehe Bindungstheorie). Kooperation birgt laut Definition zwei Elemente: „zielgerichtet“ und „gemeinsam“. Das, was im Film dargelegt wird, ist jedoch niemals ein gemeinsames Ziel, sondern ein von den Erwachsenen festgelegtes (mehr dazu siehe hier((https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2015/09/mein-kind-kooperiert-nicht-warum-kinder-scheinbar-nicht-kooperieren-wollen-teil-1-der-serie.html))). Somit handelt es sich schlicht um Gehorsam. Außerdem ist nur ein Part zur Kooperation verpflichtet, nämlich das Kind. Der Erwachsene begibt sich in keiner Szene des Films in die Lage, dem Kind entgegenzukommen oder es überhaupt ernsthaft verstehen zu wollen. Im Gegenteil, die scheinbare Überkooperation der Eltern (dem Kind gegenüber) im Vorfeld wird als schädlich dargestellt und ist damit dringend zu vermeiden. Auch hier liegt jedoch eine Missinterpretation des Begriffes vor. 

Eine gemeinsame Lösungssuche im Konflikt fand und findet an keiner Stelle statt. Jeder macht seins. So hat aber das Kind kein Recht mehr, seine Sicht auszudrücken. Dies ist nach dem vorgestellten System auch nicht nötig, man wisse ja schließlich, was die Kinder wollen: Kontrollieren und ihre Eltern zum Gehorsam unterwerfen. Siehe „… ‚Ich‘ und ‚Du‘ Vertauschetag“.

Gehorsame Eltern

Letztlich werden auch die Eltern im Film zum Gehorsam angehalten, sich dem System zu fügen. Das beinhaltet nicht nur das Sich-Bewegen im vorgegebenen Rahmen, wie es im klinischen Alltag üblich ist, es bedeutet auch die Aufgabe jedweder individueller Meinung oder Zweifels zu bzw. an Teilaspekten des Prozederes. Einmal zugestimmt und unterschrieben, gibt es keine Abweichung vom Plan. ‚Take it or leave it‘. Wobei ‚leave it‘ eher schwierig ist, da die Angst einen hohen Stellenwert hat und meist keine weiteren Alternativen bekannt sind.

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… Behaviorismus

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Ein alter Hut, das mit der (ausschließlich) auf das Verhalten fokussierten Methodik. Es erfolgt ein Ausblenden der inneren Vorgänge, Gründe, Ursachen, Kontexte, Lebensgeschichten … Die Therapie spielt sich im Außen ab. Man schraubt am schwächsten Glied, am Kind und seinem Verhalten. Über die Korrektur des kindlichen Verhaltens und das korrigierte Auftreten der Eltern sollen die sonst überemotionalen Situationen rationalisiert werden und die Emotionen sich im Endeffekt auf beiden Seiten regulieren. Doch fragt die moderne Verhaltenstherapie nicht mittlerweile auch nach dem ‚Warum‘?

Die moderne Abrichtung von Hunden und Zirkustieren funktioniert auf diese Art. 

In der Methodik heißt das: Verstärkung erwünschten Verhaltens durch Leckerlis „positive Konsequenzen“ und „negative Konsequenzen“ für unerwünschtes Verhalten. So weit, so nicht unüblich. Darüber hinaus kommt aber nichts mehr.

„Der Film wirft die Frage auf, inwiefern die dargestellte Vorgehensweise leitliniengerecht ist. Unstrittig wird in der „Leitlinie zu psychischen Störungen im Säuglings-, Kleinkind- und Vorschulalter“ die Verhaltenstherapie als evidenzbasiert wirksame Therapiemethode für verschiedene Krankheits- und Störungsbilder dargestellt. In dieser Leitlinie werden darüber hinaus aber auch andere Therapieansätze, insbesondere psychodynamische, aufgeführt, welche im Film „Elternschule“ keine Erwähnung finden. Auch wenn diesem nicht für Fachkreise vorgesehenen Film eine unvollständige, verkürzte und zugespitzte Darstellung von Therapieverfahren zugestanden werden muss, ist die Frage zu diskutieren, ob die Leitlinie das im Film dargestellte klassisch behavioristische Vorgehen tatsächlich abdeckt. Wir vertreten die Ansicht, dass die Leitlinie eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren favorisiert und halten die im Film dargestellte Vorgehensweise für nicht „leitliniengerecht“.

„Unabhängig von der Frage eines „leitliniengerechten Vorgehens“ möchten wir betonen, dass die im Film gezeigte Vorgehensweise, die mit dem Schweregrad der Verhaltensstörungen begründet wird, keineswegs alternativlos ist. Sozialpädiatrische Fachkliniken behandeln an 13 Standorten in Deutschland nach Ausschöpfung ambulanter Maßnahmen, z. B. in den angegliederten Sozialpädiatrischen Zentren, Kleinkinder mit teilweise ausgeprägterer Symptomatik erfolgreich mit einem kombiniert beziehungsorientierten, systemisch und familienzentrierten Ansatz. Entscheidend ist die therapeutische Grundhaltung im Sinne eines wertschätzenden und empathischen klientenzentrierten Umgangs mit den Eltern, ebenso wie mit den Kindern. Zu Einzelheiten verweisen wir auf das Qualitätspapier zur stationären sozialpädiatrischen Behandlung, in dem die Bandbreite im Bereich Struktur- und Prozessqualität dargestellt wird.“

Deutsche Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin e.V.((https://www.dgspj.de/wp-content/uploads/servive-stellungnahmen-film-elternschule-dezember-2018.pdf))

Der Film bzw. das Programm zeigt, wie Eltern ohne Schreien, Schimpfen, Strafen im klassischen Sinne oder Schlimmeres ein funktionaleres Miteinander mit ihren Kindern leben können. Nach außen wunderbar, nach innen – puh.

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… eine Hundeschule

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Cesar, Martin und jetzt Dietmar – tatsächlich laufen in meinem Kopf parallel einschlägige Formate über „Tierflüsterer“ (Hunde, auch Pferde). „Problemtiere“ werden im Laufe der Sendung über konsequentes (Rangordnungs-)Training zu verträglichen und alltagstauglichen Vierbeinern. Zwar bin ich nicht sicher, ob sich wehrende Hunde an der Leine zum Gassigehen um den See gezogen werden, aber wer weiß.

„Die Rangordnung innerhalb der Familie ist von großer Bedeutung. (…) Gehen wir durch die Tür, gehen die Erwachsenen zuerst – und dann die Kinder.“

Frauke Döllekes, „Elternführerschein“-Kooperationspartnerin von D. Langer((in ihrem Buch „Kinder brauchen Wegweiser – 15 Tipps für eine liebevoll konsequente Erziehung“, Selbstverlag 2015, Seite 30, via https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/elternschule-kinderaerzte/))

Einige der im Film erklärten (behavioristischen) Methoden werden jedenfalls so oder ähnlich in der modernen (wie zeitgemäß ist das eigentlich noch?) Hundeerziehung angewendet. Der Hundeführer gilt als Alphatier, das durch bestimmte Handlungstricks seinen Status erlangt oder verteidigt: Zuwendung gibt es nur bei erwünschtem Verhalten (denn Zuwendung bei schlechtem Verhalten würde dessen Belohnung bedeuten). Fressen gibt es nur zu bestimmten Zeiten in bestimmten Mengen für eine bestimmte Zeitspanne, dann wird der Napf weggestellt. Dazwischen gibt es keine Mahlzeiten außer Wasser – ein hungriger Hund ist ein gelehriger Hund. Unerwünschtes Verhalten wird konsequent unterbunden, durch so wenig Aufmerksamkeit wie möglich. Ignorieren, nicht schimpfen. Der Hund schläft nicht im selben Bett. Der Mensch geht zuerst zur oder durch die Tür, der Hund wird zuletzt begrüßt. Der unterlegene Hund schaut bei Blickkontakt zuerst zur Seite, um zu beschwichtigen (ich muss an die Szene mit Anna denken, die von ihrer Mutter mit starrem Blick und am Arm fixiert wird, so dass diese den Blick abwendet und schließlich um Vergebung winselt bettelt). Nackenschütteln und Schnauzengriff z. B. gelten als körperliche Führungserfahrung, um ein Nein durchzusetzen (die Kinder im Film werden natürlich nicht geschüttelt, aber am Arm fest gehalten und hochgezogen sowie bei Wutanfällen – angeblich zum Schutz – zwischen den Beinen gehalten). Pferde werden zunächst ausgepowert, im Kreis gescheucht, um sie zutraulicher zu machen. Der Mensch bestimmt jeden Schritt (während der Arbeitseinheit). Die Körpersprache des Menschen ist essenziell. Das Training beider Tiere erfolgt zum großen Teil nonverbal oder über klare Anweisungen. Etc. pp.

Kommt uns bekannt vor?

So nimmt die gesellschaftlich anerkannte „liebevoll-konsequente Erziehung“ die Kampfhund-Welpen Kinder also an die kürzere Leine oder auch mal an die Kandare, um sie im Zaum zu halten. So niedlich, aber so potentiell gefährlich, besonders wenn sie dann erstmal groß sind. ^^

Übrigens, nicht ganz neu, diese Idee, für Kinder anzuwenden, was auch für Tiere „funktioniert“. Heutzutage auf anderem Niveau, mit entschärften Methoden und Termini, of course.

„Die im 18. und 19. Jahrhundert verbreiteten Vorstellungen von der ‚bösen Kindsnatur‘ oder der notwendigen ‚Abrichtung‘ zeugen von der Vorstellung, Menschen auf ähnliche Weise formen zu können, wie man es als Dressur von Tieren kannte.
»Diese ersten Jahre haben unter anderem auch den Vorteil, dass man da Gewalt und Zwang brauchen kann. Die Kinder vergessen mit den Jahren alles, was ihnen in der ersten Kindheit begegnet ist. Kann man da den Kindern den Willen nehmen, so erinnern sie sich hiernach niemals mehr, dass sie einen Willen gehabt haben.«
Johann Georg Sulzer: Versuch von der Erziehung und Unterweisung der Kinder, 1748

Pädagogik der Aufklärung((https://de.wikipedia.org/wiki/Pädagogik_der_Aufklärung#Einzelne_Elemente_innerhalb_der_Erziehungsphilosophie_der_Aufklärung))

Was wollte ich noch sagen? Ach ja: 

Ein Kind ist kein Hund.

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⎨ Gesellschaft ⎬

… Pessimismus

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Die im Film vermittelte Sicht auf Kinder ist eine pessimistische, wie es in der klassischen Erziehung mehr oder weniger subtil der Fall ist. Behält man „das Kind“ nicht unter Kontrolle, wird es über unerwünschtes Verhalten auf Abwege geraten. Es wird zu etwas Gutem erst erzogen, aus ihm wird etwas gemacht, damit aus ihm etwas wird. Es muss lernen. Es braucht Grenzen. Jedes Bratwurst-Ende Jede Extra-Wurst wird zur Bedrohung. Das tyrannische Kind hält sich als Bild nicht erst seit, aber u.a. dank z. B. Winterhoff((https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Winterhoff, der übrigens auch „ganz dicke“ mit der Elternschule und dem Verein „Allergie- und umweltkrankes Kind“ verbandelt ist. Siehe https://www.allergie-und-umweltkrankes-kind.de/erst-entwickeln-lassen-dann-foerdern/ . Danke an @KJPGehrden für den Hinweis. https://twitter.com/KJPGehrden/status/1136361268095455232)) und nun diesem Film sehr hartnäckig.

„Heute meinen alle, man müsse Grenzen setzen. Das hat für mich so einen halbreligiösen Touch. Kinder brauchen keine Grenzen. Sie haben doch schon überall Grenzen. Was wichtig ist: Jeder Mensch hat seine eigenen Grenzen, die er nach aussen hin wahren muss – auch gegenüber Kindern.“

Jesper Juul((https://www.fritzundfraenzi.ch/erziehung/elternbildung/exklusiv-interview-mit-jesper-juul-teil-2?page=all))
Optimismus

Die bedürfnisorientierte (beziehungs- oder auch bindungsorientierte) Haltung geht hingegen davon aus, dass es sich bei einem Kind von Anfang an um ein gutes, soziales, wohlgesonnenes, kompetentes menschliches Wesen handelt, das sachlich und emotional viel lernt und lernen will (nicht lernen muss!) und dafür Orientierung und Unterstützung braucht (nicht – künstliche – Grenzen!) und zudem eine grundlegende Kooperationsbereitschaft besitzt.

Was als Manipulation und Provokation durch das Kind bezeichnet wird, ist aus meiner Sicht Kommunikation.

Ängste

Der Film unterstützt Ängste: Wird man als Eltern zu nachlässig, zu weich, zu inkonsequent, kann aus dem eigenen Kind ein „Problemfall“, ein „Tyrann“((siehe auch https://geborgen-wachsen.de/2016/04/27/geborgen-wachsen-und-kein-tyrann-geworden/)) werden. Die ersten Anzeichen werden als Beweise gesehen (welches Kind hat diese „Anzeichen“ nicht?).

Über Eltern, die sich um ihre Kinder sorgen, wird im Personalraum und bei den Besprechungen abschätzig geredet.

Plus + oder Minus –

Das Unterbinden, Begrenzen, Wegnehmen, Reduzieren von z. B. Emotionen, Zuwendung und Gegenständen ist ein generell negativ ausgerichtetes Konzept. Unerwünschtes Verhalten wird sanktioniert. Erwünschtes Verhalten bleibt unkommentiert, weil normal. Ein Belohnungssystem wäre hier natürlich ebensowenig angebracht. Vielleicht wird in der realen Therapie mehr Wert auf Hinzugeben von positiven Erlebnissen gelegt als hier im Film zu sehen ist. Da dies jedoch hauptsächlich eine Filmanalyse ist, beurteile ich das hier Sichtbare. 

Das Addieren und Geben kann einen großen Effekt haben in dem, wie das Kind sich richtig und angenommen fühlt. Das wäre eine optimistische Herangehensweise. Manche der im Film gezeigten Eltern scheinen bereits alles gegeben und es dadurch erst richtig schlimm gemacht zu haben (so sagt uns der Film). Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass das, was sie gegeben haben, zwar gut und richtig war, mitunter aber an dem vorbei ging, was das Kind wirklich brauchte, und dass das, was die Klinik bot, eben auch nicht das Richtige war.

Darf alles!?

Bevor Missverständnisse aufkommen: Die optimistische und positive Sicht auf Kinder heißt nicht plump „Prinzessin Darf-Alles“, sondern auch junge Menschen für voll zu nehmen, ihnen Vertrauen zu schenken, ihre Entwicklung positiv einzuordnen und sich auf ihre Sicht einzulassen. Ohne Angst. Einfach: das Beste anzunehmen.

Wunderbare Kinder

Ich vermisse im gesamten Film die Wertschätzung der individuellen Kinder. Die Erkenntnis ihrer Stärken, ihre individuellen Begabungen, ihre winzigen Fortschritte, die Anerkennung ihrer Ängste, die Hervorhebung der Dinge, die sie so wunderbar machen. Weil sie wunderbar sind. Ja, es heißt, sie sind clever, strategisch und schlau – aber in negativer Konnotation. Wie schade. Stattdessen wird auf ihrem Fehlverhalten herumgeritten, der Fokus blendet alles andere aus, denn dies würde die Story stören.

Alltägliche Negativität

Die Angst, der Ärger über bestimmtes Verhalten, der Kampf mit den Kindern, die grundlegend pessimistische Sicht auf Kinder sind so normal und allgegenwärtig((siehe z. B. auch Manfred Spitzer)), dass ich keinen Film dazu brauche. Ein verändertes Denkmuster, die Verkehrung der Negativ-Sehens ins Optimistische an einer Stelle, für die erst sehr wenige einen Blick entwickelt haben, das wäre einen guten Film((Werbung: Crowdfunding für den Film „Die respektierte Kindheit“ https://www.leetchi.com/c/dokumentarfilm-die-respektierte-kindheit-arbeitstitel-42505051)) wert.

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… traditionelle Rollenbilder

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Wir sprachen über verunsicherte Mütter: Ich feiere Felix’ Vater. Er ist der einzig präsente Vater im Film (ein weiterer ist nur bei der Voruntersuchung zu sehen), bricht dafür alle möglichen Regeln, sprengt das System, steht seiner Frau zur Seite, ist total besorgt um seinen Sohn, der winzig in seinen starken Armen wirkt, weint mit, schimpft und zetert, wo seine Frau nicht mehr kann vor Sorge und füttert Felix in aller Stille am Ende des Films. Er pfeift auf die traditionell „männlichen Werte“ und ist einfach so, wie er ist. Wo der Film das „Weiche“, „Hysterische“, über-Emotionale, Unsichere eher den Müttern zuschreibt, sitzt er mittenmang.

Die Filmemacher erklären, dass sie innerhalb des Programms beobachten konnten, dass es hauptsächlich und traditionell die Mütter waren, die „sich mehr verantwortlich fühlen“, „diese Strapazen auch auf sich nehmen“ und bereit seien, auch ihr eigenes Handeln und Denken in Frage zu stellen((https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/journal/regisseur-joerg-adolph-ueber-den-film-die-elternschule-der-kampf-eine-normale-familie-zu-werden/-/id=659282/did=22624056/nid=659282/1zjqvd/index.html)). Die Väter würden dann später eingebunden und nähmen an Seminaren oder Kurzschulungen teil. Gut, wenn es eben so ist, kann man für einen Dokumentarfilm daran nichts ändern. Aber auch das ist Teil des Bildes der Gesellschaft, das der Film zeichnet.

Still Shot: metallene Türgarderobe im (wahrscheinlich) Arztzimmer: eine Reihe Toiletten-Männchen Vater – Kind – Kind – Mutter (ich denke, es waren Vater – Mädchen – Junge – Mutter, jeweils durch Kleidung wie Rock/Kleid und Hose sowie Krawatte (?) stilisiert), halten sich an den Händen, am „Vater“-Männchen hängt ein Stethoskop.

Hallo, Rosa-Hellblau-Falle((https://rosa-hellblau-falle.de)) und Vorschlaghammer auf die „richtige“ traditionelle Familie.

Siehe auch Pink stinks.

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… Rückständigkeit

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Betrachtet man die Ursprünge des Gelsenkirchener Behandlungsverfahrens((http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-39613469.html)), wird deutlich, wie wenig zeitgemäß diese Methodik nur sein kann. Diese im Film als moderne und zugleich bewährte Lösung für ein dem Zeitgeist geschuldetes Problem darzustellen, ist regelrecht absurd. Seinen Ursprung zu ignorieren und eine Beschäftigung damit als unnötig zu empfinden( siehe FAQ der Filmwebsite http://www.elternschulefilm.de/faqs/)), ist höchst unprofessionell. Dieses Verfahren ist – auch wissenschaftlich – umstritten.

GNTM GNM

Langers Vorgänger, Ernst August Stemmann((https://www.psiram.com/de/index.php/Ernst_August_Stemmann)), entwickelte das Verfahren auf Basis bestimmter Aspekte der (Germanischen) Neuen Medizin nach Ryke Geerd Hamer (Pseudowissenschaftler), die besonders in der rechtsextremen Szene verbreitet ist. Langer nahm schließlich Anpassungen vor und bietet es auf dieser Grundlage als die Therapie an, die wir hier im Film sehen. Dass sich seit über 20 Jahren nicht viel geändert hat, sehen wir an den alten Lehrvideos.

Bereits 2005 erschien eine Reportage((„Hilfe! Mein Kind macht mich fertig! – Erziehungskurse für verzweifelte Eltern“ MDR 2005 http://bluetandem.de/produktionen_3.htm)) unter anderer Regie mit Stemmann als Oberlehrer Abteilungsleiter und ansonsten wohl recht gleichen Protagonisten – u.a. einer weiteren jüngeren Variante des Herrn Langer. Diese Doku scheint viel Wiedererkennungswert zu haben, wenn man den Film Elternschule kennt.((siehe https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/elternschule-wer-hat-die-filmrollen-vertauscht/))

Ein haariges Thema

„Fange nur ja nicht an, das Kind aus dem Bett herauszunehmen, es zu tragen, zu wiegen, zu fahren oder auf dem Schoß zu halten, es gar zu stillen. Das Kind begreift unglaublich rasch, dass es nur zu schreien braucht, um eine mitleidige Seele herbeizurufen und Gegenstand solcher Fürsorge zu werden. Nach kurzer Zeit fordert es diese Beschäftigung mit ihm als ein Recht, gibt keine Ruhe mehr, bis es wieder getragen, gewiegt oder gefahren wird – und der kleine, aber unerbittliche Haustyrann ist fertig!“

Johanna Haarer((aus „Die (deutsche) Mutter und ihr erstes Kind, Johanna Haarer, via spektrum.de https://www.spektrum.de/news/paedagogik-die-folgen-der-ns-erziehung/1555862?fbclid=IwAR1DOfwVbAgQcdrjV_tvlcNw_O98QN5qDF6yUpwKQQK5sITWMhF4bPht0Rg))

Eine gewisse Sicht auf Kinder und Ratschläge, z. B. dem Kind weniger Zuwendung zu schenken (es nicht zu „verhätscheln“), um es nicht zu unerwünschtem Verhalten kommen zu lassen, sind in der deutschen Gesellschaft leider tief verankert und omnipräsent. Belege und Ursachen für diese Denkweise, die sich so hartnäckig hält, findet man in den Inhalten des Buches „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ (1934) bzw. dessen Neuauflage „Die Mutter und ihr erstes Kind“ (1987) von der Influencerin (Lungen-)Ärztin Johanna Haarer, das als Erziehungsratgeber im Dritten Reich auf Basis der nationalsozialistischen Ideologie herausgegeben wurde und die Erziehung der Generationen vor uns prägte.

„»Unter Analytikern und Bindungsforschern ist das schon lange ein Thema – in der Öffentlichkeit wird es ignoriert«, sagt Klaus Grossmann, der zuletzt an der Universität Regensburg forschte und bereits in den 1970er Jahren Studien zu Mutter-Kind-Bindungen durchführte. Dabei konnte er im Labor immer wieder Szenen wie diese beobachten: Ein Baby weinte. Die Mutter ging auf das Kleine zu, doch kurz bevor sie bei ihm war, stoppte sie. Obwohl nur wenige Meter weiter ihr Kind schrie, machte sie keine Anstalten, es hochzuheben oder zu trösten. »Wenn wir die Mütter fragten, warum sie das taten, sagten sie: Sie dürften das Kind ja nicht verwöhnen.«“ 

Anne Kratzer(( https://www.spektrum.de/news/paedagogik-die-folgen-der-ns-erziehung/1555862?fbclid=IwAR1DOfwVbAgQcdrjV_tvlcNw_O98QN5qDF6yUpwKQQK5sITWMhF4bPht0Rg))

Gesellschaftlich eingebürgerte Überbleibsel wie das Füttern((https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/10/die-erziehung-unserer-grosseltern-und-eltern-beikost-und-ordentlich-essen.html)) oder das Schlafen((https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/06/die-erziehung-unserer-groeltern-und.html)) nach Plan, die bewusste Trennung von Mutter und Kind und das Schreienlassen((https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/06/die-erziehung-unserer-groeltern-und.html)) um das Kind zu trainieren, sich selbst zu beruhigen, führen u.a. auch in diese dunkle deutsche Vergangenheit zurück.

„Womit man ziemlich schnell in Teufelskreise gerät – und das kennen wahrscheinlich alle Eltern – ist, wenn man kleine Fehler immer wieder macht. Also z. B. immer wieder reingeht, wenn das Kind nicht einschlafen kann und immer wieder tröstet und immer wieder Aufmerksamkeit schenkt auf diese Aktion hin.“

Ralf Bücheler, Regisseur Elternschule((https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westart/video-regisseur-ralf-buecheler-zu-gast-bei-westart-100.html))

„Es hat uns ja auch nicht geschadet“

Nun frage ich mich, warum wir einen Film brauchen, der eine Methodik vorstellt, die solche Verbindungen zur (Germanischen) Neuen Medizin aufweist, und der sich an Werte anlehnt, die wir für eine moderne Welt langsam ganz schnell hinter uns lassen sollten? Da wir weltweit auf politischer Ebene aus liberaler Sicht weit zurückgeworfen wurden, verwundert es mich weniger als dass es mich ärgert. Dass der kulturelle Apparat, die Filmschaffenden, die Filmfestival-Verantwortlichen, die Jurys der Filmpreise, die Programmkinos und auch ein eigentlich eher weltoffen eingestelltes Publikum ein so wenig liberales, so rückwärtsgewandtes Projekt kreieren bzw. unterstützen, erstaunt und bestürzt mich hingegen sehr.

Dem nicht informierten Publikum und möglicherweise den Filmemachern selbst ist diese Parallele wahrscheinlich nicht bewusst gewesen. Im Nachhinein scheint es den Befürwortern des Films trotz vorhandener Informationen und Kritiken weiterhin nicht relevant zu sein.

Selbst wenn man diese Faktoren ausblendet, bleibt der unspektakuläre und – irre ich mich? – nicht mehr ganz zeitgemäße rein behavioristische Ansatz, der nicht nach dem Warum fragt((siehe auch https://www.mini-and-me.com/gewalt-kindererziehung-fehlverhalten-und-empathielosigkeit-im-kompetenzkittel/)) und seit nunmehr hundert(en) Jahren das Verständnis von Erziehung geprägt hat und noch prägt. Und – am Rande – was ist mit dem Bild der Mütter, das der Film darstellt, mit dem Blick auf die traditionelle Familie mit traditionell verteilten Geschlechterrollen?

Das ist sooo Achtziger!

Der Film wirbt für Erziehungsformen um die Therapiemethoden herum, die viele längst als nicht mehr zeitgemäß erkannt haben. Es geht um die alten Werte, die durch ein altbewährtes Konzept, das sich seit 30 Jahren nicht ernsthaft verändert hat, fortgetragen werden. Der Film vermittelt ein längst überholt gedachtes Bild von Kindern in der Gesellschaft.

Bis in die 1990er Jahre war die Anwendung der „Schwarzen Pädagogik“((siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_Pädagogik)) toleriert, ein entsprechendes Gesetz wurde erst im Jahr 2000 verankert und ist somit gar jünger als die berüchtigten Lehrvideos im Film. 

„In ihrem Mittelpunkt stand die Idee, dass der Mensch in „Wildheit“ geboren sei und durch Erziehung zu einem Wesen der Vernunft herangezogen werden müsse.“

Pädagogik der Aufklärung((https://de.wikipedia.org/wiki/Pädagogik_der_Aufklärung))

Der dunkelgraue Schatten vergangener Ideen und Gewohnheiten liegt auf diesem Film (siehe auch Gehorsam). Er zeigt möglicherweise gesellschaftliche Gegenwart, aber hoffentlich nicht Zukunft.

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… eine Gesellschaft

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Der Film, u.a. mit 60.000 € vom Bundesministerium für Kultur und Medien(( BKM [de] – Produktionsförderung: 60.000 € (09/2016), DFFF Deutscher Filmförderfonds [de]: 41.600 €, FilmFernsehFonds Bayern [de] – Produktionsförderung: 60.000 € (10/2016) via https://www.crew-united.com/de/projekte/displayProjectdata.asp?IDPD=221418#!&tabctl_15249142_activeTab=1189721449)) gefördert, wird bundesweit in den Kinos gezeigt, als DVD ausgewertet und ist für die Fernsehausstrahlung vorgesehen. Es handelt sich um einen gesellschaftlichen Beitrag, der etwas über die Gesellschaft aussagt und etwas für die Gesellschaft bietet.

„Hier wird nicht nur die Krankheit des Kindes, sondern das gesamte Beziehungsgeflecht der Familie unter die Lupe genommen. Ein Gesellschaftsbild in Klinikräumen: Wie geht gute Erziehung?“

Pressemitteilung 331 der Bundesregierung((https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/staatsministerin-fuer-kultur-und-medien-gruetters-foerdert-dokumentarfilmvorhaben-mit-795-000-euro-404924))

Was kann also einer Empathiewüste der deutschen Gesellschaft zuträglicher sein als ein Film über das systematisch konsequentere Durchgreifen und die Reduktion empathischen Handelns gegenüber Kindern, um ihre Funktionalität in der Gesellschaft Familie weiterhin zu gewährleisten? Oh. Wait.

„Ohne Kommentar und geduldig beobachtend entwerfen Adolph und Bücheler auf diese Weise auch das Bild einer Gesellschaft, die im Umgang mit ihren Kindern fundamental verunsichert ist.“

Filmdienst((https://www.filmdienst.de/film/details/562010/elternschule#kritik))

Die Angst vor Verweichlichung („Kuschelpädagogik“) und „unkontrollierbaren“ Kindern und Jugendlichen mündet in die Verrohung der Gesellschaft (siehe Härte). Wie rückständig ist das, bitte? Der Film zeigt die alten Werte im neuen angestaubten Gewand einer VHS-Kassette.

Was brauchen wir denn wirklich? Menschlichkeit, Miteinander, Mitgefühl, Verbindung, Kreativität, freies Denken, Frieden, bedingungslose (!) Liebe und emphatische Beziehung zu unseren Kindern, würde ich sagen. 

Was lernen wir durch den Film? Das außer Kontrolle geratene Kind als Gefahr für die Gesellschaft. Der Stärkere gewinnt, Macht setzt sich durch, Regeln sind unumstößlich, Kritik am Alphatier ist nicht erwünscht, Kinder sind potentiell Tyrannen, Anpassung ist gut, Liebe und Zuneigung sind an Bedingungen geknüpft. Hierarchien und Autorität als Nonplusultra. Das Individuum mit seinen spezifischen Merkmalen zählt nicht, es geht nur um das System, das ein bestimmtes Weltbild vertritt.

Die Klinik steht stellvertretend als Mikrokosmos einer Gesellschaft, die mir zunehmend Sorgen bereitet.

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⎨ Schluss ⎬

… Gefahr

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Für Kinderrechte & die Gesellschaft

Sehr viele Menschen machen in mühsamer und schwerer Arbeit – denn unsere Gesellschaft ist da noch recht zäh – auf die Rechte von Kindern zu deren Schutz aufmerksam, klären auf und bieten alternative Wege für klassische bzw. strukturell dysfunktionale Systeme. Der Film torpediert diese Bemühungen und vermittelt ein rückständiges Bild. 

Sätze wie „Kinder müssen Führung körperlich spüren“ bieten je nach Standpunkt einen breiten Interpretationsspielraum. Wo soll das hinführen?

Für die Wissenschaft

Die Verbindung zur (Germanischen) Neuen Medizin finde nicht nur ich – auch in angeblich überarbeiteter Version – höchst bedenklich. Dass Langer bzw. Stemmann die pseudowissenschaftlichen Theorien adaptiert und weniger korrigiert als vielmehr ausgeweitet haben, um diese als „moderne Wissenschaft“ zu verkaufen, nicht minder.

Für jedes Kind

Für jedes einzelne im Institut behandelte Kind besteht die Gefahr, ein Trauma zu erleiden. Das ausschließlich behavioristische System, das auf diese Kinder angewendet wird, ohne Rücksicht auf Gefühle, Persönlichkeit, Diagnose (Detail) und Kontext, auf persönliche Grenzen und die Integrität der Kinder, kann (und wird) sich fatal auswirken.

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… einen kulturellen Beitrag

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…, der mich weit mehr als nur enttäuscht hat.

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… keine Bereicherung

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Wirklich nicht. 

Filmisch solide, aber unspektakulär, langatmig, plakativ und mit Hang zum Kitsch, trägt dieser Dokumentarfilm zu einer Sicht auf Kinder bei, die bereits ewig und drei Tage vorherrscht und längst ad acta gehört.

Die Innensicht der Klinik-Abteilung und des Therapieprogramms mag schockierend interessant sein und DEN Zaubertrick Lösungsansatz für viele Probleme des aktuellen Zeitalters hoffnungslose Fälle vorführen. Mit der Möglichkeit im Hinterkopf, dass dies alles vielleicht aber gar nicht so brillant ist, wie es scheint, ist zumindest bei der Hälfte des Publikums die Rezeptionsfreude getrübt. Die andere Hälfte bestaunt sehr wohl die Umwandlung der kritischen und aussichtslosen Ausgangslage in so etwas wie Normalität.

Der Unterhaltungswert wird mit flotten Sprüchen, bissigen Kommentaren, auch visuellen, Witzen auf Kosten der Kinder und der Darstellung ihres absurd verzerrten Verhaltens aufrecht erhalten, doch auch hier lacht nur das halbe Kinopublikum.

Das schrille Schreien von Kindern über Minuten, die wutverzerrten Gesichter, Mittelfinger zeigende, wütende und sich übergebende Kinder als Trigger für emotionale Regung beim Publikum einzusetzen, nehme ich als Taschenspielertricks wahr. Clever. Effektiv. Billig.

Als Zuschauer:in lerne ich: konsequent bleiben, bestimmen, wo es lang geht und jeden Konflikt im Keim ersticken, statt mich darauf einzulassen, macht den Alltag mit (problematischem) Kind friedlicher. Das ist die wohl simpelste Lösung. Nicht quatschen, machen.
Nicht jeder Konflikt kann und sollte durchdiskutiert werden, dazu sind kleine Kinder ja auch noch gar nicht in der Lage. Aber ihren Standpunkt und ihr echtes Bedürfnis zumindest zu versuchen wahrzunehmen und auf der Grundlage empathisch zu entscheiden, sehe ich schon als das Mindeste an, egal wie jung oder alt das Kind ist.

Die Darstellung einer Heldenfigur, die – wie ich finde – altbackene (pseudo)wissenschaftliche Grundlagen als moderne Zaubertricks((https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/journal/regisseur-joerg-adolph-ueber-den-film-die-elternschule-der-kampf-eine-normale-familie-zu-werden/-/id=659282/did=22624056/nid=659282/1zjqvd/index.html)) verkauft, braucht die deutsche Empathie-Wüste Filmlandschaft einfach nicht.

Mein Mitgefühl – und sicher auch das aller anderen Zuschauer:innen – gilt selbstverständlich den Kindern und Eltern. Wir sehen ihre schwierige Lage, fiebern mit ihnen mit und hoffen, dass sich das Blatt zum Guten wendet. Wir freuen uns, dass die Kinder zuletzt wieder Nahrung zu sich nehmen, doch ich wünschte, sie hätten den Preis des in meinen Augen harten und moralisch nicht einwandfreien Weges nicht zahlen müssen, hätten sie doch einen würdevolleren Weg verdient. Ich hätte mir einen Film gewünscht, in dem gezeigt wird, wie ein Zusammenfinden auf Beziehungsebene, im Sinne des Kindes, stattgefunden hätte, denn ich bin mir ganz sicher, dass für die Familien auch andere, empathischere Wege möglich gewesen wären.

Macht Filme, die dieser Welt gut tun. Seid bissig, sarkastisch, komponiert starke Bilder, poetische Erzählungen, macht Fiktion, Dokumentation, zeigt Liebe, Hass, Gefühle oder nicht, Gewalt oder nicht, erzählt es leise oder laut, … völlig egal. Aber gebt Acht, auf wessen Kosten ihr arbeitet.

… und eine verpasste Chance

Ich hatte gehofft, versteckte Geheimbotschaften zu finden (wie z. B. die abbrechende Kreide als Symbol des Scheiterns an der Grenze oder das Schmetterlingsnetz als kritischen Hinweis auf den Umgang mit zerbrechlichen Wesen), und hätte ich den Film gesehen, ohne von den Kinotouren zu wissen, ohne die Statements der Filmemacher und ihre Positionierungen gehört zu haben, ohne weiteres Publikum: ich hätte gemeint, sie hätten den Film gemacht, um ganz subtil die Methoden der Klinik auffliegen zu lassen. Als hätten sie sich eingeschleust, beste Absichten vorgetäuscht, um die Drehgenehmigung zu bekommen, um dann den Coup des Jahrhunderts zu landen. Die überhobene Darstellung des Herrn Langer, die kitschigen Elemente, die verkappte Gewalt, die geschmacklosen Scherze – all das, was beim reflektierten Publikum natürlichen Widerstand auslöst – … das kann doch nicht ernst gemeint sein. Maximal ein sarkastischer Hoax, Satire oder eine Art „Krieg der Welten“.

Das Publikum wäre die Hände über dem Kopf zusammenschlagend aus den Kinos gegangen und hätte alle Hebel in Bewegung gesetzt.

Es kam anders: Ein Großteil der filmkulturellen Gesellschaft und der Rezipient:innen wertschätzen den Film und – schlimmer noch – die gezeigten Methoden. Man sieht keinen Grund zur Intervention.

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… Alternativen

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„Nach dem Wickelkurs hört’s auf“

Ralf Bücheler, Regisseur Elternschule((https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westart/video-regisseur-ralf-buecheler-zu-gast-bei-westart-100.html))

Im Interview bewirbt Ralf Bücheler seinen Film mit dem Bedauern, dass man das Elternsein an sich nicht lernen könne und dass es keine weiterführenden Kurse für Eltern gebe. Wenngleich er einen „Elternführerschein“ nicht befürworte, bestätigt er doch die Seminaranteile des therapeutischen Programms als empfehlenswertes Format für Eltern, die etwas über gute Erziehung lernen wollen. Genau diese bietet Dietmar Langer separat an – unter dem Titel „Elternführerschein“.

Es gibt glücklicherweise durchaus zunehmend Kurse und hochwertige Literatur für eine beziehungsorientierte Elternschaft. Das unbedenkliche Patentrezept, das Herr Bücheler aber meint, gibt es hingegen nicht.

„Noch einmal: das sind keine Wege, auf denen man schnell mal das Kind ändert. Schnelle „Erfolge“ bei schweren Beziehungsproblemen lassen sich nur durch den autoritären Durchgriff erreichen – indem das Kind gefügig gemacht wird. Und das ist auch der bis zum bitteren Ende skizzierte Weg in diesem Film.“

Dr. Herbert Renz-Polster((https://www.kinder-verstehen.de/aktuelles/elternschule-so-geht-erziehung/))

Im Folgenden zitiere ich alternative Anlaufstellen für akute Krisen und präventive Beratung. Eltern sollen, dürfen und müssen sich trauen, nach Hilfe zu fragen. Sie sind nicht allein und werden nicht verurteilt. Zusätzlich weise ich auch darauf hin, dass schwerwiegende Probleme in einem dreiwöchigen Programm, das auf Beziehung und Ursachentherapie setzt, kaum fertig behandelt sind. Dennoch lohnt es sich meines Erachtens, sich sofort Hilfe zu suchen und einen ggf. längeren Weg mit sanftem Beistand zu wählen. Außerdem: Auch das Gelsenkirchener Programm ist wohl kaum während des reinen Klinikaufenthalts abgefrühstückt.((„In drei Wochen können Sie einen Menschen nicht ändern. Also, die Verhaltensänderungen bei täglichem Training, da brauchen wir ein Jahr zu.“ Ernst August Stemmann in der Reportage „Hilfe! Mein Kind macht mich fertig! – Erziehungskurse für verzweifelte Eltern“ MDR 2005 via https://www.kinder-verstehen.de/wp-content/uploads/SWR_Film_2005_Teil_Transkript.pdf))

Must see

Zunächst aber mein Herzenstipp zum Thema psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Wertschätzend, unterhaltsam und feinfühlig, wie ich es mir nur wünschen kann:

Die Sendung mit der Maus Spezial((https://www.wdrmaus.de/extras/mausthemen/unsichtbare_krankheit/index.php5))

Quelle: Die Rabenmutti

Überregionale Hilfestellen
Regionale Hilfe

Anmerkung: Diese Liste hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und kann jederzeit ergänzt werden. Es handelt sich hierbei um persönliche Empfehlungen. Ich habe darauf geachtet, dass eine grundsätzliche bindungsorientiere Haltung vorhanden ist.“

Quelle: Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn

[…]

[…]

  • „Bei noch schwierigeren Fällen, wo ein Klinikaufenthalt für das Familiengefüge am besten ist, könnt ihr euch an die Ulmer Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie wenden. Die Elterntrainings, die dort angeboten werden, basieren auf Videofeedback. Anhand von gefilmten Interkationen zwischen Eltern und Kind wird den Eltern hinterher erklärt, wie sie sich anders verhalten hätten können. Vor allem werden gelingende Momente, die es in jeder Familie gibt, bei den Feedbacks hervorgehoben. Auch die Abteilung für Kinderpsychosomatik im Dr. von Haunerschen Kinderspital am Klinikum München arbeitet bindungsorientiert und erreicht Erziehungsziele, ohne den Kindern oder Eltern Angst zu machen.“

Meine persönlichen Empfehlungen (regional)

Wird bei Bedarf ergänzt.

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