Ich sehe was, was du nicht siehst | Teil 1 – #Elternschule

Intro

Contents

Eine (sehr) kritische Analyse des Films Elternschule

Vorwort

Polfilter

Wer hat die Filmrollen vertauscht?[1]https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/elternschule-wer-hat-die-filmrollen-vertauscht/ fragt der Kinderarzt und Wissenschaftler Dr. Herbert Renz-Polster. Niemand, natürlich, aber die kontroverse Debatte um den Film Elternschule zeigt deutlich, dass der Film diametral entgegengesetzt wahrgenommen wird. Die einen sehen einen kulturell wertvollen Beitrag über Gesellschaft, Elternschaft und Therapie, die anderen zeigen sich entsetzt über das Bild des Kindes im Allgemeinen, das dieser Film zeichnet. Ich gehöre zu „den anderen“ und möchte mit dieser Analyse Einblicke geben, was die Filmemacher dem Publikum – bewusst oder unbewusst – eigentlich erzählen, was ich sehe, wie ich den Film lese und warum ich bestimmte Dinge vielleicht anders wahrnehme als andere.

Es ist ein bisschen wie mit diesen Polfiter-Brillen: passen gesendete Information und Polarisierung nicht zusammen, bleibt der Filmgenuss aus. Während die einen den anderen vorwerfen mögen, die Brille falsch herum aufgesetzt zu haben, sage ich (Spoiler!), dass der Film vergisst, den zweiten Kanal zu bespielen. Das kann man drehen und wenden wie man will – es bleibt zweieindimensional.

Eyes wide shut open

Ich sehe den Film mit meinen Augen. Mit wessen auch sonst? Als Kommunikationsdesignerin (Dipl.-Des.) bin ich daran interessiert, das Zusammenspiel von Technik, Inhalt und rezeptivem Kontext zu untersuchen und auf rationaler wie emotionaler Ebene in Wirkung und Wahrnehmung zu reflektieren. Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wissenschaftliche Korrektheit oder journalistische Neutralität, dafür sind andere Expert:innen zuständig. Im Zuge der inhaltlichen Analyse beschäftige ich mich jedoch selbstverständlich mit den vermittelten Theorien und Hintergründen, um zu erkennbaren Motiven, Relevanz oder Wirksamkeit interpretative Aussagen treffen zu können. Im Endeffekt ist dies ein Blogartikel mit einer ausführlichen und möglichst logisch belegten Herleitung meiner – als Rezipientin – persönlichen und fachlichen Wahrnehmung [2]Ich verkaufe nichts, bekomme kein Geld für meine Meinung oder Verlinkungen, brauche keine Reichweite und möchte keine Werbung für irgendwas machen. Die externen Links sind meine kontextbezogenen … Continue reading. Kurz gesagt: ich protokolliere hier, was mir während der Rezeption des Films und dadurch ausgelöst durch den Kopf geht. Diese „Materialsammlung“ ist umfangreich geraten. Nehmt euch heraus, was ihr für wichtig erachtet.

Den Film habe ich im Oktober 2018 zweimal als Kinovorführung angeschaut und so viele Details wie möglich protokolliert. Dennoch ist es möglich, dass sich kleinere Fehler in der Wiedergabe des Inhaltes oder der Handlung einschleichen. Dafür bitte ich ggf. um Vergebung und einen kurzen Hinweis.

Übersicht & Lese-Hinweise

Dieses Pamphlet umfasst fünf Kapitel (I – V) in drei mehrseitigen Beiträgen (Teil 1 – Teil 3).

Teil 1:

  • Das I. Kapitel gibt eine möglichst wertneutrale Übersicht über die Elemente, die ich Form & Struktur des Films zuordne.
  • Im II. Kapitel lege ich die durch den Film vermittelten Inhalte dar, also die Fallbeispiele und Theorien des Programms, welche gemeinsam die inhaltliche Struktur des Films ausmachen. Hierzu gebe ich erste Hinweise, wie sich Diskrepanzen zwischen Darstellung und meiner Wahrnehmung ergeben.

Teil 2:

  • Im III. Kapitel beschreibe ich interpretativ und assoziativ, was genau ich innerhalb des Filmes und zwischen den Bildzeilen sehe. Form, Inhalt, Recherchen und meine Haltung bilden die Grundlage für meinen Rant meine Meinung in 62 Akten – zugegeben, nicht ganz frei von Polemik. 
    Die einzelnen Abschnitte können prinzipiell separat betrachtet und müssen nicht chronologisch gelesen werden. Den Text habe ich aus- und einklappbar gestaltet (↧/↥). Dadurch entstehende Wiederholungen bestimmter Motive bitte ich zu entschuldigen.

Teil 3:

  • Wer abkürzen möchte, findet im Fazit in Kapitel IV eine Zusammenfassung sowie meine persönliche Quintessenz.
  • Eine Linksammlung zu allen meine Theorie stützenden Beiträgen befinden sich in Kapitel V.

Anmerkungen zum Text gibt es in den Fußnoten[3]Beispiel Fußnote. Diese werden beim Drüberfahren (hover) eingeblendet sowie am Ende der Seite angezeigt (Sprungmarken, klick). Mit dem Pfeil nach oben ↑ gelangt man zurück zur entsprechenden Textstelle.

Die Navigation ist für die nicht-mobile Darstellung optimiert. In der Desktop-Version (Laptop, PC etc.) gibt es ein mitscrollendes Inhaltsverzeichnis zur einfacheren Navigation zwischen den Kapiteln. Hält man das Mobilgerät quer, sollte die Seitenleiste auch dort zu finden sein, allerdings (aktuell noch) statisch.

Warnung

Da ich mich sehr detailliert am Film orientiere für diesen Text, spreche ich folgende Warnungen aus:

Spoiler-Warnung

Um filmische und inhaltliche Rückschlüsse plausibel zu erläutern, muss ich Szenen, Inhalte und Zusammenhänge ausführlich wiedergeben. Diese kommentiere ich kritisch aus meiner Sicht. Wer sich vorab ein unabhängiges Bild machen möchte, sollte diesen Text ggf. nicht zuerst lesen.

Trigger-Warnung

Aufgrund der detaillierten Beschreibung von Handlung und Inhalt sowie interpretativen Rückschlüssen besteht Trigger-Gefahr.
CN: Psychische und physische Grenzüberschreitung/strukturelle Gewalt/Zwang gegenüber Kindern; Machtmissbrauch ggü. Kindern; leidende Kinder

Eckdaten

Elternschule
Dokumentarfilm von Jörg Adolph & Ralf Bücheler

„Wie gehen wir richtig mit unseren Kindern um – und mit uns selbst? Wie „ticken“ Kinder? Was brauchen sie von uns Erwachsenen – und was nicht?
Für Antworten auf diese und viele weitere Fragen begleiten wir Kinder und ihre erschöpften Eltern durch ihre Zeit in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen, Abteilung „Pädiatrische Psychosomatik“.
Hier lernen die Eltern ihre Kinder neu kennen – und finden oft erst hier heraus, wie das geht: Gute Erziehung.“

Synopse auf der Klinik-Website[4]https://www.kjkge.de/Inhalt/Aktuelles_Presse/_Presse_Meldungen/_Dokumentarfilm_Elternschule.php

Regie: Jörg Adolph, Ralf Bücheler
Kamera: Daniel Schönauer
2. Kamera: Jörg Adolph, Dietmar Langer
Schnitt: Anja Pohl
Musik: Spiritfest
Produktion: if… Productions
Produzent: Ingo Fliess
Verleih: Zorro Film
Produktionsland/-jahr: Deutschland 2018
Sprache: deutsche Originalfassung
FSK: 12
Länge: 120 min.

Elternschule war nominiert für den deutschen Filmpreis 2019 (Bester Dokumentarfilm) sowie für den Preis der deutschen Filmkritik.

Produktionsbedingungen

Eltern, die zu den Drehzeiträumen einen Aufenthalt in der Klinik geplant hatten, seien vorab über die Dreharbeiten informiert worden und es sei ihnen freigestellt gewesen, einen anderen Termin zu buchen.

„Das war die anspruchsvollste Dokumentarfilmarbeit, die ich bisher verantwortet habe, weil wir so sensibel sein mussten. Wir haben mit allen ausführlich gesprochen, Therapeuten, Medizinern, Klinikpersonal und vor allem mit den Eltern. Wir haben Drehzeiträume definiert, drei mal drei Wochen, in denen wir stationäre Therapieabläufe begleiten konnten. Und haben auch die Nachbehandlung, die sich ja über Wochen und Monate erstreckt, gedreht. Alle Eltern wurden vorher gefragt, ob sie etwas dagegen hätten, wenn wir drehen, und sie haben ihr Einverständnis gegeben. Während des Drehs waren wir immer hellwach und vorsichtig, um die Persönlichkeitsrechte zu wahren und dem Einzelnen gerecht zu werden.“

Ingo Fliess, Produzent [5]https://www.fff-bayern.de/fileadmin/user_upload/Film_News_Bayern/PDF_web_Film_News_Bayern/FFF_FN_04-2018_web.pdf#page=24

Wenn Eltern böse in die Kamera schauten, wurde wohl der Dreh abgebrochen und das Material nicht verwendet. 

Screening 

Mit Notizbuch, Stift, Knicklicht und dem Bild einer 100 Jahre alten Eiche im Kopf (und Körper) – mich kann nichts umwerfen, ich habe schon alles gesehen [6]Danke, Kathrin! <3 – bin ich in unser hiesiges Programmkino gegangen und habe hoch konzentriert während des Films alles erfasst, was mir möglich war. Ich blieb emotional entkoppelt und konnte mich gut auf die Sachebene konzentrieren, auch wenn mich bestimmte Stellen sehr berührt haben und ich vielleicht auch ab und an mal fluchen musste. Mein Hauptfokus blieb jedoch die filmische Darstellung der erzählten Inhalte.

Zum zweiten Mal sah ich den Film eine Woche später, um bestimmte Lücken in meinen Notizen zu füllen und noch mehr Details sachlich aufzunehmen.

Der Kinosaal mit 91 Plätzen war bei meinem ersten Screening zu etwa 3/4 besetzt, beim zweiten noch etwas mehr. Das Publikum: auf den ersten Blick kulturell interessierte Menschen, eine Schwangere, mehrere Personen um die 60, die sich dort zur sozialen Unternehmung trafen und Sekt tranken, eine junge Frau mit ihrer männlichen Begleitung, die nach dem Film auch in Diskurs über die Inhalte gingen, wahrscheinlich einige Eltern und im Ganzen ein ganz normales Publikum für dieses Programmkino.

… und … bitte!

References

References
1 https://www.kinder-verstehen.de/mein-werk/blog/elternschule-wer-hat-die-filmrollen-vertauscht/
2 Ich verkaufe nichts, bekomme kein Geld für meine Meinung oder Verlinkungen, brauche keine Reichweite und möchte keine Werbung für irgendwas machen. Die externen Links sind meine kontextbezogenen Informationsquellen und beziehen sich auf Projekte oder Personen, die beispielhaft meine Haltung (und die vieler anderer), teilen und verkörpern. Die Empfehlungen zu alternativen Angeboten sind als Beleg für die Existenz anderer Angebote und als Hilfestellung für Rat suchende Eltern gedacht. Ich gehöre keiner Sekte an und bin weder „Anhänger von …“ noch eine Aktivistin. Ich besitze einfach eine grundlegende Haltung (Perspektive), die ich so gut es geht in mein Leben integriere. Dieser Text entstand aus meinem moralischen Pflichtgefühl heraus, als Herzensangelegenheit. Ich nehme dafür in Kauf, es mir mit einer Branche zu verscherzen, die mir eigentlich sehr am Herzen liegt und die ich keinesfalls schädigen möchte, weil sie sehr wertvoll ist.
3 Beispiel Fußnote
4 https://www.kjkge.de/Inhalt/Aktuelles_Presse/_Presse_Meldungen/_Dokumentarfilm_Elternschule.php
5 https://www.fff-bayern.de/fileadmin/user_upload/Film_News_Bayern/PDF_web_Film_News_Bayern/FFF_FN_04-2018_web.pdf#page=24
6 Danke, Kathrin! <3

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