Ich sehe was, was du nicht siehst | Teil 1 – #Elternschule

Eine (sehr) kritische Analyse des Films Elternschule

Vorwort

Polfilter

Wer hat die Filmrollen vertauscht?“((https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/elternschule-wer-hat-die-filmrollen-vertauscht/)) fragt der Kinderarzt und Wissenschaftler Dr. Herbert Renz-Polster. Niemand, natürlich, aber die kontroverse Debatte um den Film Elternschule zeigt deutlich, dass der Film diametral entgegengesetzt wahrgenommen wird. Die einen sehen einen kulturell wertvollen Beitrag über Gesellschaft, Elternschaft und Therapie, die anderen zeigen sich entsetzt über das Bild des Kindes im Allgemeinen, das dieser Film zeichnet. Ich gehöre zu „den anderen“ und möchte mit dieser Analyse Einblicke geben, was die Filmemacher dem Publikum – bewusst oder unbewusst – eigentlich erzählen, was ich sehe, wie ich den Film lese und warum ich bestimmte Dinge vielleicht anders wahrnehme als andere.

Es ist ein bisschen wie mit diesen Polfiter-Brillen: passen gesendete Information und Polarisierung nicht zusammen, bleibt der Filmgenuss aus. Während die einen den anderen vorwerfen mögen, die Brille falsch herum aufgesetzt zu haben, sage ich (Spoiler!), dass der Film vergisst, den zweiten Kanal zu bespielen. Das kann man drehen und wenden wie man will – es bleibt zweieindimensional.

Eyes wide shut open

Ich sehe den Film mit meinen Augen. Mit wessen auch sonst? Als Kommunikationsdesignerin (Dipl.-Des.) bin ich daran interessiert, das Zusammenspiel von Technik, Inhalt und rezeptivem Kontext zu untersuchen und auf rationaler wie emotionaler Ebene in Wirkung und Wahrnehmung zu reflektieren. Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wissenschaftliche Korrektheit oder journalistische Neutralität, dafür sind andere Expert:innen zuständig. Im Zuge der inhaltlichen Analyse beschäftige ich mich jedoch selbstverständlich mit den vermittelten Theorien und Hintergründen, um zu erkennbaren Motiven, Relevanz oder Wirksamkeit interpretative Aussagen treffen zu können. Im Endeffekt ist dies ein Blogartikel mit einer ausführlichen und möglichst logisch belegten Herleitung meiner – als Rezipientin – persönlichen und fachlichen Wahrnehmung ((Ich verkaufe nichts, bekomme kein Geld für meine Meinung oder Verlinkungen, brauche keine Reichweite und möchte keine Werbung für irgendwas machen. Die externen Links sind meine kontextbezogenen Informationsquellen und beziehen sich auf Projekte oder Personen, die beispielhaft meine Haltung (und die vieler anderer), teilen und verkörpern. Die Empfehlungen zu alternativen Angeboten sind als Beleg für die Existenz anderer Angebote und als Hilfestellung für Rat suchende Eltern gedacht. Ich gehöre keiner Sekte an und bin weder „Anhänger von …“ noch eine Aktivistin. Ich besitze einfach eine grundlegende Haltung (Perspektive), die ich so gut es geht in mein Leben integriere. Dieser Text entstand aus meinem moralischen Pflichtgefühl heraus, als Herzensangelegenheit. Ich nehme dafür in Kauf, es mir mit einer Branche zu verscherzen, die mir eigentlich sehr am Herzen liegt und die ich keinesfalls schädigen möchte, weil sie sehr wertvoll ist.)). Kurz gesagt: ich protokolliere hier, was mir während der Rezeption des Films und dadurch ausgelöst durch den Kopf geht. Diese „Materialsammlung“ ist umfangreich geraten. Nehmt euch heraus, was ihr für wichtig erachtet.

Den Film habe ich im Oktober 2018 zweimal als Kinovorführung angeschaut und so viele Details wie möglich protokolliert. Dennoch ist es möglich, dass sich kleinere Fehler in der Wiedergabe des Inhaltes oder der Handlung einschleichen. Dafür bitte ich ggf. um Vergebung und einen kurzen Hinweis.

Übersicht & Lese-Hinweise

Dieses Pamphlet umfasst fünf Kapitel (I – V) in drei mehrseitigen Beiträgen (Teil 1 – Teil 3).

Teil 1:

  • Das I. Kapitel gibt eine möglichst wertneutrale Übersicht über die Elemente, die ich Form & Struktur des Films zuordne.
  • Im II. Kapitel lege ich die durch den Film vermittelten Inhalte dar, also die Fallbeispiele und Theorien des Programms, welche gemeinsam die inhaltliche Struktur des Films ausmachen. Hierzu gebe ich erste Hinweise, wie sich Diskrepanzen zwischen Darstellung und meiner Wahrnehmung ergeben.

Teil 2:

  • Im III. Kapitel beschreibe ich interpretativ und assoziativ, was genau ich innerhalb des Filmes und zwischen den Bildzeilen sehe. Form, Inhalt, Recherchen und meine Haltung bilden die Grundlage für meinen Rant meine Meinung in 62 Akten – zugegeben, nicht ganz frei von Polemik. 
    Die einzelnen Abschnitte können prinzipiell separat betrachtet und müssen nicht chronologisch gelesen werden. Den Text habe ich aus- und einklappbar gestaltet (↧/↥). Dadurch entstehende Wiederholungen bestimmter Motive bitte ich zu entschuldigen.

Teil 3:

  • Wer abkürzen möchte, findet im Fazit in Kapitel IV eine Zusammenfassung sowie meine persönliche Quintessenz.
  • Eine Linksammlung zu allen meine Theorie stützenden Beiträgen befinden sich in Kapitel V.

Anmerkungen zum Text gibt es in den Fußnoten((Beispiel Fußnote)). Diese werden beim Drüberfahren (hover) eingeblendet sowie am Ende der Seite angezeigt (Sprungmarken, klick). Mit dem Pfeil nach oben ↑ gelangt man zurück zur entsprechenden Textstelle.

Die Navigation ist für die nicht-mobile Darstellung optimiert. In der Desktop-Version (Laptop, PC etc.) gibt es ein mitscrollendes Inhaltsverzeichnis zur einfacheren Navigation zwischen den Kapiteln. Hält man das Mobilgerät quer, sollte die Seitenleiste auch dort zu finden sein, allerdings (aktuell noch) statisch.

Warnung

Da ich mich sehr detailliert am Film orientiere für diesen Text, spreche ich folgende Warnungen aus:

Spoiler-Warnung

Um filmische und inhaltliche Rückschlüsse plausibel zu erläutern, muss ich Szenen, Inhalte und Zusammenhänge ausführlich wiedergeben. Diese kommentiere ich kritisch aus meiner Sicht. Wer sich vorab ein unabhängiges Bild machen möchte, sollte diesen Text ggf. nicht zuerst lesen.

Trigger-Warnung

Aufgrund der detaillierten Beschreibung von Handlung und Inhalt sowie interpretativen Rückschlüssen besteht Trigger-Gefahr.
CN: Psychische und physische Grenzüberschreitung/strukturelle Gewalt/Zwang gegenüber Kindern; Machtmissbrauch ggü. Kindern; leidende Kinder

Eckdaten

Elternschule
Dokumentarfilm von Jörg Adolph & Ralf Bücheler

„Wie gehen wir richtig mit unseren Kindern um – und mit uns selbst? Wie „ticken“ Kinder? Was brauchen sie von uns Erwachsenen – und was nicht?
Für Antworten auf diese und viele weitere Fragen begleiten wir Kinder und ihre erschöpften Eltern durch ihre Zeit in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen, Abteilung „Pädiatrische Psychosomatik“.
Hier lernen die Eltern ihre Kinder neu kennen – und finden oft erst hier heraus, wie das geht: Gute Erziehung.“

Synopse auf der Klinik-Website((https://www.kjkge.de/Inhalt/Aktuelles_Presse/_Presse_Meldungen/_Dokumentarfilm_Elternschule.php))

Regie: Jörg Adolph, Ralf Bücheler
Kamera: Daniel Schönauer
2. Kamera: Jörg Adolph, Dietmar Langer
Schnitt: Anja Pohl
Musik: Spiritfest
Produktion: if… Productions
Produzent: Ingo Fliess
Verleih: Zorro Film
Produktionsland/-jahr: Deutschland 2018
Sprache: deutsche Originalfassung
FSK: 12
Länge: 120 min.

Elternschule war nominiert für den deutschen Filmpreis 2019 (Bester Dokumentarfilm) sowie für den Preis der deutschen Filmkritik.

Produktionsbedingungen

Eltern, die zu den Drehzeiträumen einen Aufenthalt in der Klinik geplant hatten, seien vorab über die Dreharbeiten informiert worden und es sei ihnen freigestellt gewesen, einen anderen Termin zu buchen.

„Das war die anspruchsvollste Dokumentarfilmarbeit, die ich bisher verantwortet habe, weil wir so sensibel sein mussten. Wir haben mit allen ausführlich gesprochen, Therapeuten, Medizinern, Klinikpersonal und vor allem mit den Eltern. Wir haben Drehzeiträume definiert, drei mal drei Wochen, in denen wir stationäre Therapieabläufe begleiten konnten. Und haben auch die Nachbehandlung, die sich ja über Wochen und Monate erstreckt, gedreht. Alle Eltern wurden vorher gefragt, ob sie etwas dagegen hätten, wenn wir drehen, und sie haben ihr Einverständnis gegeben. Während des Drehs waren wir immer hellwach und vorsichtig, um die Persönlichkeitsrechte zu wahren und dem Einzelnen gerecht zu werden.“

Ingo Fliess, Produzent ((https://www.fff-bayern.de/fileadmin/user_upload/Film_News_Bayern/PDF_web_Film_News_Bayern/FFF_FN_04-2018_web.pdf#page=24))

Wenn Eltern böse in die Kamera schauten, wurde wohl der Dreh abgebrochen und das Material nicht verwendet. 

Screening 

Mit Notizbuch, Stift, Knicklicht und dem Bild einer 100 Jahre alten Eiche im Kopf (und Körper) – mich kann nichts umwerfen, ich habe schon alles gesehen ((Danke, Kathrin! <3)) – bin ich in unser hiesiges Programmkino gegangen und habe hoch konzentriert während des Films alles erfasst, was mir möglich war. Ich blieb emotional entkoppelt und konnte mich gut auf die Sachebene konzentrieren, auch wenn mich bestimmte Stellen sehr berührt haben und ich vielleicht auch ab und an mal fluchen musste. Mein Hauptfokus blieb jedoch die filmische Darstellung der erzählten Inhalte.

Zum zweiten Mal sah ich den Film eine Woche später, um bestimmte Lücken in meinen Notizen zu füllen und noch mehr Details sachlich aufzunehmen.

Der Kinosaal mit 91 Plätzen war bei meinem ersten Screening zu etwa 3/4 besetzt, beim zweiten noch etwas mehr. Das Publikum: auf den ersten Blick kulturell interessierte Menschen, eine Schwangere, mehrere Personen um die 60, die sich dort zur sozialen Unternehmung trafen und Sekt tranken, eine junge Frau mit ihrer männlichen Begleitung, die nach dem Film auch in Diskurs über die Inhalte gingen, wahrscheinlich einige Eltern und im Ganzen ein ganz normales Publikum für dieses Programmkino.

… und … bitte!

[nextpage title=“I. Form & Struktur“]

Genre

Beim Film Elternschule handelt es sich um einen Dokumentarfilm, also um einen Film, der – im Gegensatz zu einer fiktionalen Produktion – reale Begebenheiten erzählerisch dokumentiert. Es besteht ein Anspruch auf Authentizität. Im Gegensatz zur Dokumentation oder Reportage ist hier jedoch keine neutrale Gegenüberstellung verschiedener Ansätze notwendig bzw. erwünscht. Der Film verfolgt keinen sachlich-deskriptiven Ansatz. Die Filmemacher beziehen Position, erzählen aus einer bestimmten (gewählten) Perspektive heraus. Sie betonen (siehe FAQ der Film-Website), eine beobachtende Position eingenommen zu haben. Eine „Mäuschendoku(( https://www.filmjournalisten.de/2018/10/11/elternschule/?fbclid=IwAR12dlinfmQ1ROrJ5VEELAevCo8durrRjEWG0FtnZOMeVEkXNqvaV6GAGMM))“, welche die Kamera direkt auf das Geschehen hält. Was das Filmen des Footage angeht, gehe ich davon aus, dass sie tatsächlich im großen Ganzen in ihrer Anwesenheit als Filmteam so wenig wie möglich in das Geschehen vor Ort interveniert haben, auch wenn es beim Dokumentarfilm nicht unüblich ist, in die Wirklichkeit einzugreifen. Das Endprodukt als Komposition von Sequenzen, Bildstilistiken, Ton etc. erzählt als Film jedoch nicht wertfrei. Im Gegenteil: der Film erzählt bewusst eine Geschichte und interpretiert die Realität auf seine Art. Dieses Vorgehen möchte ich im Folgenden näher erläutern.

Hier((https://villa-kalimba.de/2018/10/20/dokumentarfilm-ethik/)) beschreibe ich, warum nichts, was im Film landet, Zufall ist und welche Verantwortung die Filmemacher tragen. Es wird sehr bewusst entschieden, was (von den in diesem Fall bis zu 200 Stunden Rohmaterial) wie und warum an welcher Stelle auftaucht oder weggelassen wird.

Plot

Eltern mit Kindern, denen eine sogenannte Regulationsstörung attestiert wurde, durchlaufen in der Kinderklinik Gelsenkirchen Buer eine dreiwöchige Verhaltenstherapie, die auf „Ess-Training“, „Schlaf-Training“ und „Trennungstraining“ als Methoden zurückgreift. Kinder, die nicht essen, sich aggressiv verhalten, nicht allein ein- oder durchschlafen sowie oft und lange schreien, werden in diesem Programm behandelt, ihre Eltern für einen sogenannten „liebevoll-konsequenten“ Umgang mit ihren Kindern trainiert. Die Eltern sind verzweifelt, weil ein normaler Alltag für sie als Familie aktuell und teils seit Jahren nicht möglich ist. Der Diplom-Psychologe Dietmar Langer führt als leitender Therapeut im Laufe des Films anhand verschiedener Fallbeispiele vor, auf welchen Annahmen das „System Kind“ fußt, wie seine Methode zum Erfolg führt und Familien wieder einen normalen Alltag bescheren kann.

Setting

Die Handlung findet fast ausschließlich in den Räumen der Station Pädiatrische Psychosomatik der Klinik in Gelsenkirchen statt (im Folgenden verkürzt ‚Klinik‘ oder ‚Institut‘ bezeichnet). Einige Einstellungen zeigen das Außengelände (Spazierweg am See), wohl in der Nähe der Klinik. In der Schlussszene befinden sich die Protagonisten in einem Heckenlabyrinth an einem nicht näher definierten Ort.

Who is Who – Personen & Charaktere

Im Film werden reale Personen dargestellt: Das Klinik-Team sowie die Patienten, also die Eltern mit ihren Kindern. Diese Personen verkörpern bestimmte Charaktere und werden in einem professionellen Film auch bewusst als solche eingesetzt. Grundlegend steht das besonnen dargestellte Klinik-Personal (Ordnung) den emotional aufgewühlten Eltern und Kindern (Chaos) gegenüber.

Dipl. Psych. Dietmar Langer 

Der „Allwissende“. Er verkörpert das Programm und die Methodik, die dahinter steht. Er ist derjenige, der im Laufe des Films die Informationen an Eltern und Publikum weitergibt, die das therapeutische Vorgehen erklären und rechtfertigen. Seine theoretischen Erklärungen durchziehen den gesamten Film und halten die unterschiedlichen „Geschichten“ (Fälle) quasi zusammen. Außerdem tritt er als Berater im 1:1 Gespräch mit den Eltern in Erscheinung und führt bestimmte Therapien selbst durch. Langer trägt hochwertige Fleece-Pullis und Jeans während seines Unterrichts, verkörpert den sportlich-legeren Chic. Keine Klinik-Kleidung, keine Uniform. Dreitagebart. Glatze. Markante Brille, gemeinhin Symbol für „Durchblick“, also Wissen, Kompetenz. Er strahlt Charisma und Professionalität aus. Seine Sprache ist klar, direkt, locker und flapsig. Er gibt sich „kumpelhaft“, den Kindern gegenüber wie ein „großer Freund“, situativ handelt er als Stellvertreter der Vater-Figur (wie ein Vater sich „ideal“ verhalten würde/sollte). Er ist höchst rational.

Aus seiner (fachlichen) Perspektive heraus wird der gesamte Film erzählt.

Dr. Karl-André Lion

Leitender (Kinder-)Arzt des Programms. Er ähnelt Langer mit Brille, Bart und schütterem Haar, trägt in seiner Kompetenz als Arzt jedoch einen klassischen Kittel. Auch seine Sprache wirkt flapsig und locker. Er wirkt sanft, aber bestimmt. Er tritt im Film immer dann auf, wenn es um Anamnesen, Untersuchungs-Prozeduren oder die Einschätzung des körperlichen Zustands der Kinder geht.

Dipl. Sozialarbeiterin Grühn

Sie strahlt Erfahrung aus und Entschlossenheit. Ihre Gesichtszüge sind markant. Sie tritt als rechte Hand Langers auf, erklärt den Eltern das Prozedere, leitet Teamsitzungen und führt selbst Teile der Therapie durch.

Klinikpersonal

Das weitere Klinikpersonal fasse ich unter dem Begriff Pfleger:innen zusammen. Die genaue Berufsbezeichnung wird im Film nicht genannt und die individuellen Persönlichkeiten sind für die Geschichte nicht relevant und auch nicht benannt. Es handelt sich fast ausschließlich um Pflegerinnen. Eine männliche Pflegeperson ist mir im Film aufgefallen. 

Auffallend ist der reglose und emotionslose Gesichtsausdruck des Pflegepersonals bei den „Behandlungen“. Sie gehen pflichtbewusst und regelkonform nach den geltenden Vorgaben vor. Alle wirken routiniert, man könnte meinen abgestumpft. 

Das Personal wirkt im Film als Kollektiv. Durch regelmäßige Berichte und Absprachen weiß jeder über jeden Bescheid. Man hat das Gefühl ihnen entgeht nichts, sie haben ihre Augen überall. Der Einsatz von Überwachungskameras verstärkt diesen Eindruck. Das Geschehen wird stetig protokolliert und wichtige Ereignisse der Leitung weitergegeben. Das gesamte Personal handelt als Langers verlängerter Arm.

Eltern

Die Eltern, die sich in ihrer Verzweiflung an die Klinik wenden, werden in höchst emotionalem Zustand gezeigt. Sie sind ratlos, verzweifelt, hilflos, traurig, ängstlich, wütend. Dies steht in klarem Kontrast zum rationalen Langer und seinem Team. Ihre Vorgeschichten werden im Rahmen der Anamnesen erzählt. Es wird deutlich: diese Menschen brauchen dringend Hilfe. Auf die einzelnen Persönlichkeiten gehe ich später ein. Der stationäre Aufenthalt wird meist durch die Mütter begleitet. Die Väter treten sporadisch in Erscheinung.

Kinder

Die eigentlichen Patienten, also diejenigen, deren Therapie im Film deutlich verfolgt wird. Ihr Verhalten begründet die Teilnahme der Eltern an der Therapie und, laut Langer, die Methodik an sich. Auch sie haben Teil an den verschiedensten Vorgeschichten, die ihre Eltern zur Anamnese preisgeben – meist einen passiven Teil, also ein zwangsläufiges Miterleben bestimmter Situationen oder Voraussetzungen. Auf die Darstellung der Kinder im Film werde ich im Folgenden noch genauer eingehen.

Aufbau & Erzählstränge

Grundlegend erzählt der Film eine Erfolgsgeschichte, die anhand verschiedener Fallbeispiele (Familien) die mit der Therapie verknüpfte Methodik und deren theoretische Annahmen über Kinder allgemein erläutert. Er stellt die Familien und ihre Problematiken vor, ebenso das grundsätzliche Vorgehen der Klinik. Die Familien werden in unterschiedlichen Erzählsträngen begleitet, der harte Weg, Schwierigkeiten und Konflikte aufgeführt. Am Ende zeigt sich anhand einiger der begleiteten Familien, dass die Therapie erfolgreich war bzw. bestimmte Erfolge erzielt hat.

Generell folgt die Erzählung einer Art chronologischer Abfolge. Die Therapie baut zeitlich aufeinander auf und der Film dokumentiert die Fortschritte im Laufe der Zeit. Die unterschiedlichen Erzählstränge werden parallel erzählt, wenn inhaltlich der Fokus auf einem bestimmten Thema liegt. Eine absolute Chronologie ist nicht gewährleistet.

Exposition

Einleitung

Die Vorstellung der Grundannahmen über mangelnde Selbstregulation und notwendige Grenzen bei Kindern führen das Publikum direkt in die Problematik. Ein grundlegendes Problem wird aufgeführt und als solches begründend eingesetzt.

Anamnesen

Einzelne Eltern erzählen ihre Back Story im Anamnese-Gespräch. Noch geht es erstmal ums Prinzip, die einzelnen Eltern und Kinder sind anfangs schwer zuzuordnen. Das Leiden der Eltern und Familien wird deutlich. Für einige scheint es der letzte Ausweg zu sein. Körperliche Untersuchungen am Kind geben in ihrer Art der Durchführung ersten Einblick in die Methodik.

Methodik

Die einzelnen Bestandteile der Therapie und die Methodik werden den Eltern (und dem Publikum) erläutert.

Hauptteil

Therapie

Die Therapie der einzelnen Familien wird abschnittsweise verfolgt. Mehrere Geschichten werden parallel erzählt. Neue Familien werden im Laufe des Films eingeführt, andere, die bereits anfangs vorgestellt wurden, schließen in der Mitte des Films ab. Die Geschichten mancher zu Anfang eingeführten Familien werden nicht zu Ende erzählt. Sie dienen somit mehr der Vorstellung des Prinzips bzw. Demonstration weiterer Verhaltensmuster.

Theorie

Parallel findet eine Erläuterung der theoretischen Grundlagen statt, auf denen die Methodik basiert. Sie erklärt das parallel zu verfolgende Verhalten der Kinder und ihrer Familien. Ebenso rechtfertigt sie die einzeln dargestellten Behandlungsweisen.

Konflikte

Die Therapie wird als ein schwieriger Prozess dargestellt. Kinder, die gegen Eltern und Therapeuten/Personal und deren Intentionen und Handlungen agieren, mit allen „Waffen“ kämpfen sowie Eltern, die nicht systemkonform handeln, bringen Konflikte in die routinierten Abläufe. Rückschritte im Therapieverlauf werden gezeigt. Konflikte erzeugen Spannung. Das Publikum soll mitfiebern, ob ein Erfolg erreicht wird.

Die Methodik, Begleitung der Familien, die Theorie sowie die Konflikte sind im Hauptteil ineinander verwoben erzählt.

Schluss

Erfolge & Ergebnisse

Am Ende des schwierigen Weges steht der Erfolg. Die (meisten) Familien, die das Programm trotz Zweifeln und scheinbarer Aussichtslosigkeit durchgezogen haben, erleben am Ende eine Erleichterung ihres Ausgangsproblems.

Erste Erfolge sind während der Therapie (Ende des Hauptteils) sichtbar, die weitere Entwicklung wird nach drei Monaten bei einem Kontrolltermin gezeigt und verbalisiert. Nicht alle vorgestellten Familien werden bis zum Ende portraitiert (wohl u.a. weil laut eigenen Aussagen – siehe FAQ der Film-Website – manche Eltern nach einer bestimmten Zeit nicht weiter filmisch begleitet werden wollten).

Die größten verzeichneten Erfolge stehen am tatsächlichen Ende des Films. Bei einem in der Mitte gezeigten Kontrollgespräch (hier gibt es noch keine Angabe zum zeitlichen Abstand zur Therapie) sind noch gravierende Probleme vorhanden. Bei einer weiteren Teilgeschichte mit offenbar positivem Ausgang, die in der Mitte abgeschlossen wird und bei der die Anamnese fehlt, wird zwar eine Abschluss- aber keine Nachbesprechung erzählt. 

Auch bei den Erfolgs-Storys wird im Detail deutlich, dass ein entscheidender Anfang erreicht wurde, aber noch Entwicklungsbedarf besteht.

Ende

Die Verabschiedung einer Familie von Herrn Langer leitet den Film aus. Diese und eine weitere Familie gehen symbolisch durch ein Labyrinth (mehr zu diesem Bild an späterer Stelle).

Spannungsbogen & Wendepunkte

Von der Problemdarlegung (Anamnese) über deren Bearbeitung (Therapie) bis hin zur „Erlösung“, also der Darstellung von Erfolgen, spannt sich der Bogen über den gesamten Film. Konflikte und Retardierungen werden eingesetzt, um die Spannung zu steigern bzw. aufrecht zu erhalten. Die einzelnen Erzählstränge und Sequenzen wiederum schlagen eigene Spannungsbögen. Diese Geschichten innerhalb der Geschichte besitzen eigene Einleitungen, Konflikte, Wende- und Höhepunkte, retardierende Momente und Auflösungen.

Struktur

Die grobe Struktur des Films würde ich wie folgt aufteilen:

I Exposition

  • Einleitung (Theorie)
  • Anamnesen
  • Theorie: Kind als Egoist und Stratege
  • Erklärung des weiteren Vorgehens
  • Anna (erstes Fallbeispiel)

II Hauptteil

  • Mohammed
  • Thema Trennung („Mäuseburg“)
  • Joggen (Mädchen X)
  • Felix
  • Zarah
  • Thema Schlafen
  • Thema Essen (u.a. Felix wird sondiert)
  • emotionale Distanz (Lehrvideo)
  • Konflikt mit Felix’ Eltern
  • Kontrolle Anna (& Emma)
  • überfürsorgliche Eltern

III Schluss

  • Zarah isst zum ersten Mal
  • andere Kinder essen zum ersten Mal

Epilog

  • Kontrolltermin nach 3 Monaten (Mohammed und Zarah)
  • Abschied und Ende

Höhe- & Wendepunkte

Ich möchte mich nicht zu tief in einer detaillierten Strukturanalyse verlieren. Die Dreiteilung, also die Drei-Akt-Sruktur aus dem fiktionalen Drehbuch, kann bedingt auf diesen Dokumentarfilm rückschließend angewandt werden. Die Erzählweise ist meines Erachtens grob daran orientiert.

Ein deutlicher erzählerischer Höhepunkt (bzw. inhaltlicher Tiefpunkt) liegt meiner Meinung nach bei der Sondierung des kleinen Felix. Als Rückschritt in der Therapie verstehe ich diese Szene auch als Retardierung. Ähnlichen Charakters ist die Sequenz, in der von Felix’ Vater und dessen Wutausbruch erzählt wird. Sie steht stellvertretend für den Scheideweg zwischen Erfolg und Scheitern des Systems. Felix’ Geschichte in seiner Brisanz um Leben und Tod halte ich für die stärkste bzw. Kern-Geschichte des Films. An ihr lassen sich viele Erzählebenen abarbeiten.

Den finalen Wendepunkt zum Guten leitet Zarah ein, die zum ersten Mal in ein Brötchen beißt.

Im Hauptteil finden sich verschiedene kleinere Wendepunkte, die meist dadurch gekennzeichnet sind, dass sich Kinder entgegen ihrem vorigen Verhalten (plötzlich) den Vorgaben der Erwachsenen konform verhalten.

Ruhe & Bewegung – Tempo

Eine Abwechslung von Bewegung und Ruhe, Aktivität und Passivität findet im Zusammenschnitt der Sequenzen statt. Nach längeren lauten, auch inhaltlich bewegenden Abschnitten, die den:die Zuschauer:in bewusst körperlichem Stress aussetzen (mehr dazu später), folgen beruhigende und entspannende Sequenzen. Die stressigen Sequenzen überwiegen nach meinem Empfinden weit, da auch in den stillen, statisch gefilmten Abschnitten oft inhaltlich aufreibende Informationen zu verarbeiten sind.

Strukturelle & semiotische Elemente des Films

Es gibt im Film unterschiedliche Orte bzw. Elemente, die filmisch auch unterschiedlich umgesetzt und eingesetzt werden. Ich gliedere sie wie folgt:

Das Klassenzimmer

Die Therapie, u.a.

  • Ess-Zimmer („Ess-Training“)
  • Schlaf-Zimmer („Schlaf-Training“)
  • „Mäuseburg“ („Trennungstraining“)
  • Außenaufnahmen („Bewegungstraining“((Den Begriff „Bewegungstraining“ habe ich an dieser Stelle formuliert und nutze ihn im Folgenden. Dei genaue Bezeichnung dieser Therapie-Einheit ist mir nicht bekannt. Bei den anderen drei Trainings handelt es sich um offizielle Bezeichnungen.)))

1:1 Gespräche (mit Eltern/Kindern)

  • Beratungsgespräche mit Herrn Langer
  • Anamnese-Gespräche mit Dr. Lion
  • Untersuchung mit Dr. Lion
  • Abschlussbesprechungen und Kontrolltermine

Teambesprechungen (ohne Anwesenheit der Eltern)

  • am langen Tisch
  • Schwesternzimmer

Slo-Mos((Slow Motion (Zeitlupen-Aufnahmen) )), Zwischenschnitte & Still Shots

Die einzelnen Settings/Elemente transportieren unterschiedliche Informations-Ebenen, die für die Darstellung der einzelnen Fallbeispiele relevant sind, aber auch für die Vermittlung einer bestimmten Haltung, die dahinter steht.

Das Klassenzimmer

Informationsebene: Die das System stützende Theorie wird erläutert.

Titel

Elternschule heißt der Titel des Films, und das „Klassenzimmer“, in dem Herr Langer mit Hilfe einer Tafel (und einigen Lehrvideos) den an langen Tischen sitzenden Eltern seine Theorie hinter dem Verhalten des Kindes beibringt, ist das zentrale bzw. die Storyline umspannende Element des Films. Mit mathematischer Rationalität erklärt er, wie Kinder ticken, und rechtfertigt damit die Anwendung seiner Methodik.

Die:der Zuschauer:in sitzt meist imaginiert mit am langen Tisch, also in der Position der real anwesenden Eltern, die oft gar nicht eingeblendet zu sehen sind. Die Kamera verfolgt Langer hauptsächlich in nahen und großen Einstellungen – je wichtiger das, was er zu sagen hat, desto näher.

Lehrvideos

Die Lehrvideos aus den 90er Jahren mit Retro-Charme werden den Eltern innerhalb des Unterrichts über ein Fernsehgerät vorgeführt. Sie zeigen Belege für die theoretischen Grundannahmen und Erfolgsnachweise der praktischen Methodik. Die Darstellung eines erbrechenden Kleinkinds im CloseUp zeigt emotionale Wirkung bei Eltern und Publikum.

Tafel

Die Tafel, das Black Board, auf das Langer mit weißer Kreide Graphen und Stichworte zeichnet, ist das zentrale und wiederkehrende Element des Unterrichts, des gesamten Films.

Die Schaubilder, die „mathematischen Formeln“, die theoretischen Erklärungen wirken wissenschaftlich. Die graphische Darstellung untermauert die Seriosität, die Logik und Nachvollziehbarkeit. Es wirkt alles einfach und lösungsorientiert. Aus Chaos wird (die herbeigesehnte) Ordnung. So simpel, dass alle Eltern verstehen, worum es geht. So simpel, dass der Erfolg greifbar wird.

Die Zeichnungen werden aktiv, also während des Zeichnens, dargestellt. In Close Ups verfolgen wir ihre Entstehung mit, nehmen sie in vielen Details wahr. Eine abschließende Übersicht, in der die gesamte Tafel gezeigt wird, vermittelt den komplexen Zusammenhang der einzelnen Bestandteile.

Frontalunterricht

Auf der Tonebene hören wir meist den O-Ton (Originalton) Langers, also seine Monologe bzw. Vorträge. Selten gibt es eine Zwischenfrage aus der Elternschaft.

Die Instruktionen durch eine der Mitarbeiterinnen zu Anfang erfolgen ebenso im „Frontalunterricht“. Eltern mit Kindern und Babys auf Arm und Schoß folgen den Ausführungen. 

Lehrfilm?

Es ist nicht verwunderlich, dass der Film als „Ratgeber für alle Eltern“ aufgefasst wird, ob man ihn nun so bewirbt((„Das Geheimnis guter Erziehung“ (https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westart/video-filmdoku-elternschule-das-geheimnis-guter-erziehung-100.html); „[…] ein Muss für alle, die sich fragen, was gute Erziehung ausmacht.“ (https://www.dokfest-muenchen.de/films/view/13240) )) oder dies dementiert((„Der Film ist aber kein „Ratgeberfilm“, sondern zeigt Menschen in einem therapeutischen Verfahren und mögliche Handlungsoptionen.“ (http://www.elternschulefilm.de/faqs/) )). Der Film spricht für sich: hier wird (den Eltern und uns, dem Publikum) etwas beigebracht. Es geht um Edukation. Der Ist-Zustand (Chaos) wird dem Soll-Zustand (Ordnung) gegenübergestellt. Das angestrebte Ziel und der Weg dorthin erläutert. Was der Film der:dem Zuschauer:in am Ende mit nach Hause gibt, darauf gehe ich später noch genauer ein.

Die Therapie

Informationsebene: Die konkreten Maßnahmen gegen das unerwünschte Verhalten der Kinder werden beschrieben und gezeigt.

Während die Kinder mit ihren Betreuungspersonen (Pfleger:innen oder Therapeut:innen) in Behandlungs-Situationen gefilmt werden, hält die Kamera einen angemessenen Abstand zu den Personen. Vom Rand oder einer Ecke des Raumes aus wird das Geschehen in relativ langen, statischen, ungeschnittenen Einstellungen beobachtet und gezeigt. 

Die Lichtverhältnisse und Farben sind „realistisch“ und eher klinisch kühl. Die nüchterne Stilistik erinnert an TV-Reportagen. Hier soll vermutlich der Realitätsaspekt unterstützt werden, also die reine Beobachtung. Ich würde es als „gnadenlose Wahrheit“ umschreiben, die erzählt werden will.

Viele der Sequenzen sind für das Publikum eher belastend, weil leidende/kämpfende Kinder schonungslos gezeigt werden, das Schreien und Weinen auf Tonebene während langen Sequenzen hinterlegt ist, und „unschöne“, „unangenehme“ Behandlungsmaßnahmen an Kindern durchgeführt werden. Immer so, dass gerade nicht zu sehen ist (durch Bildgestaltung oder Schnitt), wie invasiv die Handlung für das Kind, zumindest körperlich, tatsächlich gewesen ist. Die Ansätze dessen werden deutlich. Einer Ahnung (für tiefgreifendere Eingriffe) wird Raum geschaffen.

Im Ess-Zimmer befindet sich die Kamera entweder mit im Raum, teilweise wird das Bild der Überwachungskamera, die in diesem Raum installiert ist, abgefilmt oder die Kamera befindet sich im verdunkelten Nebenraum, in dem man durch ein Fenster in das beleuchtete Ess-Zimmer blicken kann. Im Raum hat man als Zuschauer:in das Gefühl, mit etwas Abstand direkt das Geschehen zu beobachten. Das Fenster zum Nebenraum schafft weitere Distanz. Es ist eine Wand zwischen mir und dem Geschehen, das beleuchtete Fenster ist wie ein Rahmen, es zeigt mir ein (Ab-)Bild. Den Ton hört man durch an den Personen befestigte Mikrophone jedoch weiterhin deutlich. Die Überwachungskamera hat etwas Technisiertes, Standardisiertes, auch etwas Voyeuristisches. Wir als Publikum werden Mit-Beobachtende, Mit-Wissende, Mit-Überwachende.

Auch in den Sequenzen, die im Schlaf-Zimmer stattfinden, wird die Überwachungskamera als Stilmittel eingesetzt. Zusätzlich wird hier noch der Nachtsicht-Modus eingeführt. Inhaltlich suggeriert dies zusätzliche Sicherheit, denn die Kinder stehen unter ständiger Beobachtung. Sie impliziert aber auch mangelnde Privatsphäre, Überwachung. Grün leuchtende Vierecke, welche jede Bewegung des Kindes verfolgen, kommunizieren gewisse technische Standards. Die lichtreflektierenden Augen der Kinder in der Dunkelheit werden weniger als „Grusel“-Element genutzt, wie es im offiziellen Trailer zu befürchten war, aber zeigen deutlich, welches Kind nicht schläft bzw. schlafen will. Es erinnert an ertappte nachtaktive Tiere. Oder an militärische Einsatzgebiete.

Die Außenaufnahmen finden an „freundlichen“, also sonnigen, kälteren Tagen statt. Es scheint Herbst oder später Winter zu sein. Hier wird oft der Raum genutzt, um das Geschehen auch in (Halb-)Totalen darzustellen. Diese geben einen Überblick, beziehen das Umfeld mit ein, lassen die handelnden Personen klein und als Teil ihrer Umgebung wirken. Die Sequenzen beschreiben den Weg um den See, der mit mehr oder weniger großem Widerstand von den einzelnen Patienten (oder Gruppen) beschritten wird.

Die Geräusche bei den Außenaufnahmen sind natürlich gehalten, auf z. B. Vogelgezwitscher und die Geräusche von Schritten auf dem Kiesweg sowie die Gespräche der Protagonisten reduziert.

1:1 Gespräche

Informationsebene: Stand der Dinge, Befindlichkeit der Eltern, aktuelle Probleme, Einschätzung und Ratschläge durch die Fachpersonen.

Die Gesprächssituation zwischen Herrn Langer bzw. Dr. Lion und den Eltern, die einander gegenüber sitzen, mit oder ohne trennenden Schreibtisch, werden in Halbnahen beobachtend erzählt. Es gibt Zwischenschnitte mit Close Ups auf situative Details. Teilweise, besonders bei Anamnesen und Nachgesprächen, sind die Kinder beim Gespräch anwesend. Es wird mit den Eltern gesprochen, aber über die Kinder („Verhaltenskontrolle“).

Die körperlichen Untersuchungen der Kinder im Behandlungszimmer werden mit Handkamera zwischen mehreren Untersuchenden hindurch gefilmt, da die Kinder sich in der Regel stark wehren und bewegen. Zwischenschnitte auf die mit etwas Abstand stehenden Eltern, die mit besorgtem Gesichtsausdruck die Behandlung verfolgen, werden genutzt.

Schwerpunkt liegt hier auf Beobachtung, nicht unbedingt auf ästhetischem Anspruch.

Teambesprechungen

Informationsebene: Hintergrund zu den Eltern und deren Verhalten, ebenso der Kinder, Stand der Dinge, detaillierter Stand der Therapie, Erfolge und Rückschritte, persönliche oder fachliche Sicht auf die Eltern oder die Kinder.

Weitere beobachtende Einstellungen zeigen Gespräche, bei denen ausschließlich Personal anwesend ist. Zum einen in der großen Runde während bestimmter Besprechungszeiten an mehreren langen Tischen, entweder in der Übersicht (Halbtotale) oder als Nahaufnahme einzelner Sprecher. Zum anderen finden Gespräche zwischen einzelnen Pflegepersonen in bestimmten Situationen statt: auf Station oder im Schwesternzimmer zum Beispiel. Hier wird sowohl über die Kinder als auch über die Eltern gesprochen, oft wertend.

Meist erzählt eine Person, manchmal übernimmt eine andere Person und ergänzt ihren Part. Das Team bestätigt und bekräftigt meist in stummen oder verbalen Gesten das Gesagte. Konträre Meinungen gibt es nicht bzw. werden nicht dargestellt.

Slo-Mos, Momente, Zwischenschnitte & Still Shots

Informationsebene: Auf emotionaler Ebene werden Bilder kreiert, welche die gesprochene, meist rationale, Information illustrieren, ergänzen und ihr damit eine interpretative Erweiterung verschaffen. Sie werden meist als Übergangseinstellungen zwischen Themenabschnitten verwendet (verbindendes bzw. trennendes Element).

Besonders in der Einleitung wird intensiv mit Einstellungen gearbeitet, die Kinder zum Teil ruhig, teils weinend oder schreiend oder auch stumm/leer blickend, also in meist fragilen Momenten, sich in Zeitlupe (Slow Motion) bewegend zeigen. Diese Darstellungstechnik bindet kurze Momente in eine wahrnehmbare Zeit. Das Publikum nimmt viele Details wahr, die ihm in Echtzeit entgehen würden. Slow Motions dramatisieren das Gezeigte und wirken „lähmend“ auf den:die Zuschauer:in. Im konkreten Anwendungsfall der weinenden Kinder ein im Kontext formal passendes und wertendes Statement. Die Verzerrung des Kindchenschemas wirkt stark als Kontrast. Die verzerrten niedlichen Kindergesichter in dieser ungewohnten Weise dargestellt, wirken teils befremdlich, teils Mitleid erregend, gar monströs auf den:die Betrachter:in. Diese Bilder sind mit einem hohen ästhetischen Anspruch aufgenommen: Close Ups von Gesichtern, geringe Tiefenschärfe, wärmere Farben, weiche Konturen. Auf Tonebene kommen sphärische Klänge, wie mit metallenen Perkussionsinstrumenten erzeugt, eventuell auch verlangsamt abgespielt, hinzu. Diese Sequenzen transportieren kontrastierend Ruhe, Stille und Sanftheit in der Ästhetik, aber Schmerz, Kampf und Lautheit im Inhalt.

Weitere Slow Motions zeigen lachende, glückliche, rennende, spielende Kinder als Übergangselement. Ähnlicher Impact, andere kontextbezogene Aussage. Diese Einstellungen erinnern an das klischeehafte und oft verwendete sowie persiflierte Motiv der beiden in Zeitlupe aufeinander zulaufenden Liebenden auf der Sommerwiese, die sich nach räumlicher und zeitlicher Trennung wieder in die Arme schließen. Nicht nur, aber unter anderem aus diesem Grund möchte ich diese Einstellungen bereits an dieser Stelle als „kitschig“ werten. Auch hier ist die sphärische Musik unterlegt.

Close Ups von in der Klinik gefundenen Gegenständen werden als statische Einstellungen zwischengeschnitten (ich nenne sie hier Still Shots, auch wenn es sich nicht um Standbilder handelt, sondern um „gefilmte Stilleben“ – feste Einstellungen ohne Handlung), um als Symbole bestimmte Aussagen oder Werte zu betonen, ein humoristisches Element einzubringen oder eine Stimmung zu transportieren. Beispiele sind zur Situation passende kecke Sprüche auf einer Tasse oder einem Wandbild, eine Danksagungskarte, Zeitungsartikel, Schilder an Türen, ein abgedecktes Klinik-Bett mit im Luftzug wehender Folie auf dem Gang, der noch fast gefüllte Teller oder ein senkrecht von oben (Vogelperspektive) gefilmtes Heckenlabyrinth am Ende.

Ähnlich wie Still Shots werden teilweise Momentaufnahmen eingesetzt, in denen weder gesprochen noch zum Teil wirklich agiert wird. Personen sitzen in bestimmten Konstellationen beieinander und tun etwas (lesen, essen, schweigen, schauen …). O-Ton ohne weitere Tonebene. Ich empfinde diese Einstellungen als Mischform zwischen Still und Beobachtung des Geschehens. Teils werden Details dieser Momentaufnahme eingeblendet (z.B. ein Mädchen knibbelt an den Haarspitzen). Sie dienen hauptsächlich der Übermittlung einer Stimmung. Sie ergänzen die Geschichte nicht direkt im Verlauf, sondern auf emotionaler Ebene. Markant ist die Szene, in der ein Junge Grimassen schneidet und schließlich den Mittelfinger in die Kamera hält. Inhaltlich gehe ich später darauf ein, formal sind Szenen wie diese plakativ, bewusst provozierend und wertend.

Blick in die Kamera

Die Kinder sind die einzigen Personen, die direkt in die Kamera schauen (sie können sie noch nicht bewusst ignorieren) und sie somit für das Publikum „sichtbar“ machen. Sie nehmen quasi direkten Kontakt mit dem Publikum auf. Das wirkt manchmal überraschend, offensiv oder komisch (Mädchen X schaut uns durch die Fensterscheibe an, Kind zeigt Mittelfinger, peinlich berührtes Kind in der Stille-Übung), oft tragisch und berührend (Felix mit der Sonde, verzweifelt weinende Kinder). Relativiert werden die tragischen Szenen wiederum durch die rational erklärende Ton-Ebene. Sie sind auch die einzigen, bei denen die Kamera in dieser Direktheit „draufgehalten“ wird. Zwar sehen wir auch weinende Eltern, doch diese Darstellung wirkt einvernehmlich. Während sich Eltern wohl durch direkten Blick in die Kamera absichern konnten, dass die Aufnahmen nicht verwendet wurden, war den Kindern dies nicht möglich.

Einmal erhascht man einen kurzen (genervten) Seit-Blick von Lucys Mutter (Szene beim Essen). Danach taucht Lucy nicht mehr in der Erzählung auf.

Musik & Ton

Beides wird – passend zur Bildsprache – reduziert und bewusst eingesetzt.

Musik

Die sphärische Musik, die auf metallenen Perkussionsklängen sowie Gitarre und weiteren Klangelementen basiert, wird punktuell eingesetzt, um auf die metaphorische Ebene zu wechseln, wenn es um Illustration des Gesprochenen geht oder der vorangegangene, teils sehr belastende, O-Ton ausgestreichelt werden soll. Der Charakter dieser Musik baut sich von düster/mystisch (sphärisch) bis zu heller, verspielter Tendenz auf (gezupfte Gitarre, Akkordeon, Blockflöten-ähnliche Töne, kinderlied-artige Melodie), teils in erschreckendem Kontrast zum Gezeigten (z.B. während ein sich wehrender Junge um den See geführt wird). Die Ambivalenz innerhalb des musikalischen Charakters spiegelt die Ambivalenz der leidenden und kämpfenden Kinder (kindlich „nicht adäquates“ Verhalten).

Während der Sequenz über das Schlafen, in der die Kinder (beginnend mit Mohammed) zu Bett gebracht werden, wird ein türkisches Wiegenlied als ausschließliche Tonebene benutzt. Visuell wird unterdessen mit Überwachungskameras, die schließlich in den Nachtsichtmodus umschalten, gearbeitet. Die Sequenz endet mit der Textzeile „Psst, psst, psst, psst“, während die Nachtsicht-Kamera beginnt zu rauschen und schließlich in einem komplett verrauschten Standbild endet. Ein stilistischer Handgriff, der Poesie wegen.

Monologe

Herrn Langers Monologe werden als rhetorisch aufbereitete und ausschmückende theoretische Informationsvermittlung genutzt. Direkte Kommentare aus dem Off sind zwar nicht vorhanden, Herrn Langers Vorträge übernehmen diese Funktion in gewisser Weise jedoch über den gesamten Film hinweg.

O-Ton

Der Ton aus den beobachtenden Szenen ist deutlich. Durch die am Körper der Protagonisten angebrachten Mikrophone werden auch Details mit aufgenommen, wie z.B. Würgegeräusche des gefütterten Kindes oder geflüsterte Worte. Auf weitere tonale Untermalung wird in diesen Szenen verzichtet.

Atmo

Die Außenaufnahmen leben ausschließlich von den natürlichen atmosphärischen Umgebungsgeräuschen (Naturgeräusche). Eine Konzentration auf die Dialoge ist so gut möglich und es wirkt zusätzlich authentisch.

In den Klinikräumen macht die Atmo oft aufmerksam auf den geschäftigen Betrieb. Wenn das Bild auf bestimmte Protagonisten oder Details fokussiert ist, werden Informationen über das Geschehen außerhalb des Bildes über den Atmosphären-Ton transportiert.

„Was für ein Geschrei!“

Schreien, Weinen, Jammern, Flehen (der Kinder) … sind (instinktiv bedingt) sehr intensive Geräusche, die den:die Zuschauer:in direkt ins Mark treffen. Sie werden als O-Töne zur Stresserhöhung bewusst eingesetzt. Die Dauer dieser Einstellungen ist tendenziell lang gehalten, wenn inhaltlich über dieses Phänomen berichtet wird oder es für das Verständnis bestimmter Lösungsansätze/Methoden sinnvoll ist. Sehr viele Szenen von Beginn bis zum Ende beinhalten das Schreien und Kreischen der Kinder. Wenn nicht als Hauptfokus, dann zumindest am Rande, als Hintergrundgeräusch, im gleichen Raum oder aus Nebenräumen.

Formaler Gesamteindruck

Der Film erzählt in klaren Linien, schnörkelfrei, aber detailliert, aufgeräumt. Allerdings erschwert das gestückelte Erzählen die Nachvollziehbarkeit der einzelnen Fallbeispiele (Familien). Besonders zu Anfang ist es teilweise herausfordernd, sich aus den fragmentarischen Elementen die Gesamtaussage über zeitliche und kausale Zusammenhänge zu erschließen. 

Der Film äußert sich deutlich, teilweise provokativ und plakativ, in aller ihm generell innewohnenden Ruhe und Zurückhaltung. Chaos wird strategisch eingesetzt, um Ordnung zu kommunizieren. Das Aufspüren und Einsetzen bestimmter Details ist deutlicher Bestandteil des Films. Es entsteht ein in sich „runder“ Gesamteindruck. Formal und inhaltlich passt innerhalb seines Systems alles schlüssig zueinander, die Teile greifen strategisch ineinander. Handwerklich ist der Film sauber gefilmt und erzählt. Längen werden nach meinem Empfinden teils bewusst eingesetzt, insgesamt aber vielleicht ein wenig überstrapaziert. 120 Minuten sind notwendigerweise gefüllt mit allen Erzählsträngen, die teils vollständig und stellenweise detailliert ausgeführt werden. Auf formaler und struktureller Ebene ein guter, sauberer Film mit gewissem ästhetischem und narrativem Anspruch. Etwas kitschig vielleicht, stellenweise. Auch die punktuell eingesetzten Symbolbilder und bildlichen Kommentare empfinde ich als zu plakativ und plump. Als bahnbrechend oder außergewöhnlich würde ich die formale Umsetzung nicht einordnen. 

Die Handlung bzw. Erzählung als solche ist nachvollziehbar. Die Wiederholung bestimmter Prinzipien anhand unterschiedlicher Fallbeispiele steigert zum einen die intendierte Glaubwürdigkeit, zum anderen hilft sie den Zuschauer:innen, das Gesehene bzw. Gehörte zu verinnerlichen. Ein stimmig und professionell wirkendes System wird glaubhaft dargelegt, der:die Zuschauer:in fühlt sich auf informativer wie emotionaler Ebene angesprochen. Der große und die mehreren kleinen Spannungsbögen nehmen sie:ihn bzw. ihre:seine Aufmerksamkeit mit. Es gibt intentional emotional tiefgehende bis belastende Passagen sowie zur Erheiterung ausgelegte Momente. Das Thema ist so aufbereitet, dass ein breites Publikum sich angesprochen fühlen kann. Über die in vielen Passagen eingesetzte „TV-Optik“ lässt sich diskutieren, erfüllt aber ihren Zweck. Für Festival und Kino ein insgesamt passendes Format.

Um es mit Herrn Langers Worten zu sagen: „Kann man machen.“

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Erzählstränge & Fallbeispiele

Anna

Anna (ca. 6 Jahre alt) verhält sich aggressiv, mindestens ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester Emma gegenüber. Die Mutter ist verzweifelt. Sie berichtet, Anna sei unkontrolliert und habe ihre Schwester bereits eine lange Treppe hinunter geschubst. Sie esse sehr schlecht („Anna wird eine Sonde kriegen“). Wenn es so weiter gehe, komme Anna ins Heim, die Klinik sei der letzte Ausweg aus der Krise.

Während des Essens in der Kantine haut Anna ihrer Mutter auf den Po. Diese hält ihr darauf hin den Arm (sehr) fest und fixiert sie mit strengem Blick, wortlos. Anna dreht ihren Blick zur Seite. Sie drückt nach einer Weile Schmerz aus und bittet die Mutter, loszulassen. Diese lässt zunächst nicht von ihr ab.

Am Tisch sitzend mäkelt Anna am Essen herum. Dann wirft sie wütend eine Gabel Richtung Mutter an die Wand. Die Mutter nimmt ihr das weitere Besteck weg und räumt das Essen ab. Anna fleht und bittet um eine zweite Chance. Sie versucht die Mutter am Weggehen zu hindern. Die Mutter kämpft sich wortlos ihren Weg mit dem Tablett aus dem Bild. Die kleine Schwester, Emma, bleibt stumm essend am Tisch zurück.

Anna kratzt während einer Schweigezeit in einem der Therapieräume eine Turnmatte auf.

Annas Mutter wird nahegelegt, das „konsequente“ Verhalten auch zu Hause anzuwenden und die Denkweise über das Kind zu verändern (Kind verhält sich aus Strategie negativ gegen die Eltern).

Zur Nachbesprechung (vergangene Zeit unbestimmt) wird deutlich: es läuft „gemischt“. Anna randaliert trotz „liebevoll-konsequenter Erziehung“ immer noch, läuft weg, tritt und haut. Die Geschwisterstreitigkeiten würden noch immer von beiden Kindern angezettelt. Andererseits halte die kleine Schwester bei Konflikten mit den Eltern zu Anna, so dass zwei Kinder zu bändigen wären. Positive Aspekte werden nicht genannt.

Die Mutter bekommt (im Film abschließend) den Tipp, bei beiden Kindern konsequenter zu handeln und nicht mehr allem hinterherzurennen.

Mohammed

Laut Langer „Der Kontrolletti vor dem Herrn“. Der zweijährige Mohammed hat starke Neurodermitis. Im Gesicht sieht man blutige Stellen. Er schlafe immer im Bett der Eltern und brauche täglich mindestens eine Stunde lang Einschlafbegleitung mit Rückenkraulen und Fußmassagen. Die Mutter vermeide alles, was das Kind stressen könnte, um das Aufkratzen der Haut zu verhindern. Jeder Wunsch werde sofort erfüllt, „Grenzen“ gebe es keine. Ein unbeschwerter Familienalltag sei nicht mehr möglich, die Mutter überlastet. Ihre Familie unterstützt sie in Wunsch und Maßnahme, etwas ändern zu wollen.

Mohammed sei bisher der Boss, wird festgestellt, er müsse (auch körperlich) spüren, was Führung bedeute. Die Eltern sollen Autorität erlernen („Autorität schützt ja auch“((D. Langer im Film))). Nicht nur beim Schlafen, sondern auf allen Ebenen soll Mohammed in der Therapie diese Führung praktisch erfahren. So wird er auch in das „Ess-“ und das „Bewegungstraining“ eingeplant. Er bekommt nur noch zu den Mahlzeiten das angebotene Essen, zwischendurch nur Wasser. Über das Essen darf die Mutter nicht mit ihm sprechen, auch nicht, wenn er danach fragt. Um sich innerlich zu lösen, werde die Mutter im Verlauf nicht über den Verlauf des „Ess-Trainings“ informiert, sagt Langer. Erst am Ende würden die Protokolle ausgewertet.

Von der Sozialarbeiterin wird Mohammend auf dem Flur wortlos und körperlich reguliert, z.B. an den Armen hochgezogen und stetig daran gehindert, sich auf den Boden zu werfen. Mohammed schreit und kämpft dagegen an. Ihm wird großes Durchhaltevermögen zugeschrieben. Während er die Pflegerin anschließend in den Video-Überwachungsraum begleitet, wimmert er weiter nach seiner Mama. Das Angebot der Pflegerin, auf ihren Schoß zu kommen, lehnt er nonverbal ab und verlangt weinend weiter nach seiner Mutter.

Später wird gezeigt, wie seine Mutter und die Sozialarbeiterin ihn zum Spazierengehen um den See bugsieren. Er hängt mit beiden Armen zwischen ihnen und wird immer wieder hoch- und weitergezogen. Er schreit und windet sich während der gesamten Sequenz. In eine Schaukel möchte er sich nicht setzen lassen. Während die beiden Frauen sich auf einer Bank ausruhen, weint er weiter. 

Mohammed wird von einer kräftigen Pflegerin gefüttert. Er verweigert und wimmert nach seiner Mama. Fünf Löffel habe er gegessen, als wäre nichts, dann habe sie im Kampf weitere fünf Löffel in ihn hinein bekommen, danach habe er richtig aufgedreht und sie habe ihn 45 Minuten lang beruhigen müssen, erzählt sie später. Man sieht, wie sie (wohl nach den erkämpften fünf Löffeln und am Ende der Mahlzeit) mit ihm auf den Boden gleitet, und ihre Beine um seinen Körper schlingt. Der Schnitt zu einem späteren Zeitpunkt zeigt ihn erschöpft wimmernd an der Brust der Pflegerin liegend.

Eine Szene zeigt, wie Mohammeds Mutter ihn zu Bett bringt, seinen Kopf streichelt und er erschöpft ins Leere blickt.

Später wird berichtet, dass sich die Mutter wieder zu sehr kümmere, ihn trage. Man müsse sie immer wieder daran erinnern, dies nicht zu tun, heißt es. Beim Füttern ist seine Mutter schließlich anwesend. Sie sitzt in der Ecke und liest, während Mohammed auf dem Schoß der Pflegerin gefüttert wird. Sie lese mittlerweile wirklich, heißt es, schaue nicht mehr über den Rand des Buches zu ihrem Sohn.

Weitere Zeit später füttert die Mutter ihren Sohn selbst. Er sieht weiterhin reglos aus, automatisiert, aber sträubt sich auch nicht mehr. Einen herausfallenden Bissen schiebt er selbständig zurück in den Mund.

Beim Kontrolltermin drei Monate später lacht und spielt Mohammed mit Herrn Langer. Seine Mutter bedankt sich bei diesem, ein normales Leben sei wieder möglich. Sie könne wieder arbeiten und sogar mit Mohammed spazieren gehen. Ihr Leben habe sich verändert.

Mädchen X

Ein Mädchen (ca. 6 Jahre alt), dessen Anamnese und Name nicht bekannt sind, befindet sich im „Ess-“ und „Bewegungstraining“. Der:die Zuschauer:in lernt sie kennen, als sie im Ess-Zimmer vor ihrem Teller sitzt und ihr Essen nicht anrührt. Nach einer bestimmten Zeit (20 Minuten) wird die Essenszeit von einer Pflegerin beendet und das Mädchen bringt seinen Teller weg.

Im „Bewegungstraining“ soll sie mit Herrn Langer um den See laufen. Langer lenkt ihre Aufmerksamkeit vom Laufen ab. Sie ist nach einer Weile erschöpft und verweigert das Weiterlaufen. Langer zieht sie weiter, obwohl sie weint und über Schmerzen klagt. Er wolle sie „fit machen“, sagt Langer. Sie wolle aber nicht fit sein und in der Schule auch keinen Sport mitmachen. Dann sage die Lehrerin, sie müsse wieder „zum Langer trainieren gehen“, droht dieser. Irgendwann fällt auf, dass sie ihre Mütze hat fallen lassen. Langer unterstellt ihr Absicht, das Mädchen weicht aus. Er verlangt von ihr zurückzulaufen und die Mütze selbst zu holen. Dies verweigert sie zunächst und setzt sich auf den Weg. Langer lässt sie gewähren und ignoriert demonstrativ ihr Verhalten. Während er sich von ihr außer Sichtweite entfernt, steht sie auf und schaut nach ihm. Sie geht dann allein, anscheinend den Weg zurück Richtung Mütze. Langer schließt von hinten auf, nimmt ihre Hand und sie gehen langsam weiter. Sie weint stumm.

Im nächsten Schnitt macht Herr Langer Späße, die das Mädchen mit lautem Lachen quittiert. 

Sie sprechen während des Spaziergangs über das Essen. Das Mädchen erzählt, es habe heute „das leckerste Essen der Welt“ gegeben und sie habe „10 Teller“ gegessen. Die realen zwei seien ja schon ausreichend, sagt Langer.

Langer macht – zum Amüsement des Publikums – noch zwei stichelnde Anspielungen auf das Laufen, weil das Mädchen ausdrückt, es wolle nie wieder rennen, dann spazieren sie Hand in Hand zurück zur Klinik.

Am Tag der Entlassung spricht Langer mit dem Mädchen. Dabei lehnt er sich immer wieder nach vorn, stützt die Hände auf die Oberschenkel und macht sich so breitschultrig es geht. Er sitzt auf einem höheren Stuhl dem Kind gegenüber. Der Raum beinhaltet nichts für Kinder, nichts, an dem das kindliche Auge sich festhalten könnte. Was es tun wolle, wenn es zu Hause sei. „Hören“, antwortet es. Langer lacht. „Ein Kind hört nicht“, sagt er zu seiner Mutter. Ein Kind, das nichts anstelle, sei besorgniserregend. Es wünsche sich dann Kartoffeln und Fleisch mit Soße und Rotkohl, sagt das Mädchen. Wenn mal was nicht mehr klappe, könnten sie ja wiederkommen, sagt Langer dem Mädchen. Aber er denke, dass sie das hinbekommen würden. Das denke sie auch, sagt das Mädchen, während es auf den Händen sitzt und sich auf die Lippen beißt.

Bildquelle: Film Elternschule aus der Das Erste Mediathek

Felix

Felix’ Mutter ist bereits während der Anamnese in Tränen aufgelöst: „Er isst nichts.“ Er kenne nur Therapeuten, habe schon mehrere OPs gehabt. Felix ist etwa zwei Jahre alt. Er erbreche alles Essen wegen der Erkrankung und aus Aufregung. Herr Langer steckt das Ziel fest: Felix soll angemessen essen. Dazu müsse man das Kontrollverlust-Erleben vermeiden. Felix sei noch jung, die Muster ließen sich noch gut durchbrechen. Es werde nicht einfach für sie, diese Therapie durchzuhalten, sagt die Mutter, aber sie werde ihr Bestes versuchen.

Der Kontrast ist groß: Felix ist deutlich untergewichtig, hager, das Gesicht knochig. Beide Eltern sind eher übergewichtig.

In der Teambesprechung wird deutlich: die Mutter sei panisch, traumatisiert. Der Vater übermäßig beschützend. Die Eltern haben panische Angst, dass das Kind verhungert. Der Vater scheint nur sporadisch auf Station anwesend zu sein und hat die Aufnahmegespräche nicht selbst mitgemacht.

Eine Pflegerin füttert Felix mit der Milchflasche. Sie hält ihn in stabilem Griff auf dem Schoß, halb liegend, versucht ihm eine Flasche mit Milch zu geben. Felix würgt, sie versucht es noch wenige Male, stellt dann die Flasche zurück. Er habe nur einige wenige Tropfen aus Reflex geschluckt, aktiv gar nichts zu sich genommen.

Während des „Schlaf-Trainings“ muss sich Felix’ Mutter von Felix trennen. Er soll erstmals allein zu einer frühen Uhrzeit (die Uhr im Gang zeigt 19:41 Uhr) in einem dunklen Raum schlafen. Um 22 Uhr jammert er (noch immer). Von zu Hause ist er das Schlafen im Familienbett ab ca. 22:30 Uhr mit Einschlafbegleitung gewöhnt. Die Mutter schafft es kaum, sich zu trennen.((„In der Natur ist ein Kontaktverlust zur Familie/Herde meist tödlich, daher ist dieser Konflikt sehr bedeutsam! Von der Herde getrennt oder als Kind von der Mutter getrennt zu sein, bedeutet quasi den sicheren Tod. Deshalb kann sich ein Individuum einen Fehler in diesem Bereich im Prinzip nicht ein einziges Mal leisten.“ aus: http://drrykegeerdhamer.com/de/index.php?option=com_content&task=view&id=58)) Sie singt ihm ein Lied durch die extra hohen Gitter. Felix ist aufgelöst. Die Pflegerin beruhigt die Mutter, sie seien da und würden reingehen, wenn etwas sein sollte. Die Kinder seien in sicheren Händen. Die Mutter kehrt noch ein paar Mal zurück und geht schließlich weinend den Flur hinunter. Später sieht man die Pflegerin mit Taschenlampe bei einem weinenden Kind nachschauen und den Raum wieder verlassen, als es ruhig ist.

Bei einer körperlichen Untersuchung wird Felix kritisches Untergewicht attestiert. Man beschließt, eine Sonde zu legen und ihn vorerst aus dem „Ess-Training“ herauszunehmen. Seine Mutter ist verzweifelt, entscheidet sich aber für eine Fortsetzung der Therapie.

Das Legen der Sonde muss von zwei Pflegerinnen durchgeführt werden. Eine habe den Jungen festgehalten, die andere habe sondiert. Die Prozedur selbst wird nicht gezeigt, nur wie am Ende Felix’ Erbrochenes aufgewischt wird, während er – bereits sondiert – daneben steht.

Felix, jetzt markant in seiner Erscheinung mit am Gesicht angeklebter Sonde, läuft weinend und mechanisch immer und immer wieder um den Tisch in der „Mäuseburg“. Er wirkt sehr erschöpft. Eine Pflegerin filmt ihn dabei mit einer Videokamera.

Felix’ Vater droht das System zu sprengen: Es wird von einem „Ausraster“ berichtet, bei dem er die Therapie als „Quälerei“ beschimpft und droht abzubrechen. „Sollen sie halt gehen“, heißt es bei den Pflegerinnen. Der Vater habe nicht eingesehen, warum dem Kind, das nach seiner Meinung aus Hunger weint, nichts zu Essen gegeben werde. Der Drang, das Kind am Leben zu halten, scheint in ihm tief verwurzelt zu sein. Man will mit dem Vater sprechen, mit ihm in der Klinik üben, ihn einbeziehen, denn er verwirre seine Frau und auch Felix durch seine Überreaktionen. Er werde derjenige sein, der sich um Felix zu Hause kümmern werde, während seine Frau arbeiten geht.

Die Mutter kann sich noch immer schlecht vom Zimmer trennen, es gehe aber schon viel besser, sagen die Pflegerinnen. Weinend steht sie vor der Tür, löscht das Licht, macht es wieder an und geht dann. Sie sei verwirrt, habe das mit dem Licht durcheinander gebracht. Außerdem werde sie von ihrem Mann ganz „wuschig“ gemacht. Sie habe die Pflegerin gebeten, nach der Wäsche im Trockner zu fühlen, ob diese schon trocken sei, sie selbst habe das nicht spüren können.

Eine unbestimmte Zeit später hat Felix keine Sonde mehr. Er bekommt Brei vom Löffel gefüttert. Die Mutter sei aufgelöst gewesen, weil sie versehentlich die Sonde herausgezogen habe, die aber ohnehin hätte gezogen werden sollen. Die Situation mit dem Vater spitzt sich zu, er wird zunächst von der Therapie ausgeschlossen, bevor er kein Gespräch gehabt hat. Er lebe „in der Gedankenwelt in der Vergangenheit“.

Schließlich lässt sich Felix von den Eltern füttern. Beim Kontrolltermin drei Monate später wird beobachtet und kommentiert, wie Felix’ Vater seinen Sohn füttert. Resonanz und Tempo sei beiderseits in Ordnung. Das Kind sieht gesünder aus, nicht mehr so hager wie zu Beginn der Therapie. Im Gespräch mit dem Vater gibt Langer ihm noch mit auf den Weg, dass er umdenken soll von „Der kann das nicht“ zu „Er ist ein guter Stratege“. Der Vater solle die Kontrolle behalten. Der Vater nickt.

Zarah

Zarah ist ein ca. 7 Jahre altes Mädchen, das mit ihrer Familie vor zwei Jahren aus Mazedonien nach Deutschland gekommen ist. Sie trinke täglich zwei bis drei Flaschen Milch, esse aber ansonsten nichts außer Nutella, Pommes und Chicken Nuggets. Wenn man sie mit TV oder PC ablenke, gehe es etwas besser. Bis sie zwei Jahre alt war, habe sie nur Brei gegessen. Die Überwachungskamera zeigt sie bewegungslos vor ihrem Teller sitzend.

Die Mutter ist Lehrerin, der Vater Maschinentechniker ohne Arbeit (weil er in Deutschland noch nicht arbeiten darf).

Zarah hat es schwer im Alltag, weil sie sehr „träge“ ist. Sie schafft es nicht, kleine Schritte, wie z.B. sich selbst anzuziehen, nach und nach eigenständig umzusetzen. Das Verhalten habe begonnen, als sie nach Deutschland gekommen seien. Auch die Mutter zeigt depressives Verhalten, liege oft weinend im Bett und könne nichts mehr unternehmen.

Zarah hat noch nie alleine geschlafen, aber eher weil die Mutter ein Problem habe, sich zu trennen. Sie habe den Drang, nachts nach ihr zu sehen, ob es ihr gut geht. Die Mutter brauche viel Unterstützung, heißt es in der Teambesprechung. Es gebe noch eine Welt außerhalb des Kindes, sagt ihr Herr Langer. Zarah sei ihr Leben, antwortet die Mutter, es falle ihr schwer, sie so zu sehen.

Zarah schläft in der „Mäuseburg“, wo sie mit viel Spielzeug umgeben ist, um dies für zu Hause zu üben. Sie spiele lieber als zu schlafen, berichtet die Mutter. Man sieht, wie Zarah belustigt mit einem durch Rausfall-Schutz-Gitter gesichertes Bett ins Zimmer gerollt wird. Sie spielt vom Bett aus eine Art Kampf gegen unsichtbare Gegner.

Zarah habe in der Klinik abgenommen seit ihrer Aufnahme. Sie stehe immer herum, müsse immer neu zu jedem Schritt aufgefordert werden. Der Mutter fällt es schwer, sich an die vereinbarten therapeutischen Maßnahmen zu halten. Sie sei verbotener Weise nachts ins Zimmer gegangen, um nach ihr zu schauen. „Sie kümmert sich zu sehr.“((Frau Grühn während der Teambesprechung))

Während Zarah weiterhin kein Essen anrührt, ihre Zeit bewegungslos absitzt, liest die Sozialarbeiterin demonstrativ ignorierend ein Buch. Zarah sei „still, aber schlau“, heißt es. Man nennt es „demonstrative Hilflosigkeit“. Zarah werde essen, wenn es der Mutter egal sei, sie sich nicht mehr kümmere. Eine Sonde wird in Erwägung gezogen.

„Die Mutter kommt nicht in die Puschen.“((Frau Grühn während der Teambesprechung)) Ihr wird quasi der mangelnde Fortschritt der Therapie angelastet. Es wird verboten, dass sie mit Zarah Hand in Hand läuft. Dies drücke Schonung des Kindes aus, stattdessen wolle man sie im Gegenteil antreiben, schneller zu laufen, sie trainieren. Zarah sei keine Prinzessin mehr, sie müsse jetzt etwas tun.

Beim Spaziergang um den See fällt Zarah hinter den Rest der Gruppe zurück. Ihre Mutter legt die Hand auf ihren Rücken und hilft ihr voranzugehen.

Die Mutter sagt im direkten Gespräch, dass durch den Klinikalltag mit all den geplanten Abläufen und Aktivitäten, auch sie sich verändert habe. Sie habe eine Nacht schon besser geschlafen, sagt sie auf Nachfrage.

Schließlich gibt es den bahnbrechenden Erfolg: Nach erneutem stummen Sitzen während der Essenszeit lässt Zarah den Blick schweifen zwischen der Sozialarbeiterin und ihrem Teller. Die Sozialarbeiterin flüstert ihr aufmunternd zu „Du schaffst das“. Sie hätten sich zwei Minuten in die Augen geschaut, dann hätte sie Zarah geholfen, das Brötchen zu nehmen und sie hätte abgebissen. Zunächst nur wenig, später habe sie richtig Spaß gehabt. Die erste warme Mahlzeit war schwierig, aber sie habe es zumindest probiert. Man hört sie knuspernd ins Brötchen beißen.

Zarah sitzt mit ihrer Mutter schweigend und aktiv essend am Tisch. 

Nach drei Monaten sieht man beide in der Kantine ganz normal gemeinsam essen. Im Nachgespräch wird von zwei Monaten berichtet, in denen Zarah sehr viel gegessen habe, am liebsten Fleisch. Wenn sie kooperativ sei, sagt Langer, warum sollte sie dann nicht zwei Teller essen? Dann sei es wieder schwierig geworden, denn sie vertrödele die 20 Minuten Essenszeit und sie möge kein Gemüse oder Obst mehr essen. Sie solle sich an die festen Essenzeiten gewöhnen und man solle überlegen, wie man damit umgehe, dass der Vater auch kein Gemüse isst (warum sollte Zarah es dann tun?).

Laura

Lauras Mutter stillt und streichelt das Baby während des Anamnese-Gesprächs. Laura ist ein Schreikind. Bei 14 Stunden am Stück seien sie aktuell. Das erste Kind sei auch ein Schreikind gewesen. Während der Geburt habe die Mutter einen Gebärmutterriss erlitten, der Vater habe mit dem Baby stundenlang im blutverschmierten Kreißsaal gewartet, das Baby vergebens nach der Brust gesucht. Laura ist mit ihren wenigen Monaten das aktuell jüngste aufgenommene Kind der Klinik.

Die Mutter leidet unter Migräne-ähnlichen Kopfschmerzen und Schmerzen im ganzen Körper, die sie vor der Geburt nicht hatte. Sie höre Phantomschreie, sagt sie, sei auch von zu Hause ausgezogen. Ganz schief und verkrampft schuckelnd habe sie da gesessen bei der Anamnese, berichtet der Kinderarzt. 

Laura ist zum „Trennungstraining“ in der „Mäuseburg“, während die Mutter mit den anderen Müttern frühstücken geht. Es habe nichts mit Härte zu tun, erläutert sie einer anderen Mutter. Sie sage sich immer, sie bringe ihrem Kind Schlafen, Essen und eine regelmäßigen Tagesablauf bei. Sei dieses Umdenken erst erreicht, könne dem Kind und der Familie geholfen werden.

Nach dem „Schlaf-Training“ wertet eine Pflegerin die Protokolle gemeinsam mit der Mutter aus. Laura habe durchgeschlafen. Oder doch nicht ganz. Also, gejammert habe sie doch.

Lauras Mutter berichtet am Telefon von den Erfolgen, kann es selbst kaum glauben. 

Weitere

Es gibt weitere Familien, die nur jeweils ein Stück weit begleitet werden. Oft dienen sie als Beispielsfälle für bestimmte Therapieformen oder als Beleg für kindliches Verhalten bzw. Herrn Langers Theorie dahinter. Einige sind namentlich nicht näher benannt.

Eine Mutter spricht während der Anamnese von einer prägenden Fehlgeburt. 

Eine Mutter, vielleicht sogar dieselbe, beschreibt, wie schwer es ihr falle, während der Therapie „hart“ zu bleiben. Sie wolle nur das Beste für ihre „süße Maus“ und sie beschützen. Nach dem Trennungstraining in der „Mäuseburg“ hält sie sanft die Hand ihres Babys, welches sie in intensivem Augenkontakt zurück anblickt. Eine andere Mutter erklärt ihr, dass es mit „hart“ nichts zu tun habe, man aber zum Wohl des Kindes umdenken müsse („Ich bringe dir Schlafen bei“ …).

Joshua (ca. 2 Jahre) versucht während des Anamnese-Gesprächs die Aufmerksamkeit seiner Mutter auf sich zu ziehen, indem er sie beißt. „Joshua, hör auf damit“, sagt sie scharf und fasst ihn an der Schulter. Er sei aggressiv, sagt sie. Kratzen, Hauen, Beißen, Treten, Schreien … Während des Trennungstrainings sieht man ihn in minutenlangen Einstellungen unter dem Waschbecken sitzen und weinen/schreien, sich winden, auf dem Boden liegen. Der Methode folgend wird er von der anwesenden Sozialarbeiterin ignoriert.

Can (?) (ca. 2) und Lucy (ca. 1) sind Kinder, an denen anfangs das Prinzip der ärztlichen Untersuchung erläutert wird. Can schreit, während der Kinderarzt seine Untersuchung an ihm durchführt. Man sehe daran die Regulationsstörung, heißt es. Auch Lucy wehrt sich gegen den ärztlichen Ein-/Übergriff. Die Eltern sollen mit dem Hocker wegrücken, je mehr das Kind zu ihnen will. Lucy verweigert zudem das Essen und liegt schreiend auf dem Boden, während die Pflegerinnen sie während der Essensausgabe demonstrativ ignorieren. In der Einführungsveranstaltung für die Eltern, in der die Methodik erklärt wird, klettert Lucy munter auf ihrer Mutter herum und versucht ihr die Welt zu erklären. Die Mutter ist sichtlich genervt von Lucys Verhalten, auch als sie später versucht, die Anweisungen aus der Lehrveranstaltung auf die Essenssituation zu übertragen und Lucy dabei gar nicht mitspielen möchte.

Auf mein Wort: Individualität

Jede Familie hat ihre eigene Geschichte. Sie haben unterschiedlichste Dinge erlebt, kommen aus unterschiedlichsten Milieus und Kulturen, besitzen unterschiedlichste Charaktere und die Kinder unterschiedlichste Krankheiten oder Diagnosen. All das wird im Film angerissen, aber nicht vertieft. Die Familie aus Mazedonien: Sind sie über Mazedonien geflüchtet? Haben sie eine schwere oder lebensbedrohliche Reise hinter sich? Hat Zarah Heimweh? Die Diagnose, die den Kindern gestellt wird, heißt im Film „Regulationsstörung“. Die Symptome ähneln sich. Daraufhin werden alle Personen in das gleiche therapeutische Programm eingeteilt. Letztlich spielt es keine Rolle mehr, ob ein Kind Neurodermitis hat und ein anderes durch frühe Operationen traumarisiert ist. Auch der gesundheitliche Zustand der Eltern spielt quasi keine Rolle. Es geht ausschließlich um das Verhalten der Kinder den Eltern und der Eltern den Kindern gegenüber. 

Es fällt auf, dass Anamnesen im Film aneinander geschnitten werden, ohne dass die Identität der Personen genannt wird. Die Familiengeschichten werden parallel geschnitten, so dass es, zumindest beim ersten Mal schauen, am Ende schwer nachvollziehbar ist, welche Geschichte oder welche Behandlung genau zu welcher Familie gehörte. Die Geschichten verschwimmen ineinander und sind kaum mehr Individuen zuzuordnen. Manche Kinder ähneln sich so sehr, dass beim bruchstückhaften Erzählen die Identitäten schnell durcheinander geraten. Bezeichnend für eine Therapie, die auch in Fachkreisen undifferenziert erscheint.

Theorie & Therapie

Am Anfang war … nichts … und Chaos

Das Kind, das zur Welt komme, wisse nichts von selbiger, erklärt Langer. Es kenne keine Zusammenhänge und müsse, um Vorhersehbarkeit zu erlangen, erst einmal die Welt um sich herum mit dem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln erforschen. Nicht nur durch Beobachten und Abschauen, sondern durch aktives Erkunden. Je mobiler es werde, desto mehr Möglichkeiten schöpfe es aus. Allerdings könne es sich nicht selbst begrenzen. „Gas geben können die alle gut. Die können nur nicht aufhören.“ Es brauche jemanden, der „Stop“ sage. Das Kind werde von selbst keine Rücksicht auf die Eltern nehmen.

Die Welt sei chaotisch, in einer chaotischen Welt könne es nicht überleben. Auf der Suche nach Vorhersehbarkeit und Zuverlässigkeit mache es einen „Belastungstest“ mit den Eltern, der ihm vermittelt, ob diese ihre gesteckte Grenze ernst meinen oder aus einer Laune heraus aufstellen. Das Kind veranstalte also ein „heiden Theater“, und wenn die Eltern dann nachgeben, sei das ein Zeichen dafür, dass die „Grenze“ nicht ernst genommen werde. Ab einem bestimmten Punkt stünde man als Eltern mit dem Rücken zur Wand und könne nicht weiter abweichen. Da könne sich das Kind aufregen, wie es wolle, hier sei der Fixpunkt der Grenze erreicht.

Viel besser sei es aber doch, den Punkt bereits vorher zu setzen, bevor man mit dem Rücken zur Wand stehe und bevor der Alltag zum Problem werde. Das gebe dem Kind und den Eltern Sicherheit.

Auf mein Wort: Die von der Grundannahme ausgehend notwendige Begrenzung des Kindes als Fixpunkt finde ich inhaltlich problematisch. Ich bezweifle außerdem, dass einem Kind grundlegend absolut keine Selbstregulation möglich sein soll und dass man im Umkehrschluss eine grundlegende Angst davor haben muss, dass das Kind außer Kontrolle gerät. Dies ist ein negativer/pessimistischer Blick auf Menschen. Meines Wissens besitzen schon Säuglinge die Anlage, sich bei geringen Reizen selbst zu beruhigen (z.B. über Daumennuckeln) und so lernen Babys und Kinder stufenweise sich selbst zu regulieren, wenn man ihnen angemessen und feinfühlig begegnet((siehe https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/05/trotzphase-umgang-mit-wutanfallen-in.html)). Dass die Eltern ihre eigenen Grenzen nicht wahrnehmen, ist ein Problem, das ich sehe. Auch den Wunsch nach Sicherheit auf beiden Seiten. Das daraus abgeleitete Vorgehen jedoch halte ich für höchst bedenklich.

Das Kind als Egoist & Stratege

„Das Kind ist der größte Egoist auf dem Planeten.“ Evolutionär sei das Schreien für uns – als diejenigen, die für das Überleben des Kindes zuständig gewesen seien, – unerträglich. Das Kind strahle Niedlichkeit aus, verwende aber strategische Tricks um die Eltern „über den Tisch zu ziehen“, weil es überleben wolle.

Wenn akute Phänomene wie Koliken etc. ausgeschlossen seien, liege eine chronische Regulationsstörung vor. Diese bedürfe einer Therapie. Die Eltern sollen in diesem Rahmen lernen, wieder die Führung zu übernehmen. Man solle die Kinder nicht mehr fragen, sondern sagen, wo es lang gehe.

Auf mein Wort: Kinder haben einfach (noch) ein gutes Gespür dafür, was sie gerade brauchen. Für ihre Bedürfniserfüllung verwenden sie manchmal in unseren Augen unangemessene Strategien (Wünsche). Dass sie etwas für sich tun, heißt aber noch lange nicht, dass sie etwas gegen uns tun. Natürlich kollidieren Bedürfnisse und es ist in der Verantwortung der Erwachsenen, deren Vereinbarkeit zu prüfen und ggf. herzustellen. Das heißt aber nicht, dass sie ihre Bedürfnisse grundlegend über die des Kindes stellen dürfen (und vice versa sollten). Das wäre kein verantwortungsbewusstes Handeln.

Egoisten und Strategen werden im Film als gegnerische Partei dargestellt, also als negative Eigenschaften, denen es gilt, entgegenzuwirken. Die Gesellschaft diktiert dieses Bild als negativ/dysfunktional. Auch hier wieder: das pessimistische Weltbild.

Kinder sind gute Strategen, ihre eigenen Bedürfnsisse betreffend. Allerdings keine bewusst und gegen andere handelnden, weil Kinder erst recht spät (zwischen 5 und 9 Jahren) die Perspektive eines anderen Menschen überhaupt einnehmen können((siehe https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/03/empathie-wann-und-wie-erwerben-unsere.html))

Wenn wir nicht mittlerweile verlernt haben (und das haben wohl die meisten), unsere Bedürfnisse zu achten, ist letztlich jeder Mensch ein geborener Stratege fürs eigene Überleben. Im sozialen Gefüge kommt es zwangsläufig zu Kollisionen. Hier sollten die Erwachsenen dem Kind helfen, diese Situationen angemessen zu lösen, ohne dass es seine Bedürfnisse unterdrücken muss. 

Physische Untersuchungen

Es werden zwei Kinder gezeigt, die bis auf die Windel unbekleidet im Untersuchungszimmer auf einer Liege untersucht werden. Die Kinder würden dorthin gebracht, erklärt Dr. Lion, der Arzt, den Eltern, weil „das nochmal den Stress“ erhöhe („Stress-Impfung“). Er rede mit den Kindern und erkläre, was er tut. Im Film wird gezeigt, wie er eher mit den skeptisch-besorgten Eltern als mit den Kindern spricht. „Je mehr Stress die [sic!] macht, desto weiter rollen Sie mit dem Hocker zurück“. Er schaut nachdrücklich in den Hals, während das Kind sich windet und abwehrt. „Wow, du hast ja Power. Das hast du bestimmt von der Mama.“ Als er gesehen hat, was er sehen wollte, nimmt er den Spatel weg. Das Kind würgt und spuckt, geht dann schnell auf Mamas Arm.

Ein Kind (Nahaufnahme) zieht erst die Unterlippe nach vorn, ist noch skeptisch, dann schreit und weint es, während es abgehorcht wird. Lion: „Hat man schon gesehen, dass die Stimmung gleich kippt, hat man schon am ‚Schippchen‘ gesehen.“ – „Das war total typisch, das gehört zur Regulationsstörung.“

Es scheint, als wolle man das Prozedere schnell rumbringen, aber das Kind „muss da durch“.

Detailaufnahme: Ein Kind im Bett wird von zwei Pflegerinnen mit blauen Klinik-Handschuhen „bearbeitet“. Musik: Geigen.

Auf mein Wort: Medizinische Untersuchungen oder Eingriffe sind für Kinder fast immer unangenehm. Die Art und Weise, wie der Arzt hier über die Grenzen des Kindes tritt und nicht auf das Kind, sondern ausschließlich auf die Methodisierung dieses Prozederes pocht, besorgt mich sehr. Das Bonus-Material der DVD verdeutlicht: diese Stress erzeugende Prozedur am Kind wird bewusst täglich durchgeführt, auch wenn diese nicht medizinisch notwendig ist. Das Kind gewöhne sich dadurch an den Stress und verliere die Angst vor der Untersuchungssituation.((Mehr dazu: https://www.kinder-verstehen.de/aktuelles/elternschule-ein-rueckblick/)) Perfide, in meinen Augen. Kinder und Eltern sollten diese Art der Übergriffigkeit nicht (er)dulden (müssen). Der Hinweis auf die „Regulationsstörung“ ist irreführend (Herstellung einer Kausalität). Und was bitte soll dieser Kommentar zur Mutter? 

„Ess-Training“

Rahmen und Regeln sollen geschaffen werden: Die Essenszeit ist auf 20 Minuten begrenzt. Die Kinder sollen während dieser Zeit sitzen bleiben. Kinder, die vorher aufstehen wollen, sollen zurück auf den Stuhl gesetzt werden.

Die Kinder werden zum Essen nicht gelobt. Das Essen soll selbstverständlich sein. Das Trinken soll vom Essen abgekoppelt werden, weil sich die Kinder sonst im Trinken verlieren und deshalb nicht essen. Die Eltern sollen den Becher bis zum Ende der Mahlzeit zurückhalten.

Wenn Kinder ins „Ess-Training“ kommen, dürfen die Eltern zwischen den Mahlzeiten nichts zu Essen oder sättigende Getränke geben. Über das Essen wird mit dem Kind nicht gesprochen, auch wenn es dies möchte. Die Eltern sollen sich innerlich lösen und werden deshalb nicht über den Verlauf des „Ess-Trainings“ informiert. Erst am Ende werden die Protokolle gemeinsam ausgewertet.

Auf mein Wort: Zu dieser Einheit möchte ich meine Bedenken äußern, wie ein exakt vorgeschriebenes Essverhalten zu einem gesunden Essverhalten führen soll – zukunftsweisend. Mir kommt es vor, als würde mit den Grundbedürfnissen gespielt, um dem Kind die Rangordnung deutlich zu machen.

„Bewegungstraining“

Ein Kind, das Essen verweigert, bekommt also außer zu den eigentlichen Mahlzeiten keine Nahrung. Ihm soll beigebracht werden, dass es für körperliche Anstrengung fit sein muss. Außerdem: Bewegung macht hungrig. Die Kinder werden angehalten, um den See herum zu laufen oder zu gehen. Wenn die Kinder dies nicht wollen, werden sie von Erwachsenen körperlich dazu genötigt (an den Armen gezogen und weiter geführt) oder ignoriert, bis sie „freiwillig“ weiterlaufen. Der Schonung des Kindes müsse entgegengewirkt werden, auch durch die Eltern. Stattdessen wird extra angetrieben.

Auf mein Wort: Die körperliche Übergriffigkeit durch Erwachsene finde ich bei diesen Szenen sehr unangenehm. Die körperlichen Grenzen des Kindes, selbst aus therapeutischen Gründen, nicht zu wahren, halte ich für unangemessen. Ein Kleinkind wird an hochgezogenen Armen um den See geführt, durch seinen Widerstand hängt es mit dem vollen Gewicht darin. Allein physisch, denke ich, nicht unbedenklich. Hier wird aktiv gegen den Willen des Kindes gehandelt und somit wird das Kind psychisch belastet. Eine zukunftsweisende Wahrung der eigenen (körperlichen) Grenzen halte ich für gefährdet.

Absurde Wünsche & chronischer Stress

Sie hätten einen [sic!] gehabt, sagt Langer, der drei Jahre lang nur die Endstücke von Bratwürsten gegessen habe. Nachdem er Essen grundlegend verweigert habe, seien die Eltern froh gewesen, dass er überhaupt etwas gegessen habe. Dann verlangte er immer mehr danach. Eltern und Kinder würden in diesem Teufelskreis unter chronischem Stress leiden: Die Bemühungen zur Wunscherfüllung (das Kind zum Essen zu bewegen) steigern sich, eine Forderung führe zur Anpassungsreaktion, es entstehe Spannung, die ein „Nein“ nach sich zieht. Es entstehe ein Blockieren oder eine Gegenforderung. Diese wiederum führe erneut zu Spannung. Langer beschreibt es als „mathematische Formel“ mit zwei Elementen (Spannung und Forderung). Er schlägt vor, die mathematische Formel zu kürzen („Das Kind wird seins nicht kürzen“), also: Spannung raus durch Abwarten und Beharren statt weiter zu reagieren und zu jonglieren. 

Langers Lösungsvorschlag: „konsequent liebevoll erziehen“. Es brauche Zeit, in der das Kind Erfahrung sammeln könne. Man gebe zwei Enden/Möglichkeiten vor: eine „schöne“/„richtige“ (essen, was auf den Tisch kommt) und eine nicht so schöne (nichts essen). Es sei dann die „Wahl“ des Kindes, wofür es sich entscheidet.

Anhand eines Lehrvideos erklärt Langer das Prinzip des strategischen Forderers: Ein ca. ein- bis zweijähriges Kind mag weder die Möhren noch den Blumenkohl auf seinem Teller. Es wird zu einer Entscheidung zwischen den beiden bewogen (gedrängt). Spricht es sich für das ein oder andere aus, mag es dies dann doch nicht essen. Es wird „angeboten“, das Essen stehen zu lassen. Das Kind drückt verzweifelt aus, dass es aber doch hungrig sei. Letztlich erbricht es das bereits Gegessene in einem schleimigen Schwall. Die Mutter sagt „Wenn du es jetzt wieder ausspuckst …“. Langer interpretiert es als „auf Kommando“. 

Auf mein Wort: Ich sehe schlicht eine Vorahnung der Mutter anhand der Mimik des Kindes. Wünsche sind nicht Bedürfnisse, diese sind im Film jedoch irrelevant. Die Pseudo-Wahl sehe ich als Zwickmühle und somit als ethisch unfaires Mittel, um das Kind zu einem bestimmten Verhalten zu manipulieren.

Still sitzen

In einem mit Turnmatten ausgelegten Raum sitzen Kinder eine festgelegte Zeit lang still und stumm. Sie werden von den beiden anwesenden Pflegerinnen wortlos und mit ruhigen Interventionen angehalten, keine „Übersprungshandlungen“ auszuführen. Die Kinder wissen offensichtlich nicht, welchen Zweck diese Übung hat („Wieso saßen wir die ganze Zeit nur?“). Diese Szene kontrastiert die sonst mit Kindern verknüpften lauten Szenen.

Auch beim Essen ist es vorgesehen, dass die Kinder die festgelegten 20 Minuten ruhig am Tisch sitzen. Als Zarah z.B. am Ende normal am Tisch isst, spricht die Mutter nicht mit ihr. Die Kinder sollen nicht vom Essen abgelenkt werden.

Anna sitzt an ihren Haarspitzen knibbelnd mit im Personalraum und wird von den anwesenden schweigenden Pflegerinnen nicht beachtet.

Auf mein Wort: Einem Jungen im „stillen Raum“ ist die Kamera mit Close Up auf ihn sichtlich unangenehm. Aus Unsicherheit beginnt er auf die Fensterbank zu klopfen. Im Gesamtkontext wirken die stillen Szenen quälend, so wie im Kontrast die Schrei-Szenen ebenso quälend sind. Man bemerkt, wie verkrampft und bemüht die Kinder sind, und das empfinde ich als unfaire Darstellung. Sie werden nicht wirklich mental entspannt, sondern zum Stillhalten angehalten.

Führung, Autorität & Grenzen

Herr Langer meint, Kinder sollten Grenzen und Führung akzeptieren. „Autorität schützt ja auch“. Mohammed solle das in praktischen Übungen erleben. „Ein Kind in dem Alter muss Führung erleben, was das körperlich heißt.“

Eltern müssten lernen, wieder die Führung zu übernehmen. Man solle die Kinder nicht fragen, sondern sagen, wo es lang gehe.

Grenzen müssten dem Kind rechtzeitig und konsequent gesetzt werden, damit es nicht zu regulationsgestörtem Verhalten komme.

Auf mein Wort: Eine Gleichsetzung der Begriffe ‚Führung‘ und ‚Autorität‘ halte ich für gefährlich. Die eigenen Grenzen aufzuzeigen müsste beinhalten, die Grenzen des Kindes gleichzeitig zu wahren. Dies geschieht im Film an sehr vielen Stellen leider nicht.

„Trennungstraining“/„Mäuseburg“

Die „Mäuseburg“ ist ein wie ein Kindergartenraum eingerichtetes Therapie-Zimmer. An der Tür hängt ein illustriertes Schild: Teufelchen werden mit einer Rute (!) in die Burg hinein getrieben, Engelchen kommen aus dem Haus, in dem eine Maschine aus Rohren und Trichtern arbeitet und dampft, wieder heraus. Es geht hier um das Trennungstraining.

Die Eltern geben die Kinder nach einer kurzen Verabschiedung („dicker Kuss“) in der „Mäuseburg“ ab und gehen frühstücken. Dann fangen die Kinder erwartungsgemäß an aufzudrehen, zu schreien („Dann geben die Kinder Gas, probieren ALLES aus, was sie in ihrem Repertoire haben“). Die Idee dahinter: „Jetzt darf die Maus üben.“

Den Kindern werden eigene Strategien zur Beruhigung (z.B. Schnuller) verweigert. Die Betreuungsperson sitzt bewusst das Geschehen ignorierend am Boden und beschäftigt sich selbst. Eine Strategie, die Langer an späterer Stelle erläutert: Das Kind muss zur erwachsenen Person kommen, nicht anders herum. Diese Person agiert für sich, nicht um das Kind abzulenken. Die Neugierde auf die Aktion muss vom Kind aus kommen, nachdem der Stress abgeklungen ist.

Auf mein Wort: Kinder werden hier kontrolliert schreien gelassen. Ein elterlicher Trost erfolgt nicht. Ich sehe schiere Verzweiflung, und mit diesen Emotionen werden die Kinder mental allein gelassen. Trennungsangst kann meines Erachtens und nach Herrn Langers Ausführungen einer Todesangst gleich kommen. Das therapeutische Vorgehen halte ich für höchst bedenklich.

Trennung

Die „Trennungsfähigkeit“ eines Kindes werde über die „Nähe-Distanz-Regelung“ definiert. „Die versuchen alles“((D. Langer im Film)). Eine Veränderung werde als bedrohlich betrachtet, wenn sie plötzlich und unvorbereitet komme, das Kind keine Handlungsmöglichkeit sehe. Als erste dramatische Trennung wird die Geburt genannt, die ein Kind in der Regel aber nicht überfordere. Das Kind passe sich im Laufe seiner Entwicklung natürlicherweise an, indem es aktiv Trennung herstelle (durch Schlafen, Krabbeln oder Laufen). Essen, Schlafen und Laufen müssten Kinder erlernen, erklärt Herr Langer. Die „gefährliche“ Trennung stehe der notwendigen (vorbereiteten, erwarteten, ungefährlichen) Trennung gegenüber.

Die in der „Mäuseburg“ stattfindende Trennung erfolge nicht plötzlich, die Eltern sollten nicht unsicher, sondern zielstrebig sein, nicht hadern, sondern ihre Kinder sicher hinein begleiten. Es wird betont, dass zu 95% die Körpersprache dafür verantwortlich sei, was beim Kind ankomme. Man weist auf ein Bild an der Wand hin – laienhaft handgemalt mit Pinsel in bunten Buchstaben – „Nicht quatschen, machen“.

Es heißt: „Wenn es mir gut geht, geht es meinem Kind gut“

Das Trennungstraining dauere 30 Minuten bis zu vier Stunden. Unter 30 Minuten sei ein Abbruch des Trainings nicht sinnvoll, da ab dann ein Höhepunkt erreicht werde, nach welchem das Kind langsam zur Entspannung käme. Herr Langer erstellt ein Tafelbild mit Stresslevel-Kurven („Stress-Steuerung“) zur Erläuterung. „Trennung ist gefährlich“, so empfinde das Kind mit schlecht ausgebildeter Nähe-Distanz-Regelung. Langer schraffiert einen Bereich links des Peak der hoch ausschlagenden Stresskurve. Man gebe dem Kind die Chance, in den entspannten Bereich zu kommen. Interveniere man im schraffierten Bereich, also vor dem Höhepunkt, würde das Kind immer lernen, dass diese Trennung/Stress gefährlich sei. Er zeichnet dann eine flachere Kurve als Soll-Zustand. „30 Minuten ist ein gutes Maß um runterzufahren“. Langer markiert den Peak der höchsten Kurve: „sonst sind wir irgendwann hier“. Es brauche Zeit, um in den flachen Bereich zu kommen (er rahmt den flachen Bereich rechts außen ein: „Hier macht es Spaß“).

Wie schwer den Kindern die Trennung fällt, wie hoch der Stresslevel ist, wird im Film durch schonungsloses Schreien der Kinder auf Tonebene minutenlang simuliert. Wir als Zuschauer:innen fühlen körperlich den Stress aufsteigen. Mit Einblenden der sphärischen Musik erst erfahren wir Erlösung. Wir werden also mit durch die Stresskurve geleitet.

Auf mein Wort: Ich verstehe, dass ausgebrannte Eltern den Abstand brauchen und sich klar von ihrem Kind trennen. Eine dem Kind vertraute und liebevoll kümmernde Bezugsperson würde ich jedoch allemal voraussetzen. Trennung braucht Vertrauen. Ob zunächst eine angemessene Eingewöhnung stattfindet, ist bei der kurzen Behandlungsdauer fraglich. Ethisch finde ich eine solch rigorose Trennung nicht vertretbar, auch nicht im therapeutischen Rahmen. Die Evidenz der im Film vorgestellten Grundannahmen halte ich für vage. Ich sehe gestresste Kinder, die nach 30 Minuten bis vier Stunden aufhören zu schreien, aus welchen Gründen auch immer. Ehrlich – who wouldn’t? Ob es außer den äußeren Anzeichen (Verstummen) weitere Indikatoren für echte Entspannung (oder das Gegenteil) gibt (z.B. chronisch erhöhter/gesunkener Cortisolspiegel), wissen vielleicht weitere Spezialisten dieses Gebiets. Dass das Training zur Folge hat, dass die Kinder sich im Laufe bzw. in Folge der Therapie leichter trennen können, wird suggeriert, anhand der Situation „Mäuseburg“ im Film jedoch nicht explizit gezeigt.

„Trotz“

Die „Trotzphase“ beginne mit etwa zwei Jahren, wenn das Kind deutlich und häufig ‚Nein‘ sage. „Trotzanfälle“ würden hauptsächlich in ungünstigen Momenten auftreten, bei Zeitdruck, in der Öffentlichkeit etc. Es sei ein „strategisches Muster“: Die Kinder würden die Eltern „weichkochen“ wollen. Es existiere keine akute Not, sondern die Kinder hätten chronischen Stress, der sich in vorhersehbarem Verhalten äußere. Das Kind gehe „nicht ohne Waffen in den Kampf“, denn es habe einen „Werkzeugkasten“ aus dem Reflexsystem: Weinen, Schreien, Kratzen, Beißen, Hinschmeißen etc. Angeborene Verhaltensweisen, das „Schutzrepertoire aus dem Nahkampf“ würde es anders (strategisch) einsetzen und ausprobieren.

Auf mein Wort: Das Entdecken der Autonomie eines Kindes ist anstrengend für alle. Ohne Zweifel. Das Prinzip der „Strategie“ stelle ich in Frage, da ein kleines Kind in der Regel kognitiv noch nicht in der Lage ist, sich in andere Menschen hinein zu versetzen (siehe oben). Die „Kampf“-Metapher halte ich für unangemessen.

Empathie & Kontrollverlust

Die Einhaltung von Regeln ist im Rahmen der Therapie sehr wichtig. Alle Beteiligten müssen sich daran halten, um den Erfolg der Therapie nicht zu gefährden. Unsicherheit ist nicht gewünscht, sondern ein sicheres, bestimmtes Auftreten. Der Ausdruck „negativer“ (Wut, Impulsivität) wie (als zum Teil übermäßig eingestufter) „positiver“ Emotionen (Mitleid, Fürsorge, Liebe) werden im Rahmen des Films als tendenziell unerwünscht und den Therapieverlauf störend dargestellt.

Die („über-“)empathische Zuwendung dem Kind gegenüber wird im Rahmen der Therapie und als Empfehlung für Zuhause als Gefährdung des Systems und Ursache zur Verschlimmerung des nicht konformen kindlichen Verhaltens dargelegt. Die Eltern werden angehalten, die Kinder nicht zu schonen, sie zu Leistungen anzuspornen, ihnen Wünsche zu verweigern und dabei standhaft zu bleiben, unerwünschtes Verhalten demonstrativ zu ignorieren, erwünschtes Verhalten durch „gute“ und „schlechte“ Wahlmöglichkeiten herbeizuführen, sie nicht zu „verhätscheln“, sie „Führung körperlich spüren“ zu lassen, Autorität zu leben, Distanz zu wahren, nicht zu viel Nähe herzustellen, sich emotional zu lösen, sich durchzusetzen, den „Kampf“ zu gewinnen, die Kontrolle zu behalten.

Auf mein Wort: Mir ist nicht klar, wie nach diesem Verfahren das Kind lernt, sich empathisch zu verhalten, seine eigenen Gefühle kennenzulernen und geeignete Konfliktlösungsstrategien zu entwickeln. Es wird, so sehe ich es, mit all seinen Gefühlen ziemlich allein gelassen.

„Schlaf-Training“

Schlafen könne man eigentlich nicht trainieren, heißt es, aber die Rahmenbedingungen dafür schaffen (feste Zeiten, feste Rituale/Regeln). Gitterbetten, um das Aussteigen zu verhindern, werden in verdunkelten Zimmern eingesetzt. Die Kinder seien in guten Händen, das Pflegepersonal kümmere sich während der Nacht. Die Kinder werden über Nachtsicht-Kameras videoüberwacht. Eltern ist das Betreten der Schlafzimmer nicht gestattet. Zur „Warnung“ werden Becher mit Bestecken auf die Türklinken gestellt, damit das diensthabende Personal unerlaubte Besuche mitbekommt. Weint ein Kind, geht jemand vom Pflegepersonal mit einer Taschenlampe ins Zimmer. Ob und wie das Kind getröstet wird, bleibt unklar. 

Bei Kindern, die sich zu Hause durch Spielzeug vom Schlafen ablenken lassen, wird die Schlafumgebung im Spielzimmer simuliert. Das Bett wird meines Erachtens in die „Mäuseburg“ geschoben, in der am Tag das Trennungstraining stattfindet.

Das „Schlaf-Training“ wird als erweitertes „Trennungstraining“ aufgefasst.

Auf mein Wort: Das klassische und ähnlich beschaffene Schlaftraining nach Ferber wurde meines Wissens als Notlösung entwickelt, und die gezeigten Familien befinden sich in Notsituationen (bei manchen empfinde ich es im Film eindeutiger dargestellt, bei anderen kann ich das Ausmaß der Notlage schwieriger einschätzen). Es mag allemal besser sein als dass überforderte Eltern ihren Kindern etwas antun. Dennoch: Diese Ausnahmesituationen werden im Film nicht deutlich gekennzeichnet, sondern die Methodik kehrt – wie schon mit Büchern wie „Jedes Kind kann schlafen lernen“ – jedem zugänglich in den regulären Familienalltag ein. Auf mögliche Risiken(( https://www.kinder-verstehen.de/?submit=Suchen&s=Schlaftraining)) wird nicht hingewiesen. Zumal das Gelsenkirchener Schlaftraining die Komponente des elterlichen Trosts zusätzlich eliminiert.

„Demonstrative Hilflosigkeit“ & emotionale Distanzierung

Das Kind nutze die Strategie der „demonstrativen Hilflosigkeit“, um „Aufmerksamkeit zu erheischen“. „Je mehr ich mich kümmere, desto mehr macht er Theater“. Machtkämpfe seien aus Sicht des Kindes besser. Man könne ihnen mit Auszeiten begegnen. „Demonstrative Hilflosigkeit“ sei noch besser, denn „keiner verletzt sich“.

Das Kind dürfe „alles“. Ob es etwas tue, sei seine Entscheidung, z.B. etwas „Richtiges“ zu essen oder nichts zu essen.

Ein Kind, das sich unerwünscht verhält, z.B. soziale Interaktion mit einer ihr fremden Person ablehnt und nicht spricht, wird ignoriert. Die Betreuungsperson beschäftigt sich mit einer oder verschiedenen Tätigkeiten. Sie befindet sich mit dem Kind für bestimmte Zeit (Stunden? – während mehrerer Tage) in einem Raum. Das Kind muss Kontakt mit der Person aufnehmen, nicht umgekehrt, egal, wie lange es dauert. Die Person beschäftigt sich nicht, um das Kind abzulenken, sondern muss dies „ganz für sich“ tun. Letztlich fordert die Beschäftigung heraus, dass das Kind auf die Betreuungsperson zukommt. Das Kind werde versuchen, durch „demonstrative Hilflosigkeit“ auf sich aufmerksam zu machen. Traurig-theatralische Blicke, apathische Unbeweglichkeit, Reglosigkeit, scheinbare Verwirrung würden zu diesem Repertoire gehören. Nach neugierigen Blicken käme das Kind dann schlagartig auf die therapierende Person zu. Es folge die Reproduktion der Handlung durch das Kind (imitiert das Beobachtete). Soziale Interaktion finde plötzlich statt und man beobachte, dass sich das Kind alle Details gemerkt habe. Eltern seien aufgrund des erhöhten Stresslevels selbst nicht zu solchem ignorierenden Verhalten in der Lage. Sie seien zu emotional.

Auf mein Wort: Kurz zum Kommentar der Auszeiten: sie sind (leider) noch immer gebräuchlich, aber aus unterschiedlichen Gründen((https://www.gewuenschtestes-wunschkind.de/2013/06/auszeiten-warum-die-erziehungsmethode.html)) weder zeitgemäß noch angemessen. Während ich die „demonstrative Hilflosigkeit“ des Kindes für eine Übertreibung, Simplifizierung und Unterstellung halte, für eine Verkleidung eines eigentlichen, differenzierten Kerns (z.B. Kommunikationsversuche, Suche nach Authentizität, Bitte um Wahrnehmung der Bedürfnisse, Wunsch des Gesehenwerdens etc.), kann ich das demonstrative Ignorieren des Kindes durch die Erwachsenen nicht gutheißen, da dies für mein Verständnis einem emotionalen Entzug gleichkommt.

Opfer – Verfolger – Retter

Das Kind „kann mich kurzfristig aktivieren, auch wenn es langfristig eins auf den Deckel bekommt.“ Der Teufelskreis des Opfer-Verfolger-Retter-Prinzips verstärke sich von selbst, je mehr man versuche, das „Opfer“ und damit sich selbst zu erlösen. Er wiederhole sich in wechselnden Rollen. Um den Kreis zu durchbrechen, dürfe man nicht weiter auf die Signale des Kindes eingehen, müsse also die „Verfolgungsjagd“ zur Erfüllung der Wünsche weglassen, um langfristigen Erfolg zu erzielen.

Auf mein Wort: Es liegt in der Verantwortung der erwachsenen Person, sich aus der Opferrolle (auch im Allgemeinen) hinaus zu begeben. Die eigenen Grenzen zu kennen, sie sich einzugestehen und die eigene Integrität zu wahren, ist hier ihre Aufgabe. Dies würde bedeuten, echte Verantwortung zu übernehmen. Dem Kind pauschal seine Wünsche zu verweigern und darüber hinaus keine Ursachenforschung zu betreiben oder angemessene Lösungsstrategien zu erarbeiten, halte ich für einfach und wahrscheinlich wirksam, aber destruktiv und zu wenig differenziert.

Auf mein Wort: Wahrheit

Die auf die beschriebenen Theorien begründete Methodik ergibt ein in sich geschlossenes und zunächst durchaus glaubwürdiges System. Zwischen „wissenschaftlich anerkannt“ und „umstritten, wissenschaftlich nicht anerkannt“((https://de.wikipedia.org/wiki/Gelsenkirchener_Behandlungsverfahren)) liegt anscheinend ein schmaler Grat. Was nun, wenn man die abgebildete Wahrheit in Frage stellt, sie vielleicht sogar widerlegt und um essenzielle Zusätze ergänzt? Was bleibt dann noch übrig?

Manche Argumentations-Fragmente erkennen nach meinem Wissen auch Vertreter der Bindungstheorie wieder. Zumindest suggerieren beispielsweise Buchtitel wie „Nein aus Liebe“, „Grenzen. Nähe. Respekt“ oder „Leitwölfe sein“ oder einzelne Zitate von Jesper Juul, die aus dem Kontext gezogen wurden, ähnliche Ansätze. Tatsächlich wurde der Film sogar mit Juuls Namen beworben((https://www.filmdienst.de/film/details/562010/elternschule#kritik)) („wer ihn mag, mag auch …“), was – auch seitens Juuls eigener Organisation – zu heftigem Protest führte. Dass hier konträre Rückschlüsse in der Methodik stattfinden und gemeingültige Argumentationen auf eine bestimmte Art und Weise ausgelegt werden, die dem von Stemmann und Langer begründeten System am zuträglichsten ist, fällt wohl unter „Interpretationsfreiheit“. Was ich sehe, ist, dass der Film der modernen Bindungstheorie nicht im Geringsten gerecht wird, sie größtenteils nicht (explizit) erwähnt und im Gegenteil ihre Ansätze als schädlich auslegt. Inwieweit die „Wahrheit“ des Films bzw. des klinischen Programms einer realen Wahrheit entspricht, müssen die entsprechenden Fachleute und Gremien abschließend einschätzen. Wer den Film sieht, sollte für sich selbst prüfen, in welchem Maße das Gezeigte mit den eigenen Wertvorstellungen kohärent ist und ggf. inwieweit die eigenen Wertvorstellungen dem familiären Alltag überhaupt (noch) zuträglich sind.

Die vorgestellte Theorie und Methodik knüpft an ein Verständnis von Erziehung, Wissenschaft („Wissenschaft“?) und ein Menschenbild an, das aus vergangenen (und u.a. äußerst dunklen) Zeiten stammt und das wir längst hätten hinter uns lassen sollen.

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